two thousand days

April 16, 2012

The JHVA has become 2000 days old, what is almost 286 weeks.

Many thanks to all members and friends

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Himlita – Ingwer und Honig: gesund, scharf und süß wie der Talmud

April 15, 2012

Bereits der Talmud erwähnt in Honig eingelegten Ingwer als Himlita (himlata הימליטא) genannte Spezialität der jüdischen Küche, deren Ursprung auf Indien (הודו) verweist. Das talmudische Rezept ist auch in der mittelalterlichen rabbinischen Literatur Europas geläufig und verändert sich in der jüngeren Geschichte vor allem zu kandiertem Ingwer. Aber auch Lebkuchen (engl. ginger bread), Ginger Ale und das etwas würzigere Ginger Beer sind heute allgemein verbreitet.

Die talmudischen Weisen hatten über Ingwer die best mögliche Meinung und attestiertem, dass anders als die meisten Lebensmittel, die sowohl gute als auch schädigende Effekte auf die Gesundheit des Menschen oder auf Teile des Körpers hätten, Ingwer ausschließlich gute Eigenschaften habe. (Pesachim 42b)

Wo immer Juden lebten, hatte Ingwer immer eine gute Wirkung bei der Heilung verschiedener Krankheiten und Leiden, von Übelkeit über Migräne und Zahnschmerzen bis Rheuma. Rambam, der bekanntlich Leibarzt des Sultans in Ägypten war, attestierte dem Ingwer zudem auch eine positive Wirkung auf den Stoffwechsel sowie als Heilmittel bei Durchfall.

Die moderne Medizin widerspricht dem nicht, sondern addiert zusätzlich positive Effekte des Ingwers beim Senken des Cholesterinspiegels, bei der Stärkung von Leber und Nieren und bei der Bekämpfung von Krebszellen (zumindest bei Tieren schon nachgewiesen). Der hebräische Name für Ingwer ist זנגביל (sangwil) und erinnerte im mittelalterlichen Europa an die geläufige Koseform „Sanwil“ zum biblischen Namen Samuel (שמואל, schmu’el, sam’wel). Zahlreiche mittelalterliche und nachfolgende Kommentatoren lobten den ab und an auch regional angebauten Ingwer außerodentlich und sagten das oft dafür synonym gebrauchte  “Himlita ist sehr gesund und ein gutes Beispiel für eine mit Honig gesättigte Anmischung“ (Jehua Löb Oppenheim Pfersee, “Geschenk”)

 

Die Zubereitung des Himlita-Rezepts ist ganz einfach:

Eine Ingwerwurzel in kleine Stücke schneiden und in Honig einlegen oder den Ingwer pürieren und mit nach Geschmack entsprechend viel oder wenig Honig dazu verrühren. Da manche Honig sehr süß, andere puren Ingwer als zu scharf empfinden, muss jeder sein optimales eigenes Mischungsverhältnis selbst herausfinden.

 

Himlita recipe: 200g ginger root, 1 or 2 tablespoonful of comb honey

According to Talmud the spicy & sweet Himlita recipe stems from India. Most probably in the time when the Persian rule, as told in the biblical Book of Esther, spread from ancient Greece to India and Afghanistan it arrived Jewish kitchens and dispensaries.

Ginger as the Talmud points out already in ancient times was regarded as remedy for all kind of maladies as fever, rheumatism, megrim, ucers, etc. and was considered to be one of few victuals without detrimental side effects.

The Talmudic Hemlita recipe combines fresh ginger with honey. The root is cut in pieces and dipped in honey. Alternatively the ginger root is mashed and stirred in honey.

Since honey is very sweet and ginger somewhat “hot” the best mixing ratio for you will be your own.

Some prefer 95 percent ginger, others give the sweet taste the preference.

Pictures and recipe version by Margit Hummel


ארי בין הרחבות

April 12, 2012

Synagogue of Augsburg

אמר עצל שחל בדרך

ארי בין הרחבות

משלי כ’ו י’ג

Ленивец говорит: лев на дороге..! лев на площадях..!

The sluggard says: there is a lion in the way, a lion on the roads

(Proverbs 26.13)


Kleines Zittergrass

April 11, 2012

Die Wogen des vorösterlichen Sturmes im lyrischen Wasserglas der Republik ebben ab und frei nach Karl Valentin wurde alles von allen gesagt, dabei war jedoch wenig Substantielles dabei. Die “causa” hat an sich keine sonderliche Aufmerksamkeit verdient, da sie die Realität nicht tangiert, andererseits ist es zumindest durch den Tonfall doch auch “Zeitgeschehen” und spiegelt die Gemütslage vieler Schreiber wieder und das ist ja auch was schönes, wo doch Pessach und Ostern sich diesesmal kalendarisch begegneten und man fragen konnte, ob das Afikoman oder die (ab)gefärbten Eier besser versteckt wurden.

Wenigstens wähnt sich Grass, der es sich offenbar auch nicht einfach macht, als Autor des eigenartigen „Gedichts“ von einer „gleichgeschalteten“ (deutschen, internationalen) Presse bedrängt, was zum einem eine vielleicht von vielen schon vor hundert Jahren vermuteten durch Juden initiierte Verschwörung aufdeckt, oder etwas wahrscheinlicher, einfach nur die inzwischen arg vereinfachten Denkmuster des Nobelpreisträgers wiedergibt:

Israels Regierung hingegen verhängte nach tagelanger Ignoranz des Themas – scheinbar war Pessach wichtiger – als völlig angemessene Überreaktion ein “Einreiseverbot” gegen Grass (das so auch für Ahmedinejad besteht). Der wollte sicher gar nicht kommen, kann sich aber nun wie zahlreiche Kommentatoren darüber ärgern, nicht zu dürfen.

Zum Trost wird er sicher schon Einladung aus Teheran und Ghom in der Tasche haben, zumal das ironische, äh … iranische Fernsehen seinen Text verfilmen will.

2 + 2 = 5

Eine nette – weil dichterische Antwort – auf Günther Grass findet sich vielfach im Internet. Sie stammt von Helmut Zott und bringt alles wichtige dazu auf den Punkt:

 

Dementia senilis

Ein Mensch, der geistig eingeschränkt
und den mit Namen jeder kennt,
der einst bei der SS gewesen
hat offenbart sei Geisteswesen,
indem er nun sein Schweigen bricht
und öffentlich zur Sache spricht.
Ein Sozialist von dazumal
war braun und dachte national,
und heute ist ein linker Schwätzer
auch Judenfeind und Judenhetzer.
Natürlich kennt der alte Grass
nicht ganz persönlich Judenhass,
doch ganz versteckt und eingelullt
sind Juden doch an allem schuld.
Dass im Islam ganz unverdeckt
der Judenhass im Denken steckt,
und der Iran die Bombe baut,
wovor es auch dem Westen graut,
um das verhasste Staatsgebilde
zu liquidieren ohne Milde,
all das verdrängt der Sozialist,
der sehr beschränkt im Denken ist.
Die Judenhasser im Iran
sieht Grass mit großer Nachsicht an,
und äußert ungeschminkt empört,
dass Israel den Frieden stört.

Helmut Zott

zitiert nach:

  1. http://deutschlandwoche.de.dd25630.kasserver.com/2012/04/05/israels-ministerprasident-netanyahu-antwort-auf-grass-gedicht/

 

 


Was there a bomb attack at the Augsburg’s central bus station ..?

April 10, 2012

Just beforehand: there was none

… but it would not have looked much different if there actually was one.

Sighs of relief in Augsburg, because fortunately the devastation in the center between old city and railroad station, only a minute away from the synagogue, was not caused by Al Qaida or other terrorist but by order of the municipality. So of course no one is shocked or unhinged, but businesslike tranquilized as if the destruction was daily routine and not worth mentioning.

Of course it is noteworthy and of course it is kind of routine: The central bus and tram station at Königsplatz in Augsburg currently is being completely rebuilt. This means that the entire bus and tram stop station with all its infrastructure such as shops or cafeteria, ticket office, etc. now will be demolished.

It is somewhat bizarre to look behind the tarps which cover severely damaged halfway destroyed buildings in the center of Augsburg used to the people in Augsburg for decades on a daily basis. Since the old 1970’s central station actually was no architectural masterpiece (neither is the projected one, which just is, let’s say “contemporary”) no one seriously will raise monument protection issues or other sentiments.

However, it involves a number of other questions. How citizens deal with the destruction of familiar infrastructure of their city behind tarp barriers? What effect has a development which breaks up previous daily routine and leaves countless dimming memories ..?

But maybe in times and terms of standardized street cafés and uniform commercial chains in pedestrian zones, shopping malls and centers, etc. structural peculiarities of a city indeed already have lost their local and historical intrinsic value.

City planner, policy-makers and other experts of course have quite different values: average values, to be exact. Need based per capita indicators, traffic flow calculations and the like customized for ideal standard citizens who have one bubby, one testicle and one point two children. 56 % of them support any measure as it was reported.

Auch wenn es so aussehen mag, Al Kaida hat am Augsburger Königsplatz keinen Anschlag verübt. Sämtliche Zerstörung am bisherigen Haltestellendreieck geschahen auf Anordnung der Stadt Augsburg. Im Rahmen des Umbaus wird derzeit – lediglich unterbrochen von den christlichen Osterfeiertagen – die bisherige Konstruktion abgerissen, um Platz für eine modernere und zweckmäßigere zu schaffen. Alles geschieht mehr oder abgedeckt durch Planen, jedoch kann man den Fortschritt im Abriss auch mittels einer eigens eingerichteten Webcam verfolgen, die vom Sparkassengebäude aus die Arbeiten verfolgt und dem Vernahmen nach einigen Zuspruch findet.

http://www.projekt-augsburg-city.de/seiten/webcam-koenigsplatz/


Der Grabstein der Ester in Neuburg an der Donau

April 6, 2012

Eine Besonderheit in Neuburg ist ein 1955 bei Bauarbeiten im ehemaligen Seminargebäude bei der ‚Harmonie‘ gefundener hebräischer Grabstein, der nach Angaben des Führers der „Prähistorischen Staatssammlung“ im Vorgeschichtemuseum Neuburg an der Donau von Petra Haller aus dem Jahre 1993 (S. 48) „als Treppenstufe eines Kellers des ehemaligen Pfarrhofes der Neuburger Hofkirche” gedient haben soll. Es wird angenommen, dass der Grabstein von einer kleinen jüdischen Begräbnisstätte stammt. Für die Existenz eines jüdischen Friedhofes ist ein einziger Grabstein, der noch dazu in einer Kellertreppe aufgefunden wurde nun gewiss kein ausreichender Beleg.

Der Grabstein befindet sich heute im Schlossmuseum, umgeben von prähistorischen Funden. Der Stein selbst ist nicht vollständig erhalten. Er ist gegenständlich vermessen etwa 80 cm hoch, bis zu 45 cm breit und etwa 20 cm tief und aus Kalk. Die am Grabstein lesbare Inschrift שנת אחת (Jahr eins) datiert ihn wohl auf das Jahr 5001, was dem christlichen Jahr 1241 entspricht. 4001 entspräche dem Jahr 241 und 6001 wäre erst 2241. Das genauere Datum ist ערב שבת יג סיון. Da auf den 13. Sivan 5001 tatsächlich ein Schabbes folgte, ist die Angabe als solche korrekt. Als genaues christliches Datum ergibt dies Freitag den 24. Mai 1241, wegen der Anspielung auf den bevorstehenden Schabbes dürfen wir als Todeszeitpunkt wohl den (späteren) Nachmittag vermuten. Gewidmet war der Grabstein מרת אסתר der Frau Ester. Die Anrede lässt üblicherweise auf eine verheiratete Frau schließen, weshalb die im folgenden Zeilenanfang fehlende, aber im auslautenden Buchstaben noch angedeutete Kürzel als Frau von zu lesen wäre. Demnach wäre sie die Frau des אברהם Abraham. Im Museums-Führer wird der Name Abraham als Hinweise darauf gedeutet, dass es sich bei Ester um eine Tochter Abrahams handelt und zudem in dem Sinne, dass sie zum Judentum konvertierte.

Mit dem Übertritt ins Judentum erlöschen gemäß der halachischen Auffassung, die für Konvertiten ja gelten muss, alle vorherigen Bindungen, auch die an die eigenen, nichtjüdischen Eltern. Um diese Lücke auszugleichen ist es durchaus so, dass viele Konvertiten den Namen Abrahams einsetzen, um selbst als Sohn oder Tochter Abrahams bezeichnet zu werden, nehmen wir beispielsweise „Jakob ben Abraham“. Nun ist es aber keineswegs so, dass jeder der als „ „bar / ben Abraham“ bezeichnet wird, selbst ein Konvertit sein muss. In den allermeisten Fällen ist dies nicht so. Das liegt daran, dass Abraham als Name wegen des Vater aus der Tora sich bei Juden in allen Jahrhunderten hoher Beliebtheit erfreute. Viele Konvertiten nehmen aber auch selbst den Namen Abraham für sich selbst an. Zum anderen gibt es eine zweite größere Gruppe von Konvertiten, die anstelle von Abraham „David“ verwenden und sich also als „Sohn Davids“ nennen. Da David ein nicht minder geläufiger jüdischer Vorname ist, ergibt sich daraus auch hier keine Möglichkeit daran, einen Konvertiten zu erkennen. Frauen die konvertieren wählen häufig Namen der biblischen Mütter, wie Lea, Rachel, Rebekka (Rivka), Sara, etc. Eine Konvertitin würde wahrscheinlicher „Ester bat Sara“ als „bar Abraham“ heißen, da sich die konvertierende Frau an den biblischen Müttern orientieren würde und nicht an den Vätern. Lange Rede –  kurzer Sinn, bereits die dem Namen vorangestellte Anrede als מרת (marat) macht deutlich, dass es sich bei Ester um eine wohl verheiratete Frau handelt.

Zwar wissen wir nun, dass es sich um den Grabstein der Frau Ester, der Ehefrau des Abraham, handelt, die am 13. Sivan 5001, bzw. am späten Nachmittag des 24. Mai 1241 gestorben ist, doch damit hat es sich bereits auch wieder. Wir wissen nicht woher sie stammte und können aus zwei bloßen Namen keine weiteren Zusammenhänge ableiten.

Den in Neuburg vermuteten jüdischen Friedhof gab es sehr wahrscheinlich nicht. Die Anlage eines Friedhofs erfordert, wie wir aus zahlreichen bekannten Beispielen mit bekannten oder gar erhaltenen jüdischen Grabplätzen wissen, eine durchaus längerfristige und konstante jüdische Präsenz an einem Ort und zudem auch eine etwas größere jüdische Gemeinschaft. In aller Regel bekamen die Juden dafür weder bereitwillige Unterstützung noch etwas geschenkt. Oft wurden die Plätze nach längeren Verhandlungen zu recht üppigen Preisen gekauft, ohne hernach von Wegzoll und sonstigen Abgaben befreit zu sein. Da es für eine dauerhafte und umfangreichere jüdische Gemeinschaft in Neuburg an der Donau für die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts keinerlei Anzeichen, zumal erst einige Jahre nach 1241 die Wittelsbacher damit begonnen haben sollen die kleine Stadtburg auszubauen. Seine Blütezeit erreichte Neuburg jedoch erst im Laufe des 16. Jahrhunderts mit der Gründung des Fürstentums Pfalz-Neuburg und des Ausbau des bislang bescheiden Ortes zu üppigen Residenzstadt. Zwar werden gerade Kirchenbauten oft und gerne in weit, weit entfernte Zeiten zurück datiert, doch stammen auch sie im wesentlichen doch aus jenen guten Tagen, in welchen fromme Fürsten Kirchen und Altäre stifteten, auch um eigenen Verfehlungen Abbitte zu leisten.

Hebräischer Grabstein nach 1521 eingemauert im Innenhof eines Hauses in der Altstadt von Regensburg

Anhand des Beispiels u.a. von Regensburg oder Augsburg ist bekannt, dass in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts Grabsteine von bestehenden jüdischen Friedhöfen in den Städten als Baumaterial Verwendung fanden, aber auch als „Schmuck“ in die Fassaden der Häuser „gebildeter“ Humanisten und dergleichen Verwendung fanden. Ab und an gelangten manche dieser Steine auch in weiter entfernte Dörfer oder Städte, weshalb es nun nahe liegt, dass der hebräische Grabstein in Neuburg an der Donau aus einer solchen „Transaktion“ vermutlich im ersten Drittel des 16. Jahrhunderts dorthin gelangt sein mochte. Dazu passt, dass der Neuburger Pfalzgraf Ottheinrich, der in Jerusalemer Grabeskirche zum Ritter geschlagen wurde, bereits als sechzehnjähriger am Reichstag in Augsburg teilnahm und in Neuburg eine große Bautätigkeit entfaltete. Pfalzgraf Ottheinrich war nicht nur außerordentlich dickleibig und verschwenderisch, sondern auch so hoch verschuldet, dass sich 1544 sechshundert Gläubiger bei ihm versammelten, um eine Million Gulden einzutreiben.

Als Herkunftsorte am ehesten in Betracht kommen mittelalterliche jüdische Friedhöfe in der Umgebung von Neuburg, die als solche bekannt sind und für die auch Grabsteine aus der Zeit um 1240 nachgewiesen sind. Zum einem ist dies auf damaligen Wegen etwa 50 km  südlich von Neuburg gelegen die Reichsstadt Augsburg, zum anderen wäre das etwa 90 km nordöstlich Regensburg oder Nürnberg in der selben Distanz im Norden. Es ist demnach recht wahrscheinlich, dass der Grabstein der Ester aus einem der Orte nach Neuburg gelangte, dort im Keller der Kirche verbaut wurde und erst 1955 wieder bei Arbeiten entdeckt wurde.

Hebräischer Grabstein von Rabbi Baruch aus Augsburg, um 1520 eingemauert im Innenhof des Peutinger-Hauses in Augsburg beim Dom. Der Grabstein wird allgemein auf das Jahr 1240 datiert.

 

In 1955 in Neuburg at the Danube river a Hebrew grave marker was discovered at construction work. The grave marker was used as building material of the basement steps of a church. The not complete inscription of the limestone says it is the memorial of Mrs. Ester the wife of Abraham who died on Erew shabbat 13th of Sivan in the year 1, which means 5001 and according to the Christian calendar is late Friday afternoon, 24th of may in 1241.

The head stone now is exhibited in the town museum at Neuburg castle as part of the “Prehistoric State Collection”. It is assumed that the stone originally is from a smaller Jewish cemetery in Neuburg. However, there is no evidence for the existence of a Jewish community in early 13th century Neuburg. The oldest records date a century later and of course are very sporadic. Nothing indicates that there ever was a community in Neuburg which was big and long lasting enough to have the means to establish (i.e. to afford) an own cemetery.

In the first decades of the 16the century in towns as Regensburg, Augsburg or Nuremberg, which are the closest towns next to Neuburg who in fact had own medieval Jewish cemeteries, many grave markers were mis-used as building material or decoration in different buildings. It also is known that from those towns a number of Hebrew toms stones also were sold or given away in other towns or villages.

So most likely the memorial stone of Ester in Neuburg belongs to a women who in May 1241, which is 771 from today, died either in Augsburg (30 miles), Regensburg or Nuremberg (55 miles each).


Isidor Obermayer 1783 – 1862

April 5, 2012

Vor genau 150 Jahren, wohl am 4. April 1862 starb in Augsburg der Vorsitzende der noch inoffiziellen jüdischen Gemeinde, der Eisenbahnpionier, Händler, Investor und Bankier Isidor Obermayer.

Isidor (Jitzchak bar Jakow) wurde als Sohn von Jakob Obermayer (1755-1828) aus Kriegshaber und Ida Oppenheimer (1765-1845) aus Pfersee geboren und wohnte mit seinen Eltern ab 1804 in Augsburg im dort erworbenen Haus am Obstmarkt, Ecke Hafnerberg. Sein Vater war Geschäftspartner der angesehenen Kaula – Familie aus Hechingen und Stuttgart, die auch in Kriegshaber, dann in Augsburg (und München) präsent waren und gehörte zu jenen jüdischen Bankiers, die sich in jener Zeit für ihre Familien ein bleibendes Wohnrecht in Augsburg erkaufen konnten. Im Jahre 1821 erwarb Isidor, damals bereits erfolgreich als Wechselhändler tätig, das Anwesen Heilig-Grabgasse, Ecke Maximilianstraße, welches den heutigen Augsburger als Standesamt bestens bekannt ist. 1822 wurde er zur Augsburger Börse zugelassen. Isidor Obermayer gilt als einflussreicher Mitbegründer der modernen königlich bayerischen Staatsbank, sowie der 1834 initiierten und im Oktober 1835 eröffneten Bayerischen Hypotheken und Wechselbank, die 1998 mit der Bayerischen Vereinsbank zur „Bayerischen Hypo- und Vereinsbank“ fusionierte und heute noch die fünftgrößte deutsche Bank ist. Als Eisenbahnpionier war Isidor Obermayer maßgeblich verantwortlich für den Ausbau der ersten bayerischen Überlandstrecke zwischen Augsburg und München, wofür er seitens der ausführenden „München-Augsburger Eisenbahn-Gesellschaft“ damit beauftragt wurde aus dem englischen Pionierland höchstpersönlich Schienen und die ersten Lokomotiven zu besorgen. Diese wurden bis 1840 wie vorstellbar ist, recht mühsam und langwierig per Schiff und über Land nach Augsburg, bzw. zu den jeweiligen Streckenabschnitten verbracht. Das damalige erste Augsburger Bahnhofsgebäude beim Roten Tor wird heute als Straßenbahndepot benutzt, ist aber das älteste noch existierende ehemalige Bahnhofsgebäude der Welt. 1846 wurde im Westen der Altstadt das heutige Bahnhofsgebäude errichtet, das eines der ältesten im Betrieb befindlichen ist.

Trotz aller gesellschaftlichen und finanziellen Erfolge – wozu man auch die Verheiratung seiner Tochter Henriette mit dem Erben des mächtigen Kölner Bankhauses von Salomon Oppenheim rechnen kann – gelang es Isidor Obermayer nicht der jüdischen Gemeinde in Augsburg, die nach dem Tod seines Vaters Jakob im Jahre 1828 rapide anwuchs, substantiell zu unterstützen, obwohl es ihm weder an Räumlichkeiten noch an finanziellen Mitteln und auch nicht an Einfluss mangelte. Zeitgenössische Klagen konstatieren, dass die durchaus vermögende Judenschaft in Augsburg keine eigentliche solche sei, da obgleich sie Millionäre und weitere fast ebenso potente Mitglieder habe, noch nicht mal eine kleine Synagoge zustande brachte, wie man sie in jedem Bauerndorf finden könne. Jakob Obermayer wurde von Samson Binswanger, gegen dessen Ansiedlungsrecht in Augsburg er jahrelang und schließlich erfolglos kämpfte, überredet, nun, wo sie dann doch Nachbarn am Obstmarkt geworden waren, eine Betstube für die Juden in Augsburg einzurichten. Es blieb jedoch bei diesem als Übergangslösung gedachten Einrichtung, die nach dem Tod von Jakob Obermayer und Samson Binswanger aufgegeben wurde. Von 1830 an bis zum Tod von Isidor Obermayer fanden die Gottesdienste der Augsburger Juden im Hinterzimmer einer Garküche (heute würde man sagen „Schnellimbiss“) abgehalten (natürlich mit entsprechenden Gerüchen und Geräuschen). Es gab in Augsburg keinen Rabbiner, keine Lehrer für den Unterricht der Kinder und folglich auch keine eigentliche Schule. Der Unterricht wurde von Lehrern aus Pfersee und Kriegshaber erteilt, die eigens dafür nach Augsburg kommen mussten. Entsprechend verhielt es sich mit dem Tauchbad, mit Heiraten, Beerdigungen, usw. Binnen sechs Jahrzehnten hatten die federführenden Obermayer in Augsburg nicht mal Ansätze einer für jede funktionierende jüdische Gemeinde grundlegende Infrastruktur zuwege gebracht. Erst mit Isidors Sohn Carl von Obermayer (1811-1889) sollten einige dieser Missstände verschwinden, aber auch neue hinzukommen.

Ehemaliges Gartenhaus von Isidor Obermayer am Schwibbogenplatz in Augsburg, heute ein Jugendzentrum

 

Isidor Obermayer starb am Spätabend des 3. April 1862 in seinem Haus in der Maximilianstraße. Sein Tod ist fast untrennbar mit der damaligen Bühnengröße Tenor Theodor Wachtel verbunden.

Der „Schwäbische Kurier (Augsburger neueste Nachrichten)“ berichtete davon, zitierte dabei aber

Aus dem ‚Bayerischen Kurier‘: Der bekannte Tenorist Wachtel, welcher in Augsburg gastierte, war bei dem dortigen Consul Obermayer zu eienr Abendgesellschaft eingeladen. Alles war in der heitersten Stimmung und noch um halb 12 Uhr begeisterte er die Gesellschaft durch das Terzett aus Tell. Er sang eben die letzten Zeilen von dem schönen Liede Arnolds, womit dieser den Tod seines Vaters beklagte: ‚Er fiel, er starb der heiligen Sache, zu seiner Seite stand ihm nicht der Sohn‘ – als Diener in das Zimmer stürzten und Herrn Consul Obermayer zuriefen, er möge schnell in das Zimmer seines Vaters kommen. Der Sohn eilte hinab und fand den geliebten Vater, Herrn Bankier Obermayer vom Schlage gerührt, tot.“

Carl von Obermayer, mittlerweile Konsul der Vereinigten Staaten von Amerika in Augsburg (das Konsularbüro befand sich im Haus) hatte den damals bekannten Tenor Theodor Wachtel (1823-1893), der wegen einiger Auftritte im Theater in der Stadt weilte und während dessen bei den Obermayers wohnte zu einer Geselligkeit eingeladen. Ob tatsächlich gerade jene Worte gesungen wurden, als die Dienerschaft den Konsul aufschreckte, ist nicht zu bestimmen. Der wahre Kern dürfte freilich in der Ausführung bestehen, dass der Vater starb, ohne dass der Sohn ihm beistand. Isidor Obermayer war bereits seit sechs Jahren Witwer und galt allgemein als kränkelnd. Der Winter 1861/ 1862 war ihm nicht gut bekommen. Nach Angaben des aus Pfersee stammenden Militärarztes David Ullman (1824-1910), dessen Praxis sich am Judenberg befand und der Obermayer behandelte sollte dieser in seinem angeschlagenen Zustand jegliche Anstrengung und Aufregung vermeiden. Bei der Abendgesellschaft an der neben Sängern und Schauspielern „über zwei Dutzend“ Leute aus der feineren Gesellschaft Augsburgs teilnahmen, soll es jedoch hoch hergegangen sein.

Theo Wachtel

Theodor Wachtel (1823-1893) wurde als Sohn eines Kutschers in Hamburg geboren und führte zunächst den Betrieb seines Vaters nach dessen Tod weiter, bis eines Tages, wohl bei einer Fahrt, seine Tenor-Stimme entdeckt wurde. Eine klassische Ausbildung als Sänger erhielt er nicht, doch schätzten Kritiker über Jahrzehnte hinweg seine wohl erhebliche Stimmgewalt, monierten mitunter aber seine wohl eher dürftigen schauspielerischen Qualitäten. Manche verspotteten ihn gar als „jaulenden Kutscher“. Aufgrund seines für den zumindest damaligen „Geschmack“ galt Wachtel jedoch auch als Frauenschwarm und hatte entsprechend viele Verehrerinnen. U.a. sang er bei der Premiere von Wagners „Thannhäuser“ den „Walther“. Zur Zeit seines Besuches im Palais der Obermayer in Augsburg (Carl hatte er in Wien kennen gelernt), sang er an der Wiener Hofoper, wo er bis 1865 blieb. Er trat sicher mehrmals an allen größeren und wichtigen Bühnen im deutschsprachigen Raum auf und war modern interpretiert eine Art „Popstar“ mit eigenen Autogramm-Karten, die man damals freilich noch „Visitenkartenportraits“ nannte. Mehrere Tourneen und Gastspiele führten ihn auch ins Ausland, etwa zu Beginn der 1860er Jahre mehrmals für mehrere Monate nach England, gelegentlich nach Paris oder in den 1870ern auch zweimal in die USA.

In der Woche nach Isidor Obermayers Tod trat Theo Wachtel dann, wie vorgesehen, im Augsburger Stadttheater auf. Das Theater befand sich damals noch am Lauterlech, brannte aber im März 1874 ab. Theaterliebhaber und Förderer, zu denen auch die Obermayers gehörten, unterstützten aber bereits vorher die Pläne zum Neubau eines repräsentativen Theaters, das nun gebaut und 1876 eingeweiht werden konnte. Wachtel bot verschiedene Kostproben, insbesondere aber den „Postillon von Lonjumeau“, eine komische Oper in ein drei Akten von Adolph Adam, die sich in bestimmten Kreisen großer Beliebtheit erfreuten, vergleichbar heutiger „Musicals“. Ein Logenplatz kostete damals stattliche zwei Gulden, im zweiten Rang immer noch ein Gulden und einen halben. Die billigeren Plätze wurden aber offenbar stärker von der jüngsten Preiserhöhung betroffen, als eben jene.

In vielerlei Hinsicht interessant ist hierzu die Kritik der „Neuen Augsburger Zeitung“ vom 8. April 1862:

„Dienstag, 8. April. Zweites Gastspiel des Herrn Theodor Wachtel. Martha, Oper von Fiottow. Ein Unbekannter hat im Briefkasten eines hiesigen Lokalblatts demonstriert, dass die Besitzer der Logen ersten Ranges bei der gegenwärtigen Preiserhöhung eigentlich unverhältnismäßig billig weggekommen sind. Leider Gottes scheinen sie davon gar nicht mal profitieren zu wollen; denn für Herrn Wachtel gewiss eine seltene Erscheinung, gerade der erste Rang war nur schwach besetzt, wozu freilich einige in diesen Tagen neuerdings auftretende Todesfälle etwas beitragen mögen. Der Enthusiasmus für den trefflichen Sänger war aber deshalb nicht geringer, und weniger als dreimaliger Hervorruf nacheinander war gar nicht da. Herr Wachtel sang aber auch danach und besonders in den beiden Arien „Ach so fromm“ und „Mag der Himmel dir vergeben“, entwickelte der Gast seine ganze herrliche Stimmfülle glänzend. Das Ensemble der Oper war ungestört und die Träger der Hauptpartien, Fräulein Klettner, Fräulein Ultsch und Herr Feuerstake, sehr gut, obgleich es nur dem letzteren – der übrigens eine stete Neigung zum Karikieren hat – gelang nach dem Porterlied einen Applaus von dem Publikum zu erobern, das nur für die Töne eines Einzigen Ohren hatte, der eben Wachtel hieß.“

Der Kritik können wir die offenbar auch in Augsburg anzutreffende Bewunderung für Wachtel nachvollziehen. Die etwas makabere Begründung der leer gebliebenen Logen-Plätze mit Todesfällen bezieht sich zweifellos auf Isidor Obermayer. Dass die Abendgesellschaft des Konsuls Obermayer im Hause seines kranken Vaters, in der Etage über dessen Gemächern durch den mitternächtlichen Tod jäh abgebrochen wurde, war der feinen Gesellschaft in Augsburg nicht entgangen, befanden sich unter den Versammelten ja auch Bürgermeister Georg von Forndran und verschiedene andere Honoratioren. Zugegen war freilich auch das damals 24jährige in der Kritik als „gut“ gewürdigte Fräulein Rosalie Ultsch, die eine Liaison mit dem Konsul hatte und später seine Frau wurde. Isidor Obermayer hatte für die Beziehung seines Sohnes zur der aus Bad Kissingen und einfachen Verhältnissen stammenden Schauspielerin und Tänzerin, die er als mäßige Lola Montez – Kopie abtat keinerlei Sympathie. Immer wieder war es zwischen Carl und seinem Vater deswegen auch zu Streitereien gekommen.

Am 7. April veröffentlichte die Neue Augsburger Zeitung eine „Danksagung“ von Carl Obermayer und seinem Kölner Schwager Simon Oppenheim: „Wir fühlen uns gedrungen, für die vielen Beweise der Liebe und Anteilnahme, welche dem Andenken unsers teuren heimgegangenen Vaters und Schwiegervaters, besonders bei dem Begräbnis dargebracht wurden, unseren tiefgefühlten Dank auszusprechen und die Erinnerung daran, die nie erlöschen wird, soll uns aufrichten in unserm großen und gerechten Schmerz – Augsburg, 7. April 1862 – Carl Obermayer, Simon Oppenheim

In der Woche darauf meldete das selbe Blatt: „Herr Banquier Isidor Obermayer hat unter seinen frommen Vermächtnissen auch die „Anstalt für alte und kranke weibliche Dienstboten“ dahier mit einem Legate von 100 Gulden bedacht. Dem edlen Manne sei dafür der tiefsinnigste Dank gesagt – Augsburg, den 15. April 1862, das Comité der Versorgungsastalt alter und kranker weiblicher Dienstboten, Josef G. Dreer, Vorstand

Aus der öffentlichen Magistratssitzung wurde folgendes vermeldet: „Konsul Obermayer (Obermayr) zeigt an, dass sein verstorbener Vater Herr Isidor Obermayer ein Kapital von 500 Gulden legiert habe, aus dessen Zinsen jährlich eine israelitische und wenn eine solche nicht vorhanden ist, eine andere Familie unterstützt werden soll. Derselbe hat ferner dem Frauen-Verein für verehelichte Wöchnerinnen 200 Gulden und den Kinderbewahranstalten 200 Gulden vermacht, was dankbar akzeptiert wurde.“

Schließlich notierte die Neue Augsburger Zeitung auch das finanzielle Erbe, demnach hätte „der dieser Tage dahier Verstorbene Bankier Herr Isidor Obermayr ein Vermögen von mehreren Millionen hinterlassen“.

Grabplatte des Isidor Obermayer am jüdischen Friedhof Kriegshaber Pfersee. Das eigentliche Grabmonument im Obermayer Familienensemble wurde in der Nazizeit zerstört und nach dem Krieg in das Monument am Eingang des Friedhofs verbaut. Dank früherer Aufzeichnungen aus Pfersee ist jedoch der Begräbnisplatz bekannt.