Das „Holocaust“ – Mahnmal in Berlin


Memorial for the murdered European Jews with Brandenburger Gate, the US Embassy and the Reichstag (Bundestag) in Berlin in the background

Das neben der Botschaft der USA gelegene „Denkmal für die ermordeten Juden Europas“ von Peter Eisenmann (Newark, NJ, 1932) in Berlin unweit des Brandenburger Tors und des Berliner Reichstags ist die zentrale Holocaust-Gedenkstätte Deutschlands. Es wurde nach langen Planungen und zahlreichen Kontroversen auf einem 19.000 m² umfassenden Areal im Mai 2005 fertiggestellt und umfasst in 54 Nord-Süd und 87 West-Ost-Achsen insgesamt 2711 Betonquader in der Höhe weniger Zentimeter bis zu 4.7 Meter. Die einzelnen Betonquader wurden mit einem Anti-Graffiti-Mittel behandelt, das von der Fa. Degussa geliefert wurde. Während der Nazi-Zeit lieferte die Degussa Tochter „DeGeSch“ (Abkürzung für “Deutsche Gesellschaft für Schädlingsbekämpfung”, als “Schädlinge”, im Sinne von Insekten wurden Juden von Deutschen angesehen) das berüchtigte „Zyklon B“. Da man die Ansicht vertrat, dass Degussa seine Vergangenheit vorbildlich „aufgearbeitet“ habe, wurde der Bau entsprechend fertiggestellt. Nun, nach wenigen Jahren zeigen manche der Steine aber bereits deutliche Risse, was in einer bestimmten Weise sehr typisch ist für die “Technik des Diskurses” in Deutschland. Kaum eine absolute Wahrheit, die nicht nach wenigen Jahren bereits schon wieder widerlegt wäre.

Das Arrangement erinnert an den Grabplatz am Ölberg in Jerusalem. Nach traditioneller jüdischer Vorstellung wird der Messias dereinst über das Kidrontal von dort nach Jerusalem einziehen. Ob die Macher des Denkmals damit einen alternativen Ort vorschlagen wollten, ist nicht bekannt und auch nicht unterhalb des sog. „Stelenfeldes“ zu erfahren, obwohl sich dort ein fast tausend Quadratmeter großer „Ort der Information“ („Information Centre“), mit Ausstellungsflächen, Vortragsräumen und einem Buchladen befindet.

Ignatz Bubis, früherer Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland, wies bereits darauf hin, dass Juden zur Trauer über die Ermordeten in ihren Familien das Denkmal nicht benötigten. Andere sprachen von einer „Monumentalisierung der Schande“  oder von Geldverschwendung. Doch wenn man zahlreiche Prachtbauten als auch Fehlplanungen alleine in Berlin berücksichtigt, nimmt sich das Denkmal recht bescheiden aus. Bevölkerung und Touristen haben sowieso ihren eigenen Umgang damit gefunden. Kindern und Jugendlichen dient das Gelände in erster Linie für Fang- oder Versteckspiele und das „Verbot“ die Quader zu begehen oder von einem zum nächsten zu springen, wird ebenso ignoriert wie das Mitbringen von Hunden oder das Rauchverbot. Trotzdem wirkt das Feld neben Reichstag und Brandenburger Tor, wo Besucher in Scharen flanieren und ab und an ein Autokorso mit Blaulicht wichtige Gäste in oder aus dem Regierungsviertel eskortiert, fast wie ein Ort der Ruhe.

נדרטה לזכר יהודי אירופה שנרצחו

Old things they are not forgotten

2 Responses to Das „Holocaust“ – Mahnmal in Berlin

  1. Sam says:

    und auch interessant ist, dass es genau 2711 “Blatt” im Talmud Bavli hat.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

%d bloggers like this: