Juden im schwäbischen Mindelheim


Der jüdische Anteil an der Geschichte der mittelschwäbischen Kreisstadt im Bezirk Unterallgäu ist sozusagen überschaubar. Augsburger Steuerbücher des Mittelalters verzeichnen jedoch eine kleine Anzahl von Juden, die unter dem Toponym als Steuerzahler in der Reichsstadt wohnten – andere Personen wurden nicht erfasst. Zum einem ist es Eberlin von Mindelheim, der zwischen 1355 und 1367 mehrfach genannt wird, zum anderen aber ist dies Pendit von Mindelheim und mit ihm sein Sohn Elias, dessen Frau, sowie die beiden Schwiegersöhne Feidel und Isaak, letzter wird auch mit dem Zusatz „Mollin dedit“ (hat gegeben) notiert, was durchaus bemerkenswert eine Verwandtschaft zum Augsburger Rabbiner dieser Zeit nahelegt. In den folgenden Jahrhunderten gibt es nur sporadische kleine Notizen, etwa aus dem Jahre 1532 über einen (christlichen) Bürger, der sich über das Verbot seines Stadtherren Frundsberg zu Mindelheim hinwegsetzte und „selbst wucherische und jüdische Käufe betreiben“ habe. 1546 klagt ein namentlich nicht genannter Jude aus Schwaighausen gegen Einwohner von Mindelheim, die ihm offenbar ihre Schulden nicht zurückzahlten und wurde dabei durch einen Anwalt vertreten. Und dergleichen mehr. 1768 ist ein „Judenzoll“ der Stadt Mindelheim erwähnt. Erst in der Neuzeit scheinen wieder Juden am Ort selbst gewohnt zu haben, aus dessen Mittelalter freilich nichts erhalten blieb. Ihre Anzahl bewegte sich freilich auch nur im Bereich von etwa 10, weshalb sich die Mindelheimer Juden der Gemeinde im ca. 30 km westlich gelegenen Memmingen anschlossen, was für Besuche der Synagoge beinahe nicht praktikabel erscheint. Vermutlich wird es im privaten Rahmen zumindest einen Betraum gegeben haben. Namentlich präsent durch eine Widmungstafel an der Außenmauer der kleinen „Gruftkapelle“ in Mindelheim ist Jakob Liebschütz und seine Familie. Dem Vernehmen nach war Herr Liebschütz ein in Mindelheim ansässiger Textilhändler. Mit ihm gedenkt die Tafel der „Stadt Mindelheim“, umschrieben von „R.I.P.“ und „Schalom“ desweiteren noch (ggf. etwas pauschal?) „aller Opfer der Gewalt“. Die auf der Tafel abgelegten Steine lassen den Schluss zu, dass manche Zeitgenossen entweder die Tafel selbst, oder aber die Kapelle an deren Wand sie befestigt wurde, für eine Grabstätte halten.

Nennenswert zur Ortsgeschichte ist der Umstand, dass nach der Schlacht von Blenheim John Churchill, Duke of Marlboro, vom Kaiser zum Fürsten über das  eigens geschaffene „Fürstentum Mindelheim“ ernannt wurde, über das der Urahn von Winston Churchill von 1705 bis 1714 herrschte, ehe der Ort hernach wieder bayerisch wurde.

In einer Mindelheim Kirche fand sich diese eigentümlich und goldumrandete Darstellung eines Kohen:

Im Mindelheimer Stadtmuseum sind eine Reihe alter Trachten zu sehen, die so leider nicht mehr im Stadtbild zu finden sind:

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