Mittelalterliche Geschichte: Der Gelbe Ring als Zeichen der Juden in Augsburg


Am 23. September 1434 wurde die Verordnung erlassen, die Juden in Augsburg verpflichtete, einen gelben Ring mit stattlichen Ausmaßen auf ihrer Kleidung zu tragen. Wir erinnern in diesem Sommer an das 575. Jahrestag dieses unheilvollen Tiefpunkts mittelalterlicher Augsburger Geschichte. Die christlichen Geistlichen hatten schon lange darauf gedrängt, doch erst der in Nürnberg geborene neue Kaiser Sigismund stimmte darin überein, die Juden in seinem Reich mit Abzeichen zu kennzeichnen, damit diese „nicht gleich Ehr und Gruß empfangen, dessen sie nit werth seyen“.

Das ist zu eindeutig, als dass es sich schönreden lässt und kommt logischerweise jedem in den Sinn, der eine Erklärung für die Praxis des “Judenstern” der Nationalsozialisten im sog. „Dritten Reich“ haben möchte.

Unter Sigismund, selbst von fanatischen Predigern (Langenstein, Dinkelsbühl, …) geprägt oder erzogen vollzog sich für die Juden in Österreich und Süddeutschland die Entwicklung zum Schlechten. Er starb bereits 1437 nach nur vier Jahren als Kaiser und so blieb der Schaden (abgesehen von jenem den er zuvor schon anrichtete) letztlich „begrenzt“.

Die Augsburger Juden freilich entgingen seiner auf religiösem Hass basierenden „Politik“ nicht. Eine Kette von Entrechtungen der Augsburger Juden führten letztlich im Jahre 1438 zum Ausweisungsbeschluss, für dessen Rechtfertigung sich nur lapidare christliche Gründe finden.

 

der Gelbe Ring - ein gutes Zeichen?

der Gelbe Ring - ein gutes Zeichen?

 

The Yellow Badge (or: Yellow Ring, French: rouelle) was a cloth patch that Jews were ordered to sew on outer garments in order to prevent that Jews in public would “get greeting and honors they were not worth for” as the Imperial deed by emperor Sigismund on 23rd of September 1434 puts it. On that date Jews in Augsburg were ordered to wear an huge yellow ring with a diameter of almost 20 cm. This summer we commemorate the 575th anniversary of the introduction of the sign that segregated and finally excluded the Jewry of Augsburg where they were banned only four years later in summer 1438.

7 Responses to Mittelalterliche Geschichte: Der Gelbe Ring als Zeichen der Juden in Augsburg

  1. Kybele says:

    Hallo Herr Beckmann,
    als angehender Geisteswissenschaftler sind Sie ja mit der Quellenrecherche bestens vertraut. Quellen erschließen sich auch direkt aus Texten z.B. “Am 23. September 1434 wurde die Verordnung erlassen, die Juden in Augsburg verpflichtete”, was ein direkter Verweis auf den Fundort, nämlich die Archivalien der Stadt Augsburg ist. Da aus ihrer Anfrage nicht genau hervorgeht, zu was Sie genau Quellen suchen, kann ich ihnen leider keinen substantielleren Hinweis geben. Noch ein Tipp: es lohnt sich sehr, in hebräischen Dokumenten zu eruieren, was allerdings den Erwerb entsprechender Sprachkenntnisse voraussetzt. Sonst laufen Sie Gefahr, in allerhand auch wissenschaftlichen Vorurteilen hängenzubleiben. Viel Erfolg für Ihre Arbeit!

  2. Manuel Beckmann says:

    Hallo,

    ich verfasse eine Hausarbeit für mein Universitätsstudium zum Thema “Stigmatisierung von Juden im Mittelalter” und bin bei meiner Recherche auf diese Seite gestoßen. Mich würden in diesem Fall für die Quellen Ihres Wissen sehr interessieren und ob diese frei zur verfügung stehen. Handelt es sich um regionale Quellen oder auch um Sammelwerke Jüdischer Geschichte?

    Mit freundlichen Grüßen

    Manuel Beckmann

  3. Paul says:

    Die Kennzeichnung der Juden begann in muslimischen Ländern im 9. Jahrhundert. Um 807 verfügte der Abbasiden-Kalif Harun Al-Raschid, dass Juden gelbe Gürtel zu tragen hätten. Gelbe Kapuzen wurden in den nächsten 50 Jahren zur Pflicht. Um 1005 dienten die Kennzeichnungsvorschriften zunehmend der Demütigung. In Ägypten verordnete der Kalif, dass Juden Glocken an ihrem Gürtel befestigen und eine hölzerne Kalbsfigur (zur Erinnerung an das Vergehen des Goldenen Kalbes) beim Baden um den Hals zu tragen hätten.

    Die Seldjuken, die neue Dynastie in Bagdad, sahen Juden zunehmend als “Minderwertige” an. Mehrere Kalifen ordneten ab 1058 an, dass Juden farbige Flecken an ihrer Kleidung anbringen müssten – ein eindeutiges Zeichen der Demütigung. Ein Jude aus Bagdad schrieb um 1121, er habe zwei gelbe Flecken zu tragen, am Kopf und am Nacken, einen Bleianhänger mit dem Wort “dhimmi” und einen gelben Gürtel.

    • yehuda says:

      Vielen Dank für Ihren Beitrag.

      In einem anderen Artikel zum “Judenhut” haben wir diesen Zusammenhang, sprich den islamischen Ursprung bereits angedeutet:

      „Auf päpstliche Anregung machten sich im Jahre 1215 einige europäische Herrscher daran, nichtchristliche Minderheiten an ihrer Kleidung zu kennzeichnen. Zuerst umgesetzt wurde dies in Frankreich mittels eines kleinen gelben Rades (rouelle). Es handelt sich hier jedoch nur um eine nachahmende Reaktion auf eine Gepflogenheit der muslimischen Welt, die sog. Dhimmis verpflichtete, Markierungen an ihren Gewändern zu tragen, die es gewöhnlichen Muslimen erlaubte sie als Angehörige einer benachteiligten, aber eben doch geduldeten Minderheit zu erkennen. Als solche galten Christen, dunkelhäutige Muslime und logischerweise auch Juden. Sie mussten auf ihren Gewändern gelbe Flecken tragen. Der französische König Philip le Bel gab auch das Vorbild dafür, dass der Verkauf und die Verpachtung der Abzeichen zu einem einträglichen Geschäft wurden, wo immer die Regelung zum Tragen (sic!) kam. Analog zum islamischen Vorbild mussten unter christlicher Herrschaft nun Juden, und Muslime diese Abzeichen tragen. Jedoch war diese keineswegs überall so und auch gab es eine hohe Anzahl von Varianten und somit keine wirkliche Norm.“

      https://jhva.wordpress.com/2009/08/04/vom-judenhut-im-augsburger-mittelalter/

  4. rings says:

    Haha never a truer word spoken! :

  5. Joshua says:

    zimen tov, mazel tov – i.e. good sign, good star

  6. ssssnake says:

    Interessant.

    Und wenn mir jetzt noch verrätst, was auf dem Shirt steht, bin ich vollkommen zufrieden.

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