Zur Geschichte der Juden in Nürnberg


Nach sichtbaren Anzeichen des Judentums in Deutschland zu suchen, ist generell nicht ganz einfach, da seine lange, über 1500 Jahre Geschichte in gängiger Weise entweder auf 12 passive Nazi-Opfer-Jahre beschränkt, oder gelegentlich mit älteren Hinweisen auf frühere Verfolgungen, „Pogrome“ die im Mittelalter schon „typisch“ gewesen sein sollen, dekoriert wird. Von der Nordsee bis zu den Alpen kann man dies in allen Regionen und zahllosen Städten und Dörfern im Rahmen standardisierter Grund(er)Kenntnisse mit wenigen lokalen Schattierungen nachvollziehen.

In Nürnberg, das oft und gerne als „deutscheste aller deutschen Städte“ beworben wurde, ist das freilich nicht anders, wenngleich die spezielle Geschichte der Stadt in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, wie auch in der Bewältigung dieser Vergangenheit ganz eigene Varianten (und mehr) zu bieten hat.

Die mittelalterliche Geschichte der Juden ist, wie an vielen anderen süddeutschen Orten von den Daten 1298 (das Nürnberger Memorbuch nennt 628 Opfer) und 1349 bestimmt, der das spezifische Datum der „endgültigen“ Ausweisung im März 1499 folgt, ehe um 1840 eine neue Gemeinde besteht, zunächst mit einer Gebetsstädte, dann mit raschen Wachstum mit eigenem Friedhof (während zunächst der im benachbarten Fürth benutzt wurde) an der Bärenschanzstr.  Schließlich wurde 1874 am Hans-Sachs-Platz eine moderne Synagoge eingeweiht und als diese sich der „Reform“ verschrieb, um 1902 eine weitere orthodoxe des Adas Israel – Vereins in der Essenweinstr.  Kurz darauf wurde in der Schnieglinger Str. ein zweiter neuzeitlicher Friedhof eingeweiht, der auch heute noch belegt wird und auf dem sich auch Überreste mittelalterliche Grabsteine befinden.  Das verwundert nicht weiter, da sich in Nürnberg eine stattliche Gemeinde entwickelt hatte, die zu Beginn der 1920er Jahre fast 10.000 Mitglieder hatte. Fast unnötig zu erwähnen, dass beide Synagogen 1938 zerstört wurden, gäbe es nicht die Besonderheit, dass die Hauptsynagoge bereits im August 1938 auf Betreiben des fränkischen NS-Provinzfürsten Julius Streicher demoliert wurde.

Es ist sodann auch unnötig zu erklären, dass Nürnberg als Stadt der nationalsozialistischen Reichsparteitage mit dafür geschaffenen und geplanten Monumentalbauten, zahlreichen Aufmärschen aber auch nach der vernichtenden Niederlage Deutschlands als Schauplatz der Nürnberger Prozesse und Nachfolgeprozesse (wenig schmeichelhaften) Weltruhm erlangt hat. Beeindruckende Gedenkstätten wie das Dokumentationszentrum am Dutzendteich oder das neugeschaffene Museum zur Erinnerung an die Nuremberg Trials schaffen (sicher etwas spät) eine Erinnerung an viele vergessene, oft verdrängte Zusammenhänge – wenngleich diese zwar viel über den Umgang mit Juden, aber im Kern nichts über das Judentum aussagen.

Wie die Vorkriegssynagogen sind auch die beiden mittelalterlichen Synagogen im Bereich von Obstmarkt, Hauptmarkt, Frauenkirche oder Wunderburggasse verschwunden oder möglicherweise von Kirchen überbaut, woran ein im Altarraum am Boden eingelassener David-Stern erinnern soll.

(Ausstellungs-Tafel in der Frauenkirche die den dort im Altarraum am Boden eingelassenen David-Stern zeigt, der an die am Platz der Kirch vermutete frühere Synagoge erinnern will. Dazu heißt es etwas merkwürdig: „Am Anfang ist das Pogrom – am 5. Dezember 1349 wird das Judenviertel (heute Hauptmarkt) zerstört. 562 Juden werden ermordet.“ – In the beginning is the pogrom …)

Am älteren der beiden erhaltenen jüdischen Friedhöfe im Stadtteil Gostenhof, der sich in derselben Straße wie der Justizpalast und seiner Gefängnisse befindet, finden gerade archäologische Ausgrabungen statt, die eine benachbarte Kaserne rekonstruieren soll, wahrscheinlich, weil wie gegenüberliegend Neubauten wie das Seniorenzentrum errichten werden sollen. Im 30jährigen Krieg war die Bärenschanze als Artilleriebastion entstanden und in der Folgezeit zur Kaserne ausgebaut worden. Im 19. Jahrhundert war hier auch der Standort der Reiterei des 1. Chevaulegers-Regiments (in Augsburg war das 4. stationiert).

Der Friedhof erstreckt sich etwa in 200 m Länge zwischen der Bärenschanzstr. und der Reutersbrunnerstr., ist dabei etwa 33 m breit und umfasst zweimal 5 Grabreihen mit insgesamt wohl etwa 1700 Gräbern (von außen und mittels Google Earth von oben geschätzt). Die Grabmonumente sind typisch für die Zeit des mittleren und ausgehenden 19. Jahrhunderts und sind hoffentlich gut dokumentiert worden.

Children grave markers at the old Jewish cemetery of Nuremberg, in front the Hebrew memorial stones of two Nuremberg boys: the one of Yitzchak ben Naftali who died on Yom Kipur in 1870s (last digit is unclear) and the one of Yehuda ben Meir who died on 23rd of Shwat in 5636 (i.e. 18th of February 1876).

Nuremberg, as it is said, is regarded by some as the „most German among German cities“, and famous for its historical City,  the Burg, Albrecht Duerer , … as well as for the Nazi history, the “Reichsparteitag” area and the following “Nurenberg Trials” …. But Nuremberg also has a long and rich Jewish history dating back at least to the early 12th century.  Two supposed medieval synagogues in the old city near the Hauptmarkt (main market) were known. Surprisingly Nuremberg shares at least four famous rabbis with Augsburg, among them Raw Koppelman and Rabbi Yakov Weil. Just 350 m from the Justizpalast, where some of the Nazi leaders were prosecuted, actually is the older of the two still preserved Jewish cemeteries along the former military area Baerenschanze (mil. sconce or redoubt) which traces back to the 30 years war.

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