Gibt es noch die unerschütterliche jüdisch – persische Freundschaft ..?


Sieht man von Israel und den jüdischen Siedlungen in Judäa ab, leben nirgendwo im Orient so viele Juden wie in …? Richtig, im Iran. Hätten Sie es gewusst? Die Zahlen variieren etwa um 25 – 30.000, also in etwa dieselbe Zahl von Juden die zwischen 1950 und 1990 auch in Deutschland lebte. Nach der Abschaffung der Sowjetunion verdoppelte sich die Zahl der Juden in Deutschland durch seitens der deutschen Regierung angeworbenen „Kontingent-Flüchtlinge“ insbesondere aus Russland, Ukraine, Weißrussland, etc. Ihre genaue Zahl ist schwer zu bestimmen, da es viele Mischehen gibt, wenige kompetente rabbinische Gerichte, unklare Situationen und Papiere, aber auch ganz unterschiedliche Interessen, bei denen wirtschaftliche fast immer im Vordergrund stehen. Von bloßen Versatzstücken abgesehen, hat kaum jemand familiäre Bezüge zum Judentum. Die Kommunisten sahen das nicht gerne und da ist es logisch, dass man auch fünfundzwanzig Jahre nach Gorbatschows Perestroika noch nicht zur identitätsstiftenden Eigeninitiative gekommen ist, eben in der Weise wie der vierte der vier Söhne aus der Pessach-Haggada, der nicht zu (hinter-)fragen versteht. Andererseits wird man zwar nicht zum Muslim wenn man einen Döner isst, aber manche vermuten, dass das Verspeisen Gefillte Fisch oder Matzen selbiges bewirken kann. Folglich belässt man es dann auch bei kulinarischen oder folkloristischen Begegnungen und kauft sich allenfalls noch eine eigenartige Klezmer-CD dazu.

Die Situation der Juden im Iran ist eine ganz andere. Sie leben in einem Staat der Israel feindselig gesonnen ist, weil die religiöse und politische Führung der Islamischen Republik in über 30 Jahren keine andere „Idee“ hatte, um sich der Welt als nützlich und sinnvoll zu erweisen. Zwar fand die islamische Welt schon auch insgesamt die Errichtung eines von „Geistlichen“ beherrschten Regimes „bemerkenswert“, aber weiter fanden sunnitische Muslime daran nicht nachahmenswert, da der Iran mehrheitlich dem schiitischen Islam anhängt und das Ansehen des letzterem unter der Hauptgruppe nicht das beste ist. Dieses Image galt und gilt es noch immer für die Schiiten aufzubessern, weshalb sie – namentlich vertreten etwa im Libanon – als glaubwürdigere Beistände der palästinensischen Muslime erscheinen wollen. Als solche die nicht nur reden, sondern auch handeln – auch wenn das eigene Leben dabei aufs Spiel gesetzt wird. Natürlich nicht das Leben der Geistlichen oder der politischen Elite, die dafür trotzdem gerne als „konsequent“ gelobt werden. Andererseits ist es kein Zufall, dass noch immer mehrere zehntausend Juden im Iran leben und leben können. Sie sind formell gleichberechtigt, praktisch aber als „politisch suspekte Gruppe“ unter staatlicher Kontrolle und Überwachung. Jede Gemeinde wie auch jeder Einzelne kann nach Belieben sofort unter dem Vorwurf der Spionage für den zionistischen Feind Israel verhaftet werden. Dafür reicht wenn es sein soll, der begründete Verdacht, Hebräisch zu lehren oder zu sprechen. Da Gebete und Lesungen aus der Tora hebräisch stattfinden, lässt sich dies faktisch jedem Juden vorwerfen, der kein Analphabet ist. Andererseits hat der iranische Staat freilich auch die Absicht sich als tolerant darzustellen, ist purer Antisemitismus dem Rest der Welt kaum vermittelbar. Es macht sich demnach gut, die Religion des Judentums anzuerkennen, aber den zionistischen Staat abzulehnen. Ein Standpunkt, den auch viele links-säkulare Christen in Europa so ähnlich vertreten, gerade in Bezug auf den Holocaust in Europa, den das iranische Regime hingegen gerne bestreitet. Nicht weil sie darin eine schlechte Idee fände, sondern weil westliche Intellektuelle daraus die Notwendigkeit eines jüdischen Staates ableiten wollen. Anders als in Saudi Arabien können Juden im Iran aber durchaus leben, insofern sie sich den Gepflogenheiten des Landes anpassen, was für Frauen eine entsprechende Kleiderordnung in der Öffentlichkeit bedeutet. Es sind die Bedingungen des Mittelalters, des Ghettos: Toleriert, nicht auffallen dürfen und zugleich immer verdächtigt sein. Wie jeder weiß ist das ein paar Nuancen besser, als die Lebenswirklichkeit der Juden in nazistischen Deutschland war, wo sie obwohl äußerlich, sprachlich, kulturell, wirtschaftlich und wie sonst auch immer völlig angepasst, sie als „Siegfried und Bertha Wolf“ per Dekret zu „Insekten“ und “lebensunwert“ erklärt werden konnten, weil ggf. nur ihre Eltern oder Großeltern Pessach anstelle von Ostern feierten. Abgesehen davon, dass auch Schiiten Juden im Iran gerne mit allerlei Vorteilen locken, wenn sie zum Islam konvertieren sollten, gibt es diese deutsche rassistische Komponente in dieser Form im Iran nicht.

Juden im Iran leben demnach in diesem Spannungsfeld zwischen stetigem Verdacht und Vorzeigeobjekt, in der Summe ergibt dies ein chronisches Dilemma, jedoch keine schizophrene Situation, auch gleicht die Situation nicht der von Buridans berühmten Esel, sondern verlangt von den Bedrückten wie von den Bedrückern variable Formen der bewussten Selbstverleugnung, um in der Zwickmühle das eigene Mehl für den Alltag mahlen zu können. Dies kann in einigen Fällen, wie durch die Psychologie des sog. „Stockholm-Syndroms“ bekannt geworden ist, dazu führen, dass einige der iranischen Juden in Israel die größere Gefahr sehen, als im iranischen Regime. Zumindest ist es für iranische Juden ratsam, eine entsprechende Haltung vorzugeben. Dass der Zwang dazu willkürlich ist, kann ihnen nicht vorgeworfen werden, zumindest dann nicht, wenn man es mit zwanghaften Verhalten vergleicht, dass andere ohne äußeren Druck an den Tag legen können. Das ironische am iranischen Regime ist, dass es sich auch ganz anders hätte positionieren können, etwa pro-israelisch und anti-arabisch, letzteres auch weil die USA als Verbündeter der Saudis bis heute der größte Feind des „Mullah-Regimes“ darstellen, wie die Saudis als wahabitisch-sunnitischer Gegenpol zum iranisch-schiitischen Islam, während die jüdisch-iranische Freundschaft in biblische Zeiten zurückreicht, als Kyros den Wiederaufbau des zerstörten Tempel in Jerusalem unterstützte, jüdische Soldaten für die persischen Kaiser Teile Ägyptens besetzten oder mit Achaschwerosch und Hadassa (Ester) beide Völker sich auf dem Thron verbanden. Fast wäre mit dem Zoroastrismus auch eine Art gemeinsamer Religion entstanden. Ein paar Jahre vor dem arabischen Führer Mohamed vertrieben Perser und Juden um das Jahr 600 herum noch gemeinsam die (inzwischen schon christlichen) Römer aus dem Land Israel, das, wie der gesamte Orient jedoch bald islamisch wurde – und ohne dieser „Vorarbeit“ hätte kaum werden können. Das stolze Perserreich spielte in der islamischen Welt ab da und bis heute, immer nur die zweite Geige. Ein atomarer Iran könnte jedoch Arabien überflügeln und die Verhältnisse umkehren.

Wäre ein mit Atomwaffen ausgerüsteter Iran eine Gefahr? Wie aus den Nachwehen des Kalten Krieges bekannt ist, sind Atomwaffen selbst im Lagerzustand riskant. Vor ziemlich genau einem Jahr zeigten die Reaktorkatastrophen nach dem Tsunami in Fukushima, dass auch friedlich genutzte Kernenergie alles andere als ungefährlich ist. Nun sind Erdbeben im Iran häufig, stark ausgeprägt und nicht selten mit verheerenden Auswirkungen. Beispielsweise im Dezember 2003, als bei einem Erdbeben in der südöstlichen Provinz Kerman bei einem verheerenden Beben nach unterschiedlichen Angeben 30-60.000 Menschen ums Leben kamen und die einzigartige historische Altstadt und die Zitadelle von Bam erheblich zerstört wurden. Da der Iran recht häufig von stärkeren Beben heimgesucht wird, kann man auch eine bloß friedliche Nutzung von Atomkraft allenfalls mit gemischten Gefühlen sehen. Wie auch immer spricht aber kaum etwas dafür, dass irgendeine der Gefahren dadurch minimiert würde, wenn die ausführende Kontrolle bei religiösen und nationalistischen Fanatikern liegt, zumal moslemische Prediger auch im Katastrophenfall mit bestenfalls abwegigen Erklärungen parat stehen, und nicht ordnungsgemäß verschleierten Frauen die Schuld am Entstehen von Erdbeben zuschieben, was auf dieser Magnitude nicht mal mehr der Frauenbewegung schmeichelt: http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,689956,00.html

Es gibt also gute Gründe zu vermuten, dass selbst eine friedliche Nutzung der Kernkraft im Iran für das Land selbst aber auch für seine unmittelbaren Nachbarn – zu denen Israel nicht gehört – eine weit größere Bedrohung darstellt. Wie seit Jahren zu vernehmen ist, steigt auch die Unzufriedenheit der rasch anwachsenden, meist jungen Bevölkerung im Iran über die schlechten wirtschaftlichen Verhältnisse.

http://www.welt.de/multimedia/archive/01168/Erdbeben_DW_Wirtsc_1168307p.jpg

Israel jedenfalls sollte sich von den USA, der EU und auch von den Arabern in keiner Weise dazu drängen lassen, militärisch vorzupreschen. Schließlich war und ist es die UN die Sanktionen gegen den Iran verhängt hat. Vor knapp einem Jahr hatte der iranische Präsident laut darüber nachgedacht, ob es nicht sinnvoll sei, die ca. 12 Millionen Menschen umfassende Hauptstadt Teheran in einer andere Region zu verlegen – begründet mit der Erdbebengefahr und dem seit langem erwarteten großen Beben in der Region. Es ist also einiges in Bewegung.

Solange aber von veranwortlichen iranischen Experten nicht ausgeschlossen werden kann, dass Teheran nicht schon bereits durch zu leger verschleierte moslemische Frauen zerstört werden könnte, gibt es diesbezüglich keinen Handlungsbedarf. Abgesehen davon, dass – nebenbei bemerkt – iranische Frauen schon seit dem Altertum für ihre Schönheit berühmt waren.

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