Der Augsburger Goldschmiedebrunnen


Augsburg ist seit Jahrhunderten schon bekannt für seine monumentalen Brunnen. Sie wurden mitunter von bedeutenden Künstlern ihrer Zeit geschaffen und stellen öfter mal römische oder griechische Herrscher oder Fabelwesen dar: Augustus, Herkules, Merkur, Nixen, Neptun und viele andere.

Zum Andenken an ihren verstorbenen Gatten, August Bühler (1856-1910) , so heißt es, stiftete nun auch seine Witwe Sabine Bühler (geb. Ullmann, 1857-1930) der Stadt Augsburg einen Brunnen: den Goldschmiedebrunnen am Martin-Luther-Platz.

 

August Bühler war jedoch kein Goldschmied und zu seinem Andenken widmete sie ihm am jüdischen Friedhof Hochfeld in Augsburg bereits „in treuer Liebe und Verehrung“ einen Grabstein, auf dem zwanzig Jahre später auch sie selbst erwähnt wurde. August Bühler war angesehener Bankier in der Stadt und hatte 1882 als Teilhaber das Bankhaus „Gebrüder Bühler“ mitbegründet. Im Juli 1906 wurde die Privatbank „Bühler & Heymann, Augsburg und München“ mitsamt ihren Filialen von der bayerischen Vertretung der „Deutschen Bank“ geschluckt. Im Jahr darauf wurde im Zuge weiterer Zentralisierungen im deutschen Bankenwesen auch das benachbarte traditionsreiche Bankhaus Paul von Stetten durch die Dresdner Bank übernommen. August Bühler hatte nun als Privatier mehr Zeit sich als Mäzen für Kunst und Kultur zu betätigen, vor allem aber auch um Schach zu spielen. Er war Mitglied des Augsburger Schachclubs aber auch erfolgreicher Teilnehmer an Turnieren in anderen Städten. Seine Frau hätte ihm also durchaus auch einen Schach-Brunnen widmen können.

grave marker of August and Sabine Bühler (nee Ullmann)

Das nun aber als Goldschmiede- bzw. von gar nicht wenigen Einheimischen ebenso unpassend aber weil nicht beschildert durchaus verständlich auch als „Karstadt-Brunnen“ bezeichnete Werk zeigt auf einem klassischen Sockel einen Jüngling mit einem Pokal. Sportlich gedeutet könnte man auch an einen vielleicht künftigen Augsburger „Pokalsieger“ denken, jedoch wurde ihm seine ursprünglich vergoldete „Trophäe“ in der Vergangenheit schon so manches Mal geraubt. Da es sich um keinen Wanderpokal handelte, musste er stets ersetzt werden. Sogar die Figur selbst wurde in der Nazi-Zeit als „städtische Metallspende“ demontiert, dem Vernehmen nach aber Jahre später, so um 1950 (so ca. gegen drei Uhr Nachmitttags) im weit entfernten Hamburg wiedergefunden, auf einem Schrottplatz und zwar ohne Pokal.

Eingeweiht wurde der Brunnen, oder besser gesagt die Brunnen-Figur am Abend des 9. November 1912, was sich also in einigen Monaten runde hundert Mal jährt (… and that’s why …). Ansonsten ist vor Ort aus der Zeit von damals nicht viel geblieben. Der heutige Martin-Luther-Platz, hieß damals, wegen der Kirche, St. Annaplatz und wo heute das Kaufhaus Karstadt ist, da stand früher das Stetten-Institut (genauer gesagt, das „Barbara von Stetten’sches Töchter-Erziehungs-Institut“) , das man heute aber namentlich wieder woanders findet. Allem Anschein nach gab es aber an selbiger (?) Stelle wohl schon einen Brunnen – jedenfalls vermeldete rund sechzig Jahre zuvor das „Augsburger Tagblatt“ am Mittwoch dem 23. Juni 1852 aus der öffentlichen Sitzung des Augsburger Stadt-Magistrats vom Vortag: „Der Brunnen am St. Annaplatz soll in die Philippine Welser-Straße versetzt und beim Candelaber angebracht werden.“
Ob dieser Beschluss des Augsburger Stadtrats umgesetzt und der weiter nicht beschriebene Brunnen sozusagen „um die Ecke gebracht“ wurde? Jedenfalls ist in der Philippine-Welser-Straße zumindest heute kein Brunnen bekannt. Die eher klassische Machart des erhaltenen Brunnen-Unterbaus passt vielleicht auch nicht so ganz zum Stil der Figur und könnte durchaus älter sein. Der gegenwärtige Stadtrat jedenfalls hat beschlossen, es dabei nun auch nicht zu belassen, sondern den Brunnen zu versetzen, dichter an die Kirche, wo er früher schon mal bestanden haben soll. Soll keiner sagen, dass Geschichte langweilig sei🙂

Wie dem auch sei, zumindest die Figur des jungen Goldschmiedes wurde von dem Maler und Bildhauer Professor Hugo Kaufmann (1868-1919) aus Berlin Charlottenburg geschaffen, der aus Hessen stammte, aber öfter als Neffe der Stifterin bezeichnet wird. In der Regel fertigte er bei Brunnenanlagen jedoch nur die dafür vorgesehenen Skulpturen. Hugo Kaufmann hatte sich als Künstler in der Zeit vor dem ersten Weltkrieg durchaus Ansehen erworben. Zu seinen renommierten Werken gehörten u.a. der Samariterbrunnen im Homburger Kurpark, die Personifizierung der „Kunst“ an der Münchner Ludwigsbrücke (für welche er 1904 sogar mit einer Professur belohnt wurde), „die Freiheit“ am Einheitsdenkmal von Frankfurt am Main, der Münchener Merkur-Brunnen oder aber sein „David“. Kaufmann hatte auch die fortan als Preis verliehene „Virchow-Medaille“ entworfen und schuf als Maler eine Reihe aufschlussreicher Genrebilder.
Nun aber zur Quizz-Frage: Wer hat Hugo Kaufmann für die Figur des jungen Goldschmieds Modell gestanden?

Spätestens bis zum 9. November 2012 sollten unsere aufmerksamen Leser diese Frage richtig beantwortet haben, andernfalls bleibt auch auch der Pokal-Halter vor dem Karstadt – Gebäude mehr oder midner ein mythologische Gestalt.

 

On November 9th, 1912 in Augsburg a new fountain was inaugurated at then St. Annaplatz. The fountain maybe existed some time earlier, however the figure on its top was new and sponsored by Sabine Bühler, widow of late Augsburg banker August Bühler, on his behalf as it is said. The figure by Berlin artist Hugo Kaufmann however is that of a juvenile who holds a cup (most of the time, several of the cups were stolen) honoring the goldsmiths of Augsburg. Maybe you know are a cupwinner and may tell us the right answer who actually was depicted by Hugo Kaufmann? So tell us before the 100th anniversary and win a price.

One Response to Der Augsburger Goldschmiedebrunnen

  1. Heiko Vahle says:

    Interessanter Beitrag. Aber wenn vom *Maler* Hugo Kaufmann die Rede ist, dürfte es sich um eine Verwechslung mit Hugo Kauffmann handeln. Der wurde mit zwei “f” geschrieben, lebte von 1844 bis 1915 und hat tatsächlich viele Genrebilder geschaffen. Auch bei Artnet werden der Maler Hugo Kauffmann und der Bildhauer Hugo Kaufmann zum Teil verwechselt.

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