Sammelgräber am jüdischen Friedhof Ichenhausen


Eine auffällige Besonderheit am jüdischen Friedhof im schwäbischen Ichenhausen sind eine Anzahl von Grabsteinen, die über eine Art corperate design verfügen und entführten Juden aus Ungarn gewidmet sind, die kurz vor der bedingungslosen Kapitulation der Deutschen in Vernichtungslagern (במחנה ההשמדה) ermordet wurden durch die verfluchte Nazi – Regierung (ידי שלטון הנאצים הארור). Ohne erkennbaren Verwandtschaftsgrad wurden sie meist in Dreier-Gruppen in ein Grab gelegt. Gemeinsam ist ihnen das meist recht junge Alter (ab 17) und die Herkunft aus Budapest.  

Das Gedenken steht im Vordergrund und nimmt sich als Bezugspunkt das verpflichtende gebot der Thora nicht zu vergessen was Amalek dem Volk Israel einst angetan hat.

 זכר את אשר עשה לך עמלק

 Das war und ist pauschal wenigstens einfacher zu befolgen, als das Andenken der hier vergrabenen Entführungsopfer zu ergründen und zu bewahren. Eine Schwierigkeit ist bereits die Angabe der Namen.  

 

Es sind nun öfter deutsche Familiennamen, wie z.B. Spitzer, die aber in ungarischer Schreibweise auch als Spiczer, Spicer, usw. vorkommen können, während der Eintrag auf dem Grabstein hebräisch ist. Also die hebräische Schreibweise von ungarisch ausgesprochenen Namen. Da wäre eben etwa שפיצר יסטבן , (wie die beiden Frauen die mit ihm begraben wurden) ermordet am 16. März 1945. Im Namensverzeichnis von Yad Vashem in Jerusalem ist ein Ishtvan Spitzer zu finden, der 1921 in Budapest als Sohn von Simon Spitzer und Regina Spitzer (Braun) geboren wurde, Mechaniker war. Als Todesdatum ist eingetragen 1944-45, ein Sterbeort ist nicht genannt. Unter der entsprechenden Rubrik des hebräisch-ungarischen Vordrucks ist die ungarische Eintragung „német büntetö szazad“, die ein „deutsches Jahrhundertverbrechen“ nennt, was aber wie auch immer keine Ortsangabe ist.

http://www.yadvashem.org/ : Ishtvan Spitzer findet sich auf Seite 11 unter der Sucheingabe Spitzer + Budapest

Ist dieser Istvan Spitzer also mit dem imn Ichenhausener Sammelgrab vergrabenen  Jungen identisch? Dagegen spricht eigentlich nur die Altersangabe am Grabstein, die feststellt, dass Istvan 19 Jahre alt war. Das Zeugnis in Yad Vashem hingegen gibt als Geburtsjahr 1921 an, was 1945 dann eben ein Alter von 24 Jahren ergibt. Die Angaben des Bogens stammen vom 21. Juli 1999 und von David Spitzer, der zur selben Zeit noch Bögen zu weiteren Kindern von Simon (1896-1944) und Regina Spitzer machte.

Aber Yad Vashem verzeichnet noch weitere Isvan Spitzer aus Budapest. Der eine ist 1929 geboren, war also erst 16 im Frühjahr 1945, vier weitere sind 1908, 1910, 1911 und 1919 geboren, also deutlich älter.

So “unser” Istvan also nun aber  dann mit keinem identisch sind, fehlt bei Yad Vashem freilich ein Eintrag über den in Ichenhausen begrabenen Toten – obwohl keine Zweifel daran bestehen, dass es sich um die in diesen Gräbern bezeichneten um Opfer des Nazi-Verbrechens handelt, was die Grabinschrift(en), ja nun auch ganz ausdrücklich betonen.  Aber auch dieses Schicksal teilt Istvan dann mit den anderen Entführten in den Ichenhausener Sammelgräbern und zahlreichen anderen Toten auf Friedhöfen in der gesamten Region.    

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