EU-Studie ermittelt wachsende Furcht vor Antisemitismus in Europa


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Antisemitismus in Europa

Die “Fundamental Rights Agency“ (FRA) der EU veröffentlichte heute zum 75. Jahrestag der sog. „Reichskristallnacht“ Ergebnisse ihrer Studie welche in verschiedenen Mitgliedsländern der EU ermitteln wollte, wie es aktuell um Juden und Antisemitismus bestellt ist.

Befragt wurde über 5800 Juden in Belgien, Deutschland, Frankreich, Ungarn, Italien, Frankreich, Lettland, Schweden und Groß Britannien.

Zu den Ergebnissen der Studie (siehe: http://fra.europa.eu/DVS/DVT/as2013.php) zählt, dass im Schnitt zwei Drittel der Befragten meinen, dass Antisemitismus in ihrem Land heute ein ernstes Problem (fairly big or big problem) in ihrem Land sei.

Da nun gibt es z.T. signifikante Unterschiede in der Wahrnehmung, fühlen sich doch 89 % der ungarischen Juden bedroht, 85 % der französischen und 77 % der belgischen, gegenüber 61 % der Deutschen und 60 der Italiener, bzw. Schweden. Relativ sicher, falls man das so sagen kann, fühlen sich dann nur die britischen Juden mit 48 und die lettischen mit 44 %, was nun faktisch aber immer noch fast jeden zweiten ausmacht. Jeweils höher fällt die Einschätzung aus, wenn es darum geht, eine Online-Variante des Antisemitismus als problematisch einzuschätzen. Den bemerken nun auch 64 % der Briten oder 67 % der Deutschen oder 87 der in Italien befragten Juden. In Frankreich und Ungarn registrieren in aber „nur“ 85 %, woraus man schließen könnte, dass dort der im sog. „real life“ wahrnehmbare Antisemitismus –anders als in Deutschland, Italien oder im UK online nicht mehr übertroffen wird.

Drei von vier Juden in der EU meinen, dass sich der Antisemitismus in Europa in den letzten fünf Jahren verschlimmert habe. Am ehesten in Ungarn, Frankreich, Schweden und Belgien (c. 90 %), aber auch in Deutschland sind 69 % dieser Ansicht.

Immerhin etwa 4 % der Befragten gaben an, in den letzten 12 Monaten aus antisemitischen Motiven körperlich bedroht oder angegriffen worden zu sein. Den höchsten Wert erreicht hier Belgien mit 7 %.

Etwas eigentümlich ist die Frage, ob man davon gehört hat, ob es im eigenem Land ein Gesetz gebe, das eine antisemitische Diskriminierung bei der Bewerbung um einen Arbeitsplatz verbiete. Nur 49 % der befragten  Juden in Deutschland bejahten dies, 31 % verneinten und 20 % konnten dazu keine Aussage treffen. Am sichersten waren sich übrigens die Briten, von denen 73 % wussten, dass es im Vereinigten Königreich ein Verbot solcher Diskriminierungen gibt.

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Schließlich wollten die Fragesteller noch wissen, ob man befürchte im nächsten Jahr (12 M.) körperlich angegriffen zu werden, weil man Jude ist. Immerhin 17 – 22 Prozent der Befragten in England, Schweden und Italien befürchten das gemäß der Umfrage.  In Deutschland und Ungarn geht sogar ein Drittel davon aus, im nächsten Jahr tätlich angegriffen zu werden, während in Belgien (54 % ) und Frankreich (60 %) das Verbandszeug wohl bereits in der Handtasche verstaut wird.

In Deutschland ist die Annahme mittels Gewalt angegriffen zu werden übrigens bei jungen Juden im Alter von 16 – 29 mit 38 % deutlich ausgeprägter als bei Personen im Alter über 60, bei denen „nur“  28 % erwarten demnächst als Jude angegriffen zu werden.

Der angenommene Gefährdungsgrad steigt der Studie gemäß mit dem Grad der “Religiosität”. Zugrunde lag wohl eine Selbsteinschätzung auf einer Skala von 1 (am niedrigsten) bis 10 (am höchsten), was wohl nicht der letzte Weisheitssschluss der Empirik ist.

Leute die meinen nicht oder nur wenig ausgeprägt religiös zu sein (1-3), sahen sich zu 27 % gefährdet, im nächsten Jahr Opfer eines persönlichen, antisemitischen Angriffs zu werden. Von der Mittelklasse (4-6 auf der Skala) schafften es schon 36 % sich zu ängstigen, während jene, die sich auf der Skala mit 8-10 einstuften zu 59 % davon ausgingen demnächst angegriffen zu werden. Interessanter Weise sahen sich nur 28 % der Gruppe der “8-10” „Religiösen“ auf der britischen Insel entsprechend gefährdet.

Als Kriterium für „Religiosität“ wurde übrigens angenommen, dass man als Jude erkennbar ist, etwa durch das Tragen einer Kippa oder eines Magen David als Halskette (wenn schon nicht auf dem Revers). Wenn das nicht alles erklärt? Je länger die Kette, um so größer die Gefahr.

Ebenso merkwürdig – oder zeittypisch – ist der Befund, dass weitaus mehr befragte Juden Angst vor Antisemitismus im Internet haben als vor Friedhofsschändungen. Das sind Prioritäten, die man eher als beängstigend einstufen sollte. In Deutschland dachten dies 67 gegenüber 46 %. In Ungarn und Frankreich liegen die Werte etwa gleichauf.

Die genauen Einzelergebnisse der Studie sind mehrsprachig abrufbar, wobei man grafisch und tabellarisch aufbereitet Gesamt- und Einzelwerte vergleichen kann, etc.

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Was soll man nun davon halten? Die Schlagzeilen aller berichtenden Medien vermelden heute, dass „die Juden sich vor wachsendem Antisemitismus fürchten“, europaweit. Na dann.

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Über die Auswahl der Befragten ist näher nichts zu erfahren, außer:

… dass von den 5847 Juden nach Angabe der EU-FRA 1469 im UK leben, 1192 in Frankreich, 810 in Schweden, 649 in Italien, 608 in Deutschland, 528 in Ungarn, 438 in Belgien und 154 in Lettland, womit angeblich „90 %“ der Juden in der EU repräsentativ repräsentiert seien. Netter Versuch.

In Schweden leben nach amtlichen Angeben derzeit etwa 7.500 Juden (Tendenz sinkend), in Deutschland wurden zuletzt etwa 115.000 registriert.  Wenn nun aber die Zahl der Juden in Deutschland etwa 15 mal so hoch ist wie die der Juden in Schweden, wie kann man dann meinen, eine repräsentative Umfrage zu bekommen, wenn man 810 Juden in Schweden befragt und nur 608 in Deutschland? Nicht nur ist das Verhältnis der schwedischen und deutschen Juden völlig disproportional für ihren Anteil „in Europa“, auch die Gewichtung innerhalb des eigenen Landes ist völlig willkürlich. In Schweden wurden mit 810 von demnach über zehn Prozent der dort lebenden Juden befragt, in Deutschland mit 610 von 115.000 lediglich ein halbes Prozent.

Das soll nicht heißen, dass es keinen Antisemitismus in Europa, der EU, oder in den einzelnen Staaten wie auch in Deutschland gibt. Den gibt es gewiss, zum einem aus der islamischen Welt importiert und hofiert, zum anderen mehr oder minder gut getarnt als “Israel-Kritik” und besonders virulent von Leuten artikuliert, deren Zynismus sonst so ziemlich alles auf der Welt herzlich egal ist.

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Aber welchen Sinn ergibt es, Ergebnisse dieser Art zu quantifizieren? Ganz abgesehen davon, dass die Art der Fragestellungen und der damit einhergehenden Erwartungshaltungen gelinde gesagt manipulativ sind?

Wahrscheinlich will man damit sagen, man nimmt das “Thema Antisemitismus” sehr, sehr ernst, um bei der nächsten (längst vorbereiteten) Gelegenheit wieder verbal gegen Israel vom Leder ziehen zu können ..?

However. Zum Abschluss ein eher schwammiges Grußwort bezüglich der „Damons (?) of the past“, das bislang nur erst 11 mal aufgerufen wurde. Es stammt von Martin Schulz, dem Präsidenten des Europaparlaments:

 

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