Wir kennen unsere Pappenheimer

May 14, 2012

“Seine” Pappenheimer schon zu kennen, ist eine weit verbreitete Redensart, die abseits der Stadt landläufig ist und ohne sie auskommt, wie man bei der Tourist-Info vor Ort weiß. Immer wieder sind Besucher überrascht, dass es ein, ja dieses Pappenheim wirklich gibt.

Obwohl der allgemeine Gebrauch der verbreiteten Redensart einen klaren skeptischen Unterton hat, wird der Ausspruch literarisch auf ein Theaterstück von Friedrich Schiller (1759-1805) zurückgeführt, welches wiederum auf ein reales Geschehen Bezug nehmen soll, in welchem wie auch immer, gewohnt tapfere Pappenheimer Kämpfer vom Feldherren Wallerstein gelobt worden seien.  Wenn Wallerstein seine Pappenheim sie daran (am Mut) erkennt, ist es ein unbesehnes Kompliment das ohne Argwohn auskommt.

Coat of arms at the house in former Judengasse (today Deisinger Str.) newly established in 1791 by Hofrat Haas.

Eine der überlieferten Besonderheiten der Juden in Pappenheim ist der Umstand, dass ihre Gebetsordnung in fränkischer Umgebung italo-sefardischen (“venetianischen”) Nuches gefolgt sein soll. Eine andere darin, dass Juden, die sich an anderen Orten etwas zu schulden haben kommen lassen, in Pappenheim Asyl finden konnten und durch gräflichen Schutz vor weiterer Verfolgung sicher waren. Eine Begebenheit, die durchaus ebenso verantwortlich sein könnte, für die verbreitete Skepsis gegenüber “den Pappenheimern”, die man schon “kennt”, über die man einschlägig gar nichts mehr zu erzählen braucht…

Jewish David Star in Franconia also known as “Zoig” or “Bierzeiger” (Beer pointer) as name and token of famous Pappenheim Brewery (today Wurm – Bier, at least the dark one is very tasty)

I do know my Pappenheimers” is a widely known German saying, quoted also by many people who do not even guess that a town called Pappenheim actually does exist. The common explanation for the popularity of the quote is ascribed to a play by German playwriter Friedrich Schiller, whose General Wallerstein by his sentence “Thereon I recognize my Pappenheimers” payed a compliment to his troups. The common quote however is not understood as a compliment but rather warily and suspiciously in the meaning of “only too well known

One of the particularities of the Pappenheim Jews had been that there was a kind of “asylum law” for Jews from other towns, who when suspected in other regions might had come to Pappenheim and there were under the protection of the counts of Pappenheim. So it is conceivable that the sceptical statement “already to know one’s Pappenheimers” actually may refer to Pappenheim’s Jews and to many prejudices.

The “Golden Lamb” of Pappenheim


Die Synagogen von Wallerstein

August 25, 2011

(בית הכנסת הישן של ולרשטיין
Old Synagogue of Wallerstein, colored illustration according to a 1880 depiction, by courtesy of Mrs. Schludi, Wallerstein)

Die letzte Synagoge von Wallerstein wurde nach allgemeiner Ansicht in den Jahren 1806 bis 1808 an der Ecke der heutigen „Hauptstraße“ und der damaligen „Judengasse“ (heute „Felsengasse“) vermutlich an Stelle eines nicht näher datierten Vorgängerbaus, der in den 1790ern freilich schon als baufällig galt. Eine frühere Synagoge mit Rabbinatssitz und Lehrhaus bestand vorher (bis ca. Ende des 17. Jahrhunderts, als über 40 jüdische Familien am Ort lebten) wohl im heute nicht mehr existierenden „Judenhof“, dessen benachbartes Areal an der „Hauptstraße“ heute teilweise mit einem „Sechserbau“ genannten Ensemble von Häusern überbaut ist. Hier dürfte Mosche Ha-Levi Heller (ca. 1517-1600), Yom Tov Lipmans Großvater gewirkt haben, der zeitweilig auch die Funktion des Sprechers der Juden im Reich wahrnahm.  Da die jüdische Geschichte in Wallerstein aber bereits in das 14. oder gar 13. Jahrhundert („1298“) zurückreichen soll, muss die erste Gemeinde einen anderen, wahrscheinlich eher am Fuße des Burgfelsens bewohnt haben, der den Ort überragt. Das Gebiet zwischen der Burg  und der späteren Judengasse war in früherer Zeit freilich nicht besiedelt und die Ansiedlung der Juden im früher Steinheim genannten Ort gewiss im Kontext zur ab ca. 1250 Oettingischen Burg stand. Da freilich auch in Wallerstein die Geschichte der jüdischen Siedlung nicht durchgehend ist und diese wohl erst in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts bedeutungsvoller wurde (im 15. Jahrhundert etwa sind nur sporadische Zeugnisse einzelner Juden erhalten, 1506 erfolgte eine zeitweilige Ausweisung), kann hier auch keine räumliche Kontinuität im allmählich anwachsenden Ort vorausgesetzt werden. Über den genauen Standort einer ersten Ansiedlung der Juden in Wallerstein kann man deshalb nur spekulieren. Andererseits kommen wegen dem geringem Umfang der allgemeinen Besiedlung freilich nur wenige Varianten in unmittelbarer Nähe zum Burgfelsen in Betracht, etwa im Gebiet des heutigen Kapellenbergs, der Spatzengasse (heute Sperlingstraße), der Bereich der oberen Mittel- und Judengasse oder aber um die Weinstrasse.   

dome of Lady Chapel in Wallerstein, ceiling light border

Wie anderswo in Deutschland wurde 1938 auch die 1808 in Wallerstein fertiggestellte Synagoge überfallen und hernach als Lagerraum zweckentfremdet. Nach der Nazi-Herrschaft wurde das Gebäude in ein Kino umgebaut, wobei Teile der alten Struktur erhalten geblieben sind. Eine Nachkriegspostkarte aus den späteren 1950er Jahren zeigt die moderne Fassade des Gebäudes, die sich stilistisch von den alten Nebengebäuden abhebt. 1979 wurde der Bau freilich schon wieder abgerissen und durch einen Neubau der örtlichen Stadtsparkasse ersetzt, dessen Fassade sich nun wiederum am vorherigen Synagogen-Gebäude orientierte. Dort erinnert nun auch eine kleine Tafel an die Existenz der seit nunmehr über sieben Jahrzehnten letzten Synagoge in Wallerstein. Ob es jemals eine neue geben wird, ist wie an vielen anderen ländlichen Orten eher zu bezweifeln.

The last synagogue of Wallerstein according to common belief was inaugurated in 1808. In 1938 the building at the corner of the Judengasse (today Felsenstr.) was raided and marauded. After the war it was converted into a movie theater with a new storefront, but with some remaining old structure inside. In 1979 the building was completely demolished in order to erect a new one for the local “Stadtsparkasse” (municipal savings bank), now orientated towards the façade of the old synagogue again. Prior to the early 19th century synagogue another one existed probably at the same place. In older times however there was a complex of buildings at today’s Hauptstrasse called “Judenhof” (Jews court) were obviously had been the previous synagogue as well as a Yeshiva, with teachers like Moshe Ha-Levi Heller, known as “Rabbi of the Reich” and grandfather of Wallerstein-born Yom Tov Lipman Heller. Since the Jewish presence in Wallerstein is dated back to 14th or even 13th century, the earliest Jewish settlement necessarily must have been more close to the surmounting castle rock.    

Further information with a collection of old newspaper articles on the history of the place and on other scholars, pictures and documents (in German):

http://www.alemannia-judaica.de/wallerstein_synagoge.htm

 


Judengasse in Wallerstein

August 24, 2011

Wallerstein (ehem. Steinheim) im Ries als Geburtsort von Lipman Yom Tov Heller hatte auch eine Judengasse, die vor einiger Zeit freilich in “Felsengasse” umbenannt wurde, wahescheinlich weil es heute mehr Felsen als Juden am Ort gibt..?

Interessant ist es aber, alte historische Postkarten der Judengasse mit der heutigen Ansicht der Straße zu vergleichen. Nach rund 90 – 100 Jahren Abstand hat sich vieles verändert, manches aber auch gar nicht so sehr:

Judengasse (today Felsengasse) in Wallerstein (Ries) downhill and uphill views, now and then …

רחוב היהודים של ולרשטיין, בעבר והיום
 

(post card by courtesy of Mrs. Schludi and Mr. Steger of Wallerstein)

… some things had changed, some have not in the hometown of R. Yom Tov Lipman Heller …


Das jüdische Pflaumloch (Riesbürg)

November 18, 2010

 

Das  1246 erstmals urkundlich erwähnte Pflaumloch ist eine kleine Gemeinde im Ostalbkreis in Baden Wuerttemberg an der Grenze zum bayerischen Schwaben mit etwa tausend Einwohnern und heute Bestandteil der Gemeinde Riesbürg.

Uhrturm der ehemaligen Synagoge in Pflaumloch (Riesbürg) – clock tower of the former Pflaumloch Synagogue

Die ältesten erhaltenen Belege nennen 1487 Juden am Ort. Kurz darauf wurden Juden aus Pflaumloch am mittelalterlichen Friedhof im ca. 5 km westlich gelegenen Nördlingen beerdigt. Es hielt sich über lange Zeit eine kleine Gemeinde mit ca. zehn Familien. Sicher wird es eine Synagoge und andere Infrastruktur gegeben haben. Für das Jahr 1703 ist eine Synagoge bezeugt, die 1802 bei einem Großbrand im Dorf zusammen mit 33 Häusern von Christen und 18 Häusern von Juden zerstört wurde. Aus neuer Zeit stammt die Einrichtung einer nicht mehr erhaltenen Mikwe im Jahre 1821, als von rund 450 Bewohnern des Dorfes etwa 200 Juden sind.

Auf das Jahr 1840 geht der jüdische Friedhof zurück, der sich heute direkt anschließend neben einem christlichen Friedhof befindet, zuvor wurden die Juden aus Pflaumloch offenbar am Friedhof in Wallerstein beigesetzt. Um das Jahr 1900 lebten noch fünf jüdische Familien am Ort. Als 1907 die letzte verbliebene Bewohnerin verstarb schenkte der aus Pflaumloch stammende wohlhabende Stuttgarter Bankier und Kommerzienrat Alexander von Pflaum (1839-1911) die nunmehr leer stehende Synagoge der politischen Gemeinde. Im innen komplett umgebauten Gebäude ist seit 1963 das Rathaus der Gemeinde Pflaumloch, seit 1973 das von Riesbürg. Auf dem Friedhof befinden sich noch etwa 110, meist nicht mehr sehr gut erhaltene Grabsteine. Die im Jahre 1999 erfolgte Dokumentation des Friedhofs ist offenbar nicht veröffentlicht.

Unser besonderer herzlicher Dank gilt Frau Sigi Atzmon aus Nördlingen, die uns spontan den Besuch der ehemaligen Synagoge in Pflaumloch (Riesbürg) und des Friedhofs der ehemaligen jüdischen Gemeinde von Pflaumloch ermöglichte.

From at least 1487 until 1907 in the small village of Pflaumloch (lit. “plum lake“), only 5 km from the former imerial city of Noerdlingen, and now a part of the municipality of Riesbuerg, existed a small rural Jewish community. 190 years ago in 1821 some 200 of 450 inhabitans of the village were Jewish. When in 1907 the last Jewish inhabitant died the synagogue however was donated by Alexander von Pflaum, a Pflaumloch born wealthy banker from Stuttgart, to the political community. From 1963 the building with its remarkable clock tower and facade has been the townhall of Pflaumloch and Riesbuerg. In Pflaumloch there also is a small Jewish vemetery with some 110 left grave markers next to a Christian cemetery.

Detail of the head stone of Karoline Lowenengart at Pflaumloch Jewish Cemetery with a cembra nut, known also as the city coat of arms of Augsburg.


בית הקברות היהודי של נורדלינגן

November 9, 2010

נורדלינגן עיירה קטנה בבוואריה שוואביה בדרום גרמניה, כ הבינייםנורדלינגן 25 ק”מ צפונית מערבית לנהר הדנובה בימי הייתה העיר הקיסרית, מאז 13 המאה היו קהילות יהודיות בעיר. היו גם שלושה בתי קברות שונים נורדלינגן היהודית בימי הביניים. בתי קברות אלה אינם קיימים עוד היום. בשנת 1506 היהודים יצאו מהעיר נורדלינגן. חלק הלכו לכפרים בשכונה כמו ולרשטיין. רק בזמן החדש, היה שוב קהילה יהודית עצמאית בעיר נורדלינגן. אבל אפילו זה היה קצר. עם הטרור של הנאצים, אנשים של נורדלינגן שוב ללא יהודים – וכך זה נשאר עד היום, 65 שנים אחרי היטלר ועוזריו. בית הכנסת החדש שנבנה בשנת 1886 ובשנת 1938 נהרסו שוב

אחרי הנאצים, לא היו יהודים בעיר נורדלינגן. הנוצרים לקחו את הבית ריק להקים כנסייה.

בית הקברות היהודי החדש של נורדלינגן הוא מ 1877. בית העלמין יש כ 300 אבנים בקבר. שני שלישים מהם היו משוטחים על ידי הנאצים נגנב. אפשר לקוות כי האבנים הם למקומה הנכון, אבל זה לא בטוח


Über die Juden von Oettingen

October 24, 2010

Der erste in Augsburg als Steuerzahler verzeichnet bekannte Jude (Jüdin) aus Oettingen, die ist die  Frau des Isaak (genannt als „Ysackin von Oettingen“), die in den Jahren 1408 bis 1415 registriert ist. Da ihr Mann Isaak zuvor nicht erscheint mit dem Ortsnamenszusatz erscheint, kann man annahmen, dass er zuvor verstorben war und seine Frau als Witwe wieder nach Augsburg zurückkehrte, von wo sie wohl stammte. Andernfalls wäre kaum zu erklären, wie sie „aus dem Nichts“ in der Reichsstadt steuerpflichtige Hausbesitzerin hätte werden können. In den Jahren 1416 bis 1417 ist sie - falls identisch - als Saerlin (Serlin), also als Sara, bzw Saerlin von Oettingen verzeichnet insofern es sich dabei nicht um ihre Tochter oder jemand anderen handelte. Danach verliert sich ihre Spur. Sie ist entweder verstorben oder weggezogen oder hat geheiratet.

townhall of Oettingen with Kings Gate

Über die Oettinger Gemeinde ist aus dieser Zeit wenig bekannt, abgesehen davon, dass auch ihr die Verfolgungsjahre 1298 und 1348 zugeschrieben werden. Schon die räumliche Nähe zur nur 15 km betont die lokale Bindung der sicher nur wenigen Juden in Oettingen. 1434 sind nur drei Steuerzahler in dem kleinen Ort verzeichnet. Da 1457 aber bereits die Judengasse erwähnt ist, dürfte es nach der Verlust der Gemeinde in Augsburg 1439 ggf. auch zu Zuzügen aus Augsburg gekommen sein (eine Reihe von Augsburger Auswanderern in die Region nach Ulm, Nördlingen, Lauingen, Burgau, Donauwörth, etc. lassen sich nachvollziehen), freilich wurde die Oettinger Gemeinde, die nun aus sechs Familien bestanden haben soll im Jahre 1488 gleichfalls aufgelöst, unter ihnen ein „Schulklopfer“, was die Existenz einer Synagoge nahelegt. Die Schwierigkeit in der Rekonstruktion der zeitlichen Abfolgen  von mutmaßlichen Vertreibungen und Wiederansiedlungen besteht nicht zuletzt auch darin, dass vorhandene Einträge oder aber auch Lücken in Steuerbüchern oft einzige Anhaltspunkte dafür sind. Freilich kann es für das Fehlen solcher Einträge auch andere Gründe geben. Urkunden können verloren gegangen sein. Die Steuer wurde aus diesem oder jenem Grund nicht erhoben oder anderswo verzeichnet, an einen Dritten abgetreten, usw. Im Jahre 1467 soll sich aber in Oettingen ein Blutwunder zugetragen haben. Im Jahr 1467 schnitt eine Magd Brotstücke für eine Suppe, und aus dem Brot quoll den Berichten gemäß Blut. Da das Geschehen am 20. Januar stattfand und seitens der Kirche dieser Tag dem heiligen Sebastian geweiht war, schlussfolgerte man, dass es sich um „Sebastiansblut“ handelte und errichtete später an Ort und Stelle eine dem Heiligen geweihte und offenbar auch sehr einträgliche Wallfahrtskirche. Wie auch immer, zur Mitte des 16. Jahrhundert sind in Oettingen auf dieser Basis wieder Juden nachweisbar. Freilich war der kleine Ort in der Folgezeit zwischen den auch religiös zerstrittenen Oettinger Herrschaftslinien (Oettingen, Spielberg, Wallerstein) aufgeteilt, was auch die Juden am Ort betraf – jedoch hatten sie gemeinsame Rabbiner (darunter Henoch Sundel und Pinchas Katzenellenbogen) – die am Ort vielleicht die Funktion eines Konflikt- und Familientherapeuten vorwegnahm.  

Um 1760 findet sich die Oettinger Synagoge mit Rabbinerwohnung in der Schaefflersgasse, direkt an der alten Stadtmauer.  Das Gebäude wurde zwar 1853 renoviert, aber bereits vier Jahre später wurde das Rabbinat von Oettingen aufgelöst  und dem in Wallerstein unterstellt. Lebten zeitweilig bis zu vierhundert Juden in Oettingen, so sorgten die  komplizierten Verhältnisse des katholisch und protestantisch geteilten Gebiets und ihrer jeweiligen Herrscher wohl auch dafür, dass Juden in andere Gebiete abwanderten. Zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts lebten noch etwa 100 Juden am seit 1806 bayerischen Ort. 1933 waren noch 66 Juden in Oettingen. Fünf Jahre später wurde die Synagoge demoliert und die Gemeinde aufgelöst. Das Gebäude existiert heute noch und ist ein privates Wohnhaus mit Arztpraxen. Erhalten ist noch ein großes rundes Fenster mit David-Stern an der Ostwand des Hauses. An der Wand des Hauseingangs befindet sich seit November 2005 ein Memorial in Form zweier drehbarer Walzen mit den Namen von 78 Juden, die bis 1942 in Oettingen lebten. Eine neue jüdische Gemeinde gibt es auch in Oettingen nicht mehr.

The first known Jew from Oettingen recorded in Augsburg as taxpayers is Sara the wife of Isaac of Oettingen in the years from 1408 to 1415 (or 1417). The medieval  history of the Jews of Oettingen however is not much known. In later times the Jews were influenced by the conflict territorial and religious dispute of the rulers of Oettingen who were divided into rivaling branches of Catholics and Lutherans, what also divided the small village of Oettingen, until in 1806 the whole territory became part of the new Bavarian kingdom.   

Also this memorial from 2005 is toying with the idea of replacing the Torah scrolls by the (revolvable) names of Holocaust vistims, as we have seen it another way inside the restored former Synagogue of Hainsfarth, in this case however within the scope or limits of artistic freedom and design.

siebenarmige Menora in Oettingen Kirche mit römischen Ziffern für die “zehn Gebote”.


Juden in Wallerstein

October 8, 2010

Wallerstein ist ein ca. 3.5 km nördlich der ehemaligen Freien Reichstadt Nördlingen gelegener Ort mit heute etwa 3500 Einwohnern, dessen früheste erhaltene urkundliche Erwähnung in das Jahr 1238 zurückreicht und im Besitz des Hauses Oettingen und schließlich Sitz des Fürstentums Oettingen-Wallerstein war, ehe Wallerstein 1806 zu Bayern kam. Das Siegel Ludwigs Graf von Oettingen aus dem Jahr 1339 ist markanter weise von einem sechszackigen David-Stern umgeben.

http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Oettinge-Siegel.png&filetimestamp=20080201211554

Ab etwa der selben Zeit sind Juden in Wallerstein nachweisbar. Zu den älteren Belegen zählen auch hier die nicht näher spezifizierten Verfolgungen der Jahren 1298 und 1348. Da es sich aber insgesamt um einen nur kleine Siedlung handelte, können auch in besseren Zeiten entsprechend auch nicht viele Juden dort gelebt haben.

Im 16. Jahrhundert freilich wirkte hier Mosche ben Abraham Ha-Levi Heller  (1520-1580) משה הלוי הלר – der Rabbiner und Richter und zeitweilig auch Reichsrabbiner war. Sein in Lublin geborener Sohn Abraham ben Mosche Ha-Levi Fraenkel Wallerstein war mit Rachel Loeb der Tochter von Jehuda Bezalel Loeb, dem Maharal von Prag verheiratet. Ihr gemeinsamer Sohn und Enkel von Mosche Heller war Rabbi Jom Tow Lipman Heller (יום-טוב ליפמן הלר) 1579 in Wallerstein geboren, bekannt für seinen ebenso umfang- wie geistreichen, ca. um 1615 vollendeten Kommentar zur Mischna „התוספות יום-טוב“ : http://hebrewbooks.org/14284.

Jom Tow gilt zurecht als einer der großen Talmudisten seiner Zeit und war unter anderem Oberrabbiner in Wien und Prag. 1629 wurde er unter dem Vorwurf, das Christentum beleidigt zu haben, verhaftet. Unter der Bedingung, dass er von seinem Amt in Prag zurücktrat und gegen die Zahlung eines erheblichen Lösegeldes in Höhe von 12.000 Gulden wurde er jedoch freigelassen.

Jom Tow Lipmans Darstellung des Jerusalemer Heiligtums nach der “Vision” des Profeten Jecheskiel (http://www.loc.gov/)

Im 17. Und 18. Jahrhundert lebten rund 200 bis 300 Juden (20 bis 40 Familien) in Wallerstein im später abgebrochenen Bereich „Judenhof“. Im Laufe des 19. Jahrhunderts hatte das Königlich-Bayerische Bezirksrabbinat Wallerstein noch regionale Bedeutung, während die Anzahl der Juden auch hier kontinuierlich zurückging von ca. 300 zu Beginn auf knappe 30 zu Ende des 19. Jahrhunderts. Zu den einflussreichen Gelehrten Wallersteins zählen auch Pinchas bar Moses ha-Kohen Katzenellenbogen und Zwi Hirsch ben Baruch Kahana Rappaport. Unklar freilich ist, ob es in Wallerstein auch eine Jeschiwa gab, was freilich angesichts der prominenten Namen unter den Rabbinern des kleinen Ortes zu vermuten ist.

1933 lebten nur noch etwa ein Dutzend Juden in Wallerstein, das bereits über keine eigene Gemeinde mehr verfügte und seit 1928 Nördlingen angegliedert war. Wenig später freilich verschwanden auch noch diese wenigen Juden aus dem Ort, in dem heute nur noch wenig an die ebenso beachtliche wie lange jüdische Geschichte erinnert und in dem es leider keine Juden – aber auch keine restaurierte Synagoge – gibt, die an die alte Tradition anknüpfen könnte.

Der jüdische Friedhof von Wallerstein soll auf das Jahr 1510 zurückgehen – was sicher im Zusammenhang mit den Juden in Nördlingen stehen wird, die zu Beginn des Jahres 1507 die Reichsstadt als festen Wohnort aufgeben mussten.  Der etwa 700 m vom östlichen Ortsrand entfernte Friedhof liegt abseits inmitten von landwirtschaftlich bearbeiteten Feldern und war im dichten Morgennebel nur mit Hilfe von ortskundigen Traktorfahrern und einem vorauseilenden Wallersteiner Feldhasen zu finden.

Von den einst 900 Grabsteinen des Friedhofs sind heute noch etwa 300 mehr oder weniger gut erhalten. Die tatsächliche Anzahl von Gräbern muss bei der langen Geschichte aber wohl beträchtlich höher gewesen sein, jedoch sind fast nur Grabsteine ab dem 19. Jahrhundert erhalten. Am meisten beachtet sind die stattlichen sog. „Rabbiner-Gräber“, eine Gruppe von fünf hohen Grabsteinen, von denen zwei den Rabbinern David Weisskopf und Marx Kohn, die drei anderen jedoch ihren  Witwen und einer Tochter Kohns gewidmet sind.

Ebenfalls hier bestattet ist der in Hainsfarth geborene unter dem Toponym Ries geborene Michael ben Menachem Reese, der in den USA ausgewandert mit Immobiliengeschäften zu Ansehen und Reichtum kam und insbesondere durch das 1880 aus Mitteln seines Nachlass (Reese starb 1877 bei einem Besuch in der alten Rieser Heimat am Friedhof) finanziert wurde. Einige Jahre zuvor, 1871 war das Hospital der Hebrew Relief Association in Chicago bei einem Großbrand zerstört worden. Das nun geschaffene neue Krankenhaus stand allen Konfessionen und Nationalitäten. Das Hospital erwarb sich in der Folgezeit einigen Ruf, u.a. verfügte es als erstes über eine Inkubator Station für Frühgeborene.

Weitere Informationen zur Geschichte des Hospitals: http://forgottenchicago.com/features/chicago-architecture/michael-reese-hospital/

Vergleichsweise monumental fiel auch das Grabmal für Reese am Friedhof von Wallerstein aus. Den Vorstellungen des bescheiden lebenden und sehr wohltätigen Verstorbenen dürfte dies aber nicht entsprochen haben.

Weitere Infos, Biographien, Namens- und Grablisten finden sich im „Harburg Project“ von Rolf Hofmann: http://www.alemannia-judaica.de/harburgproject.htm

The Jewish history of Wallerstein is rich and has the names of such considerable scholars as  Moshe ben Abraham Ha-Levi Heller  and his grandson Yom Tov, famous author of the Tosafot Yom Tov commentary on Mishna. At the Jewish cemetery of Wallerstein, established about 1510 and half a mile east of the village on farmland and under foggy conditions best locatable with the help of farmers or brown hare, there still are some 300 headstones left, most remarkable the grave markers of two 19th century Rabbis along with three of their female relatives, commonly regarded as “Rabbinergraeber”. There also is the big monument of Michael Reese from San Francisco (born in Hainsfarth) whose name once was famous for the Michael Reese Hospital in Chicago, Illinois, which was build in 1880 and knocked down in order to establish the Olympic village for Chicago’s 2016 bid – the host however will be Rio de Janeiro – with a now uncertain future.


Follow

Get every new post delivered to your Inbox.