Der Titus-Bogen in Rom, eine Erfindung der Neuzeit?


Der Titus-Bogen in Rom, nach allgemeiner Auffassung etwa um das Jahr 90 n.a.Z. auf dem Forum Romanum nahe des Kolosseums entstanden, gilt als ältester erhaltener Triumphbogen in Rom und erinnert an den “Sieg des Titus über die Juden” und ist vor allem bekannt durch die Darstellung der antiken Menora aus dem Jerusalemer Tempel, welcher in der gezeigten Form seit 1948 vorallem als Staatswappen Israels dient.

Das Tor mit integrierten Rundbogen ist 14 m hoch und 13 breit und enthält über dem Bogen die Inschrift

SENATUS
POPULUSQUE ROMANUS
DIVO TITO DIVI VESPASIANI F(ILIO)
VESPASIANO AUGUSTO

(der) Senat (und das) römische Volk (dem) göttlichen Titus, Sohn des göttlichen Vespasian, Vespasian Augustus

Die Widmung erlaubt es, das Tor dem Titus zuzuschreiben, der als Nachfolger seines Vaters Verspasian von 79 bis 81 römischer Kaiser (bzw. nach damaligem Verständnis „Augustus“) war. Titus war der Feldherr Neros im jüdischen Krieg (65 – 70 n.a.Z.), der wahrscheinlich Folge des Brands von Rom im Juli 64 war, bei welchem ein Viertel Roms völlig zerstört wurde und nur ein weiteres Viertel unversehrt blieb. Als Brandstifter gilt in der Literatur Nero selbst, während dieser wiederum „die Christen“ beschuldigt und deshalb “verfolgt” haben soll. Von den wesentlich zahlreicheren (in der Regel auf einen Erlöser wartenden “messianischen” =”christlichen”) Juden in Rom ist in diesem Kontext nirgends die Rede, freilich begann kurz darauf der besagte Krieg, der Rom ebenso erschütterte wie Israel. Als Anführer (und damit wohl als “Christus” im Sinne von Anführer, Befehlshaber, Befreier, Retter) galt damals Schimon bar Giora (שמעון בר גיורא) zumindest in der Überlieferung des jüdisch-römischen Historikers “Flavius Josefus” (alias יוסף בן מתתיהו – Josef ben Mat’tijahu), dessen ins erste Jahrhundert datierten Berichte im 12. Jahrhundert auftauchten.

Der Titus-Bogen bleibt merkwürdiger Weise in der antiken Literatur ohne jegliche Nennung. Die Reliefs welche den Kaiser im Triumphwagen und den Transport der Menora zeigen, sollen ohnehin erst hundert Jahre nach Errichtung des Tores, also etwa um das Jahr 190 entstanden sein, aber auf welcher Basis? Etwa der Überlegung, dass die Menora 120 Jahre vorher so ausgesehen haben könnte? Wenn sie in dieser Zeit (noch) erhalten war, warum gibt es keine anderen Darstellungen von ihr, sondern nur abweichende? Keine antike Darstellung der Menora – und es gibt in Katakomben Ritzungen, Illustrationen, … zahllos viele, orientiert sich an der des Titus-Bogens. Ihre Darstellung ist singulär und anachronistisch.

Gothische Quellen aus dem sechsten Jahrhundert wissen über das Tor freilich auch nur etwas von einem Standbild des Titus als Lenker eines Elefantengespanns, das sich mit keinem (bekannten) Bericht über den jüdischen Krieg verbinden lässt, auch ist kein Leuchter erwähnt. Es wurden wohl aber kaum Elefanten – Rüssel als Röhren des Leuchters umgedeutet, oder umgekehrt?

Das heutige Tor ist ein Überrest einer Festung, die wohl um das Jahr 1000 entstanden ist. Zuletzt befand sich an jener Stelle eine Klosteranlage. Erst im Jahre 1821 wurde das heutige Tor als Einzelbauwerk von Giuseppe Valadier, dem damaligen Hofarchitekten von Papst Pius VI. freigelegt und „rekonstruiert“. Valadier (1762-1839) seit 1786 architetto camerale des Vatikan, hatte als Architekt und namhaftester Vertreter des Neoklassizismus einen erheblichen Anteil an der Ausgestaltung des heute als “antik” geltenden Roms und ist vor allem für seine Gestaltung der Piazza del Popolo bekannt.

Sein Auftraggeber Pius VI., geboren als Graf Giovanni Angelo Braschi (1717-1799) begann seine Regentschaft als Papst mit der Herausgabe der Schrift Editto sopra gli Ebrei in welchen “frühere” vatikanische Gesetze zu den Juden “gesammelt” wurden, um mit diesem Rückgriff auf “ältere” Bestimmungen, die angeblich nicht mehr befolgt würden, die aktuelle Stellung der Juden erheblich einzuschränken. Im Katalog befinden sich Forderungen, dass Juden Abzeichen tragen, in Ghettos wohnen sollten und der Umgang von Christen mit ihnen limitiert sein sollte. Es ist durchaus fraglich, ob es dies älteren Bestimmungen in früheren Zeiten in dieser Weise als “Allgemeingut” tatsächlich gab. Offenkundig gefiel den vatikanischen Herausgebern nicht, dass sich die Stellung der Juden zu ihrer Zeit sogar ganz gegenläufig positiv entwickelte, insbesondere durch das Beispiel und unter dem Einfluss der amerikanischen Revolution 1776 und ihre Nachwirkung auf Europa.

Pius VI. geriet aber bald selbst in Konflikt mit dem Ableger der französischen Revolution und mit Napoleon, der den Papst schließlich gefangen nahm und nach Frankreich bringen ließ, wo er 1799 im Kerker starb. Erst ein halbes Jahr später wurde ein Nachfolger gewählt und das moderne, deutlich „gezähmte“ Papsttum entstand, während sich der klerikale Hass auf Juden als säkularisierter „Antisemitismus“ (der Name taucht erst Jahrzehnte später auf), neu formierte.

Der am Titus-Bogen gezeigte Leuchter ist freilich nicht identisch mit den Leuchtern aus biblischer und talmudischer Beschreibung, wie sie auch bildlich durch zahllose Darstellungen aus antiken Vasen, Öllampen, steinerne Reliefs aus der Zeit des Jerusalemer Tempels, Mosaiken oder auf Eisentüren noch mittelalterlicher Synagogen belegt sind. Noch Illustrationen des 16. bis 18. Jahrhunderts stellen die Menora in der klassischen Weise dar. Es ist kaum denkbar, dass tausende Darstellungen aus ganz Europa und dem Orient alle irrtümlich den selben Typus des Leuchters darstellen, während auf der anderen Seite die singuläre, völlig abweichende des Titus-Bogens, die authentische sein soll, obwohl deren Überlieferungsgeschichte vor dem 19. Jahrhundert fraglich ist. Die Absicht der Darstellung bestand darin, einen Sieg Roms über “die Juden” zu propagieren. Und die Ironie der Geschichte brachte es dann, dass genau diese Fälschung nun, zum Abbild des stattdessen aus der Geschichte in die Gegenwart zurückgekehrten modernen Staates Israels wurde, zum “semel ha’medina”, zum Staatswappen.

 

The menorah at the so called Arch of Titus in Rome does not depict the menora as explained in Bible and Talmud and is not made the way hundred and thousand of ancient and medieval depictions in Temple time stone reliefs, mosaics, terra cotta or bronze oil lamps, carvings, illustrations or woodcuts and so on. Actually the Arch in Rome as knwon today was exposed and “reconstructed” only in 1821 by an Vaticanian architect Valadier who is the  builder of many prominent neo-classical buildings and places in Romes old city. His master, Pope Pius VI however was everything else but a friend of the Jewish people.

Some גיטין extracts for friends of the יתוש

3 Responses to Der Titus-Bogen in Rom, eine Erfindung der Neuzeit?

  1. Ron says:

    Über den Triumph des Titus, Gregorovius zitiert Josephus:

    Nun kam der Fall des jüdischen Landes und die Zerstörung Jerusalems durch Titus, welcher eine Menge jüdischer Kriegssklaven nach Rom schleppte, von denen ein Teil hingerichtet wurde, der größere aber in der Stadt blieb. Ich halte es für lohnend genug, die Darstellung des Triumphes fortzusetzen, damit der Leser, welchem Flavius Josephus unbekannt ist, dieses merkwürdige Schauspiel gegenwärtig habe.

    «Es ist unmöglich», so fährt Josephus fort, «die Mannigfaltigkeit dieses Schauspiels und die Pracht in jeder Hinsicht, sei es in bezug auf die Kunst der Werke oder auf Reichtum und Seltenheiten, zu beschreiben. Alles, was je Menschen einzeln besaßen, und was nur selten und kostbar ist, schien an jenem Tage vereinigt, um die Größe des römischen Reichs zu zeigen. Schmuck von Gold, Silber und Elfenbein sah man hier in allen Gestalten, nicht bloß etwa als einzelne Prunkstücke des Festzuges, sondern wie in einem Strom daherfließend. Gewänder, teils mit dem feinsten Purpur getränkt, teils mit babylonischer Kunst aufs sorgfältigste ausgestickt, schimmernde Edelsteine in goldene Kronen gefügt oder in anderen Fassungen, daß man es für Irrtum ansah, solche Dinge noch für selten zu halten. Es folgten Götterbilder, an Größe außerordentlich und an Kunst unnachahmlich – alles aus den kostbarsten Stoffen. Auch Tiere verschiedener Art und in den seltensten Verzierungen wurden vorbeigeführt. Sämtliche Träger dieser Kostbarkeiten erschienen in purpurner und vergoldeter Kleidung. Besonders herrlich waren die Soldaten geschmückt, die an der Ehre des Triumphes teilnehmen durften. Selbst die Schar der Gefangenen zog die Aufmerksamkeit auf sich. Ihre bunte Kleidung entzog den Augen der Zuschauer den widerlichen Ausdruck dieser ausgemergelten Gestalten. Das größte Erstaunen erregten die prachtvollen Baldachine. Man mußte unwillkürlich für die Kräfte der Träger fürchten. Einige hatten drei und vier Wölbungen übereinander, und die Kunst der Ausführung war ebenso erstaunlich als angenehm. Viele waren noch mit goldgestickten Teppichen überhangen, an allen funkelten kunstreiche Arbeiten aus Gold und Elfenbein. In allen möglichen Formen und Wendungen stellte sich der Krieg dar. Da sah man eine verheerte Gegend, ganze Reihen gefallener Feinde, Fliehende, Gefangene, unermeßlich hohe Mauern unter dem Stoß der Maschinen stürzen, feste Burgen zertrümmert, die Mauern volkreicher Städte erstiegen, ein in das Innere hereinstürmendes Heer, Blutbad, Hilfeflehende, Wehrlose, brennende Tempel, Häuser, die über ihren Bewohnern zusammenstürzen, endlich nach einer weiten wilden Verheerung hereinströmende Flüsse, nicht um Felder zu wässern oder Menschen und Herden zu tränken, sondern um den allgemeinen Brand zu löschen. Dies alles, erzählten die Juden, hätten sie im Krieg erduldet. Die prächtige Ausführung stellte selbst dem Unkundigen alles gegenwärtig dar. Bei jedem der Baldachine standen die feindlichen Befehlshaber in der Haltung, wie sie gefangen wurden. Nun folgte eine Menge Schiffe. Andere Kriegsbeute ward haufenweise getragen, doch alles mußte erbleichen vor den Tempelgefäßen von Jerusalem: ein goldener Tisch von mehreren Talenten an Gewicht, ein Kronleuchter, ebenfalls aus Gold, aber in der Form von dem zum Alltagsgebrauch dienenden verschieden; der Schaft in der Mitte war in dem Fuß befestigt, und dünne Äste erstreckten sich auswärts, nach Art eines Dreizacks; oben an jedem befand sich eine eherne Lampe. Deren waren es sieben, ein Symbol der Heiligkeit des siebenten Tages bei den Juden. Hinter diesem wurde das Gesetz Gottes als Schluß der Beute hergetragen. Hierauf kamen Männer, welche Bildsäulen der Viktoria trugen, sämtlich aus Gold und Elfenbein. Zunächst an ihnen ritt Vespasian; ihm folgte Titus; Domitian ritt neben ihm in prachtvollem Gewande auf herrlichem Roß. Das Ziel des Triumphzuges war der Tempel des Jupiter Capitolinus; vor diesem angekommen, machten sie halt. Denn es ist eine alte Sitte, dort zu warten, bis der Herold den Tod des feindlichen Heerführers verkündigt. Simon Bar Giora war es, der auch im Triumphzug mit aufgeführt wurde. Mit einem Strick um den Hals wurde er auf den Felsenrand gegen das Forum gezogen und von seinen Führern mit Ruten gestrichen. Dort werden nach römischem Gesetz verurteilte Verbrecher hingerichtet. Als verkündet war, daß er dahin sei, erscholl allgemeiner Jubelruf, und nun begann das Opfer. Nach den Gebeten und den Spenden kehrten die Kaiser zum Palast zurück. Viele zogen sie selbst zur Tafel, für andere waren zu Hause reiche Mahle bereitet. Die ganze Stadt Rom feierte diesen Tag als Dankfest für den glücklich beendeten Feldzug, für das Ende der Bürgerkriege und für die schönsten Hoffnungen auf künftiges Glück.»

    Vespasian erbaute hierauf dem Frieden einen herrlichen Tempel. In ihn stiftete er die Tempelgeräte Jerusalems; die Bundeslade aber und ihre purpurnen Vorhänge ließ er im Cäsarenpalast niederlegen. Jener Triumphbogen nun, in dessen innerer Wölbung die heiligen Geräte und der feindliche Umzug mit so hoher Kunstvollendung dargestellt sind, wurde erst nach Titus’ Tode vollendet. Im Mittelalter hieß er wegen seiner Bildwerke der Bogen der sieben Leuchter oder, wie das Buch der Mirabilien der Stadt Rom sagt: «Arcus septem lucernarum Titi et Vespasiani, ubi est candelabrum Moysi cum arca.» Seine römische Gestalt wurde im Mittelalter verändert, denn die mächtigen Frangipani, welche das Forum und das Kolosseum beherrschten, hatten ihn zu einem Kastell umgestaltet und einen Turm darangebaut, Turris Cartularia genannt. Erst unter Pius VII., im Jahre 1822, wurde der Triumphbogen so wiederhergestellt, wie er nun heute dasteht, eine der merkwürdigsten Antiken der Stadt, doch die modernste Restauration.

  2. This definitely makes perfect sense to anyone…

  3. joshua says:

    Well, actually I always have been puzzled over the state of various part of the monument since I ve seen it. The more puzzling question of course is for whar reason the Zionist movement and modern state accepted it as a symbol. Do you have any information about the people involved?

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