Vor 20 Jahren: Überfall auf jüdischen Friedhof in Augsburg – Hochfeld, Haunstetter Str.


Jüdischer Friedhof: 26 Gräber geschändet“

“Polizei nimmt sechs Jugendliche fest – Bestürzung bei der Israelitischen Kultusgemeinde”

Augsburger Allgemeine” report from early September 1991 report on the “desecration” of at least 26 grave markers at Hochfeld Jewish Cemetery at Haunstetter Str. in Augsburg, which according to the description took place  in the night from 25th to 26th of August (i.e. 16th of Elul) and once again 29th of August. Six German then adolescents age 15 ot 17 entered the cemetery in their first nightand damaged several grave markers along the northern part of the cemetery. Three days later three of them returned to the cemetery for a second chance to damage Jewish memorials. According to the accoutns this time they devoted their time and effort to the rather small children grave marker at the south site of the main entry at Haunstetter Str. Although the then juvenile grave desecrators obviously had to cope with some physical effort to climb over a seven feet high wall or to capsize grave markers of granite weighing 25o kg (550 lb) or more, they were excused by the local police. Their speaker explained the group of intruders had to much alcohol and in no way any political or even racist motifs. Senator Julius Spokojny (1923 – 1996) the then head of the Jewish community of Augsburg doubted the result of the investigation and asked for more severe punishments. 

Actually the position of the approach of the Augsburg police office Pfrogner was a little odd at least. As the article says the police identified the deliquents two days after their second intrusion into the cemetery what is five days after their first one. How the police investigators were able to approve that the grave desecrators actually were “under the influence of alcohol” two and five days later ..?  The wall of the cemetery is considerably high and everything but easy to climb over.  This of course needed coordination and organized acting. Three days later three of the inital group of six returned to continue the destruction.

Augsburger Allgemeine vom 6. September 1991:

Bestürzung bei der der Israelitischen Kultusgemeinde: Nur wenige Tage vor dem jüdischen Neujahrsfest Rosch Haschana wurden in dem Friedhof an der Haunstetter Straße insgesamt 26 Gräber geschändet. Die Täter sind laut Polizei sechs Jugendliche. „Die Beschädigungen und Verwüstungen“, so die Polizei „haben keinen politischen Hintergrund“. Julius Spokojny, Vorsitzender der Israelitischen Kultusgemeinde bezweifelt das.

 

Ein Besucher entdeckte die Grabschändungen am Dienstag: Grabsteine waren zerbrochen, aus ihren Verankerungen getreten oder vom Sockel gerissen worden, Verzierungen waren abgeschlagen worden. Kaputte Bierflaschen, leere Plastiktüten und Konservendosen lagen herum.

Die Verwüstungen deren Spuren zum Teil schon wieder beseitigt sind, ziehen sich an der Nordseite durch die ganze Länge des Friedhofs. Ein besonders beklemmendes Bild bietet sich dem Besucher gleich links hinter dem Haupteingang an der Haunstetter Straße: Dort wurden mehrere kleine Steine von Kindergräbern umgetreten.

Die Ermittlungen der Kripo führten nach zwei Tagen zum Erfolg. Nach Angaben der Polizei kletterten sechs Jugendlich im Alter von 15 bis 17 Jahren „nach Genuß von reichlich Alkohol“ in der Nacht zum Montag vergangener Woche in den Friedhof ein und warfen dort willkürlich Grabsteine von Gräbern um. Zwei Tage später seien nochmals drei der Burschen über die Mauer eingestiegen. Ein 17jähriger habe dabei teils mit der Hand, teils mit dem Fuß nochmals sechs Grabsteine umgestoßen.

Wie Polizeidirektor Karl Pfrogner gestern gegenüber der AZ sagte, kamen die jungen Burschen aus der Schrebergartenanlage, die im Norden an den Friedhof grenzt. Zum Motiv heißt es im Bericht der Polizei: „Jugendliche Unvernunft und Übermut, verbunden mit dem übermäßigen Genuß von Alkohol, führten zu unüberlegten und verwerflichen Handlungen.“ Die Täter seien alle geständig, „bereuen zutiefst ihr Verhalten“ und wollen den entstandenen Schaden, soweit es ihnen möglich sei, selbst wieder in Ordnung bringen.

Die jungen Leute müssen mit einer Strafanzeige wegen Störung der Totenruhe, Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch rechnen. Ihre Eltern sollen Schadensersatz leisten. Pfrogner betonte auf Anfrage: „Es gibt nicht den geringsten Anhaltspunkt oder Hinweis auf einen politischen oder gar rassistischen Hintergrund.“

Senator Julius Spokojny zweifelt an dieser Aussage. Die Jugendlichen hätten gewußt, daß es der jüdische Friedhof sei. „Wer weiß was dahinter steckt“, sagte er gestern. Die Version der Polizei sei ihm „zu glatt“, die Behandlung der Täter „zu lasch“. In keinem Staat würden so viele Friedhöfe geschändet wie in der Bundesrepublik. „Man sollte keine milden Strafen walten lassen und solchen Schandtaten Einhalt gebieten“ forderte Spokojny. Die Mitglieder der Kultusgemeinde sind bestürzt. (- Uli Bachmeier)

die nördliche Außenmauer des jüdischen Friedhofs an der Haunstetter Str. mit erwachsenen Personen

Es ist offensichtlich, dass die Polizei den Vorfall vor knapp 20 Jahren nicht sonderlich ernst nahm. Die keineswegs niedrige Mauer des Friedhofs zwischen Haunstetter Str und alten Postweg, zwischen den besagten Schrebergärten und der Berufsschule ist nicht ohne weiteres zu überwinden und schon gar nicht, wenn man stark alkoholisiert sein will. Merkwürdig ist, dass die ermittelnde Polizei den “geständigen Tätern” attestiert, betrunken gewesen zu sein, obwohl sie die Delinquenten erst zwei, bzw, fünf Tage nach dem ersten und zweiten Eindringen in den Friedhof ermitteln konnte. Gab es damals rückwirkende Alkoholtests, die Bierkonsum nach fünf Tagen nachweisen konnten? 26 mitunter sehr schwere Granitsteine aus ihren Fundamentenund Sockeln auszuhebeln erforderte zweifellos eine gewaltige Anstrengung und war nicht nebenbei, versehentlich umhertorkelnd umzustoßen wie die berühmte Porzellanvase in Slapstick-Filmen. Es bedurfte roher Gewalt und krimineller Energie und der Gruppendynamik. Die im Artikel erwähnten Bierflaschen nebst anderen Mühl, müssen übringes in keinen unmittelbaren Zusammenhang zur Tat stehen. Das Bier kann auch nach dem Umwerfen der Steine getrunken worden sein. Straßenbahnhaltestellen auf beiden Seiten, Passanten wie auch die anliegende Berufsschule sorgen für eine gewisse Refrequentierung und somit auch für den einen oder anderen Müll, der eingeworfen wird. Das ist im ganzen Stadtgebiet zu beobachten. Die Beschwichtigung durch Sprecher der Polizei war absurd, was im Umkehrschluss nicht bedeuten muss, “drakonische Strafen” fordern zu müssen. Es ist jedoch klar ersichtlich, dass die Grabschänder es gezielt auf den jüdischen Friedhof abgesehen hatten, da sie einzweites mal zu ihm zurückkehrten und wären sie nicht ermittelt worden womöglich noch öfter. Ihr Eindringen erforderte einen erheblichen körperlichen Aufwand, ebenso wie ihr Zerstörungsweg. Mit einem Streich dummer und alkoholisierter Jungendlicher hatte dies nichts zu tun. Dumm ist es eher die offensichtliche Absicht zu verschweigen und zu bagatelisieren.

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