Zum 199. Geburtstag des Architekten Georg Gollwitzer


 Wenn in Augsburg von Architektur die Rede ist, haben fast alle den Namen Elias Holl (1573-1646) parat, der als Sohn von Hans Holl (1512-1594) und Stadtbaumeister mit dem Rathaus, dem Zeughaus und einigen Stadttoren das Erscheinungsbild der Stadt geprägt hat. Doch es gibt zahlreiche andere Architekten jüngeren Datums die das Erscheinungsbild der Stadt nicht minder geprägt haben, einer breiteren Öffentlichkeit aber zumindest namentlich nicht geläufig sind. Beispielsweise Stadtbauräte wie Franz Josef Kollmann (1800-1894), dessen in neogotischer Linie errichtetes Hauptwerk als ehemaliges Hauptkrankenhaus vielen Augsburgern zumindest noch bekannt ist oder Ludwig Leybold (1833-1891), Stadtbaurat ab 1866, dessen zahlreiche Privatbauten im Bereich zwischen Hauptbahnhof und Altstadt ein ganzes Stadtviertel prägten. Ganz eigentümliche Farbtupfer verdankt die Stadt jedoch den Architekten Georg Gollwitzer 1810-1890 und seinem kreativen Sohn Karl Albert Gollwitzer 1839-1917, die weltmännisches Flair und Denken an den Lech brachten.

Augsburgs erster Bahnhof

Das erste Bauwerk des aus dem oberpfälzischen Altenhammer stammenden Georg Gollwitzer in Augsburg ist der bis 1840 errichtete alte Bahnhof der Stadt unweit der Freilichtbühne, der heute als verstecktes Straßenbahndepot ein eher unscheinbares Dasein führt. Das freilich ist neben der aktuellen Nutzung, unberechtigt, gilt das Bauwerk doch als das älteste noch existierende Bahnhofsgebäude der Welt und Endpunkt der ersten Überlandbahn in Bayern. Die von München nach Augsburg ab 1838 in vier Abschnitten wurde von der im Jahr zuvor gegründeten München-Augsburger Eisenbahn-Gesellschaft errichtet, zu deren Aktionären auch die Augsburger Bankiers der Obermayer gehörten. 1841 war Gollwitzer am Umbau des Alten Stadttheaters am Lauterlech beteiligt, dessen Anfänge in das Jahr 1665 zurückreichen. Weitere Werke Gollwitzers in Augsburg waren die Lotzbecksche Tabakfabrik, auf dessen Areal sich nach einigen Umbauten seit 1930 der Augsburger Stadtmarkt befindet, während im Frontgebäude zur Fuggerstraße hin das Augsburger Stadtarchiv beheimatet ist. Um 1850 entstand die Kammgarnspinnerei, das Stadtbachquartier um 1861. 1864 übergab Gollwitzer die Geschäfte der Firma seinem am 17.12.1839 geborenen Sohn Karl Albert Gollwitzer. Bekannt geworden sind in Augsburg zahlreiche Häuserensembles mit Risaliten und minarettartigen Türmen im maurisch-orientalischen Stil, der sich um die Wende zum 20. Jahrhundert allergrößter Beliebtheit erfreut während man heute darüber streitet ob ein Minarett ins Stadtbild passend könnte. Nur wenige dieser Häuser sind in der Volkhartstr. Unweit des Stadttheaters erhalten geblieben. In Vergessenheit geraten hingegen ist Gollwitzers Kurhotel Waldkuralpe Nervenheil ( http://www.nervenheil.de/ ), während sein nie realisierter Plan Augsburg am Oblatter Wall einen Industriehafen zu bauen, der über Kanäle Anschluss an Main und Donau erhalten sollte, ein kühne Gedankenspiel bleib.

Der Geburtstag des Vaters Georg Gollwitzers jährt sich am 26. November zum 199. Mal und vielleicht ist dies anderen ein Anreiz des 200. Geburtstag im Jahre 2010 ausführlicher zu gedenken.

group of houses by Karl Albert Gollwitzer in Augsburg Volkhardtstr.

Usually architecture in Augsburg is associated with Elias Holl (1573-1646) the Stadtbaumeister who was architect of Augsburg’s most distinctive landmarks, the city hall and Perlach tower. But there are some other architects who shaped the appearance of the City. Among them are father and son Gollwitzer. George Gollwitzer whose 199th birthday we want to commemorate, is the architect of the oldest surviving train station building in the world, while a former tobacco factory in the heart of the city now is the setting for the city market and the cities archive as well. His son Karl Georg however left some remarkable buildings in Moorish style with minarets – towers which were very popular at the turn of the 20th century while today little minds argue whether a single tower may fit into the view of the city or urban image. Unfortunately only few of these ensembles survived in Augsburg. Gollwitzer spa and health resort “Nervenheil” however did not, while his bold plan to build an industrial harbor next to the old city never was realized.

3 Responses to Zum 199. Geburtstag des Architekten Georg Gollwitzer

  1. […] übrigens noch heute, integriert in das Straßenbahndepot der Stadtwerke Augsburg. (Bild damals und heute). Zum 1. Juli 1846 wurde dann letztendlich der neue Augsburg Zentralbahnhof eröffnet, dafür der […]

  2. yehuda says:

    Interessante Diskussion.

    Der Artikel aus der Zeitung leitet ein mit “Der Beginn des Eisenbahnbaus in Bayern geht nicht auf die Initiative des Staates, sondern von Industriellen und Bankiers zurück” hat aber eine Scheu zumindest einige der Namen zu nennen, die als Augsburger in einer Augsburger Zeitung bei der Planung und Realisierung eines Pionierprojektes durchaus genannt werden könnten. Vielleicht meinte Bert Brecht den oft zitierten Ausspruch, das Beste an Augsburg sei der Zug nach München ja auch doch anders, als ihn die meisten heute verstehen, denn trotz dann umgekehrter Baurichtung ging die Initiative von Augsburg aus. Aber das zu erläutern, wenn man nicht mal Namen wie Friedrich List oder Isidor Obermayer in der Stadt mehr kennt, ist im Kontext zu mühsam.

    Trotzdem Dank der “Augsburger Allgemeine Community”

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