Die Protokolle der Manager von Zion ..?


Die sog. „Protokolle der Weisen von Zion“, vor etwas mehr als hundert Jahren im zaristischen Russland entstanden sind zweifellos das bekannteste und einflussreichste Machwerk des schriftlichen Antisemitismus und Nährstoff zahlloser Verschwörungstheorien. Sie besagen, dass „die Juden“ sich verschwören, um die „Weltherrschaft“ an sich zu reißen und „enthüllen“ im einzelnen, welcher finsteren Tricks und Kniffe sie sich dabei bedienen, beispielsweise der Meinungsfreiheit und der Demokratie.

Die definierende Schlüsselszene entstammt dem wenig beachteten Roman Biarritz (1868) des ansonsten auch völlig  in Vergessenheit geratenen deutschen Schriftstellers und Verschwörungstheoretikers Hermann Goedsche (1815-1878). Sie schildert das Treffen der Verschwörer auf dem „Judenkirchhof von Prag“. Die eigentümliche Szene erlangte in vielen Varianten und Auflagen insbesondere im nationalsozialistischen Deutschland eine übergroße Popularität und ist vielleicht auch deshalb noch in manchen Köpfen präsent, wenn „es“ sich anbietet.

Eine solche Gelegenheit bot sichvielleicht auch jüngst  der 1971 gegründeten und zur Spiegel-Gruppe gehörenden monatlich erscheinenden Wirtschaftszeitschrift des „manager-magazin“, u.a. auch bekannt für den jährlich verliehenen Preis für den „Manager des Jahres“, welches zumindest nationales Renommee genießt.

Auf der aktuellen November-Ausgabe prangt als Titel-Geschichte „Das Oppenheim Komplott – die unglaublichen Machenschaften der Privatbankiers“. Das sind Aufmacher, die zur Heuschrecken-Schau geradezu einladen und sicher neugierig stimmen sollen.

Dem Artikel im Heft sind Spaltenfotos der „Hasardeure“ vorangestellt, wobei die dicke Zigarre als Requisite nicht fehlen darf. Der Begleittext dazu verspricht „Das Protokoll einer unglaublichen Verschwörung“. Man staunt nicht schlecht, wenn sodann davon die Rede ist, dass sich „… dutzende von Angehörigen auf dem kleinen Friedhof des familieneigenen Schlosses …“ versammeln: „Da bleibt es nicht aus, dass am offenen Grab die wichtigsten Gremienvertreter der Bank zusammentreffen.“ Bereitstehende „Muskelmänner“, die „ungebetene Gäste“ fernhalten, so erfährt man, gehören zu einer „Privatarmee“: „Am Grab umarmt man sich stumm und tauscht Wangenküsse aus.“

Und was hat es damit nun auf sich? Das Szenario, angereichert mit Namen und Altersangaben dient zur Einleitung für einen Bericht über die „Verquickung von Privat- und Bankinteressen“, auf die man offenbar glaubte nicht anders als durch die düstere Atmosphäre eines abgeschiedenen und abgeschirmten Friedhofs zur Sprache kommen zu können.

Der jüdische Ursprung des 1789 von Salomon Oppenheim gegründeten Bankhauses ist nun alles andere als ein Geheimnis. Dafür war die Rolle des Kölner Bankhauses bei der Industrialisierung des Ruhrgebietes, der Rheinschifffahrt, des Eisenbahnnetzes, usw. auch viel zu prominent. Der Bankgründer verstand es auch, seine Söhne „banktechnisch“ zu verheiraten. Simon Oppenheim (1803-1880) etwa – und das wäre unser lokaler Bezug zum Thema – heiratete am 19. Oktober 1830 in Günzburg Henriette Obermayer (1812-1885), die Tochter des aus Kriegshaber stammenden Augsburger Bankiers Isidor Obermayer (1783-1862). Ihr Bruder Carl von Obermayer (1811-1889) war u.a. Kommandeur der Augsburger Landwehr und für einige Jahre Konsul der USA im Königreich Bayern. Simons Bruder Abraham Oppenheim (1804-1878) hingegen verband sich (selbstredend?) mit Charlotte Beyfus (1811-1887) und damit mit der Familie der Rothschilds.

Die Oppenheimer Nachkommen traten bereits in den 1860er Jahren zum Christentum über und verbanden sich, als nunmehr geadelte Freiherren und Barone mit dem etablierten Adel. Anders als im Kaiserreich war die jüdische Abstammung in der zweiten, dritten, vom nationalsozialistischen Unwesen überschatteten Generation freilich dann recht problematisch. Das  Bankhaus Oppenheim wurde “arisiert” und hieß nun Robert Pferdmenges & Co. 1947 freilich erschien es sodann schon wieder opportun, zum alten Namen Oppenheim zurückzukehren, der nun wieder Türen öffnete, die zuvor verschlossen wurden.

Das Unternehmen, das nach der “Financial Times Deutschland” bis dahin als „größte unabhängige Privatbankgruppe Europas“ galt, wurde erst kürzlich, am 28. Oktober 2009 von der Deutschen Bank in Frankfurt am Main vollständig übernommen. Einige der bisherigen Anteilseigner tragen mit Oppenheim oder Ullmann sodann auch noch „jüdische“ Namen und da schließt sich der Kreis auch wieder oder aber eben auch nicht. Sie stammen als Ur³ + Ur² – Enkel von Personen ab, die um 150 Jahre zuvor Christen wurden. Demnach kann das im “manager-magazin” geschilderte Friedhofszenario als Protokoll einer Verschwörung logischerweise auch definitiv keinen antisemitischen Unterton besitzen.  

 –> Manager-Magazin 11/09,  S. 35 ff.

see the thing through yellow-colored glasses

The unwritten protocols of the managers of scion?

On the cover of the current issue of Germanys renowned financial newspaper „manager-magazin“ is the teaser “The Oppenheim Complot – unbelievable practices of private bankers”. While the introduction promises “the protocol of an incredible conspiracy”, the article depicts the gathering of dozens of relatives at a small family-owned cemetery, where the most important agents of the bank meet at an open grave. Muscle men keep off unwanted “guests” and the gathered hug silently and kiss on their cheeks.

The key scene of the anti-Semitic pamphlet “Protocols of Elders of Zion” giving meaning to the plot is a secret gathering of Jewish conspirators who concert measures to bring about a fabulous Jewish “world dominance” and their conventicle place is a cemetery. The basic idea stems from the novel “Biarritz” by the widely unknown German writer Goedsche (not to confuse with Germanys national poet Goethe!), who invented the topos: “the old Jewish cemetery of Prague”.

The Jewish background of the Sal. Oppenheim bank house of course is famous the world over and Simon Oppenheim, firstborn son of the founder Salomon married Henriette Obermayer, the daughter of Isidor Obermayer from Kriegshaber/Augsburg what of course attracted our local interest.

But since their offspring converted to Christianity some 150 years ago, Sal. Oppenheim for a quite long time is no Jewish bank, neither are the “gamblers” the manager magazine scolds. Indeed the Nazis were somewhat “conciliatory” when a Jewish origin dated back more than four generations. So even in this respect there of course is no evidence of any anti-Semitic undertone at all.    

 

http://www.manager-magazin.de/

 

8 Responses to Die Protokolle der Manager von Zion ..?

  1. Joshua says:

    What’s the hare all about ..??😉

  2. ssssnake says:

    Ne neue Frage:
    Was zum Teufel verschwören die da?

    Meine Recherchen laufen ins Leere…
    – Geld? Nö. (Eher die christlichen Nachfolger).
    – Macht? – eher nicht erfolgreich. (Regierung)
    – Der Name ist auch kein Bringer.

    Hasna?

    Vielleicht sollten sie das Verschwören nochmal überdenken?

    • yehuda says:

      Du kennst vielleicht den Witz? Die erste Generation erarbeitet das Vermögen, die zweite verwaltet es, die dritte studiert Kunst. Hier wäre es die siebte oder achte Generation … über die der Witz keine Auskunft gibt. Wahrscheinlich ist es deshalb auch gar keiner.🙂

  3. ssssnake says:

    Die Verschwörung! Der HASE!

    Ich weiss gerade nicht, was mich mehr amüsiert.😉

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