Die Darstellung der jüdischen Feste und Festage in der Augsburger Synagoge


Teil 2

Die Darstellungen der Augsburger Synagoge verraten recht unterschiedliche Auffassungen, so wie sie bildliche und schriftliche Formen vermischen, so auch Stile, Traditionen, Auslegungen und Ursprünge.  Es handelt sich um Abzeichen und vielleicht auch Vorboten eines möglicherweise bevorstehenden Umbruchs, der – zumindest wegen der Nazis – in dieser Weise freilich nicht zustande kam. Rund hundert Jahre nach der Planung und über 90 Jahre nach dem Ausbau sind mittlerweile vergangen. Selbst die „gedächtnisintensive“ sog. „Kristallnacht“ liegt bereits sieben Jahrzehnte zurück und auch die Restaurierung des Hauptraumes und die teilweise Umwidmung in ein Museum liegen bereits 25 Jahre zurück.

Die Ostseite mit aron kodesch (Thora-Schrein), bima (Lesepult), ner tamid (ewiges Licht) und menorá (Leuchter)

Fünf beschriftete Kreise bilden einen aufsteigenden Halbkreis über der Kuppel des arao kodesh und unterhalb der Menora, an deren Platz früher die Orgel stand. Die Anordnung der Symbole oder Ornamente ist nicht chronologisch vom Jahresverlauf und zeigt an der Spitze Jom Kipur (3), für das die Gestalter seltsamerweise kein Symbol gefunden hatten. Rechts und links davon finden sich Rosch Haschana – der „Beginn des Jahres“ mit Horn und sog. David – Stern, gegenüber rechts Suckot, das Laubhüttenfest mit einer Weinrebe. Tiefer gelegt ist links Schawuot, das Wochenfest (im Christentum: „Pfingsten“), geschrieben und mit einer Ähre abgebildet und rechts gegenüber findet sich schließlich noch Pessach (im Christentum „Ostern“) mit einer weiteren Getreideähre.

Jom Kippur  

Laubhüttenfest

Neujahrsfest

(all paintings (c) by Chana Tausendfels)

Aus dem jüdischen Festtagskalender sind somit nur jene Feiertage und Feste  gewürdigt, die eine Erwähnung in der Thora finden und in der talmudischen Tradition „Jom Tow“ genannt werden. Freilich fehlt in der Auflistung der wöchentliche Feiertag des Schabbat, der trotz oder gerade auch wegen der wöchentlichen Präsenz den anderen jomim towim in gar keiner Weise nachsteht. Es ist verständlich, dass eine reformistische Gemeinde Fastentage wie den 9. Aw unberücksichtigt lässt, aber warum sie auch eher profane und gesellige Feste wie Purim oder Chanucka im Rahmen ihres eigenen Bildprogramms außen vor ließ, ist etwas unklar.

At the eastern site of the synagogue of Augsburg there are five emblems as depiction of  five Jewsh festivals and holidays with Hebrew characters and some pictoral signs: Yom Kipur (Hebrew letters only), Shavuot, Passover, Rosh haShana and Succoth, but suprinsingly not Shabbat, Hannuckah or Purim …

One Response to Die Darstellung der jüdischen Feste und Festage in der Augsburger Synagoge

  1. Ronen says:

    excellent pictures

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