Eine Geniza im ehemaligen Taharahaus des Kriegshaber Friedhofs?


Herr Mills, neuer Bewohner des ehemaligen Tahara-Hauses am Kriegshaber Friedhof entdeckte in den Dielen beim  Verlegen einer neuen Telefonanlange und bei der Instalation einer TV-Sateliten-Anlage am Dach einen kleinen offensichtlich alten, etwas zerknüllten und angeschimmelten Sidur und eine Anzahl kleiner alter Glasfläschchen und Vasen. Ein verstöpseltes Glasgefäß diente dem Anschein nach als Besamim-Behälter für die Hawdalla. Der Sidur, nach minchag aschkenaz vepolin stammt der halbwegs erhaltenen Titelseite gemäß aus Amsterdam. Im hinteren Teil ist der Sidur noch recht gut lesbar und folgt dem Anschein nach unser bekannten Gebetordnung. Frau Naomi Harris Rosenblatt aus Washington D.C. mit ihrem Gatten, den früheren US-Botschafter Peter Rosenblatt gerade bei uns zu Gast in Augsburg und deshalb mit uns am Friedhof zur Besichtigung von Grabstätten zahlreicher schwäbischer Vorfahren war sehr berüht von diesem Fund und war spontan bereit verschiedene Passagen aus dem Fundstück vorzulesen und von mir entsprechend filmen zu lassen.

Somit deutet einiges daraufhin, dass es im Dachboden des ehemaligen Taharahauses am jüdischen Friedhof von Kriegshaber und Pfersee eine Art von Geniza gibt, in welcher traditioneller Weise unbrauchbar gewordene heilige Gegenstände aufbewahrt wurden. Gerade in Süddeutschland wurden eine reihe bedeutender Geniza-Funde in den letzten Jahrzehnten gemacht, weshalb wir dringend daraufhinweisen, dass es eine fachkundige Untersuchung der Funde und eine bislang ausgebleibene Aufnahme der Fundsituation und weitere Untersuchung geben sollte, da andernfalls auch hier weitere Überreste der reichhaltigen Geschichte des schwäbischen Judentums zerstört werden.

Die Fundstücke selbst wurden von uns mittels Frau Schilling entsprechend weitergeleitet.  Jedoch ist es unerlässlich eine Frage der Denkmalschutzbehörden, hierzu Stellung zu nehmen.

A geniza found was made in the attic of the former tahara house at the Jewish cemetery of Kriegshaber / Pfersee. It is an old ashkenasi sidur from Asterdam and a number of small phials, one of them obviously was used a besamim vial for the havdallah.

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