Die Synagoge von Creglingen


Die Einrichtung einer Synagoge gehörte einst zu den einfachsten Dingen der Welt, bedurfte es dafür keines eigenen Hauses sondern zunächst lediglich eines Raumes mit einer hölzernen Kiste für die Schriftrollen תיבה של ספרים, die in früheren Zeiten in Erinnerung an die sog. Bundeslade ארון הברית zum Gebet “sogar” auf öffentliche Versammlungsplätze getragen wurde – heute etwa noch an der Westmauer in der Altstadt von Jerusalem praktiziert. Später nach der Etablierung als feste Einrichtung, bezeichnete man die תיבה dann auch als ארון Akten- oder Wandschrank und die nunmehr als ארון קודש begrifflich geheiligt und mit Vorhängen abgetrennt wird. Zusätzlich dazu war nun lediglich ein Tisch erforderlich auf welchen man die Thorarollen legte, um aus ihnen zu lesen. Da die Gebete alle im Stehen gesprochen werden können, bedurfte es weiter also nichts, außer zumindest sieben kundigen Betern. Entsprechend einfach wird es auch in Creglingen gewesen sein im Hause des Simson von Reinsbronn in der Badgasse eine vielleicht erste dauerhafte Räumlichkeit für die drei täglichen Gebete und die Festtage einzurichten.

Erinnerungstafel Creglingen Synagoge

Das Verlangen ein eigenständiges Synagogenhaus zu bauen nehmen mit einem Antrag aus dem Jahr 1765 Gestalt an. Zwar wird die Errichtung einer „Judenschul“ im Frühjahr 1766 mit „landesherrlicher Erlaubnis“ genehmigt, jedoch handelt es sich hier um keinen Neubau.

Wenige Monate vor der Genehmigung erwarb die jüdische Gemeinde in Creglingen ein Haus neben dem Faulturm. Anders als heute, wo Faultürme Bestandteil zur Abwasserbehandlung in Kläranlagen sind, handelt es sich hier um einen Gefängnisturm. Zwar gab es in früheren Zeiten in manchen Regionen ein sog. “Faulamt”, das „faule“, in diesem Kontext untüchtige, träge junge Bürger dem “Faulheitsgericht” übergeben wurden, um für sie eine Arbeit zu finden. Eine Methode, die wir heute in der einen oder anderen Ausprägung immer noch antreffen können. Doch auch damit hat der Faulturm als Schuldturm und Gefängnis (etwa in Dinkelsbühl oder der mittelalterliche, nicht mehr existente Kreuzturm in Augsburg) nichts zu tun. Die Bezeichnung geht vielmehr auf eine alte Bezeichnung für “Schandtat” oder “Schuld” zurück, die in ihrer englischen Form „foul“ für uns ganz geläufig ist, freilich nur noch als Regelverstoss im Sport. Die Popularität des Sports hat aber auch in der englischen Sprache selbst die frühere Bezeichnung „foul play“ als Synonym für „crime“ (Verbrechen) inzwischen fast vollständig verdrängt.

Der Faulturm vom Jüdischen Museum aus gesehen

Das Haus mit dem ehemaligen Faulturm, welcher Bestandteil der Befestigungsmauer des Ortes war, wurde nun jedoch auch in den folgenden Jahren nicht zur Synagoge umgebaut. Erst im Mai 1799 nehmen die Pläne und Arbeiten konkrete Gestalt an. Offenbar spielen neben diversen Unstimmigkeiten auch finanzielle Erwägungen eine Rolle bei der Verzögerung, da der Creglinger Rat den Juden empfiehlt, sich gut zu überlegen, ob sie wirklich imstande seien, das Vorhaben zu realisieren. Am Freitag 20. September 1799 wird mit dem Bau begonnen und am Freitag 27. Sivan 5560 (20. Juni 1800) vor Schabbes wurde die Synagoge eingeweiht. Bis zum November 1938 wurde sie für die Gebete und Versammlungen der Creglingen Juden genutzt, eher sie überfallen, geschändet, geplündert und enteignet wurde. Bereits 1939 ist das modifizierte Gebäude nun von der örtlichen Hitler Jugend benutzt. In der Nachkriegszeit wurde das Gebäude bis 1963 weiterhin als Jugendherberge genutzt , freilich unter anderen Vorzeichen. 1970 wurde es privat verkauft und diente als Lagerraum, ehe 1987 das heute noch vorhandene Restaurant eingerichtet wurde. An die frühere Synagoge erinnert heute nur eine Tafel und die Einfassung einer Mesusa. Einige Erinnerungsstücke aus der Einrichtung der Gebetsstätte befinden sich heute im Jüdischen Museum von Creglingen in der Nebenstrasse.

 

The former Synagogue of Creglingen was established in a house acquired by the Jewish community in 1765. Only in May 1799 the conversion work began and in June 1800 the building was inaugurated. Although in nowadays German a Faulturm is a digester of a sewage or purification plant, the significant 15th century Faulturm actually was a prison. The origin and meaning of the word the old German word “faul” also hast to do with the English “playing foul” or “committing a foul”, i.e. committing a crime ant foul therefore means misconduct or crime. After the desecration in 1938 the building became the home of the Nazi youth branch Hitler Jugend of Creglingen. Also after the war, until 1963 as the memorial plate says it was used as youth hostel. Since 1987 there is a restaurant which offers “Bauernhof-Eis”, while in the tower in summer time there are guest rooms for tourists.  

the black-read flag is that of the “1. FCN”, Football Club Nuremberg /Nuernberg, the Club in Germany with the second most national championships (9) behind FC Bayern Munich (22)

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