1240 Rabbi Baruch von Augsburg

May 19, 2009

 

Rest des Grabsteins von Rabbi Baruch in Augsburg

Rest des Grabsteins von Rabbi Baruch in Augsburg

Im Innenhof des Peutingerhauses gegenüber vom Augsburger dom befindet sich in der Mauer eingelassen ein runder Ausschnitt des Grabsteins von Rabbi Baruch der auf das Jahr 1240 datiert wird.
Die Inschrift lautet:

לראש ר ברוך

שירד לבארזים

ביום ב ד בסיון

תנב החיים

 

Übersetzt heißt dies in etwa: “Zum Haupt R(abbi) Baruch, der hinabstieg zu den Zedern, am Tag 2, 4. Sivan,       s(eine) S(eele sei eingebunden im Bund) des Lebens”.

Es ist unmöglich zu sagen, um wessen Grabstein es sich handelt, da die überlieferte Inschrift offenkundig nicht vollständig erhalten ist und auch eine Jahreszahl fehlt. Das Datum des 4. Sivan dürfte das der Beisetzung sein, wobei der Monat Sivan in der Regel etwa in den Juni fällt. Das Fehlen der Jahreszahl als einen „Beleg“ dafür zu deuten, dass es sich um ein rundes Jahrtausend handelt – also etwa das Jahr 5000 und somit 1240, wäre bei einer lückenhaften Inschrift reine Spekulation. Sollte es dennoch zutreffen, entspräche das Datum dem 4. Sivan 5000 dem 2. Juni 1240. Das freilich wäre ein Schabbat gewesen und widerspricht damit der gezeigten Angabe ביום ב  am Tag 2, was notwendig Montag ergibt. 

Bemerkenswert ist jedoch gewiss die Formulierung des „Hinabsteigens zu den Zedern“. Zedern sind im Mittelmeerraum heimische Bäume, die vor allem durch prominente biblische Bezüge mit dem Libanon, aber auch mit dem Jerusalemer Heiligtum verbunden werden. Da wir sie im zumal im mittelalterlichen Augsburg schwerlich vermuten dürfen, liegt es nahe, darin eine Anspielung auf einen bedeutenden Gelehrten zu sehen, zumal „eres“, die Zeder talmudkundigen Lesern durchaus als Sinnbild für solche vertraut sein müsste. Im

Traktat Moed Katan beispielsweise findet sich die entsprechende Aussage:

 „Fünf Zedern habe ich in Israel gepflanzt“,

 womit gemeint ist, dass der Gelehrte fünf weitere bedeutende Gelehrte ausgebildet und hervorgebracht hat.

 

Aber auch im Kontext der Trauer um einen Gelehrten findet sich die berühmte Frage Rabbi Aschis

an Rabbi Papik:

 Was wirst du sagen, wenn ich sterbe?“

 Die zum geflügelten Wort gewordene Antwort lautete:

 „?..מה יגידו אזובי הקיר –  אם בארזים נפלה שלהבת“

 

 also:

  “Wenn (selbst) die Zedern in Flammen fallen, was werden (dann erst) die  Mauerhysoppe sagen?“

 Sinnbildlich besagt dies: 

 „Wenn selbst große Gelehrte dahingerafft werden, welche Hoffnung haben dann kleine Leute?“