Augsburgs Partnerstadt in Israel


Augsburg Davidstern Partnerschaft Israelصداقة friendship ידידות amitié дружба cairdeas φιλία

Quizfrage: Wie heißt Augsburgs Partnerstadt in Israel?

Quizantwort: Es gibt sie nicht.

Thema fertig? Wahrscheinlich. Oder ..?

Augsburg Grottenau BrunnenGrottenau Brunnen, Augsburg

Seit 1947 gibt es Städtepartnerschaften. Sie folgen oft einer eigenen Logik, etwa weil beide Partnerstädte Hafenstädte sind, von der Automobilbranche dominiert werden (oder mal wurden), den gleichen Namen tragen, im Gebirge liegen, Universitätsstädte sind oder eine teilweise ähnliche Geschichte haben, einander helfen wollen und dergleichen mehr. Oft sind es aber auch nur eher profane Wirtschaftsbeziehungen, besonders ausgeprägt in den relativ geschichtslosen Beziehungen zwischen deutschen und chinesischen Städten der letzten Jahre. Der Umstand, dass die Stadt Augsburg beispielsweise inzwischen gleich zwei japanische und eine chinesische Partnerstädte besitzt, hat sich auf die Augsburger Bevölkerung nicht ausgewirkt. Selbst gebildete Augsburger (von denen es bekanntlich überreilich viele gibt) kennen in der Regel nicht mal die Namen der Städte, geschweige denn, dass jemand etwas über die Geschichte, Kultur und dergleichen was sagen könnte. Und das, obwohl der Umstand, dass es sich bei Jinan etwa um eine Millionstadt in der Größe Berlins handelt, Augsburg eigentlich schmeicheln müsste. Jedoch fühlen sich viele Augsburger schon von der benachbarten Millionenstadt in der Regel eher nicht als Partner ernst genommen, deren Sprache sie wenigstens noch halbwegs verstehen.

1977 wurde die von Wuppertal und Beerschewa die erste Partnerschaft zwischen einer deutschen und einer israelischen Stadt oder Gemeinde geschlossen. Von den hundert größten israelischen Städten – mit einer Einwohnerzahl über 10.000 – haben alle Partner in aller Welt. 42 von ihnen haben auch eine deutsche Partnerstadt, manche mehrere, weshalb es auf der anderen Seite 67 deutsche Partner für die auserwählten 42 israelischen Städte gibt. Tel Aviv-Jaffo hat mit Köln, Frankfurt am Main, Bonn und Essen gleich vier deutsche Partnerstädte und die drittgrößte Stadt Israels Haifa kommt sogar auf fünf: Bremen, Mainz, Düsseldorf, Mannheim und Erfurt. Die letzten beiden Partner kamen 2005 hinzu. Der Rekord liegt jedoch bei sechs deutschen Partnerstädten: Alzey, Darmstadt, Paderborn, Berlin-Tempelhof, Bielefeld und Offenbach am Main. Wer nun als israelische Partnerstadt an Jerusalem denkt, liegt jedoch falsch, denn die vielleicht berühmteste Stadt der Welt kommt aus welchen Gründen auch immer ohne deutsche Partnerstadt aus.

 Zu den Partnerstädten der israelischen Hauptstadt zählen u.a. Prag, New York City, Marseille oder Buenos Aires. Unter Israels Großstädten ist ansonsten nur noch das von charedischen Orthodoxen geprägte Bne Brak ohne deutschen Partner, obwohl die Stadt immerhin bereits 170 Tausend Einwohner hat. Im Gegenzug findet das eigentlich aus drei kleinen Siedlungen bestehende israelische Kaff Kirjat Tiwon, das allenfalls wegen des benachbarten Nationalparks meist zufällige Beachtung findet im mit etwa 245.000 Einwohnern ungleich größeren niedersächsischen Braunschweig den eher überraschenden Partner. In der 1986 geschlossenen Partnerschaft zwischen Tiberias (40.000 Einwohner) und dem doppelt so bevölkerungsreichen Worms kann man angesichts der jeweiligen, für das Judentum insgesamt bedeutenden Vergangenheit einen gewissen Sinn erkennen. Ebenso verhält es sich wohl zwischen Jawne und Speyer. 

Doch was verbindet eigentlich Kirjat Schmona, das allenfalls als Ziel von Scud-Raketenangriffen in den Schlagzeilen landet mit dem schwäbischen Memmingen im Allgäu? Was Nürnberg mit Chadera oder Berlin-Mitte mit der trendigen Weltstadt Cholon?  Wer das erklären kann, hat sicher auch kein Problem mit der Verbindung zwischen Leverkusen und dem oberen (jüdischen) Nazareth Ilit (das etwa gleich große arabische, alte Nazareth hat sich mit dem Städtchen Neubrandenburg verpartnert. Welche Seite profitiert schließlich und endlich von einem Austausch zwischen dem wonnigen Akko am Mittelmeer und Recklinghausen, das es im Bereich der vererblichen Neurofibromatosen immerhin zu einem eigenem Krankheitssymptom gebracht hat und ansonsten nur einem Szenepublikum für seine Kabarettisten Hape Kerkeling und Renate Künast bekannt ist.  

Die meisten deutschen Partner hat übrigens das trotzdem weitgehend unbekannte Naharija mit gerademal 50.000 Einwohnern nördlich von Haifa, wo immerhin 2 Eisenbahnlinien halten, … fast täglich.

Jehuda Loeb Ulmo Grabstein Kriegshaber Pfersee 1719 memorial of Yehuda Loeb Ulmo (1719) Pfersee

Wie dem auch immer sei. Augsburg zählt zu den wenigen deutschen Großstädten, die keine Partnerstadt in Israel haben. Wahrscheinlich wurde eine solche auch noch nicht ernsthaft erwogen. Aber wenn das westfälische Münster sich mit Rischon LeZion verbrüdern kann und Wiesbaden mit Kfar Saba und weder Heidelberg Berührungsängste vor Rechovot noch Dortmund vor Netanja hat, was spräche dagegen, dass Augsburg sich nicht um auch eine Partnerschaft in Israel bemüht? Naharija, Haifa und Tel Aviv könnten es sicher verschmerzen nicht noch eine weitere deutsche Partnerstadt zu bekommen.

Dem eigenem Ansehen als umworbene „Friedensstadt“ mit kulturellen und religiösem Anstrich würde ggf. aber mit Jerusalem oder dem von Deutschen noch nicht belegten Safed in Galiläa genügen. Oder vielleicht doch lieber Ben Brak?

Menora Brezelteig Augsburg koscherSchwäbisches Gebäck: Menora aus Brezelteig, koscher, vegan und glutenfree

Believe it or not: Augsburg although it has a rich Jewish history like no other city has no twin town or sister city in Israel.

16 Responses to Augsburgs Partnerstadt in Israel

  1. Andrea says:

    Ausgburg hat übrigens auch keine Partnerstadt in der Türkei, Russland, Finnland, Afghanistan, Schweden, Kanada, Korea, Neuseeland, Mexico, Spanien, Pakistan,Österreich, Burundi, Irland oder der Elfenbeinküste usw….

  2. Christian Schuster says:

    Darf man Sie um das Rezept zum Nachbacken bitten? “koscher, vegan und glutenfree” klingt ja nach allen Seiten abgesichert. Das macht ja richtig neugierig!

    • yehuda says:

      Rezept folgt demnächst.

      Zur “Absicherung”: Es fehlt uns noch die “kalorienfrei” – Variante, was wohl das meiste Interesse wecken dürfte.

      Unsere Labors arbeiten dran. 🙂

      • apiskybele says:

        da gab es mal die Variante aus Salzteig – schön anzusehen, dauerhaft haltbar und – da ungenießbar – ohne Kalorienproblem

        • yehuda says:

          Wenn ich es recht verstanden hab, hat auch der Salzteig Mehl, sprich entsprechend Kalorien. Kalorienfrei ist der Teig dann nur, wenn man ihn nicht isst. Das trifft aber auch auf jede andere Rezeptur zu.😉

  3. Saskia says:

    Augsburg hat darin ja Tradition. Man verpasste auch, stolz auf Mozart zu sein (das haben dann die Österreicher übernommen) und man wollte Bert Brecht loswerden.
    Mit Ruhm bekleckert sich Augsburg jedenfalls nicht, wenn es um Kultur und kulturelle Bildung geht…
    Ich bestell dann übrigens auch diese gebackenen Menorot, wobei sie ja zum Essen zu schön sind…

    • yehuda says:

      Es war schon öfter so, dass hier vor Ort jemand auf was aufmerksam wurde, was ein oder zwei Jahre vorher im weblog geschrieben wurde. Außerdem ist ja im März Kommunalwahl … die Frage wäre aber auch, wo in Israel Interesse an einer Partnerschaft mit den Datschis bestünde?

      Den Brezelteig kannst Du am besten selber machen und Dir eine essbare Form basteln.🙂

      • Saskia says:

        Ich glaube man freut sich hier überall über Städte-Partnerschaften🙂

        Och schade, ich wollte die Menorot bestellen. Aber vielleicht mache ich in der Tat bald eine Chanukka Version daraus. Vielleicht dann aber süß🙂

        • yehuda says:

          Ich glaube man freut sich hier überall über Städte-Partnerschaften🙂

          > Du kannst Dich ja mal umhören🙂 Ich werde hier in A nachfragen.

          Och schade, ich wollte die Menorot bestellen. Aber vielleicht mache ich in der Tat bald eine Chanukka Version daraus. Vielleicht dann aber süß🙂

          > Vielleicht wird das später mal was, wenn es entsprechende 3-D-Drucker mit Teig statt Tinte gibt. So ginge es ja nur per Post und das dauert dann zulange für ein Gebäck🙂

      • Saskia says:

        Wie organisiert man den eine Städtepartnerschaft und welche Leute muss man dafür kontaktieren?

        • yehuda says:

          Gute Frage. Ich nehme an, dass irgendwie legitimierte Vertreter einer Stadt oder Kommune zueinanderfinden müssten. Wie im Artikel ja schon gesagt, gibt es da oft irgendeine Vorgeschichte, wie z.B. schon vorhandene Wirtschaftsbeziehungen, Auswanderer, usw.

          Hier in A gibt es ja eine Gruppe der DIG, die eng mit der IHK zu tun hat…

    • Christian Schuster says:

      Bert Brecht war zuletzt übrigens Österreicher.😉

  4. gunnerjoshua says:

    I like to order a basket of those menoros, bevakasha🙂

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