Über die Juden im mittelalterlichen Regensburg


Das Regensburger Stadtwappen zeigt zwei gekreuzte Schlüssel, die der Tradition gemäß den Stadtheiligen “Petrus” symbolisieren sollen.

Das Siegel der mittelalterlichen Gemeinde in Regenburg, es hat einen sechszackigen Stern mit einem Halbmond mit einer selbstbezechnenden Inschrift ( חותם קהל ריגנשפורק – chotam kahal regenschpurk). Demhingegen zeigt ein Ring aus den Ausgrabungen vom Neupfarrplatz die Mondsichel mit einem siebenzackigen Stern. Die Flagge der Türkei beispielsweise vereinigt den Mond mit einem fünfzackigen Stern. Eine Zacke mehr oder weniger scheint also mal weniger mal mehr aussagekräftig zu sein.😉

Steht das Emblem als Siegelzeichen der jüdischen Gemeinde von Regensburg so nun fest, so überrascht es freilich auch, selbiges  in der “offiziellen” sechs-zackigen Variante und mit der Mondsichel an der Decke eines Seitengangs der ehemaligen Minoritenkirche in Regensburg wiederzufinden, Die Kirche ist heute wiederum Bestandteil des Historischen Museums der Stadt und soll (in welchen Teilen?) auf das 13. Jahrhundert zurückgehen …:

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Regensburg hat eine alte, überregional bedeutsame jüdische Geschichte, am bekanntesten verbunden mit Gelehrten wie Yehuda b Schmuel Kalonimos (gest. 1217), dessen, freilich andernorts verfasstes, Ehrenlied bis heute in aller Welt am Schabbes gesungen wird.

Die älteste bekannte Nachricht über Juden in Regensburg datiert den Kauf eines Grundstücks aus dem Besitz des Klosters St. Emeran durch einen Juden namens Schmuel. Im Jahr 1020 ergibt sich aus der Urkunde über die Schenkung eines Christen an das selbe Kloster die Nähe zu „den Wohnhäusern der Juden“. Daraus ergibt sich nicht zwangsläufig auch eine unmittelbare Nähe zu St. Emeran im Süden der Altstadt, schließt eine solche freilich auch nicht zwingend aus. Ein Reisebericht aus der Mitte des 11. Jahrhunderts erwähnt erstmals eine Synagoge. Unklar ist hingegen in welchem Umfang die jüdischen Regensburger im Jahre 1096 von den marodierenden Kreuzrittern in Mitleidenschaft gezogen wurden, jedoch verfügt im Jahr darauf der spätere Kaiser Heinrich IV., dass die in Regensburg zwangsgetauften Juden zum Judentum zurückkehren dürften.  Fraglich ist  auch, ob die Synagoge der Zwangschristen nun als solche bestehen bleiben oder im Jahr darauf ohne weiteres wieder zur Synagoge rückgewandelt werden konnte. Heute jedenfalls gilt als Ort der jüdischen Ansiedlung im mittelalterlichen Regensburg der Bereich um den Neupfarrplatz zwischen Tändlergasse  und Residenzstrasse (früher Judengasse), bzw. Kramgasse und Gesandtenstraße. Hier wurden 1995 auch Fundamente freigelegt, die zur früheren Synagoge gehört haben sollen. Die mittelalterliche jüdische Gemeinde in Regensburg hatte schlussendlich bis zum Februar 1519 Bestand, als die Ausweisung binnen weniger Tage erfolgte. Für viele der Regensburger Juden war die lokale Neuorientierung freilich nicht zu schwierig, da sie ins gerade mal 700 m entfernte Stadtamhof auf der Donau – Wöhrd (sprich „Insel“) umzogen und hernach über die Brücke hernach als Händler wieder in die frühere Heimat, die in Sichtweite geblieben war, Einlass fanden. Zumindest an die Fundamante der Synagoge erinnert heute eine 2005 fertiggestellte weiße Steinskulptur des israelischen Künstlers Dani Karavan, während unterhalb des Platzes die „Document“ genannte Ausstellung Teile der ausgegrabenen Reste des ehemals mit vielen Häusern bebauten Platzes „archäologisch“ präsentiert.  

   Mittelalterlicher Grabstein an der Fassade der Staatlichen Realschule “Am Judenstein”, namensgebens auch für die Straße. Der Stein befand sich ursprünglich im Garten des Regensburger Kupferstechers und Ratsmitglied Albrecht Altdorfer, auf den auch Darstellungen der 1519 zerstörten Synagoge zurückgehen. An Stelle der heutigen Schule befand sich das Geburtshaus Altdorfers, das 1909 abgerissen wurde.

In ganz anderer Weise freilich präsentiert Regensburg die Überreste des 1210 begründeten, im Bereich des heutigen Ernst-Reuter-Platz zwischen Bahnhof und Galgenberg gelegenen früheren jüdischen Friedhofs, dessen Grabsteine auf die stattliche Zahl von 4000 und mehr geschätzt werden. Einzelne von ihnen finden sich überall in der Altstadt verteilt, mit der Schriftseite nach vorne eingemauert in den Innenhöfen oder Seiteneingängen alter Häuser, aber auch inerhalb von Häusern, wie heute etwa in einem Musikgeschäft zu sehen oder aber, was nicht minder bemerkenswert ist, im Kreuzgang des riesigen Regensburger Doms. Eine Systematik ist dabei nicht zu erkennen, da manche der Steine offensichtlich auch nicht eingemauert sondern mitunter an die Wände viel später entstandener Gebäude „montiert“ wurden. Eine populäre Ansicht besagt, der Zweck der Ausstellung der Steine sei auf diese Weise den „Triumph“ über die vertriebenen Juden zu signalisieren (wozu freilich nur eine Begleitinschriftetwas besagt), insgesamt freilich zweifelhaft ist, da auf diese Weise die verteufelten Juden, die wie oben erwähnt in nicht geriger Zahl doch in der direkten Nachbarschaft am anderen Donau-Ufer wohnen blieben, offensichtlich noch präsenter im Stadtbild wären als zuvor. In einer, basierend auf Vorstellungen wirksamer Geheimzeichen, von „Zauberei“ und Aberglauben geprägten Bevölkerung kann dies kaum zur Beruhigung oder gar zum Hochgefühl der derselben beigetragen haben. Denkbar wäre in diesem Kontext freilich auch, dass die Anzahl von Steinen vielleicht aber auch gerade deshalb als eine Art magischer Schutz vor himmlischer Vergeltung eingefügt wurden. Ein anderer Aspekt wäre der rein praktisch Nutzung der Steine als Baumaterial. Abgesehen davon, dass tausende (unterschiedlich große und gestaltete) Grabsteine sich nicht einfach zu Bauten zusammenfügen lassen, spricht dagegen jedoch einiges in der überlieferten  Ortsgeschichte. Zum einem wurde die Synagoge der Regensburger Juden nicht konvertiert, sondern dem Vernehmen nach völlig zerstört und wie eine Tafel an der heutigen Neupfarrkirche besagt, an ihrer Stelle eine neue Kirche errichtet – freilich aus Holz. Andererseits wurden am heutigen Neupfarrplatz auch zumindest die überirdischen Teile der Häuser des jüdischen Viertels abgetragen, was an für sich keinen Sinn macht, wenn man einen zusätzlichen Bedarf an Wohnraum und oder Baumaterial voraussetzen will. Freilich dürften von den Häusern dann genug verwertbare Ziegel für andere Gebäude übrig geblieben sein, die für übliche Ziegelbauten gewiss leichter und stabiler zu verbauen waren als Grabsteine. Dies alles steht mehr oder minder wohl im Kontext der (zunächst hölzernen) Wallfahrtskirche, die nun doch nicht auf den Fundamenten der zerstörten Synagoge steht, 1542 aber zur evangelischen Stadtkirche wird, deren heutige Form und Ausmaß freilich aber erst wieder aus dem Jahr 1860 stammt.  

Eine Reihe der Grabsteine des jüdischen Friedhofs sollen der Überlieferung gemäß aber auch in anderer Orte gelangt sein, etwa nach Kelheim, Regensdorf, usw. Wie auch immer sind rund sechzig der Grabsteine in der einen oder anderen weise, hier oder dort erhalten oder zumindest in ihren früher erhaltenen Inschriften überliefert. Immerhin sieben, überwiegend erstaunlich gut erhaltene Grabsteine aus dem datierbaren Zeitraum von 1252 bis 1505 befinden sich neben anderen Funden im Regensburger Stadtmuseum.

famous German folksong on Regensburg (Ratisbon).

Regensburger Zoigl (Bierzeiger) Bier am Domplatz

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One Response to Über die Juden im mittelalterlichen Regensburg

  1. […] der Seite des Jüdisch Historischen Verein Augsburg findet sich ein sehr lesenswerter Artikel, der auf die Geschichte der abgebildeten Kellergewölbe […]

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