City Augsburg: Kampf gegen Bäume


Gut zwei Jahre nach dem Auftakt der ersten Schnitte gegen alte hochgewachsene Bäume in der Augsburger City sind auch ihre Reste wortwörtlich mit stumpf und Stil ausgerottet worden. Man muss sich das so vorstellen, dass jede einzelne Phase des Projekts “Weg mit den Bäumen aus der Innenstadt” (Zurechtstutzen der Äste, Zerschneiden der Bäume, Zersägen der Stümpfe, Ausheben der Böden zur Entwurzelung) eine Anzahl von wenigstens einem halben Dutzend Facharbeitern involviert, die mit reichlich technischen Equipment, das aus mehreren Fahrzeugen und diversen lauten Werkzeugen besteht und dass sich ihre Tätigkeit, wegen diverser Pausen (Fachgespräche? Verkehrsprobleme mit Anwohnern, etc.) so etwa den ganzen Tag hinzieht, von früh bis spät.

Am Beispiel Schaezlerstraße, Ecke Holbeinstraße kann der radikale Kahlschlag auf der Westseite bildlich nachvollzogen werden:

Schaezlerstr Augsburg 2011 und 2013Man beachte, dass im ersten Bild von 2011 noch der rote Fahrradweg (die Älteren unter uns werden sich noch erinnern, wofür dieser angelegt wurde) vorhanden ist.

In dieser Gegend (entlang der Schaezlerstraße bis zum heutigen Bahnhof) befanden sich früher die großen und weit über die Region hinaus berühmten Sommergärten reicher Augsburger Patrizier, als großstädtisches Leben in und mit der Natur noch zum guten Ton der Stadtoberen gehörte – die bekanntlich ja trotzdem zu ihren Profiten kamen. (siehe u.a. das Buch von Gabriele Trauchburg – Häuser und Gärten Augsburger Patrizier, Deutscher Kunstverlag 2001). Heute erinnert daran das noch erhaltene barocke Gartenhaus der Schaezler, (wovon sich übrigens auch der Name Schaezlerstr ableitet) oder sagen wir besser: erinnern könnte, da auch der Rest des Hofes heute nur ein zubetonierter Platz ist, der zwar Parkplatz heißt, aber keiner ist. Hier herrscht sozusagen “Parkverbot” …):

Schaezler Gartenhaus Schaezlerstr Augsburg

Ehemaliges Gartenhaus der Schaezlerfamilie, von der Südseite. Daneben ist das betonerne Parkhaus, dass nun auch wieder nicht so heißt weil dort Bäume oder Parks untergebracht wären, sondern weil es diese komplett ersetzt. Man sieht schon, dass mit dem Begriff des “Parks” und des “Parkens” bereits die Gehirnwäsche ansetzte und Bäume konseqent ersetzt wurden. Das nennt sich Stadtkultur.

Ist Gehirnwäsche etwas, was bei uns nicht funktionieren, was Ihnen nicht passieren kann?

Denken Sie beim Wort “Parkplatz” an Bäume oder Autos ..?

Die nachstehenden Bilder zeigen den Hergang der Zerstörung anhand eines Baumes in Etappen:

Nun wo die Bäume endlich beseitigt sind, fällt pünktlich zum kalendarischen Frühlingsanfang mal wieder Schnee . Die “afa – Augsburger Frühjahrs Ausstellung – Verbrauchermesse für Lifestyle, Bauen und Wohnen” (http://www.afa-messe.de/home.html) hat trotzdem schon am 16. März geöffnet.

Lust auf Frühling?” wird da gefragt, angesicht des 137. Wintereinbruchs in diesem Jahr (5773) ist das keine originelle Frage. In der Augsburger Schaezlerstraße erübrigt sie sich mangels Bäumen und Vögeln sowieso. Autos blühen eben nicht und singen auch keine Lieder.

Aber vielleicht tut sich diesbezüglich ja etwas in der benachbarten Patri… äh Fuggerstraße …

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