Juden im mittelalterliche Friedberg / Bayern


Offenbar nur wenigen ist bekannt, dass das bayerische, seit einigen Jahrzehnten auch schwäbische Friedberg auch eine jüdische Geschichte hat, die etwa in die Zeit zurückreicht als der Ort erstmals im Jahre 1264 urkundlich erwähnt wurde. Darin handelt es sich um die Absicht eine Fridberch genannte Burg zu errichten und zwar als bayerischer Grenzposten gegenüber den Augsburgern und Österreichern auf der anderen Seite des Lechs. Die Gründung wird dem 1252 geborenen letzten Staufer Konradin zugeschrieben, der 1268 im Alter von nur sechzehn Jahren in Neapel öffentlich geköpft wurde. Zuvor freilich war er Herzog von Schwaben und seit seinem zweiten Lebensjahr sogar auch „König von Jerusalem“. Im Alter von 14 Jahren wurde er mit Sofie der nur achtjährigen Tochter des Landsberger Markgrafen Dietrich, der nur zehn Jahre älter war als Konradin.  

Schon bald als südlich der Burg eine kleine Siedlung entsteht finden sich auch jüdische Bewohner am Ort, die vermutlich zum Anhang der Staufer gehörten. Notiert sind sie freilich auf der anderen Seite des Lechs. Im August 1298 findet sich unter den Augsburger Juden die sich im Namen der Gemeinde gegenüber den Ratsherren der Stadt verpflichten, aus eigenen Mitteln einen etwa vierhundert Meter umfassenden Abschnitt der nordwestlichen Stadtmauer zu bauen, auch Choewelin von Frideberch, das wir wohl auf das bayerische Friedberg in der Nachbarschaft zu Augsburg deuten können, obwohl der gleichnamige Ort in Hessen ebenfalls eine Gründung der Staufer und etwas älter ist. Chawa (=Eva) ist eine von zwei Frauen unter den Unterzeichnern und wahrscheinlich die Witwe eines Friedberger Juden. Der Umstand, dass Friedberg als Herkunftsbezeichnung in der Augsburger Urkunde erwähnt ist, belegt, dass es einen vorherigen festen Ortsbezug gegeben hat. Ein zweiter namentlich bekannter Jude ist der erstmals 1355, dann aber mehrfach als Augsburger Steuerzahler und Hausbesitzer bis 1377 notierte Samuel von Friedberg, der sich auch als Sanwil, Sanfel, etc. findet und als Arzt und Fleischhäkel der Augsburger Judengemeinde bezeichnet wird. Letzteres verpflichtete ihn gemäß dem Augsburger Stadtrecht von 1276 auch zum Tragen des Judenhut, welcher ihn als offiziellen Repräsentanten der Augsburger Juden kennzeichnete. Mit ihm weilten sicher auch weitere Verwandte und Bedienstete die wohl auch aus dem knapp sieben Kilometer entfernten Friedberg gekommen waren. Einzelne Notizen könnten auf Söhne von ihm deuten, jedoch ist dies angesichts mehrerer zeitgleicher Samuels nicht sicher. Als Arzt hatte er wohl nicht nur in Friedberg, sondern gewiss auch in Augsburg eine herausgehobene Stellung, als Fleischhäckel oder –hacker (hebräisch: menachér) war er nicht für die Schächtung zuständig, sondern zerteilte das geschlachtete Tier. Vielleicht qualifizierte ihn dies als eine Art Chirurg – heute wären wir da wohl skeptischer.

Überraschender Weise finden sich in der Zeit nach 1440, als es keine jüdische Gemeinde mehr in der Reichsstadt Augsburg gab weitere Notizen über Friedberger Juden:

Im Jahr 1455 wird Moses der Schwiegersohn des Gerstl, nun als Bürger von Friedberg bezeichnet in einer Augsburger Urkunde erwähnt, da der christliche Augsburger Konstantin Breyschuh bei ihm 200 rheinische Gulden geliehen hat. Drei Jahre später, im Juli 1458 erwähnt eine weitere Urkunde Jakob von Friedberg, da dieser den christlichen Friedberger Hans Huber beauftragt für Geld einzutreiben, dass der Augsburger Christof Zwingensteiner ihm schuldet.

Weitere Belege existieren wahrscheinlich nicht, doch kann man daraus schließen, dass in den ersten beiden Jahrhunderten der Geschichte Friedbergs wohl kontinuierlich Juden am Ort lebten, als Arzt oder Pfandleiher für durchaus stattliche Summen, oder aber dass nach der Abwanderung der Juden aus Augsburg zumindest einige von ihnen auch ins benachbarte bayerische Friedberg gingen.

 

Im heutigen Friedberg, das mit zahlreichen Eingemeindungen knapp 30.000 Einwohner hat erinnert freilich auch sonst wenig an die mittelalterliche Frühzeit, da der Ort in der Folgezeit mehrfach zerstört wurde (allein zweimal von den Schweden während des Dreißigjährigen Krieges). Angesichts dieser mitunter vollständigen Verwüstungen ist es kaum zu bestimmen, wo in etwa jüdische Friedberger gewohnt haben mochten. Sehr wahrscheinlich wird es keine „Synagoge“ gegeben haben, doch einige Häuser mit Betsaal und wohl auch eine Mikwe können wir getrost als gesundes Minimum voraussetzen. Aus dieser Zeit sind nur einige Reste der Burg und der (freilich rekonstruierten) Stadtmauer am alten Wasserturm sind erhalten, ansonsten gilt das Rathaus aus dem Jahre 1674 als ältestes Gebäude der Stadt.

Little is known about Jews in Friedberg near the Bavarian shore of River Lech near Augsburg. However shortly after the establishment of a Staufer castle bordering Augsburg and Austrian Swabia Augsburg records mention Jews from the bavarian Friedberg which developed as settlement near the stronghold, for instance Sanwil of Friedberg who almost a quarter of a century is noted in Augsburger taxpayer records as doctor of the Jewish community as well as butcher (those were the days …). Also after the expulsion of jews from Augsburg in 1440 there are some Jews who lend money to Augsburg citizen and sent Christians from Friedberg for debt collecting. However since the small town was destroyed several times (two times alone during the 30 Years War) there of course is nothing left frpm previsous times.

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