In eigener Sache: museumsreif


Ausstellung Synagoge Augsburg Jüdisches Museum Nachkriegsgemeinde

Sich selbst als Teil einer Museumsausstellung wiederzufinden ist keine Standarderfahrung. Juden in Deutschland kann dies aber durchaus passieren, da „jüdisches Leben in Deutschland“ von manchen noch immer offenbar als so außergewöhnlich aufgefasst wird, um „museumsreifer“ Gegenstand einer Ausstellung zu werden, oder von vieren gar.

Am 2. Juni eröffnete das Jüdische Kulturmuseum im Foyer der Augsburger Synagoge, Halderstraße den von Marc Wrase realisierten vierten Teil der Ausstellung zur jüdischen Nachkriegsgemeinde in Augsburg: „Im Übergang. Jüdische Gegenwart 1990-2010“ mit einer etwas zerstreuten Münchnerin Charlotte Knobloch als Festrednerin.

Yehuda Shenef Jüdisches Kulturmuseum Augsburg SynagogeEndstation Vitrine ..?

Ist man anderswo auf diesem Planeten (wie fast alle Menschen) mehr oder minder fragmentarischer Bestandteil der Allgemeingesellschaft, so fokussiert (verengt) sich in Deutschland der Blick auf „Jüdisches“ (sobald dieses genannt oder bekannt wird) weiterhin durch Schablonen, die in den Biographien der Betrachter vorrätig sind und oft genug über Generationen vererbt sind. Wie bei anderen musealen Exponaten wissen viele Besucher mehr über die Ausstellungsstücke als diese selbst und die gemeine Muschel widerspricht den Expertisen ebenso wenig wie der rekonstruierte Saurier.

Charlotte Knobloch Synagoge Augsburg 2016Festrednerin Knobloch / Hausherr Alexander Mazo

Alexander Mazo Synagoge Augsburg

Sich dem von der Vitrine aus gegenüberzustellen ist eine ungewohnte und deshalb schon auch reizvolle Daseinsvariante, die sonst, wie etwa im Naturkundemuseum Neandertalern und ausgestopften Füchsen oder Eulen vorbehalten bleibt. Es ist also naheliegend, die Gelegenheit zu nutzen, auch (oder: weil) wenn man damit das Reich des Fossilen bereits betreten hat und als reale Erscheinung in gewissen Apsketen entbehrlich wird. Und das ist auch das Gute daran, kann man künftig bei dummen Fragen gleichfalls realer Zeitgenossen diese doch bequem auf Ausstellung und Katalog verweisen.

Im Laufe von nunmehr sechs Wochen seit der Eröffnung der Ausstellung wurde ich aber auch schon von mehreren (mir zuvor fremden) Personen angesprochen – außerhalb des Museums. Das ist etwas eigenartig, wie man sich denken kann. Aber schon vor Jahren sprach mich mal eine ältere Dame an, die an einer von mir geleitete Führung am Friedhof teilnahm und sich an mich erinnerte (anders als ich an sie), mit den Worten: „Sind Sie nicht der Jude vom Friedhof?“. Und zu Glück nahm sie mir meine Antwort: „Ja, genau, aber ich habe heute Ausgang“ nicht krumm, sondern fand sie recht humorig. Und so verhält es sich nun auch mit dem Musealen, was nur folgerichtig ist, wenn man bedenkt, dass vor einigen Jahrzehnten ein gewisser Herr Heydrich, in Prag, von wo meine Großmutter stammt, auch bereits eine Ausstellung über „jüdisches Leben“ plante.

Im Zentrum der Augsburger Ausstellung im Jahre 2016 steht freilich die aktuelle jüdische Gemeinde, die Großteils von Zuwanderern aus der ehemaligen Sowjetunion besteht. Aus ihren Biographien sind Militärorden ebenso entnommen, wie Kinderspielzeug, Modellschiffe oder russische Pelzmützen.

Russische Uniform Orden Jüdisches Museum Augsburg Augsburg

Im Zentrum der Augsburger Ausstellung im Jahre 2016 steht freilich die aktuelle jüdische Gemeinde, die Großteils von Zuwanderern aus der ehemaligen Sowjetunion besteht. Aus ihren Biographien sind Militärorden ebenso entnommen, wie Kinderspielzeug, Modellschiffe oder russische Pelzmützen.

 

Im Übergang. Jüdische Gegenwart 1990-2010

Teil 4 der Ausstellungsreihe des Jüdischen Kulturmuseum Augsburg-Schwaben

noch zu sehen bis 11. Dezember 2016

im Jüdischen Kulturmuseum Augsburg Schwaben im Foyer der Synagoge Halderstraße 6/8

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