Schimon ben Schmuel Ulmo: „Liebe die Arbeit, hasse das Amt“


: שמעיה אומר

אהב את המלאכה – ושנא הרבנות – ואל תתודע לרשות

(1.10 פרקי אבות)

 

 

 

 

 

… Schmaja sagt: „Liebe die Arbeit, hasse öffentliche Ämter und lass dich nicht mit Mächtigen ein“

 

Die Botschaft dieser Mischna ist, dass Thora-Treue sich in einer Weise verhalten müssen, die ihnen Achtung und Unabhängigkeit einbringen. Sie sollten für ihren Lebensunterhalt sorgen, um in der Lage sein, frei sprechen zu können. Das ist in der heutigen Zeit schwierig und selbst für allgemein anerkannte Wissenschaftler kaum zu bewerkstelligen, denn auch sie müssen finanziert werden, ihre Forschung an Vorgaben anpassen, um sich in ihr Fachgebiet vertiefen zu können. Weil dem so ist, werden Studierende des Talmuds und der Thora allgemein verachtet, da sie diesen Zwängen nicht unterliegen, außer sie sind ebenfalls von anderen finanziell abhängig, die ihr Studium beeinflussen wollen und können.

Die Liebe zur Arbeit entfernt den Menschen jedoch von der Sünde und bringt Ehre und Achtung. Öffentliche Ämter soll man verachten, da sie mit Macht über andere verbunden sind. Dies ist keine Arbeit, sondern führt davon weg und zur Sünde. Andere Menschen zu kontrollieren führt unweigerlich zu Überheblichkeit Prahlerei und zum Anspruch von seinen „Untertanen“ allein aufgrund seiner Position anstelle von seinem Verhalten respektiert werden zu müssen. Je mehr Menschen man unter seiner „Aufsicht“ hat, um so größer ist auch die Versuchung, sie alleine nach oft willkürlichen Vorschriften und Regeln zu beurteilen und in ihnen nicht mehr den Genossen zu sehen, den man nach dem Gebot der Thora zu lieben verpflichtet ist (siehe dazu Schabbat 55a, Sucka 29b, u.a).  

Sich nicht mit Mächtigen (Politikern) einzulassen ist äußerst ratsam, da diese nur mit der Verwirklichung ihrer eigenen Pläne beschäftigt sind. Ein wirkliches Interesse am Wohlergehen anderer haben sie nicht. Dies hat nur zeitweilig den Anschein, wenn es ihren Interessen dient und ihnen nützlich erscheint. Das Wesen der politischen Macht ist jene die sie ausüben vom Rest der Bevölkerung abzusondern und zu trennen. Die Struktur der Machtposition basiert auf der Unabhängigkeit von den Untergebenen und ist mit diesen deshalb nur lose verbunden, so wie ein Hund kein Schaf sein kann. Deshalb ist zwangsläufig jede Annäherung durch Mächtige von bloßem Eigennutz motiviert. Wäre es nicht so und würde etwas tatsächlich zum Wohle anderer geschehen, würde dies eine Gemeinschaft mit anderen schaffen und die Hierarchie wäre aufgehoben.  Dies lehrt uns also nicht nur zu arbeiten, sondern unsere Arbeit zu lieben, um unabhängig davon zu sein, kontrolliert zu werden und der Versuchung zu widerstehen, andere zu kontrollieren und gering zu schätzen.  

Die pirke awot (Lehren der Väter) sind ein Teil der Mischna und vielleicht abseits der Jeschiwot der bekannteste Teil davon. Der Auszug ist von einem Kommentar zum Abschnitt 1.10 von Rabbi Schimon ben Schmuel Ulmo (ca.  1645 – 1720), der Oberhaupt der Gemeinde zu Pfersee und Führer der Gemeinden in medinat schwaben (parnas vemanhig medina) war und am jüdischen Friedhof in Kriegshaber/Pfersee begraben ist. Man kann sich fragen, ob der Umstand, dass er selbst wichtige Ämter innehatte in Bezug auf den kritischen Kommentar inkonsequent sein mag oder ob er gerade deshalb die Zusammenhänge der Macht besser durchschauen konnte. An Aktualität haben seine Anmerkungen sicherlich nicht eingebüßt. Sein Todestag am 5. Nissan jährt sich am morgigen Schabbes zum 280. Mal.

One Response to Schimon ben Schmuel Ulmo: „Liebe die Arbeit, hasse das Amt“

  1. Joshua says:

    Great ..!

    But “zum 280. Mal” means 290. ?

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