Juden im fränkischen Georgensgmünd


Georgensgmünd im mittelfränkischen Landkreis Roth ist eine Kleinstadt mit etwa 6600 Einwohnern. Der Ort ist seit etwa 800 Jahren urkundlich belegt und seit Mitte des 16. Jahrhunderts gab es hier auch eine jüdische Gemeinde. Von 1548 bis 1792 gehörte Georgensgmünd zur Markgrafschaft Ansbach-Brandenburg, von 1792 bis 1806 es zu Preußen und seit 1806 zu Bayern, auch wenn  Franken letzteres auch nach 200 Jahren nicht gerne hören. Das Ortswappen zeigt in der Mitte zwei zusammenfließende Flüsse, nämlich die Fränkische Rezat und die Schwäbische Rezat, links davon ein rotes Kreuz, rechts davon zwei Hopfendolden, die anzeigen, dass Hopfenanbau hier eine große Tradition hat.

(local traffic map with Nuremberg and Fuerth in the center, also mentioned are Erlangen, Schwabach, Roth, Treuchtlingen, Solnhofen, Gunzenhausen, Feuchtwangen, Ansbach or Uffenheim. Previously we also had visited Rothenburg, Dinkelsbühl … Although the map actually was photographed in Georgensgmuend the townlet is not shown on the map. It is where the “h” of Windsbach is on the map, between Roth and Gunzenhausen)

(our friend and guide Ralf Rossmeisl explaining the fascinating history of the Mikwot in Georgensgmünd)

Aus der vierhundertjährigen Geschichte der Juden in Georgensgmünd ist heute heute noch der Friedhof mit Taharaha-Haus erhalten, sowie die ehemalige Synagoge mit zwei Mikwot und Resten alter Wandmalereien. Auch der Ehrenbürger von Georgensgmünd ist ein Jude, der in Emmerich am Rhein geborene Arzt und Sanitätsrat Dr. Heinrich Mehler (1859-1926), der sich 1887 im Ort niedergelassen hatte und für sein Wirken als Lungenarzt mehrfach vom bayerischen König ausgezeichnet wurde. Nach ihm sind heute eine Schule und eine Halle benannt.

Um 1600 lebten etwa 50 Juden in Georgensgmünd. Zeitweilig machten Juden etwa die Hälfte der Bevölkerung aus, wobei es eher müßig ist, dies schlüssig in Komma-Zahlen akkurat auszudrücken, wenn ansonsten niemand ordentlich Buch führte. Vor zweihundert Jahren etwa lebten etwa 70 Juden in Georgensgmünd und stellten dabei nur noch etwa ein Zehntel der Bevölkerung. Von 1894 bis 1896 wirkte Dr. Ernst Fränkl (1874-1940) als Lehrer in Georgensgmünd ehe er nach Augsburg ging, wo er über vierzig Jahre lang als Lehrer tätig war. Unter seinem Einfluss wandelte sich die Augsburger Gemeinde in eine Reformgemeinde bis zum Untergang in der Nazizeit nichts mehr zum Reformieren übrig war. Zwar blieb die Zahl der Juden in der Folgezeit etwa konstant (1910: 78), jedoch stieg die Gesamtbevölkerung auf 1600 Personen an. 1925 lebten noch 50 Juden am Ort und 1932 waren es dann nur noch 40. Auf den weiteren Countdown können wir verzichten.

Das heute erhaltene Gebäude der ehemaligen Synagoge wurde am 6. Adar 5494 (1734) eingeweiht, wovon eine Inschrift am Türstock des Eingangs zeugt. Etwa hundert Jahre später wurde die jüdische Schule mit einer Wohnung für den Lehrer angebaut. Weitere hundert Jahre später wurde das Haus an einen örtlichen Bäcker verkauft, trotzdem aber in der sog. “Reichskristallnacht” geschändet. Nach dem Zusammenbruch des Naziregimes wurde das Gebäude als Turnhalle benutzt, später als Wohnung.

source: http://www.after-the-shoah.org

(remnants of the Aron Kodesh inside the former Synagogue of Georgensgmuend)

1988 kaufte die Stadtgemeinde das Haus und begann mit der Sanierung, wobei Wandmalereien und einige Genisa-Funde entdeckt wurden. Seit 1997 ist die ehemalige Synagoge zur Besichtigung und für „kulturelle“ Veranstaltungen geöffnet, wobei der Hauptraum wegen seiner guten Akustik gerne für musikalische Darbietungen genutzt wird. Im Obergeschoss auf der Frauenempore befindet sich eine kleine Ausstellung, im Keller die alte und die neuere Mikwe. Interessant ist u.a. auch die „Durchreiche“, durch welche Frauen den Säugling zur Beschneidung in den Betsaal der Männer reichten und durch ein Gitter die Ausführung des Mitzwas beobachten konnten. Die Reste der Wandmalerei werden vielzitiert dem Maler Elieser Sussmann zugeschrieben, der aus dem polnischen Brody stammte, Sohn des Kantors Schlomo Katz war und in der Zeit 1730-1740 im fränkischen und schwäbischen Raum eine ganze Reihe von Synagogen bemalte (u.a. die berühmte Holzsynagoge aus Horb). Von der Inneneirichtung der früheren Synagoge hat nichts die sinnlosen Zerstörungen durch die örtlichen Nazis überlebt.

Im Jahr 2000 wurde vor dem Eingang hingegen ein effektvolles Denkmal mit Namen ermordeter jüdischer Bürger aus dem Landkreis aufgestellt.

(Detail of the Holocaust Memorial in Georgensgmünd with the names of Hanna Rachelsohn, Max Rosenfeld, Selly Rosenfeld, Siegfried Schönfrank, Elisa Seller, Justin Schülein, Recha Strauss, Berta Süss-Schülein, Siegmund Süss-Schülein and Antonia Weinfeld)

Hebrew inscription at the entrance door of the synagogue. It quotes Psalm 118.19 “פתחו־לי שערי־צדק אבא־בם אודה יה” what means “Open to me the gates of the righteous, so I will enter and thank God“.

However the restorers made some mistakes and put a Vav letter instead of a Yud in שערי and a Sayin instead of the Yud in the word יה, so the later now reads זה and the other שערו, and the meaning now is: “Open to me his righteous gate, so I will enter and thank this”. However the initial word פתחו was written as a number. The numerical value of the letters add up to 494, signifying the date of the inauguration of the synagogue, which was on Adar 6 in 5494 (1734).

At the outside walls of the synagogue also are some leftovers of Hebrew inscriptions. Unfortunately I was too stupid to take a second battery for my camera with me to record more details …

(A fine piece of religious artwork from Georgensgmünd)

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