damals und heute – Augsburg – now and then


Augsburg beim Stadttheater 1913“Augsburg, Partie beim Stadttheater” (1913)

– Blick zur Grottenau und Karlstraße (früher Judengasse)

Augsburg Stadttheater Grottenau Karstraßeam heutigen Kennedy-Platz (2013) mit neuem “Patrizia” – Haus

Augsburg now and then, damals und heute

אוגסבורג – עבר והיום

3 Responses to damals und heute – Augsburg – now and then

  1. Saskia says:

    Woher genau rührt denn der Straßenname “Judengasse” oder “Judenberg”? Ich kann mich nicht erinnern, jemals “Christengasse” oder Ähnliches auf Straßenschildern gelesen zu haben.
    Lebten früher in diesen Straßen besonders viele Juden?
    Die historischen Hintergründe für diese Straßennamen würden mich sehr interessieren.

    • yehuda says:

      Ganz gute Frage. Im Mittelalter gab es in Augsburg ein jüdisches Viertel an der Judengasse, das einen Wohnblock mit Innenhöfen umfasste. Die Siedlung befand sich direkt beim sog. Königshof, wo der Vogt als Vertreter des Kaisers seine Burg hatte (längst abgerissen, aber heute sind dort, vielleicht um die Geschichte zu erklären, die „Stadtwerke“). Eine zweite ähnlich strukturierte Siedlung gab es in der Unterstadt (die viele Augsburger irrtümlich „Altstadt“ nennen), die sich zwischen Rathaus und Judenberg erstreckte. Die Siedlungen sind bereits im 13. Jahrhundert in städtischen (mittelhochdeutschen) Urkunden notiert. Dort taucht auch bereits der „Judenberg“ auf als Name für einen Steuerbezirk „Am J….“ und seitdem heißt er so, obwohl man ebenso gut Hunoldsgraben, Weiße Gasse, Pfladergasse und das Südende des heutigen Elias-Holl-Platzes hätte nach „den Juden“ benennen können. Im Übrigen waren weder Judengasse noch Judenberg „Ghettos“, im negativen Sinne. Es gab Juden, die außerhalb davon wohnten und Christen, die innerhalb davon lebten. Die Höfe wollten die Juden wegen der Eruv Chazerot – Gesetze. Der diskriminierende Charakter entstand anderswo, eventuell zunächst als literarischer Topos.

      Als Straßennamen tauchen beide Namen aber erst spät auf. Ab 1780 etwa gab es das sog. Litera-System, wonach die Stadt eingeteilt wurde in Bezirke mit Buchstaben A, B, C, D, … wo nun die Häuser der Reihe nach 1,2,3,4,5… abgezählt wurden (nebeneinander, nicht wie heute mit gerade oder ungeraden Zahlen sortiert). Die Adresse hieß dann z. B .„D 76“. Viele der alten Schilder sind übrigens noch erhalten. Erst 1938 wurde das System abgeschafft und durch das heutige ersetzt. Da existierten aber schon die Straßennamen im heutigen Sinne. Bevor sich Straßennamen durchsetzten beschrieb man Adressen nach der Nähe zu X, meist orientierte man sich an bekannten Gebäuden oder Plätzen, Toren, Brunnen, Mauern, Kirchen: „Am Weinmarkt“, „beim Rathaus“, „bei der Metzg“, usw. Die Judengasse wurde hundert Jahre vorher 1825 auf Wunsch der Anwohner in Karlstraße umbenannt.

      „Christenstraße“ erübrigt sich in einer mehrheitlich von Christen bewohnten Stadt, allerdings gibt es etwas spezifischer durchaus Namen wie Kirchgasse. Aber Du kennst doch auch ganz bestimmt in J’lem die berühmte שכונת הנוצרים ..?

      • Saskia says:

        Danke Yehuda, das ist total spannend! Ich bin ohnehin absolut geschichtsbegeistert und Deine Antwort fand ich sehr aufschlussreich. Augsburg ist in meinen Augen eine besonders interessante Stadt, auch unter historischen Gesichtspunkten betrachtet. Ich sag übrigens ebenfalls “Altstadt” und es ist der Teil von Augsburg, den ich am liebsten mag🙂 Ich las vor etlichen Jahren im Augsburger Stadtarchiv die Gerichtsakten zu einem Hexenprozess aus dem 17. Jahrhundert, der eine in der Fuggerei wohnhafte Familie betraf. Da wurde mir so richtig bewusst, wie viel Geschichte in den Mauern der alten Häuser steckt. Normalerweise denkt man vielleicht nicht so sehr darüber nach, wenn man durch die Gassen spaziert, aber sobald man bestimmte Orte mit Namen und Geschehnissen verknüpfen kann, wird Geschichte plötzlich so greifbar und lebendig.
        Ja, das Viertel in Jerusalem kenne ich, war erst vor Kurzem mal wieder dort🙂

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