Und noch ein paar “Fragen zum Judentum”


Immer wieder mal tauchen scheinbar noch unbeantwortete Fragen zu Juden, Judentum, Jüdischem auf und landen bei uns entweder über die Admin-Funktion, die anzeigt, mit welchen Google-Fragen jemand zu diesem Weblog fand, per email, per Postfach-Adresse oder in einer persönlichen Begegnung. Es ist nicht immer sofort klar, ob die Fragen tatsächlich ernst gemeint ist oder welchen wie auch immer gearteten Hintergrund sie haben, weshalb einige doch unbeantwortet bleiben. Das ist vielleicht auf Anhieb unfair oder kann so erscheinen, aber es hat auch damit zu tun, dass auf den genannten Wegen pro Woche sicher mindestens etwa zwanzig Anfragen aller Art, etwa zur Besichtigung von Friedhöfen in München, Aachen, Köln oder Wien, warum das Jüdische Museum auf den Brief vom August nicht geantwortet hat, ob es die alte Mikwe in Freiburg noch gibt, ob wir sagen können, ob jemandes Vorfahren Halbjuden waren und dergleichen mehr. Wie gesagt erscheint zumindest die eine oder andere Frage nicht ernst gemeint oder wäre bei etwas eigenem Nachdenken vielleicht unterbleiben – aber

never mind, ça ne fait rien, קיין פּראָבלעם

מען קענען רעדן צו יעדער אנדערער – man kann ja miteinander reden

Im alten Judentum war die Q & A (Frage und Antwort) – Kategorie als eigene Literaturgattung sehr beliebt und ab und an, haben wir hier ja auch schon mal die eine oder andere grundsätzliche Frage aufgegriffen.

Jewish Museum Berlin Holocaust memorial Sightseing Touristen im “Jüdischen Museum” in Berlin posierend auf sog. “Holocaust”-Masken

Hier also mal ein paar, für manchen noch unbeantwortete Fragen, die zuletzt an uns gerichtet wurden:

 

Waren die Fugger Juden?

Nein, in keiner Weise. Zwar hatten die Fugger (1368 als „fucker“ in die Stadt gekommen, das zugrundeliegende Wort „fucken“, von dem sich auch das bestimmte Wort ableitet, heißt „schlagen“, „knüppeln“, … ursprünglich im Sinne von Getreide dreschen) sich direkt neben der jüdischen Siedlung am Judenberg beim Moritzplatz (Weberhaus) niedergelassen, aber es waren nur diese direkt nachbarschaftliche Verwandtschaft. Als getreue Katholiken hatten die Fugger weder Sinn noch Sympathie für Juden, jedoch durchaus Geschäftsinn und bekannten Erfolg im Wuchern, Tuch-, Silber-, Sklaven- oder Ablasshandel.

 

Kann man (mit uns) die jüdischen Friedhöfe in München besuchen?

Potentiell wäre das schon möglich, aber wozu? Es gibt eine durchaus große und nicht unbekannte jüdische Gemeinde in München, mit großer neuer Synagoge, Gemeindezentrum, Museum, Buchladen, Rabbiner, Cafe, sonst noch was. Die Münchner IKG ist auch „Eigentümer“ der beiden noch existierenden jüdischen Friedhöfe und beschäftigt für ihre Betreuung fest angestellte Pfleger, die ohne Zweifel allerwenigstens über alle wesentlichen Standardfragen reichliche Auskunft geben können. Die Anschriften oder Kontaktadressen der Münchner Gemeinde sind auch im Internet nicht schwieriger zu finden als die des JHVA aus Augsburg.

Es müsste schon auch für uns interessante berechtigte Gründen geben, warum wir uns zu einem neuerlichen Besuch der Friedhöfe in München (oder anderswo außerhalb von Augsburg) begeben sollte. Immerhin bedarf es dafür ja auch der An- und Rückreise.

 

Ist „…“ ein jüdischer Name?

Jeder Name den ein Jude benutzt, ist ein jüdischer Name. Als „typisch jüdisch“ erachtet man allerdings solche, die eine hebräische oder aramäische Herkunft haben, wie z.B. Josef (inkl. Sepp, Jupp, etc.), Anna, Johann (inkl. Hans, John, etc.), Michael, Daniel, David, Elisabeth (inkl. Lisa, etc.), Susanne (inkl. Susi, Sanne, etc.), Jona(s) und viele mehr … die arabisch aber auch Yusuf (Josef), Daud (David), Ibrahim (Abraham) lauten können.

Häufiger gefragt wird aber nach Familiennamen, besonders nach deutschen komischerweise und gerne dann, wenn der Name scheinbar etwas mit Geld oder Gold zu tun hat: Mangold wäre ein solcher Fall. Ist Mangold ein jüdischer Familienname, so jüdisch wie Goldmann ..?

Familiennamen sind erst seit etwa zweihundert Jahren fester Bestandteil der gesetzlichen Namensgebung in Deutschland, wo es erst seit der Einführung des BGB verbindliche Namensschreibweisen gibt. Zuvor wurden sie oft nur nach Gehör notiert, was abhängig war von den jeweiligen Schreibern, die oft aber eben nur nach Gehör schreiben konnten und sich manchmal nicht mehr erinnerten, wie sie fünf Zeilen weiter oben denselben Namen anders notiert hatten. War damals aber nicht so „wichtig“ wie heute, wo alles ja maschinenlesbar sein muss, ob eindeutig identifizierbar zu sein.

Wie auch immer, kein deutscher Name ist „typisch jüdisch“, sondern eben deutsch. Mangold ist eine Gemüsepflanze, die in der Schweiz „Krautstiel“ heißt, und wie auch immer kein Gold enthält, dafür aber viel Vitamin K, was gut sein soll für den Knochenbau (was aber auch kein Konsortium mit Sitz in Qatar ist, wenigstens kein jüdisches).

Manche Familiennamen wurden von deutschen Juden häufiger benutzt oder war es vielleicht anders herum, dass bestimmte Leute schlicht mehr (männliche) Nachkommen hatten als andere?

Wie auch immer, unter den Familiennamen Augsburger Juden des 19. und 20. Jahrhunderts finden sich meist ganz gewöhnliche deutsche Familiennamen, die sich genauso bei Christen finden: Bach, Bachmann, Bauer, Bruckner, Dick, Eisenmann, Frank, Freund, Fischer, Fromm, Gerstle, Goetze, Gross, Gruber, Gunz, Heumann, Hirsch, Horn, Hummel, Klopfer, Koch, Kurz,  Lang, Löffel, Mayer, Schimmel, Schwab, Schwarz, Reis, Rosenfeld, Schäfer, Steiner, Stern, Strauss, Wassermann, Vogel, Weber, Weinmann, Weiss, Weitzenbeck, Wolf, …

Durch um 1900 bei deutschen Juden sehr verbreitete Vornamen wie Adolf, Anton, Berta, Hans, Sepp, Franz, Franziska, oder Wilhelm war „es“ sicher nicht einfacher zu bestimmen, was immer „es“ nun auch eigentlich sein mag.

In den 1920er Jahren, so versicherte man mir seitens älterer Leute vor einigen Jahren, soll es in Deutschland einen diesbezüglich vielsagenden „Witz“ gegeben haben – schwer vorstellbar in einer Zeit, in der deutsche Bildungsbürger „Jona“ und „Sarah“ (aber bloß nicht Israel …!) nennen – in welchem eine Frau ihrer Freundin berichtet, dass sie einen neuen Liebhaber hat (sagte man damals so, heute heißt das „Freund“ …). Auf die Frage, wie er denn heißt sagt sie: „Siegfried“ – Darauf die Freundin: „Muss es denn ein Jude sein?“

Was man relativ sicher ausschließen kann, ist das Juden rein christliche Namen haben, wie etwa Jesus, Christian, Christoph oder Georg. Aber der Augsburger Rabbiner Henry Brandt wurde als Münchner Kind Heinz Georg Brandt „getauft“, während „Maria“ fälschlich als jüdischer Namen aufgefasst wird, eigentlich aber die weibliche Fassung des lateinischen Marius ist, so wie Claudia von Claudius, Julia von Julius oder Zufla von Zufluss. Typisch ist eben was typisch ist.

 Achtung!

Jüdisches Hinweisschild (frühes 21. Jahrhundert)

 

Questions and answers: We still get many, many questions from different parts of the world, in many languages, by email, snail mail or search machines.

 

No, usually we cannot provide access to Jewish cemeteries, museums, or archives in distant cities. And most likely it is not more difficult to figure out their relevant addresses either.

Was the Fugger family Jewish?

No. If so, kashrut and circumcission were quite familiar in your family.

Is … a Jewish name?

Well, sounds Heinz Georg Jewish enough for you? So why you ask for Fanny and Siegfried Bauer?

5 Responses to Und noch ein paar “Fragen zum Judentum”

  1. Christa Kießling says:

    Wenn ich es nun richtig verstandne habe, dann sind bestimmte Namen nur vom Klischee her “typisch jüdisch”, aber kein sicheres Anzeichen, dass sich hinter der Person mit diesem Name ein Jude befindet, während jemand ein Jude sein kann, aber einen ganz unscheinbaren Namen hat, den man sonst nicht mit Juden in Verbindung bringt. Stimmt es so?

  2. Andrea says:

    Übrigens kann man die jüdischen Friedhöfe in München auch prima besuchen in dem man in München anruft oder “jüdischer Friedhof München” in google eingibt:

    https://www.google.de/?gws_rd=ssl#q=j%C3%BCdischer+friedhof+m%C3%BCnchen

    Der erste Treffer ist:

    http://www.ikg-m.de/kultus-und-religion/friedhofe/neuer-israelitischer-friedhof/

    Auf englisch ist das Ganze mühsamer, da wäre vielleicht wirklich Hilfestellung angebracht:
    https://www.google.de/?gws_rd=ssl#q=jewish+cemetery+munich

    Hier ist auf die Schnelle wirklich keine Telefonnummer oder ein Ansprechpartner zu finden.

    For english speaking countries:

    Adress:
    Garchinger Straße 37
    Contact:
    Phone: +49 (0)89 32 28 246
    Fax: +49 (0)89 32 43 164

    Hau noch was hebräisches hinterher und alle sind zufrieden.🙂

    • yehuda says:

      To begin with: האם אתה רוצה מידע על משהו, לבקש במקום

      Vielen Dank für Deine Mühe, aber wenn das nicht ständig auf der Startseite stehen bleibt, nutzt das nichts. Auf den Friedhof von Ichenhausen, den wir vor vielen Jahren mal besucht hatten, sind hier schon oft die entsprechenden Daten geschrieben worden. Da uns damals gesagt wurde, dass es schon eine vollständige Dokumentation gibt, haben wir nichts ausführliches gemacht zu Ichenhausen. In den fünf Jahren seither, kommen trotzdem immer wieder Anfragen an den JHVA: zur Besichtigung, Genealogie, Geschichte, etc. Mit München ist das nicht anders.

      Im Sommer übrigens kam die 10.000 email-Anfrage über den Weblog (wird von der software gezählt). Die meisten Anfragen bekommen ja auch eine rasche, ausführliche und freundliche Antwort. Aber das heißt doch nicht, dass man es nicht auch mal thematisieren kann.

      מי שואל בטוקיו למגדל אייפל, אבל לא בפריז. זה לא הגיוני.

  3. Andrea says:

    Ich finde http://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%BCdischer_Name ziemlich klasse.

    Nach dem Artikel, besonders bei “Verballhornungen” sind ca 65% meiner Klassenkameraden aus der Grundschule jüdisch.

    Warum sie uns aber kompett in den römisch-katholischen Religionsunterricht geschicht haben ist seltsam.😉

    “Meier” und “Müller” find ich besonders geil. Kahn auch. Finde den Unterschied.

    Hör, was Du hören willst:

    • yehuda says:

      Es gibt keinen Unterschied, weil es eben nur im Klischee “typische” Familiennamen gibt. Aber wenn man partout etwas anderes glauben will, ist das eben subjektiv doch anders.

      Probier, was du probieren willst:

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