Gedenken in Nördlingen

May 10, 2012

 

Tafel in der Nördlinger Judengasse mit Namen Nördlinger Juden die deportiert, in Haft oder in Konzentrationslagern ermordert wurden.

Blick in die Nördlinger Judengasse

A memorial plate next to the Jewish memorial at Judengasse in Nördlingen now commemorates some 50 Jews from Nördlingen who during the Nazi rule in Germany were deported and had perished in prisons or concentration camps (Piaski, Theresienstadt, Auschwitz, Riga, Cosel and Dachau). Mentioned are member from the families of Adler, Arensberg, Ascher, Bredig, Bühler, Eisenmann, Gradmann, Guldmann, Hamburger, Heinemann, Lehmann, Mahler, Mayer, Neumann, Regensteiner, Rosenberger, Schweisheimer, Seligmann, Siegbert, Stoll and Weisbacher. Also mentionend – for what reason ever – are two Christian Socialdemocrats, one of them died in an prison in Augsburg.


Hollywood Nördlingen

May 4, 2012

 


Impressionen vom jüdischen Friedhof in Pflaumloch

November 19, 2010

בית הקברות היהודי של פפלוימלאך

in the front the grave marker of Chaim Pflaum, died in April 1872 (6th of Nisan 5632)

Unter dem von Efeu völlig überwachsenen Grabstein befand sich ein wohl auch nicht mehr benutztes Vogelnest

head stone of Tirza Adler, died 16th of Sivan in 5636 (8th of June in 1876), who had been the wife of Jakob Adler (sch”tz) a teacher (melamed) in Oberdorf, which only is some 8 km away westbond near Bopfingen ( another easy pronounceable name in that region …) 

… the tree actually has integrated the illegible head stone and grown around it at the upper corner of Pflaumloch Jewish cemetery and thus created a self-developed monument of it’s own and value. The stone now surprisingly is fitting perfectly and almost smoothly in the tree, while in many other places we have seen so many grave markers being destroyed by growing trees: 

another almost integrated and overgrown grave marker right next to the entrance door of the small but remarkable Pflaumloch Cemetery which adjacents to the Christian cemetery of Pflaumloch – Riesbuerg.

The Jewish Cemetery of Pflaumloch with the now adjacent Christian one in front (note the cross of the grave marker).

A wall separates the walled-in Jewish cemetery from the surrounding Christian cemetery in front …

Grabstein der gleichfalls komplett mit Efeu überwachsen war. Das Abzupfen der Blätter brachte diesen menora-artigen Efeu – Wuchs hervor. Die Haftungen des im Winter durch Eis und Schnee schweren Efeus beschädigen die Grabsteininschriften und zerstören sie früher oder später wenn, wie in diesem Fall sich niemand drum kümmert.

Impressions de cimetière juif de Pflaumloch


Das jüdische Pflaumloch (Riesbürg)

November 18, 2010

 

Das  1246 erstmals urkundlich erwähnte Pflaumloch ist eine kleine Gemeinde im Ostalbkreis in Baden Wuerttemberg an der Grenze zum bayerischen Schwaben mit etwa tausend Einwohnern und heute Bestandteil der Gemeinde Riesbürg.

Uhrturm der ehemaligen Synagoge in Pflaumloch (Riesbürg) – clock tower of the former Pflaumloch Synagogue

Die ältesten erhaltenen Belege nennen 1487 Juden am Ort. Kurz darauf wurden Juden aus Pflaumloch am mittelalterlichen Friedhof im ca. 5 km westlich gelegenen Nördlingen beerdigt. Es hielt sich über lange Zeit eine kleine Gemeinde mit ca. zehn Familien. Sicher wird es eine Synagoge und andere Infrastruktur gegeben haben. Für das Jahr 1703 ist eine Synagoge bezeugt, die 1802 bei einem Großbrand im Dorf zusammen mit 33 Häusern von Christen und 18 Häusern von Juden zerstört wurde. Aus neuer Zeit stammt die Einrichtung einer nicht mehr erhaltenen Mikwe im Jahre 1821, als von rund 450 Bewohnern des Dorfes etwa 200 Juden sind.

Auf das Jahr 1840 geht der jüdische Friedhof zurück, der sich heute direkt anschließend neben einem christlichen Friedhof befindet, zuvor wurden die Juden aus Pflaumloch offenbar am Friedhof in Wallerstein beigesetzt. Um das Jahr 1900 lebten noch fünf jüdische Familien am Ort. Als 1907 die letzte verbliebene Bewohnerin verstarb schenkte der aus Pflaumloch stammende wohlhabende Stuttgarter Bankier und Kommerzienrat Alexander von Pflaum (1839-1911) die nunmehr leer stehende Synagoge der politischen Gemeinde. Im innen komplett umgebauten Gebäude ist seit 1963 das Rathaus der Gemeinde Pflaumloch, seit 1973 das von Riesbürg. Auf dem Friedhof befinden sich noch etwa 110, meist nicht mehr sehr gut erhaltene Grabsteine. Die im Jahre 1999 erfolgte Dokumentation des Friedhofs ist offenbar nicht veröffentlicht.

Unser besonderer herzlicher Dank gilt Frau Sigi Atzmon aus Nördlingen, die uns spontan den Besuch der ehemaligen Synagoge in Pflaumloch (Riesbürg) und des Friedhofs der ehemaligen jüdischen Gemeinde von Pflaumloch ermöglichte.

From at least 1487 until 1907 in the small village of Pflaumloch (lit. “plum lake“), only 5 km from the former imerial city of Noerdlingen, and now a part of the municipality of Riesbuerg, existed a small rural Jewish community. 190 years ago in 1821 some 200 of 450 inhabitans of the village were Jewish. When in 1907 the last Jewish inhabitant died the synagogue however was donated by Alexander von Pflaum, a Pflaumloch born wealthy banker from Stuttgart, to the political community. From 1963 the building with its remarkable clock tower and facade has been the townhall of Pflaumloch and Riesbuerg. In Pflaumloch there also is a small Jewish vemetery with some 110 left grave markers next to a Christian cemetery.

Detail of the head stone of Karoline Lowenengart at Pflaumloch Jewish Cemetery with a cembra nut, known also as the city coat of arms of Augsburg.


בית הקברות היהודי של נורדלינגן

November 9, 2010

נורדלינגן עיירה קטנה בבוואריה שוואביה בדרום גרמניה, כ הבינייםנורדלינגן 25 ק”מ צפונית מערבית לנהר הדנובה בימי הייתה העיר הקיסרית, מאז 13 המאה היו קהילות יהודיות בעיר. היו גם שלושה בתי קברות שונים נורדלינגן היהודית בימי הביניים. בתי קברות אלה אינם קיימים עוד היום. בשנת 1506 היהודים יצאו מהעיר נורדלינגן. חלק הלכו לכפרים בשכונה כמו ולרשטיין. רק בזמן החדש, היה שוב קהילה יהודית עצמאית בעיר נורדלינגן. אבל אפילו זה היה קצר. עם הטרור של הנאצים, אנשים של נורדלינגן שוב ללא יהודים – וכך זה נשאר עד היום, 65 שנים אחרי היטלר ועוזריו. בית הכנסת החדש שנבנה בשנת 1886 ובשנת 1938 נהרסו שוב

אחרי הנאצים, לא היו יהודים בעיר נורדלינגן. הנוצרים לקחו את הבית ריק להקים כנסייה.

בית הקברות היהודי החדש של נורדלינגן הוא מ 1877. בית העלמין יש כ 300 אבנים בקבר. שני שלישים מהם היו משוטחים על ידי הנאצים נגנב. אפשר לקוות כי האבנים הם למקומה הנכון, אבל זה לא בטוח


Der jüdische Friedhof von Nördlingen

November 8, 2010

Der jüdische Friedhof von Nördlingen mit etwa 300 Grabsteinen wurde erst spät im Jahre 1877 angelegt, nachdem wenige Jahre zuvor eine neue Gemeinde entstehen konnte, doch bereits im Mittelalter bis zur Auflösung der Gemeinde im Jahr 1506 verfügte die jüdische Gemeinde in der Reichstadt Nördlingen über drei eigene Friedhöfe. In der Zeit der Nazi-Herrschaft wurde der neue Friedhof erheblich beschädigt und selbst die Umfassungsmauer wurde teilweise abgetragen, um billiges Baumaterial daraus zu gewinnen. Auf Druck der amerikanischen Militärregierung wurden etwa 200 der Grabsteine 1947 wieder aufgestellt (am ursprünglichen Platz ?). Das frühere Tahara-Haus hingegen wurde 1978 wegen „Baufälligkeit“ abgebrochen und offenbar im Jahr darauf durch einen Gedenkstein ersetzt:

לזכרון נצח 

Den Toten zur Ehre und zum ewigen Gedenken an die juedischen Buerger aus Noerdlingen und Umgebung die in den Verfolgungsjahren 1933-1945 grausam umgekommen sind

Uns Lebenden zur Mahnung den kommenden Geschlechtern zur eindringlichen Lehre

תהא נפשם תצרורות בצרור החים 

 

Am Sockel ist nach dem Entfernen des Efeus noch zu lesen:

Errichtet im Jahre 1979 vom Landesverband der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern

Am Friedhof befindet sich die Grabstätte des Steinmetz Max (Mordechai ben Josef) Koppel (1840-1917), dessen Grabsteine sich auf jüdischen Friedhöfen überall in der Region befinden, auch in Augsburg oder Stuttgart. Er ist zusammen mit seiner Frau Peppi  Neuburger (1836-1905) bestattet. Auf dem Friedhof finden sich auch weitere Mitglieder der Koppel-Familie, wie etwa das Grab von Max‘ Sohn Emil Koppel (1872-1941).

In der Nachkriegszeit wurden hier noch David ben Natanael Ha-Levi im Januar 1963 und Sara bat Zwi im April 1971 und schließlich Samuel Levite im September 1986 bestattet.

Eine weitere schon ältere Gedenktafel erinnert noch an die lokalen Helden des ersten Weltkrieges, die als deutsche Wehrmachtssoldaten starben und fast ausschließlich den Familiennamen Bühler trugen.

לזכר עולם 

Weltkrieg 1914 – 1918

Josef Hamburger 1915

Max Bühler 1916

Jakob Bühler 1916

Alfred Bühler 1916

Heinrich Bühler 1918

Sigmund Bühler 1918

Albert Regensteiner 1918

 

Fürs Vaterland seid Ihr gestorben : Wir ehren Euch

Fürs Judentum habt Ihr erworben das Himmelreich

הצבי ישראל על-במותיך חלל 

איך נפלו גבורים

 

Das Zitat am Sockel stammt aus dem 2. Buch des Künders Samuel :

Der Hirsch Israel ist erschlagen auf deinen Höhen, wie sind die Helden gefallen

 Unser herzlicher Dank gilt Frau Sigi Atzmon aus Nördlingen, die uns kurzfristig den Besuch am Nördlinger Friedhof ermöglichen konnte.


Über die Juden von Oettingen

October 24, 2010

Der erste in Augsburg als Steuerzahler verzeichnet bekannte Jude (Jüdin) aus Oettingen, die ist die  Frau des Isaak (genannt als „Ysackin von Oettingen“), die in den Jahren 1408 bis 1415 registriert ist. Da ihr Mann Isaak zuvor nicht erscheint mit dem Ortsnamenszusatz erscheint, kann man annahmen, dass er zuvor verstorben war und seine Frau als Witwe wieder nach Augsburg zurückkehrte, von wo sie wohl stammte. Andernfalls wäre kaum zu erklären, wie sie „aus dem Nichts“ in der Reichsstadt steuerpflichtige Hausbesitzerin hätte werden können. In den Jahren 1416 bis 1417 ist sie - falls identisch - als Saerlin (Serlin), also als Sara, bzw Saerlin von Oettingen verzeichnet insofern es sich dabei nicht um ihre Tochter oder jemand anderen handelte. Danach verliert sich ihre Spur. Sie ist entweder verstorben oder weggezogen oder hat geheiratet.

townhall of Oettingen with Kings Gate

Über die Oettinger Gemeinde ist aus dieser Zeit wenig bekannt, abgesehen davon, dass auch ihr die Verfolgungsjahre 1298 und 1348 zugeschrieben werden. Schon die räumliche Nähe zur nur 15 km betont die lokale Bindung der sicher nur wenigen Juden in Oettingen. 1434 sind nur drei Steuerzahler in dem kleinen Ort verzeichnet. Da 1457 aber bereits die Judengasse erwähnt ist, dürfte es nach der Verlust der Gemeinde in Augsburg 1439 ggf. auch zu Zuzügen aus Augsburg gekommen sein (eine Reihe von Augsburger Auswanderern in die Region nach Ulm, Nördlingen, Lauingen, Burgau, Donauwörth, etc. lassen sich nachvollziehen), freilich wurde die Oettinger Gemeinde, die nun aus sechs Familien bestanden haben soll im Jahre 1488 gleichfalls aufgelöst, unter ihnen ein „Schulklopfer“, was die Existenz einer Synagoge nahelegt. Die Schwierigkeit in der Rekonstruktion der zeitlichen Abfolgen  von mutmaßlichen Vertreibungen und Wiederansiedlungen besteht nicht zuletzt auch darin, dass vorhandene Einträge oder aber auch Lücken in Steuerbüchern oft einzige Anhaltspunkte dafür sind. Freilich kann es für das Fehlen solcher Einträge auch andere Gründe geben. Urkunden können verloren gegangen sein. Die Steuer wurde aus diesem oder jenem Grund nicht erhoben oder anderswo verzeichnet, an einen Dritten abgetreten, usw. Im Jahre 1467 soll sich aber in Oettingen ein Blutwunder zugetragen haben. Im Jahr 1467 schnitt eine Magd Brotstücke für eine Suppe, und aus dem Brot quoll den Berichten gemäß Blut. Da das Geschehen am 20. Januar stattfand und seitens der Kirche dieser Tag dem heiligen Sebastian geweiht war, schlussfolgerte man, dass es sich um „Sebastiansblut“ handelte und errichtete später an Ort und Stelle eine dem Heiligen geweihte und offenbar auch sehr einträgliche Wallfahrtskirche. Wie auch immer, zur Mitte des 16. Jahrhundert sind in Oettingen auf dieser Basis wieder Juden nachweisbar. Freilich war der kleine Ort in der Folgezeit zwischen den auch religiös zerstrittenen Oettinger Herrschaftslinien (Oettingen, Spielberg, Wallerstein) aufgeteilt, was auch die Juden am Ort betraf – jedoch hatten sie gemeinsame Rabbiner (darunter Henoch Sundel und Pinchas Katzenellenbogen) – die am Ort vielleicht die Funktion eines Konflikt- und Familientherapeuten vorwegnahm.  

Um 1760 findet sich die Oettinger Synagoge mit Rabbinerwohnung in der Schaefflersgasse, direkt an der alten Stadtmauer.  Das Gebäude wurde zwar 1853 renoviert, aber bereits vier Jahre später wurde das Rabbinat von Oettingen aufgelöst  und dem in Wallerstein unterstellt. Lebten zeitweilig bis zu vierhundert Juden in Oettingen, so sorgten die  komplizierten Verhältnisse des katholisch und protestantisch geteilten Gebiets und ihrer jeweiligen Herrscher wohl auch dafür, dass Juden in andere Gebiete abwanderten. Zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts lebten noch etwa 100 Juden am seit 1806 bayerischen Ort. 1933 waren noch 66 Juden in Oettingen. Fünf Jahre später wurde die Synagoge demoliert und die Gemeinde aufgelöst. Das Gebäude existiert heute noch und ist ein privates Wohnhaus mit Arztpraxen. Erhalten ist noch ein großes rundes Fenster mit David-Stern an der Ostwand des Hauses. An der Wand des Hauseingangs befindet sich seit November 2005 ein Memorial in Form zweier drehbarer Walzen mit den Namen von 78 Juden, die bis 1942 in Oettingen lebten. Eine neue jüdische Gemeinde gibt es auch in Oettingen nicht mehr.

The first known Jew from Oettingen recorded in Augsburg as taxpayers is Sara the wife of Isaac of Oettingen in the years from 1408 to 1415 (or 1417). The medieval  history of the Jews of Oettingen however is not much known. In later times the Jews were influenced by the conflict territorial and religious dispute of the rulers of Oettingen who were divided into rivaling branches of Catholics and Lutherans, what also divided the small village of Oettingen, until in 1806 the whole territory became part of the new Bavarian kingdom.   

Also this memorial from 2005 is toying with the idea of replacing the Torah scrolls by the (revolvable) names of Holocaust vistims, as we have seen it another way inside the restored former Synagogue of Hainsfarth, in this case however within the scope or limits of artistic freedom and design.

siebenarmige Menora in Oettingen Kirche mit römischen Ziffern für die “zehn Gebote”.


Juden in Wallerstein

October 8, 2010

Wallerstein ist ein ca. 3.5 km nördlich der ehemaligen Freien Reichstadt Nördlingen gelegener Ort mit heute etwa 3500 Einwohnern, dessen früheste erhaltene urkundliche Erwähnung in das Jahr 1238 zurückreicht und im Besitz des Hauses Oettingen und schließlich Sitz des Fürstentums Oettingen-Wallerstein war, ehe Wallerstein 1806 zu Bayern kam. Das Siegel Ludwigs Graf von Oettingen aus dem Jahr 1339 ist markanter weise von einem sechszackigen David-Stern umgeben.

http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Oettinge-Siegel.png&filetimestamp=20080201211554

Ab etwa der selben Zeit sind Juden in Wallerstein nachweisbar. Zu den älteren Belegen zählen auch hier die nicht näher spezifizierten Verfolgungen der Jahren 1298 und 1348. Da es sich aber insgesamt um einen nur kleine Siedlung handelte, können auch in besseren Zeiten entsprechend auch nicht viele Juden dort gelebt haben.

Im 16. Jahrhundert freilich wirkte hier Mosche ben Abraham Ha-Levi Heller  (1520-1580) משה הלוי הלר – der Rabbiner und Richter und zeitweilig auch Reichsrabbiner war. Sein in Lublin geborener Sohn Abraham ben Mosche Ha-Levi Fraenkel Wallerstein war mit Rachel Loeb der Tochter von Jehuda Bezalel Loeb, dem Maharal von Prag verheiratet. Ihr gemeinsamer Sohn und Enkel von Mosche Heller war Rabbi Jom Tow Lipman Heller (יום-טוב ליפמן הלר) 1579 in Wallerstein geboren, bekannt für seinen ebenso umfang- wie geistreichen, ca. um 1615 vollendeten Kommentar zur Mischna „התוספות יום-טוב“ : http://hebrewbooks.org/14284.

Jom Tow gilt zurecht als einer der großen Talmudisten seiner Zeit und war unter anderem Oberrabbiner in Wien und Prag. 1629 wurde er unter dem Vorwurf, das Christentum beleidigt zu haben, verhaftet. Unter der Bedingung, dass er von seinem Amt in Prag zurücktrat und gegen die Zahlung eines erheblichen Lösegeldes in Höhe von 12.000 Gulden wurde er jedoch freigelassen.

Jom Tow Lipmans Darstellung des Jerusalemer Heiligtums nach der “Vision” des Profeten Jecheskiel (http://www.loc.gov/)

Im 17. Und 18. Jahrhundert lebten rund 200 bis 300 Juden (20 bis 40 Familien) in Wallerstein im später abgebrochenen Bereich „Judenhof“. Im Laufe des 19. Jahrhunderts hatte das Königlich-Bayerische Bezirksrabbinat Wallerstein noch regionale Bedeutung, während die Anzahl der Juden auch hier kontinuierlich zurückging von ca. 300 zu Beginn auf knappe 30 zu Ende des 19. Jahrhunderts. Zu den einflussreichen Gelehrten Wallersteins zählen auch Pinchas bar Moses ha-Kohen Katzenellenbogen und Zwi Hirsch ben Baruch Kahana Rappaport. Unklar freilich ist, ob es in Wallerstein auch eine Jeschiwa gab, was freilich angesichts der prominenten Namen unter den Rabbinern des kleinen Ortes zu vermuten ist.

1933 lebten nur noch etwa ein Dutzend Juden in Wallerstein, das bereits über keine eigene Gemeinde mehr verfügte und seit 1928 Nördlingen angegliedert war. Wenig später freilich verschwanden auch noch diese wenigen Juden aus dem Ort, in dem heute nur noch wenig an die ebenso beachtliche wie lange jüdische Geschichte erinnert und in dem es leider keine Juden – aber auch keine restaurierte Synagoge – gibt, die an die alte Tradition anknüpfen könnte.

Der jüdische Friedhof von Wallerstein soll auf das Jahr 1510 zurückgehen – was sicher im Zusammenhang mit den Juden in Nördlingen stehen wird, die zu Beginn des Jahres 1507 die Reichsstadt als festen Wohnort aufgeben mussten.  Der etwa 700 m vom östlichen Ortsrand entfernte Friedhof liegt abseits inmitten von landwirtschaftlich bearbeiteten Feldern und war im dichten Morgennebel nur mit Hilfe von ortskundigen Traktorfahrern und einem vorauseilenden Wallersteiner Feldhasen zu finden.

Von den einst 900 Grabsteinen des Friedhofs sind heute noch etwa 300 mehr oder weniger gut erhalten. Die tatsächliche Anzahl von Gräbern muss bei der langen Geschichte aber wohl beträchtlich höher gewesen sein, jedoch sind fast nur Grabsteine ab dem 19. Jahrhundert erhalten. Am meisten beachtet sind die stattlichen sog. „Rabbiner-Gräber“, eine Gruppe von fünf hohen Grabsteinen, von denen zwei den Rabbinern David Weisskopf und Marx Kohn, die drei anderen jedoch ihren  Witwen und einer Tochter Kohns gewidmet sind.

Ebenfalls hier bestattet ist der in Hainsfarth geborene unter dem Toponym Ries geborene Michael ben Menachem Reese, der in den USA ausgewandert mit Immobiliengeschäften zu Ansehen und Reichtum kam und insbesondere durch das 1880 aus Mitteln seines Nachlass (Reese starb 1877 bei einem Besuch in der alten Rieser Heimat am Friedhof) finanziert wurde. Einige Jahre zuvor, 1871 war das Hospital der Hebrew Relief Association in Chicago bei einem Großbrand zerstört worden. Das nun geschaffene neue Krankenhaus stand allen Konfessionen und Nationalitäten. Das Hospital erwarb sich in der Folgezeit einigen Ruf, u.a. verfügte es als erstes über eine Inkubator Station für Frühgeborene.

Weitere Informationen zur Geschichte des Hospitals: http://forgottenchicago.com/features/chicago-architecture/michael-reese-hospital/

Vergleichsweise monumental fiel auch das Grabmal für Reese am Friedhof von Wallerstein aus. Den Vorstellungen des bescheiden lebenden und sehr wohltätigen Verstorbenen dürfte dies aber nicht entsprochen haben.

Weitere Infos, Biographien, Namens- und Grablisten finden sich im „Harburg Project“ von Rolf Hofmann: http://www.alemannia-judaica.de/harburgproject.htm

The Jewish history of Wallerstein is rich and has the names of such considerable scholars as  Moshe ben Abraham Ha-Levi Heller  and his grandson Yom Tov, famous author of the Tosafot Yom Tov commentary on Mishna. At the Jewish cemetery of Wallerstein, established about 1510 and half a mile east of the village on farmland and under foggy conditions best locatable with the help of farmers or brown hare, there still are some 300 headstones left, most remarkable the grave markers of two 19th century Rabbis along with three of their female relatives, commonly regarded as “Rabbinergraeber”. There also is the big monument of Michael Reese from San Francisco (born in Hainsfarth) whose name once was famous for the Michael Reese Hospital in Chicago, Illinois, which was build in 1880 and knocked down in order to establish the Olympic village for Chicago’s 2016 bid – the host however will be Rio de Janeiro – with a now uncertain future.


Judengasse in Noerdlingen

May 13, 2010

Juden sind in der Stadtgeschichte von Nördlingen seit dem 13. Jahrhundert überliefert. Die tatsächliche Ansiedlung dürfte aber weit früher gewesen sein. Ende des 14. Jahrhundert ist eine “Judengasse” erfasst, wo auch die mittelalterliche Synagoge war. Wie in anderen Städten gab es auch in der Freien Reichsstadt Nördlingen Pogromme Ausweisungen, Wiederansiedlungen. Die letzte Ausweisung erfolgte 1506. Erst um 1860 entstand wieder eine neue Gemeinde. Nach einem Betsaal in derKreuzgasse wurde 1886 die stattliche Synagoge eingeweiht. Um 1900 lebten fast 500 Juden in der Stadt. Der mittelalterliche Friedhof ist längst verschwunden, der neuzeitliche 1877 entstandene hat ca. 300 Gräber. Mit der Nazi-Herrschaft fand die jüdische Gemeinde in Nördlingen ihr Ende – bis heute.

Die hebräische Inschrift lautet “schachor” also “gedenke” oder “erinnere”, darunter steht auf Deutsch:

“Zur Einnerung an die jüdischen Bürger der Stadt die hier lebten” (“In memory of the Jewish citizens of the city who lived here”) Etwas eigenartig sind jedoch die beiden bidlichen Darstellungen und Inschriften im oberen kupfernen Teil des Denkmals:

 Die eine Inschrift verkündet “Handel und Gewerbe”, die andere lautet “David preist Gott”. Ob damit wirklich “die Juden” in Noerdlingens Geschichte vollumfänglich charakterisiert werden, kann bezweifelt werden.


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