Die Synagoge von Bamberg


Die neue im Juni 2005 an der Willy-Lessing-Strasse eingeweihte Synagoge in der ehemaligen Nähseidenfabrik wurde bereits bei der Grundsteinlegung als „7. Synagoge“ in Bamberg bezeichnet, was auf einer eigentümlichen Zählung und Einschätzung der Ortsgeschichte beruht. Zusammen mit dem Gemeindezentrum und Lehrhaus „or chaim“, zu der auch Unterrichtsräume und eine freilich nur selten benutzte Mikwe gehören, ist sie jedoch das Zentrum der etwa 900 Mitglieder umfassenden “lebendigen Gemeinde“. Diese hat mit der Urologin Dr. Antje Deusel eine zum Judentum konvertierte angehende Reform-Rabbinerin und “Mohelet” (Beschneiderin), die als zweite “deutsche” Rabbinerin nach Regina Jonas (1902-1944) aufgefasst wird, was jedoch mittelalterliche und pre-reformerische Rabbinerinnen ignoriert. Das Verhältnis zur auch in Bamberg überwiegend von russischen Zuwanderern bestehenden jüdischen Gemeinde, ist dem Anschein nach aber eher distanziert. Das mag auch daran liegen, dass die zwischen post-sowjetischen Exil-Juden und post-nazistischen Ex-Christen unvermeidlichen Missverständnisse in Taschenbüchern nicht erklärt finden und artiger Beifall von (zu Selbstgesprächen bereiten) Christen dabei nichts nutzt. Aber vielleicht klappt das in Bamberg ja besser, als zuletzt in Fürth. Andernfalls muss man eben die realen Juden durch Konvertiten ganz ersetzen, um den Antisemitismus (und andere “Komplikationen”) schlussendlich zu bewältigen.

Die Inschrift אור חיים (or chaim) über der Eingangstür im Innenhof übersetzt sich als “Lebenslicht”, bezieht sich im Kontext einer neuen liberal ausgerichteten fränkischen Gemeinde nicht auf חיים אבן עטר der zu den Lehrern des  חיד”אgehörte.

Der Betraum der neuen Synagoge im Inneren des Gebäudes ist durch ein Tor zu erreichen, welches aus aus der bis 1910 genutzten vorletzten Synagoge stammte, an welche heute am “Synagogenplatz” Gedenksteine erinnern.

Die Einrichtung des Betsaals ist von einer etwas nordisch, protestantischen wirkenden Schlichtheit bestimmt, die von einigen Lichtblicken und Kontrasten aufgehellt und akzentuiert wird.

תפילות לכל שנה

Der “blaue” Segen des einen Fensters kontrastiert mit dem “roten” Licht des anderen. Blaulicht freilich wäre auch nicht verheißungsvoller.

Im Hintergebäude befindet sich für den Nachwuchs der Gemeinde Gelegenheit sich mit einem Trampolin fit zu halten. Die Glasfenster wurden aus den vorherigen Gebetsräumen integriert. Es gibt jedoch auch Unterrichtsräume etwa für das Lernen hebräischer Buchstaben:

Der kleine Betsaal, für Wochentage vorgesehen, aber abseits von besuchenden Schulklassen kaum benutzt, finden sich neben dem Aron der früheren Gebetstätte auch Talmud-Bände und einige weitere des Schulchan Aruch, in einer reformierten mehrheitlich russisch-sprachigen Gemeinde hoffentlich nicht nur Ausstellungstück ist.

The synagogue of Bamberg, inaugurated in 2005 in a former textile manufactory, is regarded as 7th synagogue in the history of the town (what of course is a rather disputable view) and is located in the backyard of the Willy – Lessing – Str. named after the last head of the Jewish community of Bamberg, who perished as a defender of the former synagogues Tora scrolls during the so calledKristallnacht 10th of November 1938.

The synagogue and community center has a kosher kitchen, run by the non-Jewish janitor couple, a hardly used mikvah (without direct runoff), but also with class rooms and others for recreation and so on. Almost recently the community also has a new female reform Rabbi (actually a convert, who apparently has only little understanding for real Jews from Russia), but is considered as the second German one after pre war Regina Jonas – what of course ignores all medieval and pre-“refom” women who were rabbis.

Becken der Mikwe mit Wasserzufluss. Einen Abfluss gibt es nicht. Das Wasser wird stattdessen mit einer Wasserpumpe abgepumpt. Da die Mikwe “nur sehr sporadisch genutzt” wird, enthält sie “meist kein Wasser”. Das wird man wohl im Voraus beim Bademeister beantragen müssen.

Unser herzlicher Dank gilt dem Hausmeister Herrn Juergen Trager, der uns, wie bereits am Vortag am Friedhof liebenswürdig und ausführlich zahlreiche Details und Hintergründe, recht humorvoll erläuterte.

בית הכנסת החדש של במברג, נחנך בקיץ 2005

One Response to Die Synagoge von Bamberg

  1. fizeit says:

    how did the insult to our president, Barack Obama, get into this website? you know it’s a lie and a slander. I’m appalled at the viciousness. be ashamed, be very ashamed

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