Fuerstenfeldbruck Airfield Memorial


Fürstenfeldbruck Airfield Fliegerhorst 1972 Olympia Memorialבשדה התעופה פירסטנפלדברוק

Am frühen Morgen des 5. September 1972 erstürmten acht bewaffnete palästinensische Terroristen im sog. „Olympischen Dorf“ in der Conollystr. 31 in München das Quartier der  israelischen Sportmannschaft, wobei sie zwei Israelis verwundeten. Sie verbluteten ohne medizinische Versorgung und Hilfe.  In der Gefangenschaft erhielten die noch lebenden, aber geknebelten Athleten Besuch vom damaligen deutschen Innenminister Hans-Dietrich Genscher. Zweck des Gewaltverbrechens war die Freipressung inhaftierter Terroristen, unter anderem die in deutschen Gefängnissen inhaftierten deutschen Terroristen Baader, Meinhof und Co. von der RAF, in deren nachträglichen Erklärung u. a. bereits von „Israels Nazi-Faschismus“ die Rede ist. Seitdem eine geläufige Metapher im Munde linker und rechter Extremisten.

Fürstenfeldbruck Fliegerhorst Denkmal 1972

Die gefangenen Sportler und die palästinensischen Gangster wurden gegen halb elf Uhr abends mit zwei Helikoptern zum nahegelegenen Militärflughafen Fürstenfeldbruck geflogen, wo sie bereits nach elf Minuten Flugzeit landeten. Wie zwischen den deutschen Behörden und den Palästinensern vereinbart wurde, sollte von hier aus ein Flugzeug die Terroristen und die Gefangenen nach Kairo fliegen.

Wenige Minuten nach Landung der Helikopter auf dem Flugfeld begannen die deutschen Gastgeber die palästinensischen Gangster zu beschießen. Den teilweise widersprüchlichen Berichten gemäß waren die Sicherheitskräfte überfordert, schlecht koordiniert und dürftig ausgerüstet, was angesichts der Geschichte und Bedeutung des Ortes wenigstens überrascht:

1935 wurde von den Nazis auf dem Feld zwischen Fürstenfeldbruck und Maisach die sog. Luftkriegsschule (LKS) als größte und bedeutendste Ausbildungsstätte des Deutschen Reiches geschaffen. Zu den dort errichteten, noch erhaltenen Bauten gehörten der sog „Kilometer“-Bau, der tatsächliche aber „nur“ 998 Meter lang ist. Bekannt sind der Turm des Schulungsgebäudes und der „Nibelungen-Saal“, dessen Fresken von dem nationalsozialistischen Künstler Albert Burkhart (1898-1982) gestaltet wurden. Nach dem „Untergang“ war Burkhart Professor und Leiter der Staatlichen Kunstschule in Frankfurt am Main und wurde 1969 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Am Flugfeld Fürstenfeldbruck wurden die Piloten der in zahlreichen Außenlagern der Umgebung von Zwangsarbeitern gefertigten Messerschmitt „Me 262“ ausgebildet.

Fliegerhorst Fürstenfeldbruck Deutsche LuftwaffeFliegerhorst Fürstenfeldbruck: Deutsche Luftwaffe

Seit 1957 befindet sich dort nun ein Stützpunkt der Luftwaffe der Bundeswehr, der aktuellen Planungen nach 2019 geschlossen werden soll. Die bis dato einzige Bedrohung stellte der als „Pasinger Knödelschütze“ bekannt gewordene Anwohner Helmut Winter  (geb. 1919) dar. Um gegen den Fluglärm zu protestieren, hatte er Mitte der 1960er Jahre damit gedroht mit einem Knödel-Katapult die Gerätschaften der Luftwaffe auszuschalten, was für internationale Aufmerksamkeit und einiges Gelächter gesorgt hatte. Unter anderem berichtete auch die New York Toimes darüber: http://web.archive.org/web/20070927172047/http://wirtshausinderau.de/knoedelei/gfx/zeitung/002.gif

Die palästinensischen Gangster hatten mehr als nur Knödel mitgebracht, und die Bundeswehr an ihrem Standort überrascht.

Die Schießerei zwischen den deutschen Schützen und palästinensischen Terroristen dauerte allen Berichten gemäß etwa von halb elf Uhr bis um halb zwei Uhr, als etwa drei Stunden, was in den meisten Darstellungen filmisch auf wenige Augenblicke oder Minuten verkürzt und deshalb für das situative Verständnis missverstanden wird.

 Zwischenzeitlich hatte Conrad Ahlers sogar die “erfolgreiche Befreiung” der Sportler verkündet.

Ahlers (1922-1980) war Sprecher der von Willy Brandt geführten Bundesregierung und diente in Kriegszeiten bei der Luftwaffe und an der Ostfront.

Fürstenfeldbruck Fliegerhorst Denkmal 1972 (3)memorial at entrance of Fuerstenfeldbruck Airbase

Keiner der entführten Israelis überlebte. Sie starben gefesselt in ausgebrannten Helikoptern. Ob sie im einzelnen von deutschen oder palästinensischen Schüssen getroffen wurden, ehe die Fluggeräte durch detonierte Handgranaten in Feuerbälle verwandelt wurden, diese innerhalb oder unterhalb explodierten, … ist auch nach über vierzig Jahren umstritten und ebenso wenig zu klären, wer am 5. oder erst am 6. September 1972 starb.

Der deutsche Polizist Anton Fliegerbauer der ums Leben kam wurde übrigens im Turm von einem „Querschläger“ getroffen.

Luftwaffensützpunkt Fürstenfeldbruck not walkable: Luftwaffe Airbase Fürstenfeldbruck

Am 5. September 1999 wurde vor dem Eingang des Luftwaffenstützpunktes ein Denkmal zur Erinnerung an die ermordeten israelischen Sportler und den getöteten deutschen Polizisten eingeweiht. Gestaltet wurde es von dem deutschen Bildhauer Johann Ludwig Götz (geb. 1934) aus Gröbenzell, dessen Wettbewerbsentwurf den Zuschlag erhalten hatte. Das eigentümliche Konstrukt ist an der linken Mauer neben der vielbefahrenen Einfahrt zum Luftwaffenstützpunkt platziert.

Die Inschrift des Denkmals lautet:

Während der Spiele der XX. Olympiade wurden am V.IX.1972 von Terroristen getötet

Mosche Weinberg, Josef Romano, David Berger, Seew Friedman, Josef Guttfreund, Elieser Halpin, Amizur Shapira. Kehal Shorr, Mark Slavin, Andre Spitzer, Jaakow Springer, Anton Fliegerbauer

Fürstenfeldbruck Olympia Massaker Denkmal Memorial Inschrift

Denkmal Fürstenfeldbuck Olympia 1972 1999 Hannes L. Götz

Olympia Murder Memorial 1972 Fuerstenfeldbruck Luftwaffe Bundeswehrmemorial next to the entrance of the Luftwaffe airbase

Wegen der berechtigten Kritik, dass das Denkmal sowohl die Herkunft der Mörder und Ermordeten verschweigt, etablierte man einige Meter neben dem Denkmal eine weitere erklärende Inschrift, die zumindest diesen Sachverhalt verdeutlicht:

Während der Spiele der XX. Olympiade in München überfielen palästinensische Terroristen die Sportmannschaft des Staates Israel, töteten zwei Menschen und nahmen neun weitere als Geiseln.

Beim Versuch, die Geiseln zu befreien, starben am 05. September 1972 auf dem Flugfeld des Fliegerhorstes Fürstenfeldbruck alle neun israelischen Sportler und ein deutscher Polizeibeamter.

Erinnerungstafel Fürstenfeldbruck Olympia 1972additional explanation naming the nationalities of the killers and the murdered

„Gestorben“ waren auch fünf der palästinensische Entführer und Mörder. Ihre Namen bleiben unerwähnt, ebenso wenig wie der Umstand, dass drei überlebende Gangster kaum drei Monate seitens der sozial-liberalen Bundesregierung Brandt / Scheel freigelassen wurden, weshalb sie sich sodann im arabischen TV als “Helden” feiern lassen konnten.

Neben der zusätzlichen Erklärungstafel befindet sich ein weiteres Schild, was sich im Kontext mit dem Geschehen, dem hier gedacht werden soll, eigentümlich liest, nämlich der Hinweis, dass es bei dem umzäunten Areal um einen „Militärischen Sicherheitsbereich“ handelt:

Unbefugtes Betreten ist verboten! Vorsicht Schusswaffengebrauch!

– Der/Die Standortälteste

Fürstenfeldbruck Militärischer Sicherheitsbereich Olympia Denkmal Schusswaffengebrauch

Was der (nur deutschsprachige) Hinweis besagen soll? Vielleicht will man damit an künftigen Terroristen ein Exempel statuieren? Falls ja, wäre es ggf. sinnvoll auf Arabisch anzumerken: ممنوع الوصول للإرهابيين – Das wirkt bestimmt. Die Leut können ja lesen! Also über die Hälfte schon, sagt man.

Fürstenfeldbruck Memorial Olympia

Fürstenfeldbruck Olympia Terror-Opfer Denkmal

Wie sich mit Google Earth (siehe oben) … gefahrenfrei … ermitteln lässt, verfügt der Sicherheitsbereich über eine Reihe von Sportstätten, was angesichts des Umstandes, dass einen bloßen Ballwurf davon entfernt 1972 neun Sportler massakriert wurden, einen gewissen Beigeschmack hat. Sechs Tennisplätze immerhin – es könnte ja mehrere Leute gleichzeitig auf die Idee kommen, dort Tennis spielen zu wollen –  ein Hockey-Feld, noch ein Stadion mit Laufbahnen und 100 m langen Fußballplatz dazwischen. Auch ein kleiner swimming pool fehlt nicht.

Anfang Juli fanden just da, wo 1972 die Helikopter mit den israelischen Sportlern ausbrannten einer von sieben Vorrunden-Wettkämpfe zum Wettbewerb zu „Deutschlands bester Autofahrer“ statt. Beispiel-Foto von „Scott7777“:

http://www.panoramio.com/photo/93133219?source=wapi&referrer=kh.google.com

Wem diese Vergnügungen noch nicht ausreichen, findet “außerhalb der Übungszeiten” weitere Angebote in unmittelbarer Nähe:

Fürstenfeldbruck Militärischer Bereich Hinweis<- – Swingerclub Burg Ibiza – – – Ehrenmal – ->

Fürstenfeldbruck Luftwaffen Ehrenmal Swingerclub Burg IbizaDenkmal Olympia Massaker 1972 Hannes L Götz Fürstenfeldbruck

Explanation of the ideas to the monument by the artist (English and Deutsch):

http://www.hannes-goetz.de/Bilder/FFB/olymp30.pdf

(One of his inspiration was (as he puts it) was “Hakol Hamaaravi – the Torso of Jerusalem’s Western Wall”. This would be “ha-kotel ha’maaravi”, lit. the western wall, ha-kol however just means the voice, not “the wall” the western voice, the voice of the west. Die Stimme des Westens. Since the mistake occurs in his German text as well as in the English translation, it is no typo, but a general misunderstanding.)

pictures: Margit (no. 2, 4), yehuda (others)

One Response to Fuerstenfeldbruck Airfield Memorial

  1. רון מילר says:

    תודה על הטקסט ותמונות חשובים

    רון מילר

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