Jüdischer Friedhof Kriegshaber: Nicht die Zeit heilt Wunden, sondern Pflege


Babette Obermayer / Wertheimer (1794-1850) wurde in Kriegshaber gegenüber der ehemaligen Synagoge geboren. Sie war die Tochter des Kriegshaber und Augsburger Bankiers Jakob Obermayer (1755-1828) und der Ida Oppenheimer (1765-1845) aus Pfersee und die jüngere Schwester des Bankiers und Eisenbahn-Pioniers Isidor Obermayer (1783-1862), der in Augsburg das heutige Augsburger Standesamt an der Maximilianstraße/Heilig Grab Gasse als Wohnhaus der Familie erworben hatte.

Durch ihre Heirat mit dem aus Regensburg stammenden Siegfried (Isaak) Wertheimer (1777-1836) wurde sie zur innig geliebten Stiefmutter von Ferdinand Wertheimer (1817-1883), des späteren oberösterreichischen Landtagsabgeordneten, Agrarökonom, Gutsbesitzer, Eisenbahnbauer und Ehrenbürger von Braunau, Ried und Ranshofen. Da Ferdinand Wertheimer Ehrenbürger Braunaus war und Adolf Hitler in der Kapelle auf dem Gutshof der Wertheimer getauft wurde, lag die Vermutung nahe, dass die Schändung seine Grabes und das seiner Stiefmutter, die öfter für seine leibliche Mutter gehalten wurde, in diesem Zusammenhang veranlasst worden sein konnte. Das Grabmal – eine Gruft – der am 14. April 1850 in Wien verstorbenen und eine Woche später am jüdischen Friedhof von Kriegshaber / Pfersee beigesetzten Babette Wertheimer, war über Jahrzehnte offen und es kostete in den letzten Jahren stetige Mühe die unakzeptable Schande immer wieder aufs neue zu thematisieren.

Umso erfreuter und erleichterter waren wir nun, dass es nun endlich gelang, alle Verantwortlichen so weit zu bringen, die Verantwortung zu übernehmen, um die erforderlichen Sicherungsmaßnahmen (unachtsame Besucher, darunter auch über die Mauer kletternde Kinder konnten ggf. in die offene Gruft hinein sinken, die mit allerlei Zivilisationsmüll übersät war …) vorzunehmen und das offene Grab endlich zu schließen. Unser ausdrücklicher Dank gilt hierbei dem neuen Friedhofsdezernent des Landesverband der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern, Herrn Martin David Kurz, dem Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde Augsburg Schwaben Herrn Alexander Mazo und dem zuständigen Friedhofsbeauftragten Herrn Alexander Baron, und dem ausführenden Steinmetz Herbert Böllner.

Unser Dank gilt allen Genannten in gleicher Weise auch in Bezug auf die Beseitigung einer weiteren Schande, nämlich, das gleich in der Nähe befindliche Grabmal des Carl von Obermayer (1811-1889), des Sohnes des oben genannten Isidor Obermayer, dem ersten formellen Vorsitzenden der neuzeitlichen Augsburger jüdischen Gemeinde unter dessen Leitung ein Wohnhaus in der Wintergasse zur Synagoge umgebaut und der Grabplatz für den eigenen jüdischen Friedhof im Augsburger Stadtteil Hochfeld zwischen Altem Postweg und Haunstetter Straße erworben wurde. Er war zudem Oberst der Landwehr alter Ordnung in Augsburg und damit ranghöchster jüdischer Offizier in Bayern, darüber hinaus ein bedeutender Militärstratege, Mäzen, Opernliebhaber und schließlich auch lange Zeit Konsul der Vereinigten Staaten von Amerika in Bayern. Unsere Bemühungen, ihn im Jahre 2011 anlässlich seines 20o. Geburtstag seitens der Stadt Augsburg würdigen zu lassen, waren trotz lokaler und internationaler Unterstützung leider vergeblich. Nun jedoch wurde nach langen Jahren vergeblicher Bemühungen, zu denen wir selbst auch den (moralischen) Beistand eines Bundeswehrgenerals erhielten, gelang es nun doch, seine seit Jahren zerschlagene endlich zu wiederherzustellen und eine weitere schändliche Wunde am Kriegshaber Friedhof zu heilen.

Nichtsdesto trotz wurden eine Menge noch bestehender, aber auch neuer Probleme ofenbar, die keine weiteren Jahre oder gar jahrzehnte sich hinschleppende Querelen ertragen können. Es zeigt sich nämlich im Bereich des alle kümmernden Denkmalschutzes im Sinne der Halacha, dass die Zeit keine Wunden heilt, sondern nur Taten und kontinuierliche Pflege. Es ist ein Mitzwa und ein Gebot des Anstands, alle Kräfte zu bündeln, um das Andenken and die Menschen aufrechtzuerhalten.

One moth earlier it looked liked this:

* * *

Decades and years after the willful destruction of the grave markers of Ferdinand Wertheimer and his alleged mother (actually she was his step mother) Babette Wertheimer as well as the memorial of Carl von Obermayer, it finally was possible to prevail on the owners and responsible people to recover the peace and honor of the deceased and to remove two major eyesores and stain on the reputation of the Cemetery, community and region, hardly any took notice for decades, although the buried during their lifetime were well known personalities of high international renown. The “open grave” (actually a small vault) of Babette Wertheimer (nee Obermayer), probably desecrated by the Nazi now was stabilized and covered. Also the grave marker of Carl von Obermayer who was Consul of the United States of America (appointed by US President James Knox Polk (1795 – 1849)himself, which was smashed for many years now was stabilized and the honor of the buried now was restored.

Many thanks to the stone masons for their tremendous work and to the bodies of the Jewish Community of Augsburg and the Assosiation of Jewish Communities in Bavaria as legal owner, resp. and customer of the long overdue works in order to protect the unique munuments.

Lets hope that the vigor may be maintained, since there are a number of open problems as well as newly created ones who need immediate and responsible action and no further delay or neglect for years or maybe decades. Once again it turned out that regarding monument protection times does not heal wounds of the past, but constantly taking care: to walk the talk.

 

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