Die Judensau im fränkischen Spalt


Innenhof Stiftsgasse 10 in Spalt, Franken – Judensau mit Tafel und brauner Tonne (links), Waschbecken (rechts)

Im kleinen fränkischen Städtchen Spalt, zwischen Ansbach, Nürnberg und Treuchtlingen gelegen befindet sich im Hinterhof eines Hauses in der Stiftsgasse 10 die Darstellung einer  sog. „Judensau“.

Eine daneben angebrachte Glastafel sorgt für die nötige Transparenz und erläutert die offenbar 20. Station einer Erinnerung an „1200 Jahre Spalt“ (= 810-2010):

 

“Sogenannte „Judensau“

Wohl aus dem 15. Jahrhundert stammend.

Darstellung eines Juden mit einem Schwein – einem für sie unreinen Tiers.

Ursprünglich an einem ehemaligen Stiftsgebäude angebracht.

Absicht: Die Juden als sogenannte „Gottesmörder“ zu verhöhnen.

Eindeutig ein dunkler Fleck in der Spalter Geschichte.

Stadt Spalt – Heimatverein Spalter Land e.V.“

Eine Datierung dazu gibt es nicht, aber man kann für dieses „Genre“ wohl das späte 14. und frühe 15. Jahrhundert vermuten. Um welches „Stiftsgebäude“ es sich handelte (der frühere Straßenname Herrenstr.  deutet vielleicht auf sog. Chorherren) und wer es dort warum angebracht hat und wie die Darstellung nun in den Hinterhof kam, bleibt zunächst unklar, aber ein Spalt ist begrifflich auch eine Lücke und Lücken gibt es häufiger auch in der Überlieferung.

Zumindest aber erzählt ein Video auf youtube, das in zwei Jahren immerhin schon 81 mal aufgerufen wurde, wie es beinahe hätte sein können:

Na, wenn es so gewesen wäre, gäbe es das Thema nicht …

 

Es ist nicht die erste „Judensau“-Darstellung, die uns begegnet, aber doch regt jede Variante immer auch zum Nachdenken über Sinn und Zweck an. Das Exemplar im fränkischen Ort Spalt zeigt ein Schwein unter dem ein Mensch mit angewinkelten Beinen liegt, fast in der Art wie man es von Automechanikern kennt. Am Kopf befindet sich der eher typisierende als typische Judenhut. Da ahnen wir nun, dass der Judenhutträger doch kein Automachaniker ist und keine Zündkerzen auswechselt, sondern mit den Händen an die Zitzen des Schweins greift und vielleicht auch daran saugt. Man erkennt auch noch angedeutete Überreste weiterer Figuren an den Seiten und von oben. Aber das lässt sich alles nicht mehr sicher bestimmen, da die Skulptur doch bereits etwas verwittert ist… Als Idee hingegen ist es aus zahlreichen anderen Darstellungen durchaus geläufig. Und es ist klar, was gemeint ist. Oder?

Bleibt in Spalt also der Jude, der unterm Schwein liegt und offenbar von den Zitzen der Sau saugt. Die Begleittafel sagt uns, dass die Absicht der Darstellung darin bestünde, die Juden als „Gottesmörder“ zu verhöhnen, doch das erscheint noch weniger logisch als das Bild. Zum einem lässt sich so ein „Gott“ nicht mal eben ermorden wie ein Schwein, zum anderen gibt es nach jüdischem Verständnis, welches kein Eigengewächs ist, sondern der Tradition gemäß eben auf die Tora zurückgeht, nur den EINEN und der kann nicht getötet werden, noch weniger als wie eine Ameise unsere Sonne zum Erlöschen bringt. Wie auch immer hat auch der christliche Vorwurf des „Gottesmordes“ wohl sicher nichts mit dem Abbild der Judensau zu tun, außer der Verfasser der Tafel wollte sagen, dass der Jude hier einen Gott in Schweinegestalt eventuell durch Bisse tötet. Das gäbe dem ganzen zwar einen hand- oder gar bissfesten Bedeutungshintergrund, wäre dann aber wie schon gesagt, doch eher … unklar. Jedenfalls ist sicher abwegig anzudeuten, dass die Juden einen Schweinegott getötet hätten.

Das Schwein ist gemäß den Vorgaben der Tora, wie allgemein bekannt zu sein scheint, in keiner Weise zum Verzehr geeignet. Das trifft natürlich so auch auf Katzen, Hunde, Hasen oder Pferde zu und selbst Löwen und Bären, die sich gerne auf jüdischen Wappen finden. Sie sind nicht koscher und dürfen nicht gegessen werden und … übrigens auch nicht getrunken. Ist das Pferd nicht koscher, so auch nicht die Milch von Pferden. Klare Logik, außer bei Bienen, deren Honig man essen darf.

Nun wirft aber die gerade die Darstellung der Spalter Judensau die Frage auf, was der Jude an der Zitze der Sau wohl zu saugen oder zu fingern hat. Vom bio-logischen Standpunkt müsste es sich um Milch handeln. So ein Käse, mag man meinen. Und in der Tat – Überraschung, Überraschung – nirgendwo, auch nicht in deutschen Landen, wo schon viele Schwein gehabt haben, findet man sie nicht – die Schweinemilch, den Schweinekäse.  Nichts. Da kennt man eher noch das „Mäusemelken“ im … nun ja, im deutschen Volksmund, sprichwörtlich, versteht sich. Aber zum Thema „Judensau“ sollte das doch mal zu denken geben, warum fromme Christen Juden unterstellten, sich ihre Milch vom Schwein zu holen, wo Christen selbst und bis heute Schweinemilch und Schweinekäse völlig unbekannt ist.

source:

http://fa.wikipedia.org/wiki/%D8%AE%D9%88%DA%A9_%D8%A7%D9%87%D9%84%DB%8C

Schweine sind aber ohne Zweifel Säugetiere und Sauen geben Milch. Schweine sind keineswegs kleiner als Schafe oder Ziegen und geben nicht weniger Milch, eher mehr. Warum es trotzdem aber keine Schweinemilch und Produkte daraus im Bioladen oder Supermarkt zu kaufen gibt?

Darüber gibt es verschiedene Vermutungen, die aber alle nicht so recht überzeugen, weil man alles in selber Weise auch in Bezug auf Kühe, Schafe oder Ziegen sagen könnte, etwa das doch die Ferkel die Milch bräuchten, … gerade so, als ob man darauf bei Kühen Rücksicht nehmen würde. Schweinemilch habe einen eigenartigen, fast strengen Geschmack, aber auch einen geringeren Gehalt an Fett und Kasein. Das mag stimmen, bei Menschen, … Ziegen und Kühen ist der Fettanteil etwa bei 4 % und wird von den gewöhnlichen Milchtieren nur von Schafen mit 5-6 % übertroffen. Pferdemilch, die es als, wenn auch seltenes, Produkt immerhin gibt, bringt es nur auf 1.5-2 % Fett. Diese Werte erreicht nun aber auch die Milch vom Schwein.

Bei der großen Menge von Schweinen und ihrem geradezu typischen Verbreitungsgrad überrascht das dann doch. Gesagt wird auch, dass Schweine keine Euter haben (Pferde auch nicht) und sie würden nicht so viel Milch „auf einmal“ produzieren, weshalb man öfter täglich kleine Mengen melken müsste. Richtig überzeugend sind diese Erklärungen nicht, denn irgendein cleverer Mensch hätte längst schon eine effektive Schweinemelkmaschine entwickelt, um die Produktion von Schweinemilch zu beschleunigen und zu vervielfachen, gäbe es denn auch nur den Ansatz einer Nachfrage nach Saumilch oder Schweins-Gouda. Interessanterweise finden sich im Internet dann eher noch Beispiele für Versuche aus Menschenmilch Käse herzustellen, Ekel hin, Ekel her. Dann meinen manche aber auch noch , dass kleine Ferkel zu sehr den Babies von Menschen ähnelten … und dass man deshalb keinen Käse aus ihrer Milch herstellte. Trotzdem nun aber finden wir immer wieder die Darstellung von Juden, die von den Zitzen der Sau trinken wollen.

In the court of a house in small Middle Franconian town of Spalt (the German word means “gap”, but more likely derives from spelt, the corn.  The town also has a famous beer tradition) there is another stone depiction of the meadieval German motif of the “Judensau” (Jews Sow), which was attached on the wall of a church, probably. The stone to some degree has weathered, but it is easy to make out the sow and a man with typical Jewish hat lying under the animal and obviously sucking from the teats of the sow.

Next to the depiction is an information board which says that the aim of the “Judensau” was to mock the Jews as “deicider”, what of course only would make sense if the sow was a god and the Jew bites it to death or something.

However, another puzzling question is why Jews were depicted as sucking from the teats of sow – and what actually … milk as we may assume – … however not even Christians at any time have developed products of sow or pigs milk and thus there is also no pig cheese. There are a number of rather clumsy explanations (to complicated, to little fat content, and so on) why there is none, but of course we may expect that whenever there would have been the least demand for hog milk or cheese, etc., they would have invented machinery, proceedings to make it … big. Sure.

Jews sow of Middle Franconian townlet of Spalt

ואבקש מהם איש גדר־גדר ועמד בפרץ לפני בעד הארץ לבלתי שחתה ולא מצאתי

22.30 יחזקאל

3 Responses to Die Judensau im fränkischen Spalt

  1. Habel János says:

    Alles ist in Ordnung mit dem Film-Link hier, nur im zugesandten Newsletter über diese Eintragung wollte er nicht funktionieren.
    Beste Grüsse,

    János

  2. Habel János says:

    Danke für die Eintragung, sie ist auch amüsant, nicht nur interessant.
    Leider funktioniert der Link zu Youtube-video bei mir nicht.
    Viele Grüße aus Südungarn!
    János

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