Schwäbisches Museum: von Ruhm und Ehre und “Ordnung in der Judenfrage”


Im idyllischen schwäbischen Bauernhof-Museum Illerbeuren gibt es auch ein kleines Museum, welches anhand einiger weniger Ausstellungsstücke die Vergangenheit der Region vom Ersten Weltkrieg bis zur Zeit des sog. “Wirtschaftswunders” der 1950er Jahre passieren lässt. Dazu gehört beispielsweise ein Plakat welches über die “Kriegsgebote des Kartoffelbauers” informiert, u.a. “Halte die Kartoffel unkrautfrei…”

Eine gerahmte Urkunde mit Passbild informiert, dass Xaver Gruber aus Kronburg, geboren am 17.4.1898 von 1916 bis 1918 “Mitkämpfer im Ringen um des Reiches Bestand und des deutschen Volkes Ehre und Ruhm” war. Eine alte schwarz-gelbe Werbetafel plädiert: “Das Geld des Dorfes dem Dorfe! – Spart bei Eurem Darlehenskassenverein“. Es gibt auch ein paar Gegenstäde zu sehen: Auf einem Schrank ein Grammophon z. B., daneben auf einem weißen Deckchen ein Krug und eine Art Mandoline … ein paar ältere Trachten der Kronburger Tanzgruppe (1948 ..?), eine Eisdielen-Einrichtung mit Musikbox, mit Motorroller und dergleichen. Etwas hiervon, etwas davon, im Sinne von “nett”.

Hitler mit Kind in Illerbeuren MuseumKinderfreundlicher Hitler im schwäbischen Illerbeuren

Die Nazizeit wird auch nicht verschwiegen, aber in eher einfältig unschuldiger Weise präsentiert. In einer Vitrine sind mit einen herzlichen, fürsorglichen mit Kind dargestellten Hitler  (wohl) originale Propaganda-Plakate angeordnet die  heroisch für “Harte Zeiten, Harte Pflichten, Harte Herzen” werben, aber aber auch Karrieretipps  geben: “Vom Hitlerjungen zum Offizier des Heeres, Dein Weg!”

Hitlerjugend Wehrmacht Plakat Bauernhofmuseum Illerbeuren

Darunter liegt am Boden der Vitrine nun ein rotes Büchlein mit dem Titel “Ordnung in der Judenfrage“, als dessen austrofaschistische Verfasser  “Emmerich Cermak”  (gest. 1965) und “Oskar Karbach” ausgewiesen sind.

Was nun hat das Bauernhofmuseum im Juli 2013 mit einer “Judenfrage”  zu tun?

Waren die Initiatoren oder ihre Eltern in der Hitlerjugend und haben Karriere in der Wehrmacht gemacht? Haben Sie im Allgäu die “Judenfrage” geordnet? Erklärungen über Kontext und Motive fehlen.

Ordnung in der Judenfrage Czermak Karbach Illerbeuren Museum

Direkt gegenüber befindet sich jedoch eine weitere Vitrine … mit einer (vermutlich) originalen Bronzebüste von … genau: Adolf Hitler. Dahinter (!) haben die Macher ein Schwarzweiß-Photo vergrößert und für die Büste als Rückwand platziert, auf welchem nun allen Ernstes KZ-Häftlinge zu sehen sind, offenbar in einer Baracke. Auch hierfür fehlt eine Erklärung.

Ein Plädoyer dafür, dass unter den Häusern, Hütten und Schuppen die auf dem Gelände des Bauernhof-Museums zu sehen sind auch eine KZ-Baracke nicht fehlen sollte, da durch die vielen KZ-Außenlager überall es zur Geschichte der Region gehört?

So ist im Rahmen der Gesamtkonzeption der Kontext unverständlich. Wird es demnächst, analog zu Rindern und Schafen ein Gehege mit Hitler-Jungen geben ..?

Für Aufmärsche mit Musik jeden Morgen um 5 Uhr 45 ..?

Hitler-Büse Kz-Häftlinge Illerbeueren MuseumArrangement im Museum: KZ-Gefangene mit Hitler-Büste

???????????????????????????????“Nazi-Schrein” in Illerbeuren

4 Responses to Schwäbisches Museum: von Ruhm und Ehre und “Ordnung in der Judenfrage”

  1. Saskia says:

    Hast Du im Museum nachgefragt, wie diese Ausstellung zu verstehen ist? Mich würde ein Statement sehr interessieren. Ehrlich gesagt wusste ich gar nicht, dass man Hitlerbüsten einfach so aufstellen darf. Irgendwie war ich der Überzeugung, dass Formen der Verherrlichung von Hitler in Deutschland verboten seien. Mich widert das an, dass sich anscheinend niemand weiter mit dem Museum beschäftigt hat und es daher wohl vor Dir auch keinem Menschen aufgefallen ist.

    • yehuda says:

      Es scheint wirklich niemanden zu “stören”, war so aber auch schon letztes Jahr zu sehen (weshalb es langfristig so eingerichtet ist). Beim Besuch dort war jedoch ein sog. Trachten-Tag mit vielen Musik-Kapellen, Handwerkern, usw. weshalb die wenigen “Ordner” umlagert waren mit praktischen Fragen dafür. Im Museums-Shop hätte ich nachfragen können, aber da wäre ich sicher an jemanden verwiesen worden, der jeden zweiten Mittwoch telefonisch zu erreichen wäre. Wie auch immer schaden Diskusionen und Bestandsaufnehmen ja nicht. Und ich behaupte ja auch nicht, dass in jedem deutschem Museum Hitler-Büsten zu sehen sind.

      • Saskia says:

        Im Gegenteil, wahrscheinlich nur in ganz wenigen Museen…
        Irgendwie auch typisch Kleindstadt/Dorf. Dort halten sich bestimmte Vorlieben über Jahrzehnte, ohne dass die Einwohner sich ernsthaft damit auseinandersetzen…

        • yehuda says:

          Vielleicht ergibt sich mal eine Gelegenheit, es in Erfahrung zu bringen. Am “Musik-/Trachtentag” war wie gesagt sehr viel los dort – “denk-würdig” ist es aber schon.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

%d bloggers like this: