Wunder in Bethlehem: Vatikan stilisiert Jesus zum Palästinenser


Der gestrige Besuch des neuen Papstes Franz (= Franziskus, Francis) in Bethlehem, der Geburtsstadt von König David war potentiell darauf angelegt, ein großes weltweites Echo zu erlangen. Da an diesem Wochenende aber ausnahmsweise sehr viel anderes passierte, verpuffte der Effekt, weshalb allenfalls Spartensender kurze berichte brachten. Immerhin gewann Real Madrid zum zehnten Mal die Fußball-Champions-League, während in der Ägäis die Erde bebte, in 28 Staaten der EU Wahlen zum Europa-Parlament mit zum Teil erheblichen Veränderungen stattfanden, Obama einen unangekündigten Besuch in Afghanistan abstattete…

In Brüssel ballerte ein islamistischer Terrorist auf Besucher im Eingang des Jüdischen Museums und ermordete eine Französin und ein Paar aus Israel, weshalb internationale “Experten” spekulierten, ob die Täter ein “antisemitisches” Motiv (Hass auf Buddhisten wäre weniger wahrscheinlich) hatten. Kein Wunder also, dass bei so viel Publicity sich auch Edward Snowden (für viele der eigentlichere „spirituelle“ Führer der Welt, mit stets neuen Offenbarungen) wieder in die Schlagzeilen traute, mit der Spekulation, ob er nicht aus dem Exil bei Putin in die USA zurück wolle. Jetzt, nachdem Russland gerade wieder Icehockey-Weltmeister wurde und die Ukraine einen neuen Präsidenten gewählt hat und Deutschland einen einzelnen Neonazi der NPD ins Europa-Parlament wählte, ohne in Panik zu geraten (: nicht der Rede wert).

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Obwohl nun angesichts dieser ungewohnt üppigen Nachrichtenlage der „Papst-Besuch in Bethlehem“ nur noch den Stellenwert eines eher nachrangigen Ereignisses erlangen konnte, lohnt es sich doch, auf ein paar Details zu achten. So hielt sein Reisetross „spontan“ an der Trennmauer zwischen Israel und den Autonomiegebieten, just an einer Stelle, an welcher das Werk mit dem einst von den Nazis eingerichteten sog. “Warschauer Ghetto” verglichen wird und ein quasi-offizielles Mädchen zuvor schon, wie auf Al Jazeera bei einer Probeschaltung zu sehen, Anweisungen bekam und mit einer einzelnen Fahne wartete.

Das Papamobil hielt dann “zufällig” auch genau an dieser Stelle und der Pontifex direkt neben dem Mädchen, das er, entgegen seiner sonstigen Gewohnheit jedoch nicht begrüßte. Stattdessen legte Papst Franz seine Hand aber auf die Mauer -in der Weise wie man es sonst von Betern an der sog. „Klagemauer“ kennt. Das ist Sinn für Humor, fürwahr.

pope francis bethlehem warsaw wall palestinian propaganda bds Franz an Mauer in Bethlehem mit Signalkind / “like Warsaw Ghetto”, “BDS”

Danach gings nun weiter zum eigentlichen “Event”. Dem Gottesdienst am Marktplatz von Bethlehem: Ein überlebensgroßes Bühnenbild zeigte gut sichtbar eine klassische christliche Krippen-Szene und untermalte damit die christliche Auffassung von Bethlehem als Geburtsorts des Jesus. Das in der Krippe liegende Jesus-Kindlein war entgegen der üblichen Darstellung nicht in eine gewöhnliche Windel, sondern in ein sog. “Palästinenser-Tuch” gewickelt, das seit den 1970er Jahren vor allem durch den aus Ägypten stammenden Palästinenser-Führer Yassir Arafat zum weltweiten Symbol des palästinensischen „Kampfes“ gegen Israel geworden ist und sich bei atheistischen, antisemitischen und antiwestlichen Aktivisten bis vor einigen Jahren großer Beliebtheit erfreute. Bereits in Arafats letzten Lebensjahren hatte die Popularität jener Requisite aber etwas abgenommen, mehr noch in den Jahren nach seinem Tod. Zuletzt geriet das angeblich originale Tuch noch mal in den Blickpunkt, als es, gesponsert durch den arabischen “Wissenschafts”-Sender „Al Jazeera“ auf radioaktive Spuren hin untersucht wurde. Eine französische und eine russische Kommission fanden keine Spuren, während eine dritte aus der Schweiz “mögliche Reste” attestierte. Für Verschwörungstheoretiker ein “klarer Beweis”.

pope francis Bethlehem praying Jesus as palestinian babyGebet vor Mega-Bild: Päpste, Marie, Arafat, Jesus-Kind

Wie dem auch sei, Zweifel am Tod von Arafat wurden von niemanden erhoben, weshalb die bekannte „Kriegsflagge der Palästinenser“ vakant geworden war. Gestern nun feierte sie aber ein politisches Comeback. Der Segen des Vatikan wandelte das Kopftuch des einstigen Terror-Führers in die Windel des Jesus. Daraus folgt: Jesus der Palästinenser. Oder gar der Sohn Arafats?

papst franziskus bethlehem Jesus Palästinenser Tuch WindelPapst Franziskus in Bethlehem vor Jesus in Arafat-Windel

Ein Zufall? Nein. Der katholische Führer der Katholiken in Bethlehem, deren Zahl seit der palästinensischen Autonomie rapide schrumpft, lieferte gegen Ende des christlichen Gebetstreffs, an dem u.a. auch der gegenwärtige Fatah-Führer Abbas als Gastgeber teilnahm, die passenden Worte:

Viele junge Leute und Kinder, Freunde des Jesus-Kindes, hören heute dieselben Worte, die man einst zu Maria und Josef sagte: „Es gibt keinen Platz im Gasthaus“. Es gibt keinen Platz für sie in der Familienpolitik die ihr Schicksal entscheidet, nicht in den Gesetzgebungen. Sie nehmen auch nicht an den Friedensverhandlungen teil, die niemals ihren Weg zu uns finden. Ein Frieden der es nicht schafft die Mauern der Angst und des Misstrauens zu durchbrechen, die die Stadt umgeben. In den Fußstapfen des göttlichen Kindes haben unsere jungen Leute Vertreibung, Hunger, Kälte und so oft, die Zerstörung ihrer Häuser erlebt. Zusammen mit Dir, allerheiligster Vater bitten wir heute das Jesus-Kind, seine Grotte zu erweitern, um die vielen Kinder, die Opfer von Gewalt und Ungerechtigkeit wurden, zu empfangen und zu beherbergen. Und wie können wir vergessen für die vielen Gefangenen in überfüllten Gefängnissen zu beten?!Sie hungern nach einem Stück Brot, sie sehnen sich nach Gerechtigkeit und Frieden. Wir sind noch nicht fertig mit den heutigen Herodessen, die Frieden mehr als den Krieg fürchten und den Wohlstand der Familien scheuen, weil sie darauf vorbereitet sind, das Töten fortzusetzen.“

Da Jesus durch die Wandlung des Arafat-Kopftuchs zur Windel plakativ zum de facto Palästinenser stilisiert wird, ist es in dieser kruden Logik dann nur folgerichtig, dass die bösen Juden mit „Herodes“ gleichgesetzt werden, da die Israelis angeblich den Frieden mehr fürchteten, als den Krieg und gewappnet seien für weitere Morde.

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Der aus dem letzten Gaza-Krieg auch in Deutschland bekannt gewordene Slogan „Israel – Kindermörder!“ ist damit mittels „apostolischer Autorität“ mit der christlichen Legende vom „Kindermord zu Bethlehem“ verknüpft worden.

In der Erzählung des Evangeliums ordnet König Herodes an, alle Kleinkinder zu töten, in der Hoffnung, dass auf diese Weise auch das Jesus-Baby getötet werde – das er als bereits über 70-jähriger Vasall des römischen Kaisers, angeblich über alle Maßen fürchte.

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Herodes der Idumäer, der kein Jude war, wird so zum Sinnbild für den Judenstaat, während Jesus, der selbst nach der Auffassung der Evangelien (und andere Überlieferungen gibt es dazu ja offenbar auch gar nicht …) ausdrücklich Jude gewesen sein soll, nun aber zum Palästinenser wird. Wenn man sich wundert, ist es ein Wunder.

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Was das nun alles soll? Die Lage der Christen in den Gebieten der Palästinenser ist offenbar sehr verzweifelt. Die Aneignung antijüdischer Propaganda durch den Vatikan ist wohl ein bloßer Notwehrakt, der Juden und Christen kaum tangiert, da man wenig anderes gewohnt war, aber bei Muslimen punkten helfen soll: “Hehe, haaaaallo …wir sind auch gegen die Juden ,,! Hallo? Hört jemand zu ..?”

1948 waren noch 85 % der Einwohner der Kleinstadt Christen, heute schrumpft ihre Zahl kontinuierlich zu einer marginalen Minderheit. Eine Entwicklung an der massive Geldzahlungen aus westlichen Ländern wie auch die Einrichtung einer „Katholischen Universität“ nicht stoppen, sondern nur beschleunigen konnten.

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Während in Syrien zehntausende Muslime (und Christen) sich gegenseitig massakrieren (auch mit Giftgas), ist es eigenartig, den Blick einmal mehr davon weg und stattdessen auf Israel und die Palästinenser zu richten.

Wenn man sich vergegenwärtigt, dass in Saudi Arabien Christen und andere Ungläubige die Orte Mekka und Medina als Städte noch nicht mal betreten dürfen, ist es sehr eigenartig, sich darüber zu beschweren, dass Israel, das die heiligste Stätte des Judentums, den Tempelberg unter muslimischer Verwaltung belässt, Grenzkontrollen zu den Autonomiegebieten der Palästinenser durchführt, weil es bekanntlich bereits zahlreiche palästinensische Selbstmordattentäter gab, worunter übrigens auch einige wenige “sich selbst aufopfernde” Christen waren .

Ob angesichts dessen aber, die wohl zugrundeliegende Absicht des neuen Papstes, den Platz Arafats in den Herzen der Palästinenser einzunehmen, gelingen kann, ist wenig wahrscheinlich. Wer anders als Papst und Kollegen selbst Kinder hat, weiß, wie gewiss vergleichsweise die Notwendigkeit ist, Windeln zu wechseln, eher früher als später.

In der realen Welt kein Grund zur Aufregung.

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Pope Francis causes miracles in Bethlehem: One single layingg on of hands and the Israeli border wall to Bethlehem becomes a surrogate for the Jewish wailing wall in Jerusalem.

A huge painting used as set for the papal RC mass shows devine baby Jesus swaddled in the Palestinian diaper previously known as head scarf of late terrorist leader and nobel peace prize winner Yassir Arafat. The so called keffiye, whichs origin is frpm the town of Kufa near Baghdad and previously was worn by Kurds in northern Iraq, but in 1960s was adopted as “Palestinian war flag” by Arafat – and from late 1970s became quite popular among atheist leftists in the west, especially in Europe and western Germany. After the death of Arafat however the “dish towel” went out of style as headwear and in the last winters even in Germany you hardly could see somebody wearing it – what some years earlier had been very frequent. But since now the cloth has been recycelt by highest Apostolic authority, there will be a new nappy style. While the painting portrayed Jesus in napkin as a Palestinian boy with Palestinian relatives behind him, the head of the RC Christians in Bethlehem talked about “new Herods” who do fear peace more than war and are prepared for further killings, etc. – what in Bethlehem of course is a Christian reference to the tale of the so called “Slaughter of Innoncents” (children) mentioned in the Christian Gospels.

So Jesus, according to the same source once born as a Jew now has become a Palestinian baby child and Herod, who actually was no Jew, but an Idumean Roman client king now changes into a symbol for the Jewish state of Israel.

Its the time of miracle and wonders. Or is it just that media imagery has become the main factor. Well, that sure works well with twitter and Co., but it is wrung out like teabags in a quick way. About the same speed as people who indeed have own children know that it becomes necessary to change the nappies, … soon.

Nothing to worry about in the real world.

* * *

pictures: TV screenshots

4 Responses to Wunder in Bethlehem: Vatikan stilisiert Jesus zum Palästinenser

  1. Martin Fiedler says:

    Was erwartet Ihr von Franziskus. Die ganze Kirchenbrut ( Leitung)
    schweigt doch seit Jahren, wenn die Araber Jesus als einen der ihren bezeichnet.. Nicht nur die Katholische Kirche. Auch die EKD ist nicht besser .Von unseren Politikern genau so. Der Dummschwätzer Schulz oder unsere CDU Politiker sind doch nicht besser !! .Die Dr. Josef Göbbels These, eine Lüge lange und oft genug benutzt – bleibt immer was hängen.

    Martin Fiedler Bad Salzuflen

  2. gunnerjoshua says:

    You, wonder why they turn things upside down? Well, just note that “diaper” spells “repaid” backward. Geddit?

  3. Erwin Raedler says:

    Zugegeben ist die Windel etwas unglücklich. Wesentlicher ist aber die Friedensbotschaft der Papstreise. Das haben Sie offenbar leider überhaupt nicht verstanden!?

  4. Hildegard says:

    Da kann ich mich als Katholikin eigentlich nur noch schämen!!

    Abgesehen von der an sich völlig unangemessenen einseitigen Parteinahme für die Palästinenser, die allfalls fragwürdig ist – wie bitte soll man das Bild vom Papst mit Jesus in Arafat-Windeln nun wieder aus dem Kopf bekommen?

    Dass der Vatikan Jesus als politische Werbefläche feilbietet ist sehr zynisch und hinterlässt einen Schaden.

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