The Hills Have Eyes in Kriegshaber


Vor recht genau einem Jahr versprachen uns die Abgesandten einer städtischen Kommission ihrerseits etwas für die Sicherheit des jüdischen Friedhofs in Kriegshaber / Pfersee zu tun. Eines der Probleme war, dass immer wieder Fußbälle vom benachbarten (angeblich nur „inoffiziellen“) Bolzplatz in den Friedhof flogen und ab und an gegen 300 Jahre alte Sandstein-Monumente prallten und damit weitere Teile der historischen Inschriften verloren gingen. Wie gesagt eines der Probleme, nicht das einzige, aber ein real vorhandenes. Die spielenden Kinder und Jugendlichen, mit denen wir sprachen, präferierten einen Ballfangzaun, der wie andernorts auch die Bälle einfach abfängt und Spielwiese und Friedhof klar abtrennt. Damit wären auch wir gut klar gekommen, zumal wir weder etwas gegen Fußball, noch etwas gegen Jugendliche haben – aber Fußball und Friedhof zusammen, das geht nun mal nicht. Seitens der städtischen Vertreter waren die Einwände, dass ein Ballfangzaun „zu laut“ wäre und die Anwohner stören könnte, so ständig Fußbälle dagegen „donnern“ würden.

May 2009

Umweltreferent Rainer Schaal und Dr. Maria Dobner vom städtischen Grünamt kamen überein, dass man das Gelände an der Westmauer des Friedhofs aufschütten sollte und die so entstehenden Hügel bepflanzen sollte mit Hecken. Auf diese Weise würde man eine natürliche Barriere zwischen dem Friedhof und der Spielwiese schaffen, die zudem auch kostengünstiger sei, als ein meterhoher Ballfangzaun, der Nachbarn stören könnte. Diese Lösung reduziert freilich die Spielfläche für die Kinder und Jugendlichen deren Idee es nicht war, den Spielplatz neben einem Friedhof aufzuziehen. Das hatten sich andere Planer einfallen lassen. Wie nun auch immer. Nach ersten Aufschüttungen Ende 2009 sind die Hügel nun aufgeschüttet und eigenen sich im jetzigen Zustand (die Saat ist noch nicht aufgegangen) als Aussichtsplattformen. Andererseits bilden die Hügel eine seltsame Anspielung auf den Kugelfang, den es früher am Ostenende der Nordmauer gab. Ursprünglich hatte dieser Hügel, der den Friedhof um stattliche 15 m überragte militärische Zwecke. Bayerisches Militär machte hier Schießübungen mit Kanonen, verfehlte dabei aber immer wieder mal den Hügel und schoss stattdessen auf den Friedhof wo nicht nur Breschen in die Mauer geschossen sondern auch zahlreiche Grabsteine beschädigt wurden. Mehr noch wurden Berichten gemäß auch Trauergäste und selbst christliche Passanten beschossen und teilweise schwer verletzt. Erst die Beschwerden des Gemeindevertreters Seligman Skutsch beim König konnte den Missstand 1863 beseitigen. Die Kanonen wurden nun im Lechfeld abgefeuert , der Hügel jedoch blieb bis Ende der 1940er Jahre bestehen. In den Kriegserinnerungen von Erwin Huttner (geb. 1931) in Kriegshaber spielt der Hügel noch eine markante Rolle. Nach der berühmten Bombennacht war „… man am Nachmittag mit dem Schlitten auf den Exerzierplatz gegangen, weil wir Kinder rodeln wollten, da war der gesamte Exerzierplatz nicht weiß, sondern schwarz.“ (zitiert aus: Wiederaufbau und Neubeginn, Architektur der 50er Jahre in Augsburg, Katalog, S. 18). Als um den Friedhof herum Wohncontainer der Cramerton Housing Area für die Angehörigen der US Army errichtet wurden, verschwand auch der Kriegshaber Kugelfang, der in seinen letzten Jahren die Hauptattraktion für die spielenden Kinder der Umgebung war. Im Gegenzug errichtete die US Army im gesamten Gebiet eine größere Anzahl von Spielflächen. Auf der besagten heutigen Fußball-Wiese befand sich ein kleiner Basketball-Platz, von welchem aus kaum Bälle in den Friedhof gelangen konnte. In weiter entfernten Plätzen hingegen befanden sich eine Reihe von Softball-Feldern. Offenbar war den amerikanischen Planern klar, dass andernfalls der eine oder andere Baseball im Friedhof landen könnte. Die nach dem Abzug der Amerikaner „verantwortlichen“ Stadtplaner handelten weniger durchdacht. Sie führten auf der Südseite des Friedhofs den Passierweg direkt an der Friedhofsmauer entlang und schütteten zugleich auch noch das Gelände auf, so dass seitdem jedes Kind über die Mauer schauen und auch klettern kann. Noch mehr aufgeschüttet wurde das Gelände an der südwestlichen Ecke, wo die Mauer nur noch 105 cm hoch ist und direkt angrenzend der Spielplatz für kleine Kinder errichtet wurde. Vernünftigere Stadtplaner hatten wohl böses ahnend noch im Vorfeld gewarnt: „Bei der Konversion dieser ehemaligen Militärflächen und Wohnsiedlungen sollten … langfristige Entwicklungschancen nicht durch ‚kurzatmigen Aktionismus‘ verbaut werden.“ (zitiert aus: Wiederaufbau und Neubeginn, Architektur der 50er Jahre in Augsburg, Katalog, S. 37) Die Warnung war vergeblich. Die jetzt aufgeschütteten Hügel dienen anders als der ehemalige Kugelfang also nicht dazu Kanonenkugeln abzufangen, sondern sollen Fußbälle und Fußballer auf Distanz halten – nichts desto trotz gefährdeten beide Geschosse Grabsteine. Es ist nicht die beste Lösung, aber sie korrigiert teilweise frühere Fehlplanungen und kann wenigstens einen kleinen Beitrag dazu leisten, einen Rest des historisch wertvollen Bestands an Grabsteinen und Erinnerung an große und verdiente frühere Kriegshaber und Pferseer Bürger zu bewahren, wo das religiöse Gebot schon verschwunden ist. Wir danken den Vertretern der Stadt Augsburg für diesen ersten Schritt.

Another little step to was taken to preserve the heritage of the historical Jewish cemetery of Kriegshaber / Pfersee. At the western wall hills were heaped up in order to prevent footballs from bouncing at and destroying 300 year old sandstones.

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