Die Synagoge von Binswangen


Die Synagoge in Binswangen wurde 1837 anstelle eines früheren Baus errichtet. Aus welcher Zeit dieser stammte ist nicht bekannt. Früheste Hinweise auf eine jüdische Gemeinde in Binswangen gehen jedoch bereits in das Jahr 1450 zurück und gilt spätestens ab 1525 als gesichert. Die neue Synagoge in Binswangen gilt als eine der ältesten in Deutschland die im sogenannten neomaurischen Stil erbaut wurden. Der stattliche Bau vermittelt etwas vom Selbstbewusstsein einer jahrhundertealten Gemeinde in Binswangen. Gut hundert Jahre später wurde auch in Binswangen die jüdische Gemeinde und damit auch die Synagoge angegriffen und am Morgen des 10. November 1938 im Inneren fast vollständig zerstört. Hernach wurde das entweihte Gebäude als Lager bis 1987 (u.a. für Heu, Kohle, etc.) verwendet, als es vom Landkreis Dillingen gekauft und restauriert wurde. Eigentümlich sind die beiden Schlangen auf den Giebel der Synagogenfassaden. Dies wird bezogen auf “ עשה לך שרף ושים אתו על־נס „  aus 21.8 במדבר und auf der offiziellen Webseite des Landkreis Dillingen (dem Initiator der Renovierung) wird dies auf durchaus eigenartige Weise erklärt:

Die eherne Schlange, die Moses in der Wüste aufrichtete, wird im Synagogenbau hier erstmals verwendet. Sie gilt als Symbol für Christus (vgl. Joh 3,14) und will gleichsam sagen: Aus unserem Volk ist Christus hervorgegangen.

(siehe: http://www.landkreis.dillingen.de/sehenswert/synagoge_binswangen.htm )

leere Gebotstafeln - ein Symbol für Christus ...?

Der dabei verwendete Begriff שרף (sraf, saraf) ist nicht der üblichere für Schlange נחש (nachasch, zugleich auch Kupfer) und kann auch Harz, Weihrauch, ja sogar auch Menstruation bedeuten oder als Verb auch „brennen“ heißen, schließlich natürlich auch selbstredend Sraf (bzw. gräzisiert „Seraph“) als Bezeichnung für einen Engel – mit sechs Flügeln in der Beschreibung von Jeschajahu. Dem 1996 als Begegnungsstätte „Alte Synagoge“ in der Judengasse 3 eingeweihten Bau hingegen, genügt (wohl wegen zwei Schlagen auf dem Dach) bereits ein Flügel, der wie im Ichenhausener Gegenstück die zentrale Funktion (und annähernd auch Position) des Lesepults übernommen hat und die Attraktion für Besucher regelmäßiger musikalischer Darbietungen ist. Aktuell angekündigt sind etwa Darbietungen von Vivaldi oder französische Chansons. Welchen Bezug dies zum Judentum haben mag ist unklar, fällt aber ohne Juden in Binswangen nicht ins Gewicht, zumindest in den nächsten Wochen gibt es dort jedoch kein Adventssingen.

piano und konzertstühle

Sieht man demgemäß davon ab, dass eine praktische Nutzung als Synagoge kein Bestandteil des Konzeptes war, ist die Restaurierung in satten Farben dem äußeren Anschein ganz gut gelungen, insofern sie einen optischen Eindruck des früheren Baus vermittelt, wenn die Funktion schon keine Rolle spielt.

4 pointed star or is a cross ..?

In Binswangen Jews probably lived from 1440 until 1940, that is a half millennium. At times by half the population of the village was Jewish. Today it is not known where was the mikveh or the earliest synagogue. The present building, restored in 1996 was built in 1837 in place of an much older one. The Moorish style synagogue remarkably has two iron snakes at the roof, what the website of the (district county) Landkreis Dillingen declares as “symbol for Jesus Christ” (see German source above). The former synagogue of Binswangen however is declared as “meeting place” (Begegnungsstaette) and is used for concerts (Vivaldi, Chansons, Advent chorals, “Klezmer” and the like). The colorful restoration is in sharp contrast to the loss of the primal function of the building as well as to the state of the Jewish cemetery on the edge of the woods towards Wertingen.

Information:
http://www.bndlg.de/~synagoge/
Förderkreis Synagoge Binswangen e.V.

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