Noch ein Museum …


Sanierung der Synagoge soll heuer beginnen

meldet ein Bericht in der heutigen Ausgabe der “Augsburger Allgemeinen”. Die Pläne dafür reichen bereits 18 Jahre zurück und die zunächst anberaumten Kosten von 1.8 Millionen DM (1992) wurden zwischenzeitlich nur fortgeschrieben (2.6 Millionen DM, 1996) und sind dem Artikel gemäß nun bei 1.55 Millionen angelangt, jetzt freilich in Euro. Genutzt werden soll das restaurierte Gebäude als “Dependance des Museums in der Halderstraße“, was den musealen Aspekt des Judentums in Augsburg und Schwaben sicherlich nochmal unterstreichen wird. Eine 1996 erwogene Überlassung des Gebäudes an einen gewissen “Politischen Club Colonia” (PCC) kam nicht zustande. Die naheliegende Nutzung als Synagoge durch die jüdische Gemeinde in Augsburg hingegen wurde mit dem eher ungewöhnlichen Argument, dass die Räumlichkeiten nur Platz für max. 50 Personen biete und dies “für die alleremeisten Veranstaltungen der IKG zu wenig” sei, beiseite gelegt. Offenbar hat man dabei nicht an reguläre jüdische Gottesdienste gedacht, zu denen auch in den auf Freitag Abend und Samstag Vormittag reduzierten Veranstaltungen am Schabbes in der Halderstraße nicht annähernd so viele kommen, sondern sicherlich mehr an klassische Konzerte, Dichterlesungen und dergleichen.

Freilich gab es auch den Gedanken, im restaurierten Gebäude “nach Absprache” Räume für eine “jüdische Volkshochschule” zur Verfügung zu stellen. Hier könnte dann etwa ein schwäbisch-russisches-lateinisches Glossarium erarbeitet werden.

Im Artikel heißt es weiter: “Den Saal sollen Bürger und Vereine in Kriegshaber für Veranstaltungen, die der Würde des Ortes entsprechen, nutzen können. Schließlich bleiben religiöse Elemente wie der Thora-Schrein erhalten.”

Dass der Thora-Schrein leer bleiben wird, stört dabei sicherlich weiter niemanden.

Für heuer seien 287 000 Euro vorgesehen, der Rest steht 2011 als Verpflichtungsermächtigung im Etat. Das heißt, eine Vergabe der Arbeiten ist noch 2010 möglich.”

An Geld das für die Rettung des jüdischen Friedhofs und des 286 Jahre alten, ebenso rasch verfallenden ehemaligen Tahara-Haus, drongender gebraucht würde, fehlt es also offenbar nicht, wohl am am politischen Willen und an der Erkenntnis, dass eine ehemalige Synagoge eben “nur” eine ehemalige Synagoge ist, während ein Friedhof ein solcher bleibt.

Der ganze Artikel:

http://www.augsburger-allgemeine.de/Home/Nachrichten/Startseite/Artikel,-Sanierung-der-Synagoge-soll-heuer-beginnen-_arid,2116561_regid,2_puid,2_pageid,4288.html

The restoration of the former synagogue of Kriegshaber, planned for almost two decades maybe will start this year, as the local newspaper Augsburger Allgemeine reports today. The estimated costs rose from 1.8 million DM in 1992 and are now at 1.55 million Euro. If once finished the building will host another museum, i.e. a branch of the state-operated museum of “Jewish Culture” (Juedisches Kulturmuseum). On the other hand  however there is no money or intention left to preserve the Jewish cemetery of Kriegshaber/Pfersee.

5 Responses to Noch ein Museum …

  1. Susanne says:

    Living close by the former Synagoge in Kriegshaber I am very happy that the city – council has finally decided to renovate the building. Due to necglect the house was in danger of collapsing – it was a ugly blot and people were very unhappy with the state of things. As far as I know there are no real plans what will going to happen with the former Synagoge – but one of the important historical monuments of our city is going to shine again.

    In my opion the renovated Synagoge will be a constant reminder of the history of our town and country.

    yours sincerly

    Susanne

    • yehuda says:

      Wenn die Restaurierung abgeschlossen ist (2013 + x), wird im Gebäude eine Filiale des “Jüdischen Kultusmuseums” (Halderstraße) eingerichtet, womit dann bereits ein zweites Synagogengebäude in Augsburg einen musealen Aspekt hätte.

      Selbstverständlich war die Restaurierung seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten überfällig. Erfreulicher wäre es jedoch gewesen, wenn das Gebäude wie in früheren Zeiten wieder als Syangoge hätte genutzt werden können. An zugezogenen Juden mangelt es in Augsburg ja nicht.

      Offenbar werden öffentliche Mittel aber ganz gerne dazu gedacht, vor Ort einen Schlussstrich hinter die jüdische Geschichte zu ziehen, wozu staatliche Museen besser geeignet sind, als ggf. Investitionen in einen Neuanfang zu unterstützen.

      best wishes

  2. mira says:

    Trotzdem toller Blog, übrigens. Kompliment.

  3. mira says:

    Es stimmt leider, dass Judentum in Deutschland (fast) nur noch museal vermittelt wird oder mittels Litaratur, wobei es eine augenscheinliche Lücke zwischen akademischer Fachliteratur und trivialen Taschenbüchern gibt. Das spiegelt aber nur die Wirklichkeit wieder. Es fehlt an Substanz in den Gemeinden. Ein paar wenige belesene Experten auf der einen und ein Heer unbedarfter Laien auf der anderen Seite, fast schon katholisch. Da dient das Museum als Instanz dem Gewissen aber auch als Existenzsicherung für das Personal. Mit Atheismus lässt sich halt kein vergleichbar gutes Geschäft machen.

  4. Joshua says:

    Well, the people of Augsburg need more museums and no (“dangerouuuuuus …!”) Judaism😉 I have told you that so many times … If you finally are sick of it, come here …

    London calling at the top of the dial
    After all this, won’t you give me a smile?🙂

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