Schwäbische Juden als Pioniere in Hollywood


Vereinzelte Vorläufer gab es in den Jahren zuvor bereits, doch ernsthaft los ging es in Hollywood eigentlich erst im Jahre 1911 mit der ersten Filmproduktion vor Ort, also vor genau hundert Jahren. Viele Geschichten aus den Pioniertagen sind bekannt, in Büchern oder auf Webseiten erzählt, manches auch bereits wieder verfilmt, während anderes unbeachtet blieb oder wieder in Vergessenheit geriet. Von all dem interessiert uns natürlich in erster Linie der Bezug von handelnden Personen aus unserem Themengebiet. Im Laufe des Jahres 2011 werden wir also immer wieder auf die eine und andere Person und Geschichte zu sprechen kommen.

Hollywood (übersetzt “Stechpalmenwald”) ist wahrscheinlich noch vor Manhattan der weltweit bekannteste Stadtteil und international Synonym für eine weltumspannende Filmindustrie. Wenngleich weder der Ort selbst noch die Ansiedlung von Filmfirmen durch Juden entstand, ist der jüdische Einfluss in Hollywood schon ab dem ersten Film-Jahr 1911 schnell sehr dominant. Schon zu Beginn des ersten Weltkriegs wurden bereits die meisten amerikanischen Filme in einem der rasant wachsenden Studios produziert, von denen eine Vielzahl jüdische Eigentümer hatten. Es wundert deshalb auch nicht, dass rasch von einem „jüdischen Hollywood“ die Rede war – ein Ruf der bis heute nachhallt, wenngleich viel der Studios längst andere Besitzer haben und wie beispielsweise MGM oder Columbia mit Sony oder 20th Century Fox mit Rupert Murdoch sogar ausländische Besitzer haben.

Zu den frühen jüdischen Pionieren Hollywoods gehören auch schwäbisch-stämmige Juden wie Carl Laemmle (1867 – 1939), der in Laupheim bei Ulm als Sohn des Viehhändlers Jehuda Laemmle geboren wurde und in Ichenhausen eine kaufmännische Lehre absolvierte, ehe er noch als 17jähriger nach Amerika auswanderte. Er interessierte sich früh für die neue Filmtechnologie und investierte sein im Konfektions-Geschäft hart erarbeitetes Kleingeld darin. 1911 finden wir ihn bereits in Hollywood. Seine dort gegründete „Universal Pictures“ zählt zu den weltweit bekanntesten Filmfirmen. Zu den großen frühen Erfolgen der Firma zählen insbesondere Horror-Filme wie „Der Glöckner von Notre Dame“, „Dracula“, „Phantom der Oper“, „Frankenstein“, Tarantula“ oder „Mumie“ mit Stars wie Bela Lugosi , Charles Laughton oder Boris Karloff. Laemmle‘s vielleicht bemerkenswertester Beitrag zur Entwicklung des Filmgeschäfts  ist aus heutiger Sicht eine bloße Banalität und so selbstverständlich, dass man ihren eigentlichen Stellenwert kaum auf Anhieb erkennt. Er war der erste Produzent, der die Namen der Darsteller im Film nannte, somit nicht nur bereits bekannte Schauspieler aus Theatern abwerben konnte, sondern auch Stars kreierte.  

Ein anderer, in Europa noch weit weniger bekannter Pionier war Marcus Loew (1870 – 1927), dem Sohn eines in die USA ausgewanderten Wiener Kellners der selbst alten weitverzweigten jüdischen Gelehrtenfamilie aus dem früheren österreichischen Großreich entsprang. Loew gründete bereits 1904 sein „Loew Theater“, das zur größten Kino-Kette der USA wuchs und zahlreiche stattliche Film-Paläste umfasste, heute noch namentlich bekannt ist und als eine Art von Synonym für Kinos in den USA gilt, ehe er 1919 mit den Metro Pictures und 1924 mit den Goldwyn Pictures eigene Produktionsfirmen erwarb und diese zu den Metro Goldwyn Mayer, bzw. MGM fusionierte. Berühmte MGM-Stars waren Greta Garbo, Clark Gable, Marx Brothers, James Stewart, Frank Sinatra, Fred Astaire und viele andere. Die meisten freilich erst nach dem Tod von Loew, der obwohl dem Judentum treu geblieben (Vertragsunterschriften am Schabbes kamen nicht in Frage) bereits 1927 im Jahr des ersten abendfüllenden, noch improvisierten Tonfilms des Konkurrenten Warner starb.

Gut gebrüllt, Löwe ..!

Das berühmte Erkennungszeichnen – der brüllende Löwe – mit dem lateinischen Slogan ars gratia artis (Kunst der Kunst Willen), stammt noch von den übernommenen Goldwyn Pictures, die 1916 von Samuel Goldwyn (1879-1974) gegründet wurden. Goldwyn, der als einer der ersten die Idee zu längeren Filmen mit spielerischer Handlung hatte,  entstammte als Schmuel Gelbfisch einer chassidischen Familie in Warschau – seine Mutter war um einige wenige Ecken mit Marcus Loew verwandt – und verließ bereits im Alter von 16 Jahren sein Elternhaus und Heimatland, um zunächst bei weitverzweigten Verwandten in England als Schmied Samuel Goldfish zu arbeiten, ehe er als 19jähriger Auswanderer nach Amerika emigrierte und seinen Namen in und schließlich in Goldwyn änderte. Den Löwen widmete er offenbar seinem Vater Juda. Loew behielt nach der Fusion der Firmen den Löwen bei, da er seinem Familiennamen entsprach und neben dem Emblem auch noch Trade und Mark stand, letzteres sein Vorname in englischer Fassung. Goldwyn verkaufte sein 1916 gegründete Filmfirma schnell wieder, blieb aber als nunmehr mit reichliche Mitteln ausgestatteter unabhängiger Produzent mit eigenem Studio aktiv im Filmgeschäft und produzierte in dem 1930ern Stars wie Danny Kay oder Gary Cooper. Später reihten sich noch Namen wie Marlene Dietrich, Marlon Brando oder Sammy David Jnr. ein – letzterer konvertierte sogar zum Judentum.

Many of the pioneers and founders of Hollywood, which in 1911 started with it’s first own movie production, were Jews. Some of them have roots in Bavarian Swabia or  in parts previously belonged to Austria. The 100th anniversary in 2011 time and again will give us the opportunity to highlight some Swabian Jewish shares of the story.

2 Responses to Schwäbische Juden als Pioniere in Hollywood

  1. Jeanette in London says:

    … and then I looked on your information at http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20280/CEM-AUG-FAMILY-NAME-INDEX.htm

    and found him: Laemmle Abraham 1247 – N40/10 – husband of Nanette nee Wimpfheimer (died after 1933)

    thanks for all the work you do!

  2. Jeanette in London says:

    How interesting to read about the Laemmle family. My paternal great Aunt Nanette nee Wimpfheimer 1889-1941 was married (possibly in Bruchsal Baden) to Albert Hirsch Laemmle. According to my Uncle, Albert was born in Fishach near Munich and was supposed to have been related to these Laemmle people. Albert died in an accident in 1932 in Augsburg as is buried there, somewhere, as far as I know!

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

%d bloggers like this: