Manna statt Mammon ..?


Am heutigen Montagnachmittag versammelten sich zum Abschluss des verlängerten Auftakt-Wochenendes der „Woche der Brüderlichkeit“ im Goldenen Saal des Augsburger Rathauses religiöse Vertreter der  evangelischen und katholischen Christen, sowie der Juden in Deutschland zu einer öffentlichen Versammlung. Unter den Predigern, deren Leitthema lautete „Verlorene Maßstäbe – Herausforderung durch die globale Finanz- und Wirtschaftskrise“ herrschte weitgehende Einigkeit. 

Schuld an der Krise, so der Tenor, sei die verantwortungslose Gier, vor allem in der Wirtschaft. Der Hausherr Oberbürgermeister Kurt Gribl stellte fest, dass auch in der Krise die Vielfalt in der Stadt, darunter zahlreiche Migranten, eine Bereicherung darstellen. Er erinnerte daran, dass der am Vortag mit der Buber-Rosenzweig-Medaille ausgezeichnete Architekt Daniel Libeskind ein gutes Beispiel sei, wie man „mit viel Elan und Kreativität Neues schaffen“ könne. Dr. Henry Brandt unterstrich, dass es zur Gemeinsamkeit keine Alternative gebe.

Der in der Schweiz geborene Kölner Rabbiner Jaron Baruch Engelmayer, erläuterte, dass es zwei dominante Wirtschaftssysteme gebe. Der Kapitalismus ermögliche eine individuelle Entfaltung der Persönlichkeit, die zu oft auf Kosten des Allgemeinwohls ginge, während der (namentlich nicht benannte) Gegenentwurf oft auf die Aufgabe der Persönlichkeit zugunsten eine „großen Ganzen“ hinauslaufe. „Maimonides“ (Rambam) hingegen rate bei Extremen zum „goldenen Mittelweg“ – dieser werde in der Bundesrepublik Deutschland relativ gut eingehalten.  Vorbild für das richtige Verhalten sagte er wären Manna, Maaser scheni, Schmitta und Jowel  aus der Thora. Das Manna als himmlische Speise ließ sich nicht horten, da es über nacht verfaulte, so jemand davon Vorrat für den nächsten anlegen wollte. Es schmeckte jedem auch so, wie man es sich ausmalte, während die Unzufriedenen sozusagen nicht auf den Geschmack kamen. Damit sei dies ein Inbegriff gegen die Gier. Schmitta und Jowel hingegen seien Konzepte, die einen Erlass vorsahen. Letztlich gelte jedoch, was der Talmud (pirke awot) sage, dass der reich sei, der mit seinem Teil zufrieden ist.

Der evangelische Theologe Nikolaus Schneider ist Präses der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und kommissarischer Nachfolger der wegen einer Alkoholfahrt zurückgetretenen Bischöfin Margot Käßmann als Vorsitzender des Rates der EKD. Er verurteilte ebenfalls die „hemmungslose“ Gier, welche vor allem auch in Deutschland dazu führe, dass die „Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinandergehe.“ Wenige Supereiche besäßen einen großen Teil des gesamten Vermögen. Erforderlich sei eine gerechtere Verteilung des Vermögens zugunsten der Armen, da andernfalls der Frieden in der Gesellschaft nicht gewahrt werden könne. … Er erinnerte auch daran, dass augenfällig viele Begriffe aus der Wirtschaft und der Religion übereinstimmten, etwa der Begriff der Schuld, aber auch das Wort Kredit, stamme vom lateinischen Credo – ich glaube. Als gutes Beispiel für den zum Götzen Baal gewordenen Mammon und die Sinnlosigkeit der Gier erwähnte er die Geschichte des antiken König Midas, der sich einst (freilich vom „Gott“ Dionysos) wünschte, dass alles was er berührte, zu Gold werde, bis er schließlich weder essen noch trinken konnte und beinahe verhungerte.

Unter den oft genannten Stichworten der Redner war auch das der “Boni” (auch dies eine lateinische Vokabel: ein Plural von Bonus – das Gute), die sich “maßlose und verantwortungslose Manager” genehmigten.

Die mahnenden Vorträge der Redner wurden von eigentümlich interpretierten instrumentalen Stücken eines Bläserquintetts umrahmt, etwa „Amazing Grace“ oder zuletzt „Hava Nagila“, während zwischendurch vom Elias-Holl-Platz laute Protestrufe einer Demo zu hören waren. Sozusagen mit Pauken und Trompeten waren die Demonstranten unter “Polizeischutz” zuvor durch die Innenstadt gezogen und hatten von einem Mann (!) Slogans skandieren lassen wie „Bei der Rüstung sind sie fix, für die Frauen tun sie nix“… Ob die Festredner dafür die passenden Adressaten waren, ist eher zweifelhaft.

Nun, eineinhalb Jahre nach der „Finanzkrise“ („… die noch lange nicht zu Ende ist…“) sind die Schelten gegen „die Gier der Banker“ schon zu sehr zu Allgemeinplätzen geworden. Der sehr harmonischen Veranstaltung hätte deshalb die Teilnahme eines argumentativen Bankers oder Managers sicher ganz gut getan. So jedoch waren sich scheinbar alle einig, aber wer der ca. 60 Anwesenden sollte sich angesprochen fühlen?

Und was ergibt sich aus all dem Gesagten? Soll „man“ dem Mammon abschwören und auf Manna hoffen als Paradelösung für die oft geforderte “sozial gerechte Umverteilung von Oben nach Unten“?

Eine Frage, die offen blieb, da die Veranstaltung zu Ende ging und die meisten Versammelten der Einladung Dr. Brandts folgten, um in der einsetzenden Abenddämmerung das (koschere ..?) Buffet zu genießen. Dieses wurde – wohl als Lehre aus der Midas-Geschichte nicht im “Goldenen Saal” gereicht, sondern eine Etage tiefer.

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