Restoration at the Augsburg Jewish Cemetery Hochfeld

April 6, 2009

Die übeffälligen Restaurationsarbeiten am Jüdischen Friedhof Hochfeld (Haunstetter Str.) haben letzten Monat begonnen. Dies betrifft insbesondere die Erweiterung der knapp werdenden Grabflächen, aber auch die Instandsetzung des in der Substanz beeinträchtigten und undichten Tahara-Hauses in der Mitte des Friedhofs. Zusätzlich fallen nun auch von mutwilligen Antisemiten eingeworfene Scheiben am Tahara-Haus an, die während des Gaza-Krieges zum Jahresbeginn mit Steinen eingeworfen wurden.

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von drei Steinen getroffenes Magen-David-Fenster

von drei Steinen getroffenes Magen-David-Fenster

 

The long overdue restoration works at the Jewish Cemetery Hochfeld (Haunstetter Str.) have started last month. This concerns in particular the expansion of the cemetery plots, but also the repair of the affected and leaky Tahara-house in the middle of the cemetery. Additionally, there are now also broken windows, thrown in with numerous stones by anti-Semites (either left- or right wing or Muslim extremists) during the war in Gaza at the beginning of 2009.


Video: Impressions from Augsburg’s Jewish Cemeteries

February 23, 2009

I will raise my head toward tomorrow

 

 


Commemoration of Augsburg Jews in 2009

January 1, 2009

Auch im Jahr 2009 jähren sich eine Reihe von Todestagen von noch bekannten Personen die auf den beiden jüdischen Friedhof in den Augsburger Stadtteilen Hochfeld und Kriegshaber bestattet wurden. Wir wollen ihnen an dieser Stelle gedenken.

 

 

Name

 

Grabplatz / gravesite

Geburtsdatum

/ Day of Birth

Todestag

/ Day of Death

 

 

 

 

Eugen Kohn

N 26 / 1

11.04.1854

05.02.1909

Elias Horn

34.01

 

02.03.1909

Irene Stein

S 11 / 2

15.08.1901

27.04.1909

Emma Bendel, g. Gunz

N 25 / 3

00.01.1848

02.05.1909

Mathilde Heymann

N 2 / 7

00.00.1852

27.05.1909

Carl Feigenbaum

N 27 / 2

08.03.1857

15.07.1909

Fanny Dick, g. Einstein

36.13

13.06.1875

12.08.1909

Simon Dick

N 1 /2b

07.09.1850

13.08.1909

Siegfried Einstoss

S 2 / 1

 

09.09.1909

Philipp Theilheimer

N 27 / 1

23.07.1853

05.10.1909

Isaak Silberschmidt

N 28 / 2

09.03.1839

19.10.1909

 

 

 

 

The two names in Italics belong to the Jewish Cemetery of Kriegshaber, all other to the Hochfeld cemetery

 

Also in 2009 a number of 100th anniversaries of death-days of still known people buried at the two existing Jewish cemeteries in the Augsburg city districts of Hochfeld and Kriegshaber.

 

We want to commemorate them here.

 

 


Gedenken an die im Ersten Weltkrieg gefallenen jüdischen Wehrmachtssoldaten aus Augsburg

November 5, 2008

 

Teil des Denkmal für die im Ersten Weltkrieg für Deutschland gefallenen jüdischen Soldaten der Wehrmacht aus Augsburg
Teil des Denkmal für die im Ersten Weltkrieg für Deutschland gefallenen jüdischen Soldaten der Wehrmacht aus Augsburg

Zum Anlass des 90. Jahrestages der Beendigung des Ersten Weltkrieges gedenken wir den für Deutschland gefallenen jüdischen Wehrmachtssoldaten aus Augsburg, denen am jüdischen Friedhof in Augsburg-Hochzoll ein Erinnerungsmal gewidmet wurde.

die Gedenktafeln mussten wir von Gestrüpp und Moos befreien, zahlreiche Buchstaben fehlen
die Gedenktafeln mussten wir von Gestrüpp und Moos befreien, zahlreiche Buchstaben fehlen

 

On the occasion of the 90th Anniversary of the end of World War One we commemorate the fallen Jewish Wehrmacht soldiers from Augsburg who died for Germany. At the  which was dedicated to the Jewish cemetery, Augsburg Hochzoll, Haunstetter Str. there is a memorial.

 

The following names are listed at the Monument:

 

Table No.  

Birth

Death

     

 

 

1 1 Fritz Bissinger

11.06.1890

05.09.1914

  2 Rudolf Bernheimer

09.05.1889

19.02.1915

  3 Leopold Klopfer

08.11.1891

11.05.1915

  4 Leopold Schwarz

18.05.1895

25.05.1915

  5 Paul Rosenstiel

10.05.1887

07.07.1915

  6 Sali Thanhauser

20.11.1880

01.08.1915

  7 Manfred Reis

22.09.1886

20.03.1916

  8 Julius Rosenberg

22.05.1884

26.04.1916

     

 

 

2 1 Siegfried Lemle

07.11.1897

10.11.1916

  2 W. Günzburger

01.03.1886

10.07.1916

  3 Moritz Schloss

29.07.1879

18.02.1917

  4 Max Rosenberg

08.05.1886

08.10.1917

  5 Siegfried Metzger

21.02.1899

14.11.1917

  6 Felix Aub

27.06.1896

23.03.1918

  7 Julius Binger

 

14.04.1918

     

 

 

3 1 Alfred Heymann

16.06.1896

31.05.1918

  2 Arthur Stein

12.03.1892

31.04.1918

  3 David Rosenau

01.10.1884

21.06.1918

  4 Ludwig Binswanger

27.08.1880

18.07.1918

  5 F. Lammfromm

26.03.1887

11.08.1918

  6 Martin Strauss

18.05.1886

07.09.1918

  7 Hugo Bein

15.10.1881

15.12.1918

     

 

 

4 1 Siegfried Lemle

07.11.1897

10.11.1916

  2 Herrmann Hanauer

28.04.1894

17.05.1916

  3 Ludwig Binswanger

27.08.1880

18.07.1918

  4 Hugo Bein

15.10.1881

15.12.1918

  5 Moritz Schloss

29.07.1879

18.02.1917

  6 Siegfried Metzger

21.02.1899

14.11.1917

    Fritz Bissinger

11.06.1890

05.09.1914

     

 

 

 

Grave 6 in row 42 of the southern part (i.e. No S 42.6 in our burial list) of the Hochfeld Cemetery in Augsburg has the following inscrition:

 

Hier ruht in Frieden

Herr Heinrich Rosenstiel

geb. am 21. Januar 1862, gest. am 8. Oktober 1914

ihm folgte in den Tod sein ältester Sohn

Paul (Rosenstiel)

geb. am 10. Mai 1887

gefallen auf dem Felde der Ehre, am 7. Juli 1915

begraben zu Novéant-Corny

 

קובץ:1920 poster 12000 Jewish soldiers KIA for the fatherland.jpg

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 (wikipedia) כרזה של הברית כנגד האנטישמיות


Friedhof Haunstetter Straße

October 19, 2007

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Jüdischer Friedhof Haunstetter Straße

July 18, 2007

Insgesamt haben wir nach aktuellem Stand (15. Juli 2007) 968 ausgewiesene Gräber (Grabstein oder zumindest noch Sockel ist erhalten) erfasst, wobei sich speziell im Eingangsbereich der Ostseite eine Reihe verwaister ehemaliger Gräber befinden, deren Steine offensichtlich zerstört wurden. Hierbei handelt es sich mutmaßlich vor allem um Kindergräber. Sie wurden nicht mitberechnet. 

 

Die Anlage misst in genauer Ost-West-Ausrichtung auf der südlichen Seite 218 m und auf der nördlichen 215 m. Die Ostseite misst 48m, das noch nicht belegte Westende mit Zugang zum „Alten Postweg“ 36 m. Der Friedhof ist durch einen durchgehenden Weg von Ost nach West in zwei Hälften unterteilt. In etwa der Mitte des Durchgangswegs befindet sich die Aussegnungshalle, im hinteren Teil am Westende ein großer siebenarmiger Leuchter aus Stein, der zugleich auch Wasserspender ist.  

 

An der Südseite, die jenseits der Mauer an die Berufsschule angrenzt, befinden sich an deren Wesende neuere Gräber jüdischer Frauen, meist russsicher Herkunft. Ihnen gegenüber finden sich Begräbnisstätten russischer männlicher Juden. Diese strikte Trennung wird freilich nur im neueren westlichen Teil des Friedhofs eingehalten, wenngleich auch nicht strikt. In den älteren Teilen finden sich Männer und Frauen gemischt, häufiger auch in gemeinsamen Gräbern von Ehepaaren, manches auch mit deren Kindern. 

 

Für die Aufschlüsselung der nicht immer parallel verlaufenden Reihen in der Süd- und Nordhälfte werten wir die Reihen einzeln als S = Süd und N = Nord. Die Südhälfte verfügt über 62 Grabsteinreihen, die Nordhälfte über 58 Reihen. Jede Reihe verfügt zwischen 2 und maximal 15 Grabsteine, im Durchschnitt also etwa 8. Zusätzlich befindet sich etwa in der Mitte an der südlichen Mauerseite ein Ehrenmahl der früheren Gemeinde für die gefallenen Soldaten des Ersten Weltkriegs. Hier wird mit drei eingelassenen Tafeln insgesamt 24 Soldaten gedacht. Zu Füßen der Gedenktafeln befinden sich zusätzlich noch sechs kleine Grabsteine, für weitere gefalle, offenbar tatsächlich vor Ort bestattete Soldaten, deren Anzahl nicht ermitteln lassen, da größere Teile der Inschriften von Moos überwuchert und somit unleserlich sind. Im Südteil nun befinden sich insgesamt 504, im gegenüberliegenden Nordteil 464 Gräber. 

 

Stilistisch unterscheiden sich die Grabsteine sehr auffällig. Während im älteren Ostteil (meist um 1900 – 1920), vor allem teilweise erheblich verwitterte aber auch mutwillig zerstörte Kalksteine finden wird der moderne Westen (etwa ab 1990) von neuen hochglänzenden Marmor dominiert. Im Mittelteil findet man freilich den größeren Variantenreichtum, vor allem aus der Zeit zwischen 1910 – 1930, mit zahlreichen individuellen Monumenten, teilweise aus Marmor, die auch Gestalt von Obelisken annehmen können. Abgebrochene Säulen etwa symbolisieren, dass die Verstorbenen zu früh in einem noch recht jungen Alter aus dem Leben schieden. 

 

 Die Inschriften erfolgten fast überwiegend in deutscher Sprache, meist begleitet von gängigen hebräischen Kürzeln wie פנ für po nikbar (hier ist begraben) oder תנצבה für tehi nischmato zrura bizror hachajim was eine Wendung aus dem ersten Buch Samuel wiedergibt und in etwa bedeutet: „seine Seele sei umhüllt im Bund des Lebens“. Öfter sind Kannen auf Gräbern zu finden, was eine levitische Abkunft des Toten bezeugt, seltener hingegen finden sich segnende Hände als Hinweis auf einen Kohen.  

 

Bestattet ist hier auch eine Reihe prominenter Personen, wie etwa Dr. Richard Grünfeld (1863 – 1931), (Grab S 31.3) Rabbiner in Augsburg von 1910-1929 und sein Vorgänger (Grab S 27.1) Dr. Heinrich Gross (1835 – 1910), beide mit ihren Frauen, die berühmte Kaufmannsfamilie Landauer, diverse Bankiers und sogar ein US-amerikanischer Konsul aus der Zeit vor den beiden Weltkriegen. 

 

Viele der älteren Grabsteine befinden sich freilich in einen kläglichen Zustand und bedürften dringend der Sanierung und Dokumentation, sollen sie auch weiterhin Zeugnis ablegen können über rund ein Jahrhundert jüdischen Lebens in Augsburg. Dies wird umso dringlicher, als der Friedhof in absehbarer Zeit seine Kapazitäten ausgeschöpft haben wird.

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Die Geschichte der Juden in Augsburg

November 2, 2006
Jewish Seal of Augsburg year 1298

Jewish Seal of Augsburg year 1298

 

In wohl keinem anderen Land der Welt – mit Ausnahme Israels – finden sich so viele Zeugnisse alter jüdischer Geschichte wie in Deutschland.[1] Synagogen, Bäder, Friedhöfe, Viertel, Plätze, Strassen, Häuser, Inschriften und Namen zeugen von einem weit mehr als tausendjährigen, wechselvollen, oft dramatischen Leben „in deutschen Landen“. Wenngleich die frühesten erhaltenen Dokumente die Existenz einer jüdischen Gemeinde schon in der alten Römerstadt Köln bereits für das Jahr 321 gesichert voraussetzen,[2] umspannt die historisch greifbare Epoche jüdischen Lebens in Deutschland im wesentlichen den Zeitraum von den ersten Kreuzzügen bis zu Güterzügen der Nazis. Dies ist nicht weiter verwunderlich, denn die Quellenlage der allgemeinen Geschichtsschreibung im ersten Jahrtausend in Deutschland ist zwar reicher an der Vielzahl von Legenden und Zuschreibungen, aber keineswegs besser dokumentiert.[3]

 

Wenngleich sehr viele Monumente den Stürmen der Jahrhunderte getrotzt haben, wurde doch auch sehr vieles, sicher das meiste, zerstört, sehr oft mutwillig und gar nicht selten unnachgiebig und viele Spuren und Erinnerungen, die vorsätzlich getilgt werden wollten, sind deshalb auch im gewissen Rahmen „unterirdisch“, weil mit bloßen Auge nicht zu sehen – aber, in Dokumenten und Überlieferungen erfassbar, trotzdem spürbar und präsent.

 

In eben diesen allgemein gültigen Rahmen ereilen uns so auch im frühen 13. Jahrhundert die ersten erhaltenen Nachrichten über Juden in Augsburg. Diese um 1210 erste nachweisbare jüdische Gemeinde, über deren Anbeginn wir keine Nachricht haben, findet mit den Ausschreitungen vom November 1348 ihr jähes Ende, nur um aus den wenigen Überlebenden rund sieben Jahre später den Grundstock für eine zweite Gemeinde zu bilden, die nach dem Abzug der Juden 1440 für 363 Jahre die letzte Gemeinde der Stadt war.

 

Die jüdischen Gemeinden in Augsburg zeichneten sich durch einige Besonderheiten aus, die im zeitlichen Kontext auf einen durchaus bemerkenswerten Status in der Reichsstadt schließen lassen. Anders als vielerorts üblich, gab es in Augsburg etwa kein abgeschlossenes Ghetto, sondern verschiedene Judenviertel, die teilweise auch von Christen bewohnt waren, während zugleich einzelne Juden auch außerhalb im ganzen Stadtgebiet wohnten. Darüber hinaus waren christliche Bedienstete – in vielen anderen Städten undenkbar – in jüdischen Haushalten durchaus keine Ausnahme. Das ging soweit, dass städtische Urkunden ausdrücklich betonten, dass jene Bediensteten anders als andere Christen, das jüdische Bad benutzen durften. Für andere Christen stand dies unter Strafe und wurde mit einem ansehnlichen Bußgeld belegt. Bis zum Jahr 1348 machten die sonst üblichen Verfolgungen der Juden um Augsburg einen gewissen Bogen,[4] was besonders augenfällig zur Zeit der sog. Rindtfleisch-Verfolgung 1298 ins Auge sticht, als in Süddeutschland 146 jüdische Gemeinden zerstört wurden, die Augsburger Gemeinde aber verschont blieb und stattdessen – aus Dankbarkeit? – einen Teil der nordwestlichen Stadtmauer auf eigene Kosten baute, besiegelt als “chetam/chotam kahal ogspurk”.

 

Im mittelalterlichen Augsburg gab es zwei, drei verschiedene Judensiedlungen, die teilweise auch parallel bestanden. Die ältere, obere Siedlung mit dem Zentrum Judengasse (heute Karlstraße) grenzte direkt an den Königshof südlich der Domstadt und lag inmitten eines Gewerbegebietes mit Schmieden, Gerbern und Händlern (woran noch heutige Straßennamen erinnern (Schmiedberg, Obstmarkt, der damals freilich Forchenmarkt hieß, Kesselmarkt, Hafnerberg, Weißfärbergasse). Hier standen die Synagoge, das Gemeindehaus und das Tanzhaus der Judengemeinde. Auch nach 1355 siedelten die Juden dort wieder.

 

Das zweite, untere Judenviertel bestand unterhalb des Rathauses in einem maßgeblich von Kleingewerbetreibenden geprägten Viertel am östlichen Hang der städtischen Hochterasse zwischen Rathaus und Judenberg. Ein drittes, vermutlich vormaliges Viertel bestand in der schon im 14. Jahrhundert abgerissenen Vorstadt Wagenhals beim Vogeltor im Südosten der Altstadt. Wie über die Vorstadt selbst sind nur noch wenige spärliche Nachrichten und Hinweise über die Juden dort erhalten geblieben. Sehr wahrscheinlich erklärt sich damit aber die Zuschreibung des nahe gelegenen Rabenbads als „Rabbinerbad“.  

 

Gleichwohl in der Zeit zwischen Mittelalter und Neuzeit immer wieder einzelne, herausragende Juden in der Stadt lebten und in der Umgebung lebende Händler, usw. immer in der Stadt präsent blieben, verlagerte sich vieles in örtliche Randgemeinden wie Kriegshaber oder Pfersee. Letzteres wurde unter dem Einfluss der Ulmo gar Sitz des schwäbischen Judentums, beheimatete anstelle Augsburgs eine größere Anzahl berühmter chassidischer Gelehrter und Autoren (wie etwa R. Isak Etthausen oder R. Jehuda Löw Oppenheim) und Handelsfamilien und erlangte ob seiner als Pferseer Handschrift bezeichneten vollständigen Talmudausgabe aus dem Jahre 1390 Weltruhm. Die Verbindungen der Rabbiner und Gelehrten aus Pfersee und Kriegshaber waren sehr vielschichtig und so wundert es nicht, dass sie ihre Töchter und Söhne mit prominenten Rabbinern und deren Kindern in ganz Europa verheirateten. Ein berühmtes Beispiel dafür wäre etwa Rabbi Elieser, der als Sohn Rabbi Schimon Ulmo aus Ginzburg immerhin die Tochter des weltberühmten Krakauer Gelehrten Mosche Isserles, dem Verfasser der mapah zum schulchan aruch Josef Karos ehelichte. Beide wanderten bereits in dieser frühen Zeit nach Eretz Israel aus und zeigten sich – keineswegs als einzige als frühe chowewej zion, als Zionsliebhaber, wie man die religiös motivierten Vorzionisten nennt. Aus Israel hingegen kamen zahlreiche Gelehrte nach Pfersee, um die berühmte Talmudhandschrift zu studieren, unter ihnen 1754 auch Chida, der weit gereiste schaliach   Rabbi Chaim Joseph David ben Isaac Zerachia Azulai (1724 – 1807).

 

In der Stadt an Lech und Wertach selbst hingegen dauerte es doch recht lange, bis eine dritte Gemeinde zustande kam. Erst im Jahr 1803 kurz bevor Augsburg im Zuge der Napoleonischen Kriege an Bayern gelangte, damit aufhörte eine „Freie Reichsstadt“ zu sein und ihre Festungseigenschaft verlor, wirkte letzteres sich auch in einem bestimmten Sinne für die Juden der Umgebung aus, die nun wieder eine Gemeinde in der Stadt bilden konnten. Diese bestand sodann bis in die Nazi-Zeit. Seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts war die jüdische Gemeinde wieder fester Bestandteil der Augsburger Bevölkerung. Als Lehrer, Ärzte und Rechtsanwälte leisteten die Juden auch ihren Beitrag zum sozialen, politischen und geistigen Leben der Stadt. Ihr erstes Gemeindezentrum hatten sie in einem Wohnhaus am Obstmarkt, gegenüber der mittelalterlichen Judensiedlung, ehe es gegen Mitte des 19. Jahrhunderts verlegt wurde in die Wintergasse, wo ein umgebautes Wohnhaus die Synagoge bildete, bis schließlich die Gemeindemitglieder zu zahlreich wurden und nach langer Planung und Bauzeit 1917 die auch heute wieder benutzte Synagoge in der Halderstraße eingeweiht werden konnte. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten zwangen zunehmende Diskriminierung und wirtschaftlicher Druck hier immer mehr Gemeindemitglieder zu Emigration oder Flucht. Mehr als 1000 Juden aus Augsburg und Umgebung kamen als Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung ums Leben. Doch schon rasch nach 1945 gründete sich mehrheitlich aus Zuwanderern aus Osteuropa eine neue, soz. die vierte jüdische Gemeinde der Stadt, die seit den Neunziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts durch jüdische Kontingentflüchtlinge aus der ehemaligen Sowjetunion erheblich verstärkt wurde und nach langen Jahrzehnten auch wieder über eigene Rabbiner verfügt.

 

Hier nun soll anhand der dokumentieren Stadtgeschichte – zu der Dank der Eingemeindungen auch inzwischen die Ereignisse aus einstigen selbstständigen Vororten gehören – und erhaltenen Spuren in Form von Einzelbetrachtungen ein Abriss der langen und wechselvollen jüdischen Geschichte der Stadt geboten werden – wissend, dass das Ganze immer mehr ergibt als die Summe seiner Teile – um einen kleinen Eindruck darüber zu vermitteln, wer diese Juden in Augsburgs Geschichte waren, wie sie gelebt haben und wie trotz aller Verfolgungen doch immer wieder den Mut schöpften, sich in der Stadt niederzulassen und zu ihrem Wohlstand und Fortschritt ihren Beitrag zu leisten.

 Die wechselvolle, aber spannende Geschichte der Juden in Augsburg und Umgebung ist ein kleiner und nicht der kleinste Teil der Geschichte des jüdischen Volkes. Unsere Arbeit ist ihrem Gedächtnis und den Nachkommenden zum Vermächtnis gewidmet.


[1] Hirsch – Lopez – Reiseführer durch das jüdische Deutschland, Kovar, München 1995, S.10
[2] Dies geht aus der (in einer Abschrift aus dem 10. Jahrhundert im Vatikan erhaltenen) Urkunde vom 11. Dezember 321 n. a. Z. hervor, in welcher der römische Kaiser Konstantin seine Statthalter in Köln auffordert, die Juden an den öffentlichen Arbeiten des Gemeinwesens zu beteiligen. Im Jahr 2001 war die Urkunde Auftakt der Ausstellung „Entdeckungsreise durch zwei Jahrtausende deutsch-jüdischer Geschichte“ im Jüdischen Museum in Berlin. Der lateinische Text aus dem sog. „Codex Theodosianus“ lautet: Idem a. decurionibus agrippiniensibus. cunctis ordinibus generali lege concedimus iudaeos vocari ad curiam. verum ut aliquid ipsis ad solacium pristinae observationis relinquatur, binos vel ternos privilegio perpeti patimur nullis nominationibus occupari. dat. iii id. dec. crispo ii et constantino ii cc. conss.” (C. Th. 16.8.3) 
[3] Der Übergang von lateinischer zu deutscher Beurkundung vollzog sich langwierig und schwankend zwischen dem 12. und 14. Jahrhundert und diente vormals meist nur kirchlichen Zwecken.
[4] Zumindest lässt sich das für die Zeit ab dem 13. Jahrhundert sagen, die Geschichte davor liegt fast völlig im Dunklen. Andeutungen lassen jedoch den Schluss zu, dass es früher zu Ausschreitungen gegen Juden gekommen war.