Der 9. November in Augsburg – ein Jubiläum ohne Jubilar


Vor exakt hundert Jahren, am Samstag-Abend des 9. November 1912 wurde am St. Anna Platz vor dem Stetten-Institut der Goldschmiedebrunnen feierlich enthüllt. Gestiftet hatte ihn Sabine Bühler (geb. Ullmann, 1857-1930), Witwe des jüdischen Bankiers und Mäzens August Bühler, dessen früheres Bankhaus den Augsburgern heute als „Deutsche Bank“ am Königsplatz bekannt ist.

Die Brunnen-Figur, die einen Goldschmiede-Lehrling mit Pokal darstellen soll, wurde von ihrem Neffen dem renommierten Berliner Bildhauer Professor Hugo Kaufmann (1868-1919) geschaffen.

Der frühere St. Anna – Platz heißt seit den 1930er Jahren Martin-Luther-Platz. Auch das Stetten-Institut ist längst verschwunden. Das Institut ist umgezogen, das Haus am Platz wurde abgerissen, um einem modernen Betonbau Platz zu machen, der seit Jahrzehnten bereits das Kaufhaus „Karstadt“ beheimatet.

Nun, ganz pünktlich zum Jubiläum ist auch der Brunnen mitsamt der Figur „verschwunden“.

Zum 100 Jahrestag: Koan Brunnen – es bleibt dem Leser überlassen, das bayerisch oder japanisch zu deuten

Im Rahmen der im Gange befindlichen Umgestaltung der Innenstadt, die der Annastraße nach zweitausendfuffzig Jahren ein neues Straßenpflaster einbrockte, soll der Brunnen nur versetzt werden und zwar angeblich an seinen ursprünglichen Standort direkt an der am Platz vorbeiführenden Annastraße bei der heutigen Sparkasse.

Zwar zeigen auch frühe Vorkriegsbilder den Brunnen nur an seinem bisherigen Platz

(siehe z.B. http://www.bildindex.de/obj20461482.html#|home  )- aber was hilft hier Lamentieren?

Ausschnitt aus einem Augsburg Stadtplan des Jahres 1929, No. 3 = Goldschmiedebrunnen

Quelle: http://www.projekt-augsburg-city.de/innenstadt/

Im Januar hatten wir bereits auf den bevorstehenden Jahrestag hingewiesen:

https://jhva.wordpress.com/2012/01/12/der-augsburger-goldschmiedebrunnen/

Es ist nicht das erste Verschwinden der Brunnenfigur, deren Pokale schon immer immer wieder geklaut wurde. Die Nazi-Stadtverwaltung demontierte den Goldschmiede – Lehrling bereits im Jahr 1943, um das Material für Rüstungszwecke zu spenden. Dazu kamm es dann doch nicht. 1950 wurde die Figur auf einem Schrottplatz in Hamburg gefunden und fort wieder nach Augsburg gebracht.

Schade,  dass der Brunnen nun so punktgenau  vor dem heutigen runden hundertsten Jubiläum seiner Einweihung demontiert, zerbröckelt und abtransportiert wurde.

Die Chance, dem Datum 9. November in Augsburg wenigstens eine kleine, positiv besetzte jüdische Bedeutung zukommen zu lassen, wurde damit natürlich buchstäblich mit dem Presslufthammer beseitigt.

* * *

On 9th of November 1912 the Goldsmith Fountain was inaugurated. The remarkable monument was donated by Jewish widow Sabine Bühler (Nee Ullmann) to the City of Augsburg and was modelled by famous sculptor Prof. Hugo Kaufmann from Berlin, who was Mrs. Bühlers nephew. Now to the day one hundred years later,there is no ceremony, festivity or whatever in order to remember the anniversary. Instead, believe it or not, the fountain actually in the last days was dismantled. Neither local press nor TV took any notice.

Dead on time there just is a small heap of rubble left. The fountain however will be transfered to the other end of the place. Some day.

All pictures were taken between 1st and 9th of November 2012

3 Responses to Der 9. November in Augsburg – ein Jubiläum ohne Jubilar

  1. dworamismeret says:

    Das historische Bewusstsein ist in Augsburg leider recht gering. Schade, denn da wären soviel Pfunde, mit denen man wuchern könnte!

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