Jüdischer Friedhof Augsburg Pfersee / Kriegshaber


http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20302/CEM-KRI-BURIAL-REGISTER-SPATIAL.pdf

http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20302/CEM-KRI-BURIAL-REGISTER-ALPHABETICAL.pdf

Auf den Seiten der oben zitierten Links der „Alemannia Judaica“ sind nun auch die Register des jüdischen Friedhofs von Kriegshaber / Pfersee veröffentlicht. Der Friedhof wurde nach allgemeiner Auffassung im Jahre 1626 eingerichtet, ist aber wahrscheinlich *etwas* älter (und umfangreicher). Die beiden Register geben den ermittelten Wissenstand zur Belegung in zweifacher Weise wieder, zum einem hinsichtlich der räumlichen Anordnung der ermittelbaren Gräber (wegen des erheblich Zerstörungsgrad nicht durchgehend der Grabsteine), zum anderen die alphabetische Ordnung der ermittelten Bestatteten. Letzteres ist freilich eher für Genealogen von Belang.

Die Listen können auf Grund des beeinträchtigten Forschungsstands nicht zuletzt auch wegen vieler eher ungünstigen aktuellen Bedingungen nur ein Ansatz sein, den Gegebenheiten auf die Spur zu kommen. Viele Fragen müssen derzeit offen bleiben, manche sind den äußeren Umständen geschuldet, andere unwiederbringlichen Zerstörungen zurückliegender Jahrzehnte. Nachfahren und versierte Forscher die einzelne oder weiterführende Erkenntnisse haben sind willkommen, ihre Einsichten und Erinnerungen beizusteuern, um das Wissen für die Allgemeinheit zu bereichern.

Da uns der historisch überaus bedeutsame Friedhof von Medinat Schwaben, der ehemaligen jüdischen heiligen Gemeinden von Pfersee, Kriegshaber, Steppach und Schlipsheim aus verschiedenen, auch familiären Gründen sehr naheliegt, sind wir seitens des JHVA auch eher ernüchtert als erfreut, nur diesen Wissensstand präsentieren zu können.  

בעזרת השם, המצב יהיה טוב יותר ביום המחר – בעזרתך, אולי

 “Eine bekannte Rede sagt, man lernt für das Leben, man lernt nicht für den Lehrer, aber auch das ist falsch verstanden. Ob du die Namen fremder Länder auswendig lernst oder Algebra, es nutzt dir nichts, wenn du auf dem Feld stehen musst, um die Ernte einzubringen vor dem Hagel. Du kannst die erfundenen Namen von fernen Sternen wissen, aber es nutzt dir nichts, wenn deine Frau im Kindbett zu sterben droht. Du kannst gelernt haben, wie man an einen Grafen einen Bittbrief schreibt, aber damit wirst du keine Seuche von deinem Vieh abhalten. In den Schulen lernen Schüler für vieles Geld viele eitle Dinge, die praktisch wenig nutzen. Es ist, als ob man einen Esel mit vielem Ballast noch mehr belädt, so dass er die wesentlichen Dinge nicht mehr tragen oder selbst nicht mehr laufen kann. Vieles lädt man den Schülern auf den Buckel, was sie nur in wenigen bestimmten Berufen benötigen und sie an den Universitäten lernen könnten. Somit fehlt nun aber die Zeit zu lehren, was für alle gleich wichtig ist, die gemeinsamen Vorzüge und Eigenheiten, die allen Menschen gelten, ob sie nun ein Geometer oder eine Magd sein mögen, dies sind die Gebote der Tora und die Schriften der Weisen. Stattdessen tritt nun an die Stelle der Tora oft der Gehorsam gegenüber dem Lehrer. Der Schüler lernt nicht mehr die Gottesfurcht, sondern die Angst vor dem Lehrer, die an die Stelle der Angst der Kinder tritt, von den Eltern verlassen zu werden. Der Schüler lernt nun sich in die Gemeinschaft der Klasse zu fügen und den Anordnungen zu folgen. Die Gemeinschaft gibt ihm den Schutz und er lernt dass er sicherer ist, wenn er keine andere Meinungen hat, aber Ärger bekommt, wenn er widerspricht. Er lernt, dass Bewahren gut und Neues schlecht ist und so entsteht in ihm das schädliche Übermaß der קבוע. Diese Erfahrung überträgt er auf seine Familie, auf seine Freunde und er wird es gut finden und verteidigen selbst wenn es offensichtlich falsch ist. Es ist wie in der Generation der Wüstenwanderung. Sie wurden befreit aus der Knechtschaft Ägyptens und bald schon sehnen sie aus Angst vor der Veränderung die Speisetöpfe der Knechtschaft zurück. Die Unterdrückung und Qual ist ihnen lieber als die Ungewissheit, was wird morgen sein?

Aus demselben Grund hat Jakobs Schwiegervater ihm das Leben schwer gemacht und ihm immer neue Aufgaben erfunden, denn er wollte keine Veränderung und seine Töchter nicht abgeben. Das erinnert an jene, die nicht mehr leben wollen, wenn ihre Frau oder ihr Mann stirbt. Wer an den Grabsteinen entlang geht, kann oft sehen, dass zwischen dem Tod von Mann und Frau nicht viel Zeit liegt. Ohne die Bindung hat ihr Leben keine Kraft mehr. Der Verlust ist unerträglich, das Leben geht an ihnen vorbei. Das lebende Wasser des Lebens, die Tora, wird fest und ihre Augen werden krank und blind. Das Wasser der Tora, ein Fluss, der Leben in alles Land bringt, steht still und wird ein Tümpel der zu stinken anfängt. Der Mensch taucht nicht mehr in die Mikwe ein, in das lebendige Wasser. Er reinigt sich nicht, sondern taucht ein in die Jauche und besudelt sich und seine Mitmenschen.

Die Angst vor der Veränderung im Leben ist die Angst vor dem Leben selbst. Sie beruht darauf, dass der Mensch sich selbst mehr liebt als HaSchem, er fürchtet seinen Verlust mehr als HaSchem, aber wir wissen aus der Thora, dass der Preis für Schutz und Gewohnheit die Freiheit der Auswahl ist.”

(Vorsitzendner R. Schimon ben Sanwil Ulmo, gest. 1720 Pfersee, aus “Über die Fixierung” / “Sechs Kapitel”)

burial registers of Pfersee / Kriegshaber Jewish Cemetery

The best is yet to come … be’esrat Hashem.

4 Responses to Jüdischer Friedhof Augsburg Pfersee / Kriegshaber

  1. Joshua says:

    Tremendous work by the JHVA. However, your result appears as violent (!) contrast to the actualstate of the cemetery. You’d almost think there is a contest “which generation contributes more and new ideas for the destruction of the remains of the cemetery.”

    • Andrea says:

      Whatever you will do, they´ll find a way to destruct more…. I´m really tired of this. Fightig against them is like biting your own ass. *hmpf*

  2. kybele says:

    Was wird auf dieser Baustelle gebaut? Ich dachte, der verwaiste Friedhof stünde unter Denkmalschutz! Wer hat diesen aufgehoben?

  3. Andrea says:

    Inthronisiere die Vergangenheit.

    Auf diese Weise finden Dich Feuer
    und altes Blut wieder.

    Besser Herzen brechen,
    als Welten…

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