Inschriften am Tahara Haus in Oettingen

October 27, 2010

Am Oettinger Friedhof in Siegenhofen befindet sich auch eine frühere Tahara, an welchem eine Reihe unterschiedlich motivierter Inschriften angebracht sind.

Widmungsinschrift der Stadt Oettingen, welche eine deutsche Übersetzung von Psalm 71 Vers 20 zitiert: “ Der du mich hast schauen lassen viel Not und Leiden Du wirst wiederum mich beleben und aus den Tiefen der Erde mich wiederum erheben (Ps. 71.20)“

Danach heißt es:

Ihren jüdischen deutschen Mitbürgern zur Sühne und Ehre – Stadt Oettingen in Bayern

Der Terminus Sühne wird bei wikipedia als ein Akt erklärt, “durch den ein Mensch der schuldig geworden ist, diese Schuld durch eine Ausgleichsleistung aufhebt oder mindert“. Was immer den Oettinger Juden nun also geschehen ist, es könnte mit der Anbringung dieser Tafel am ehemaligen Tahara-Haus abgegolten oder wenigstens ausreichend deutlich gemindert worden sein, um eine solche Tafel zurechtfertigen – man kann von ihnen ja nicht hunderte in jedem Dorf aufhängen … Zweifelhaft ist freilich die Wirkung der Tafel an einem Haus, das nicht an der Straße liegt, sondern im Grundstück. Nur wer auf dem Friedhof ist, kann die Tafel lesen. Die Oettinger Juden, denen die Tafel gewidmet ist, sind aber tot. Datiert ist die Inschrift nicht, freilich kann man sich den zeitlichen Kontext ihrer Entstehung gut vorstellen.

Eine weitere, nur hebräische (aber punktierte) Inschrift gibt eine Bracha wieder die Juden sprechen, wenn sie jüdischen Gräbern begegnen. Die Bracha basiert auf der entsprechenden Formulierung des Amida. Die hier wiedergegebene westliche Variante verzichtet anders als die sefardische העולם הבא zu erwähnen:

ברוך אתה יי אלהינו מלך העולם אשר-יצר אתכם בדין וזן וכלכל אתכם בדין והמית אתכם בדין ויודע מםפר כלכם בדין ועתיד להחזיר להחיותכם בדין – ברוך אתה מחיה המתים

(übersetzt in etwa: Gesegnet bist Du HaSchem, unser Gott, König der Welt, der euch geformt hat im Gericht, und euch ernährte und versorgte im Gericht, und euch tötete im Gericht, und die Zahl von euch allen kennt im Gericht, und euch künftig wieder ins Leben zurückholen wird im Gericht. Gesegnet bist Du HaSchem, Beleber der Toten.)  

* * *

Eine weitere Inschrift auf der Rückseite des gerade restaurierten Gebäudes nimmt auf das Baujahr Bezug:

“Erbauet im Jahre d. H. (des Herrn) 5611″

darunter steht Hebräisch:

יראת הי תוסיף ימים

was ein Zitat aus 10.27 משלי ist und besagt: “Gottesfurcht mehrt die Tage”. Im Spruch ginge es noch weiter mit “die Jahre der Bösen werden verkürzt”, aber das betraf niemanden am Oettinger Friedhof.

Nochmals darunter steht die Jahreszahl 1850. Die hebräische Jahreszahl 5611 korrespondiert auch mit dem Zahlenwert dem deshalb entsprechend punktierten Wort יראת  welches den Wert 611 ergibt.

יראת הי תוסיף ימים

 

Eine vierte Inschrifttafel ist noch am Haus erhalten. Sie zitiert einen hebräischen und einen deutschen Text und hat in der Mitte eine Öffnung, in welche bereitwillige Spender wohl für den Unterhalt des Friedhofs Geld einwerfen konnten. Passanten auf der Straße ahnen von dieser Möglichkeit auf der Rückseite des Hauses wohl auch nicht. Angesichts der zahlreichen dahinbröckelnden, kaum noch lesbaren oder längst zerstörten hebräischen Inschriften der Grabsteine wäre das sicher auch heute noch sehr angebracht, freilich ist hat die Tafel an der Wand angehängt keine entsprechende Funktion mehr, weshalb wir es bei einem symbolischen 50 Cent – Stück als “Spende” beließen.

זרעו לכם לצדקה קצרו לפי חסד

Säet Wohltun und Ihr werdet Liebe ernten

– Hoschea 10.12

 

אטינגן בית קברות

At the former Tahara house at the Jewish Cemetery of Oettingen there are four inscriptions. One has a prayer for the death, another one asks for support for the upkeep of the cemetery and a third one mentions the date of the establishment of the Tahara and the cemetery. A fourth one obviously ist from the time after the Nazi regime and is dedicated by the City of Oettingen to the German Jewish “Mitbuerger” (fellow citizens) of Oettingen – but there are no more jews in Oettingen and the inscription is not visible from the outside.


Über die Juden von Oettingen

October 24, 2010

Der erste in Augsburg als Steuerzahler verzeichnet bekannte Jude (Jüdin) aus Oettingen, die ist die  Frau des Isaak (genannt als „Ysackin von Oettingen“), die in den Jahren 1408 bis 1415 registriert ist. Da ihr Mann Isaak zuvor nicht erscheint mit dem Ortsnamenszusatz erscheint, kann man annahmen, dass er zuvor verstorben war und seine Frau als Witwe wieder nach Augsburg zurückkehrte, von wo sie wohl stammte. Andernfalls wäre kaum zu erklären, wie sie „aus dem Nichts“ in der Reichsstadt steuerpflichtige Hausbesitzerin hätte werden können. In den Jahren 1416 bis 1417 ist sie - falls identisch - als Saerlin (Serlin), also als Sara, bzw Saerlin von Oettingen verzeichnet insofern es sich dabei nicht um ihre Tochter oder jemand anderen handelte. Danach verliert sich ihre Spur. Sie ist entweder verstorben oder weggezogen oder hat geheiratet.

townhall of Oettingen with Kings Gate

Über die Oettinger Gemeinde ist aus dieser Zeit wenig bekannt, abgesehen davon, dass auch ihr die Verfolgungsjahre 1298 und 1348 zugeschrieben werden. Schon die räumliche Nähe zur nur 15 km betont die lokale Bindung der sicher nur wenigen Juden in Oettingen. 1434 sind nur drei Steuerzahler in dem kleinen Ort verzeichnet. Da 1457 aber bereits die Judengasse erwähnt ist, dürfte es nach der Verlust der Gemeinde in Augsburg 1439 ggf. auch zu Zuzügen aus Augsburg gekommen sein (eine Reihe von Augsburger Auswanderern in die Region nach Ulm, Nördlingen, Lauingen, Burgau, Donauwörth, etc. lassen sich nachvollziehen), freilich wurde die Oettinger Gemeinde, die nun aus sechs Familien bestanden haben soll im Jahre 1488 gleichfalls aufgelöst, unter ihnen ein „Schulklopfer“, was die Existenz einer Synagoge nahelegt. Die Schwierigkeit in der Rekonstruktion der zeitlichen Abfolgen  von mutmaßlichen Vertreibungen und Wiederansiedlungen besteht nicht zuletzt auch darin, dass vorhandene Einträge oder aber auch Lücken in Steuerbüchern oft einzige Anhaltspunkte dafür sind. Freilich kann es für das Fehlen solcher Einträge auch andere Gründe geben. Urkunden können verloren gegangen sein. Die Steuer wurde aus diesem oder jenem Grund nicht erhoben oder anderswo verzeichnet, an einen Dritten abgetreten, usw. Im Jahre 1467 soll sich aber in Oettingen ein Blutwunder zugetragen haben. Im Jahr 1467 schnitt eine Magd Brotstücke für eine Suppe, und aus dem Brot quoll den Berichten gemäß Blut. Da das Geschehen am 20. Januar stattfand und seitens der Kirche dieser Tag dem heiligen Sebastian geweiht war, schlussfolgerte man, dass es sich um „Sebastiansblut“ handelte und errichtete später an Ort und Stelle eine dem Heiligen geweihte und offenbar auch sehr einträgliche Wallfahrtskirche. Wie auch immer, zur Mitte des 16. Jahrhundert sind in Oettingen auf dieser Basis wieder Juden nachweisbar. Freilich war der kleine Ort in der Folgezeit zwischen den auch religiös zerstrittenen Oettinger Herrschaftslinien (Oettingen, Spielberg, Wallerstein) aufgeteilt, was auch die Juden am Ort betraf – jedoch hatten sie gemeinsame Rabbiner (darunter Henoch Sundel und Pinchas Katzenellenbogen) – die am Ort vielleicht die Funktion eines Konflikt- und Familientherapeuten vorwegnahm.  

Um 1760 findet sich die Oettinger Synagoge mit Rabbinerwohnung in der Schaefflersgasse, direkt an der alten Stadtmauer.  Das Gebäude wurde zwar 1853 renoviert, aber bereits vier Jahre später wurde das Rabbinat von Oettingen aufgelöst  und dem in Wallerstein unterstellt. Lebten zeitweilig bis zu vierhundert Juden in Oettingen, so sorgten die  komplizierten Verhältnisse des katholisch und protestantisch geteilten Gebiets und ihrer jeweiligen Herrscher wohl auch dafür, dass Juden in andere Gebiete abwanderten. Zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts lebten noch etwa 100 Juden am seit 1806 bayerischen Ort. 1933 waren noch 66 Juden in Oettingen. Fünf Jahre später wurde die Synagoge demoliert und die Gemeinde aufgelöst. Das Gebäude existiert heute noch und ist ein privates Wohnhaus mit Arztpraxen. Erhalten ist noch ein großes rundes Fenster mit David-Stern an der Ostwand des Hauses. An der Wand des Hauseingangs befindet sich seit November 2005 ein Memorial in Form zweier drehbarer Walzen mit den Namen von 78 Juden, die bis 1942 in Oettingen lebten. Eine neue jüdische Gemeinde gibt es auch in Oettingen nicht mehr.

The first known Jew from Oettingen recorded in Augsburg as taxpayers is Sara the wife of Isaac of Oettingen in the years from 1408 to 1415 (or 1417). The medieval  history of the Jews of Oettingen however is not much known. In later times the Jews were influenced by the conflict territorial and religious dispute of the rulers of Oettingen who were divided into rivaling branches of Catholics and Lutherans, what also divided the small village of Oettingen, until in 1806 the whole territory became part of the new Bavarian kingdom.   

Also this memorial from 2005 is toying with the idea of replacing the Torah scrolls by the (revolvable) names of Holocaust vistims, as we have seen it another way inside the restored former Synagogue of Hainsfarth, in this case however within the scope or limits of artistic freedom and design.

siebenarmige Menora in Oettingen Kirche mit römischen Ziffern für die “zehn Gebote”.


Gli ebrei nella regione di Steinhart (Svevia Bavarese)

October 13, 2010

In Steinhart vi è un rudere medievale di un castello, vicino al cimitero ebraico.

Steinhart è un piccolo paese di ca. 200 abitanti nella parte settentrionale di Svevia bavarese, nei pressi dell’ex città imperiale Noerdlingen, tra Norimberga e Augusta. Steinhart è incorporato al Hainsfarth e Oettingen. Oettingen cosi era stata sede famiglia comitale e poi principesca, entro la fine della guerra, quando nel 1805 tutto il territorio divenne parte del Ducato di Baviera. Nei villaggi della regione (divisa tra i rami rivali della famiglie di Oettingen), ci sono state alcune comunità ebraiche. Gli ebrei in questi villaggi (con nomi come Hainsfarth, Steinhart, Oettingen) avevano le loro sinagoghe proprie, bagni privati, le scuole private e dei loro cimiteri. Ma gli ebrei dovevano pagare tutti i costumi, perché i territori dei conti sono stati smembrati. Fino alla metà del 19° secolo, quasi metà della popolazione nei villaggi era ebreo, ma successivamente la percentuale è scesa rapidamente.

A causa della cattiva politica nel Regno di Baviera, molti ebrei emigra negli Stati Uniti in grandi città come Augusta, Monaco di Baviera, Vienna, Berlino, Londra o Parigi – in alcuni anni, quasi tre quarti dei tedeschi emigrati negli Stati Uniti erano ebrei tedeschi.

In molti vecchi cosiddetti “villaggi ebraici” della regione, giudaismo quindi già scomparso alla fine del 19 ° Secolo, molto pochi ebrei restano nei villaggi, la maggior parte di loro erano contadini o commercianti. Gli ultimo resti di più di otto cento anni di vita ebraica sono stati eliminati dalla tedesca anti-semiti . Gli ebrei furono espulsi, deportati e uccisi. La loro struttura è stata rubata, vestiti, mobili, libri, giocattoli, ecc sono stati distribuiti ai vicini di casa esistente. Le case sono state espropriate, “arianizzate” le magazzini e le fabbriche. Le sinagoghe sono stati dissacrati, distrutti o utilizzati come stalla. Nella maggior parte dei casi, ci sono voluti circa 40 anni o più, come la gente cominciò a pensare. Il resultato delle loro deliberazioni è stato il restauro di alcune delle sinagoghe distrutte – ovviamente solo in villaggi senza ebrei (ad esempio Binswangen, Hainsfarth, Ichenhausen, …). Sono utilizzati nei villaggi ormai classico, letture di poesie, concerti, feste di Natale, … gli antichi cimiteri ebraici rimangono in cattive condizioni. Molte lapidi sono state distrutte, non pochi sono stati rubati. La maggior parte delle pietre tombali, ancora oggi esistenti, sono fatiscenti o di essere attaccato da muffe. La maggior parte delle iscrizioni sono appena leggibili e nel migliore dei casi, i nomi tedeschi sono documentati, mentre le iscrizioni in ebraico dimenticati. Questo non è diversa in Steinhart o Oettingen o Hainsfarth o Wallerstein o Ichenhausen o Schopfloch o Kriegshaber …

Il rabbino Mosè ben Menachem Steinhart (1700-1770) è nato nel piccolo villagio. Rabbino Steinhart era stato capo della corte ebraica in Fuerth vicino a Norimberga e fu autore del “Zichron Yosef”.

Spiacenti, l’italiano in questo testo è certamente lungi dall’essere perfetto, ma come si dice: “Chi fa falla, e chi non fa sfarfalla”.


Die Juden von Steinhart bei Hainsfarth / Oettingen

October 12, 2010

Detail of the grave marker of Mina Schulheimer at the Steinhart Jewish Cemetery

Steinhart liegt etwa 3.5 km östlich von Hainsfarth, welches wiederum  einen knappen Kilometer von Oettingen entfernt ist. Die Distanz der einzelnen jüdischen Friedhöfe in Oettingen, Hainsfarth und Steinhart ist nicht wesentlich größer.

Heute gilt Steinhart als Ortsteil von Hainsfarth und hat etwa 200 Einwohner. Neben den Schafen am sehenswertesten ist die Ruine einer angeblich bereits in das 12. Jahrhundert zurückreichende Burg im Westen des Ortes. Die Herren der Burg sollen sich die „Späten von Steinhart“ genannt haben, wie die Webseite des Ortes verrät, freilich haben sich diese offenbar recht früh von Ort und Stelle (Richtung Lauingen) und schließlich ganz aus der Geschichte verabschiedet. Als die Burg dann auch von den nachfolgenden Grafen von Oettingen nicht mehr genutzt wurde, verfiel sie und ein Teil davon soll demnach als jüdischer Friedhof genutzt worden sein. Daran erinnert eigentlich nicht viel mehr außer einem steil ansteigenden Gelände, dessen Umgebung sodann im Umkehrschluss als Graben gedeutet wird. Freilich ist das Friedhofsgelände anders als der Boden der Burgruine keineswegs flach und eben sondern von einer tiefen Mulde gezeichnet, weshalb die höchsten Punkte des Friedhofs jeweils die äußeren Ränder sind und die gesamte Anlage eher an einen Krater erinnert.

Von einer „Kraterkultur“ spricht man sodann auch im nur 3 km südlicher gelegenen Mengesheim http://kraterkultur.homepage.t-online.de/ welches kulturelle Veranstaltungen in der „Kraterregion“ (der Name bezieht sich natürlich auf das Ries) aller Art bieten, etwa auch Konzerte in der restaurierten Nicht-Synagoge, aber weit bemerkenswerter sogar ein jährliches Rockfestival „der Krater bebt“ in Hainsfarth, das im Sommer bereits zum 22. Mal stattfand und mitunter recht schräge Bands wie Tito & Tarantula (allenfalls bekannt vielleicht aus Tarantinos „From Dusk til Dawn“ mit einem verführerischen Schlangentanz von Selma Hayek zu den Klängen von „After Dark“ der besagten Band).

Der Friedhof ist von einem relativ modernen Holzzaun umgeben, der wohl nach der letzten bekannten Angriff aus dem Jahre 1994 gefertigt wurde.  An diesem Zaun sind im Gelände ganze Reihen von Grabsteinen willkürlich aufgestellt, so als wollte man mit einen eine neue Mauer andeuten. Das erinnert an das Stonehenge – ähnliche Arrangement von Binswangen, wo die Überreste des von den örtlichen Nazi zerstörten Friedhofs nach gestalterischer Willkür ohne jeden Zusammenhang und in alle Himmelsrichtungen zeigend aufgestellt wurden.

Juden in Steinhart sind für die Mitte des 16. Jahrhunderts belegt. Teilweise lebten bis zu 150 Juden in dem kleinen Ort. Gegen Mitte des 19. Jahrhunderts schwand die Zahl der Juden in Steinhart rapide dahin, was binnen weniger Jahre zur Auflösung des Gemeinde im Jahre 1883 führte.

Eine gewisse Bekanntheit erlangte der in Steinhart geborene Rabbiner Josef ben Menachem Steinhart (יוסף בן מנחם שטיינהארט,1700-1770), der u.a. Rabbiner und Vorsitzender des Gerichts in Fürth und Mitkämpfer des Pferseer Rabbiners Etthausen war.  Wie dieser sammelte auch Steinhart seine Antwortschreiben in der typischen rabbinischen Literaturgattung der  שות (schu“t – abgekürzt von שאלות ותשובות, sche’elot u’tschuwot, „Fragen und Antworten“; was man heute überall im Internet „Q & A“ nennt, wird gerne auch christlich-latein als „Responsen“ bezeichnet), die 1773 drei Jahre nach seinem Tod in Fürth (damals noch als פיורדא fiurda geschrieben) unter dem Titel זכרון יוסף  veröffentlicht wurden, jedoch nur in einer einzigen Auflage. Diese ist aber zum Glück erhalten und auch öffentlich zugänglich (sehr hilfreich ist das Register) und zum Download erhältlich:

 http://www.hebrewbooks.org/560

Ebenfalls aus Steinhart stammt Jakob Obermeyer (1845-1938), nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Bankier Jakob Obermayer aus Kriegshaber und Augsburg (gest. 1825), wenngleich eine Verwandtschaft der hebräisch und manchmal auch deutsch gleich geschriebenen Familien in relativer nachbarschaft nicht ausgeschlossen ist.  Obermeyer lernte angesehenen traditionellen Rabbinern wie Jakob Ettlinger (1798-1871) und Jitzchak Dov Bamberger (1808-1878) und bereiste Anfang Zwanzig bereits Marokko, Algerien, Libyen, Ägypten, ganz Israel und Teile Syriens, ehe er 1869 in Bagdad für die erst wenige Jahre zuvor in Paris gegründete Alliance Israélite Universelle (AIU, bzw.  כל ישראל חברים) für drei Jahre als Lehrer tätig wurde. Von 1872 bis 1876 verbrachte er u.a. als Tutor in den Diensten persischer Prinzen. Dabei lernte er vor Ort zahlreiche Schauplätze antiker bis frühmittelalterlicher jüdischer Geschichte vom „babylonischen Exil „ bis hin zu den autonomen Zentren des talmudischen Babylon. 1884 erhielt er eine Anstellung als Lehrer für die persische und arabische Sprache und Literatur in Wien, eine Position die er bis 1915 beibehielt. Obermeyer veröffentlichte zahlreiche grundlegende Aufsätze und Bücher, insbesondere zur orientalischen Geschichte des Judentums: „Modernes Judentum im Morgen- und Abendland“ (1907) oderDie Landschaft Babylonien im Zeitalter des Talmuds und des Gaonats: Geographie und Geschichte nach talmudischen, arabischen und andern Quellen(1929). Gerade letzteres Werk hatte einen enormen Einfluss auf die folgende Talmudforschung, da sie anders als viele vorherigen „Trockenschwimmer“ nicht nur die Originalsprachen sondern auch die Schauplätze mit einbezog. Darüber hinaus übte Obermeyer auch einigen Einfluss auf arabische Historiker und Geographen aus.

Einen ganz anderen Einfluss übte jedoch Jakob Obermeyers Enkel Meir Max Bineth (מאיר מקס בינט)(1917-1954) aus, der bis 1935 in Kolk lebte. Er war ein israelischer Geheimdienstagent in Ägypten und erschütterte als ein als deutscher Geschäftsmann getarnter aktiver Terrorist die politische Szene nicht nur im Nahen Osten. Nach der Machtergreifung Nassers in Ägypten versuchten israelische Agenten mit Anschlägen auf US-Ziele in Ägypten das ägyptisch-amerikanische Verhältnis zu verschlechtern. Beim Platzieren einer solchen Bombe und in weiterer Folge wurden einige Agenten verhaftet – unter ihnen auch Meir Bineth, der Ende 1954 in ägyptischer Haft Selbstmord beging, als ein Todesurteil gegen ihn schon feststand. Im Zuge der damit verbundenen Lavon-Affäre, international so benannt nach dem damaligen israelischen Verteidigungsminister Pinchas Lavon, trat Premierminister Moshe Sharet zurück, während das politische Verhältnis Israels und der USA für eine Weile abkühlte. Erst 2005 rang sich Israel durch die damaligen Agenten offiziell zu ehren.

Infos zu Meir Max Bineth: http://www.meirmaxbineth.org  

Grabstein des Meir Obermeyer aus dem Jahre 1871

Etwa hundert Grabsteine sind am Friedhof noch in unterschiedlichem Zustand erhalten. Ihre Aufstellung hat offenkundig nichts mit den Gräbern zu tun, weshalb es nicht möglich ist, bestimmten Toten zu gedenken.

steil aufsteigendes Gelände des Friedhofs von außen


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