Der FCB beim FCA


Mann könnte über das gesterige Fußball-Spiel schreiben ohne Rückblicke in “die Geschichte” zu unternehmen, aber da sich jüngst Seitentreffer wie ” FC Augsburg jüdisch? ” häufen, ist es naheliegend beim gesterigen Besuch des dann doch nicht übergroßen Nachbarn zurückzuschauen, zumal in diesem Jahr auch das ausgezeichnete Buch von Dietrich Schulze-Marmeling: “Der FC Bayern und seine Juden” erschienen ist. Dazu wollten wir schon lange mal was schreiben, aber da fast alle Rezensenten sich über das “lange Schweigen” des FC Bayern, etc., ausließen, mussten wir als eher gemächliche Schwaben auch nicht übergroßes Tempo vorlegen, obwohl es über die aus Region stammende Familie Landauer in Augsburg und Umgebung manches noch erzählen gäbe.

Wei auch immer: Als Hitler im Januar 1933 zur Herrschaft in Deutschland gelangte, hieß der Deutsche Fußballmeister FC Bayern München. Der zuvor von den weit überwiegenden Anhängern der „deutschen Turnerbewegung“ als „englische Fußlümmelei“ verachtete Fußball war längst auch in Deutschland zum Massensport geworden, zumindest was die Beachtung von durch Zuschauern überfüllten Stadien anbetraf. Da der FC Bayern mit dem Münchner Kurt Landauer (1884-1961) und dem Wiener Richard „Little Dombi“ Kohn (1888-1963) einen jüdischen Vereinspräsidenten und Meistertrainer aufweisen konnte, galt er bei den Nazis als verhasster „Judenverein“. Letzterer gewann in Holland noch mit Feyernoord Rotterdam Meisterschaften, während Landauer nach der Nazi-Herrschaft nochmals als Präsident des FC Bayern zurückkehrte. Die zunächst vielleicht noch spannende Frage, wie sich die Regierungsübernahme der Nazis auf den Münchner Meisterclub auswirken könnte, ist heute natürlich keine solche mehr. Alle diesbezüglichen Befürchtungen wurden mehrfach übertroffen, weshalb es banal wäre das allgemeine Geschehen auf das Unwohl und Wehe eines Fußballvereins zu reduzieren. Einen solchen Versuch unternahm aber auch nie jemand, wobei es lange unklar blieb, ob man lieber über die Juden oder über die Nazis schwieg. Doch bekanntlich steckt zumindest der sprichwörtliche Teufel im Detail. Angepasst an die stark verzögerte allgemeine gesellschaftliche Entwicklung begann deshalb erst im Zuge der letzten Jahre eine Art lokale Auseinandersetzung mit den „jüdischen Spuren“ im Alltagsleben.

Aber auch der FC Bayern hatte bis zum Gewinn seiner zweiten deutschen Fußballmeisterschaft im der Saison 1968/1969 einen sehr weiten Anlauf gebraucht, dem bis heute dann aber noch weitere zwanzig Titelgewinne folgen sollten. Dadurch wurde der Münchner Club in den letzten vierzig Jahren in ganz Deutschland sozusagen zum Inbegriff des Fußballsports und zum landes- wie europaweit ebenso beliebten wie aber auch verhassten Focus.

Die sog. „Bayern-Hasser“ freilich bedienen sich dabei jedoch gerne eigenartiger und stereotyper Klischees, die mitunter auch in weit früheren Jahrzehnten reichen könnten, während sich viele vor allem ländliche Bayern-Fans etwas schwer mit einer jüdischen Vergangenheit des Clubs tun. Allenfalls wenn auf die aktuell arabische Führung des Lokalrivalen TSV 1860 die Rede kommt, hält dies mancher etwas Angetrunkene entgegen.

Gestern Abend gastierte der FC Bayern zum ersten Mal in einem Spiel der 1. Bundesliga in Augsburg als Gegner des frisch aufgestiegenen FC Augsburg. Dabei blieb den Gastgebern das letztlich dann doch wohl verdiente Unentschieden leider versagt, aber es gibt ja noch ein Rückspiel und wohl keine andere Bundesliga-Mannschaft hat so oft und überzeugend auswärts in der Allianz-Arena gewinnen können, wie der FCA …😉

European Football (known as Soccer in the US) is the most-loved and popular sport in Europe and Germany. FC Bayern Munich is one of the “big five” clubs in Europe’s football history and with 22 national championships is by far the most successful football club in Germany, comparable especially to the early dominance of the New York Yankees in American Baseball. The first championship FC Bayern had won in 1932, half a year before Hitler and the Nazi rose to power in Germany and when the club was led by Jewish president Kurt Landauer and coach Richard Kohn. There were no marks for guessing that “Jews Club” FCB actually would not defend the championship. The Nazi favored “workers club” FC Schalke from Gelsenkirchen which between 1933 and 1944 won all titles of the regional “Gauliga Westfalen” and six German championships. Only in 1969 FC Bayern won its second national championship and since then almost every two years another one.

Yesterday evening the great FCB in the course of a regular Bundesliga match for the first time was guest in Augsburg, home of the FCA which plays its first season in Germanys top league.

 

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

%d bloggers like this: