Burgau revisited

April 19, 2012

Burgau und die nach ihm benannte Markgrafschaft im heutigen bayerischen Schwaben war von etwa von 1300 bis 1800 für ein halbes Jahrtausend österreichisches Gebiet. Wenngleich nicht immer ein zusammenhängendes Territorium und zeitweilig eher eine Art Fleckenteppich, war es doch ein politisch und kulturell zusammenhängendes und funktionierendes Teil der österreichischen Monarchie.

Der Name Burgau wird wohl treffend als Burg-Au gedeutet, denn um die Mitte des 12. Jahrhunderts werden in Augsburg erstmals „Herren von Burgau“ erwähnt. Im Jahre 1212 werden deren Nachkommen zu Markgrafen ernannt und in der Folge orientierten sich die Burgauer wohl bereits an den Habsburgern, die bald versuchten die schwäbischen Gebiete für ihr Reich zu sichern.

Als 1324 zur erfolglosen Belagerung durch Soldaten des Wittelsbacher Kaisers Ludwig Bayer. 1418 verhinderten Augsburg und Ulm einen Verkauf der Gebiete an Bayern, da man in den Reichsstädten um die eigene Unabhängigkeit fürchtete und deshalb – später auch unter dem Einfluss der Fugger – eher den Vorderösterreichern zugeneigt war.

Mit dem 30jährigen Krieg endete die Herrschaft in Burgau, dessen letzter Markgraf Karl 1618 verstarb. Als Sohn Erzherzog Ferdinands von Österreich und der nicht standesgemäßen Augsburger Kaufmannstochter Philippine Welser (1527-1580) war Karl nicht voll erbberechtigt. Der Markgraf und seine Frau waren bei ihren Untertanen nur mäßig beliebt, da sie ihre beargwöhnte Verbindung mit religiösem Eifer kompensieren wollten. 1516 führte dies zu einem Bierverbot in Burgau und im Jahr darauf zur Ausweisung der Juden (unter den auch Brauer waren). 1518 starb er sodann und wurde hernach in Günzburg bestattet, wo er ziemlich verschwenderisch mit seiner Frau gelebt hatte. Die Markgrafschaft wurde sodann von den Habsburgern in Tirol regiert und von ihnen in Günzburg ein Landvogt eingesetzt. Um 1805 gingen die Gebiete der vorderösterreichischen Markgrafschaft Burgau an Bayern. Heute hat Burgau etwa 9000 Einwohner, wovon 7000 am Ort selbst leben, der natürlich über die mittelalterliche Stadt hinausreicht. Seit einigen Jahren ist die Bevölkerungszahl rückläufig.

Altes Rathaus von Burgau

Die jüdische Geschichte in Burgau ist in erster Linie mit Schimon ben Elieser Ulmo (1506-1585) verknüpft, der in Günzburg geboren wurde, in Burgau aufwuchs, dort Rabbiner und Leiter eines talmudischen Lehrhauses war und nach seinem Tod auch begraben wurde. Er war ein großer namhafter Gelehrter, kaiserlicher Hoffaktor, ein großer Mäzen und Autor gelehriger Bücher in taitscher Sprache. Sein Vorfahr Falk Lemlin (1390-1465) hatte 1438 Augsburg verlassen müssen und ging nach Ulm. Der Lehrer seiner Kindheit in Burgau war Rabbi Jona, der Sohn von Jakob ben Jehuda Weil, der letzte überregional bedeutsame Gelehrte  Augsburgs, der die Stadt 1438 als einer der ersten verließ und schließlich nach Erfurt ging. Auf seinen Schriften fussen die heutigen Verodnungen der Schechita.

 

Ausschnitt aus Simon Ulmo’s taitscher Erklärung hebräischer und aramäischer Redensarten aus Mischna und Talmud

 

Aus dem Jahr 1470 ist in einer Urkunde in Graz Salomon von Burgau mit weiteren Juden von Ulm wegen Geldleihen an einen christlichen Kleriker erwähnt, wobei es sich wohl um einen Verwandten Simons handelt. 1587 verfügt die Markgrafschaft, dass Juden den Christen rechtlich gleichgestellt seien. 1593 erhält Lemle von Burgau (ein Sohn von Simon) von Freiherr Ferdinand von Grafeneck das Schloss und Dorf Hasenweiler bei Ravensburg, da dieser eine Schuld über 3500 Gulden nicht bezahlen konnte. Es folgten jedoch über Jahre andauernde Rechtstreitigkeiten, ehe Dorf und Schloss für 16.000 Gulden an das Kloster Weingarten verkauft und Lemle ausbezahlt wurde.

Ende Dezember 1596 klagten christliche Bewohner in Burgau über die Burgauer Juden, da diese wegen ihrer Feiertage keine Rücksicht auf die christlichen Feiertage nehmen würden und zudem offenbar auch verlangten, dass ihre christlichen Bediensteten an diesen Tagen für sie arbeiteten. Dies wurde am Ort wohl als Verspottung der „wahren“ christlichen Religion durch die „verdammten“ Juden aufgefasst. Als Rabbiner in jener Zeit ist in den Raittungen (Rechnungen) von Burgau „Leo Jude, Lehrmeister“ notiert. Gemeint ist Jehuda Schmuel (1538-1604), Sohn des Simon Ulmo-Günzburg, der mit Frau und Sohn verschiedentlich genannt wird, 1599 etwa „Leo Jud, Lehrmaister und sein Sohn Itzig Jud der Jung Lehrmaister und Schulklopfer“. 1602 heißt es statt „Leo“ (sowohl Lew als auch Leo dienten häufiger als Umschreibungen des Namens Juda) nun „Leb, Itzig Jude, Lehrmaister und sein Mueter“. Itzig kennen wir aus hebräischen Quellen als Itzchak ben Jehuda Schmuel Ulmo (1570-1618) . Seine Frau wird in der Liste ab 1619 folgerichtig als „Itzig Jüdin, Lehrmaisters Witib“, also als Witwe des Lehrmeisters Isaak verzeichnet.

Im Jahr 1617 veranlassten Markgraf Karl und seine fromme Frau Philippine aus dem Haus der Augsburger Patrizier Welser, das im Jahr 1614 seinen „Falliment“ erklärte, d.h. pleite war , die „Ausschaffung“ der Juden aus Burgau. Ob es wirklich zum Weggang der Juden führte ist unklar. Möglicherweise verließen die Burgauer Juden, die gerade den frühen Tod ihres Rabbiners zu beklagen hatten, den Ort unterhalb der Burg tatsächlich kurzfristig, um vielleicht in Scheppach oder Günzburg Unterschlupf zu finden. Spätestens nach dem Tod des letzten Markgrafen kehrten sie jedoch wieder zurück, weshalb wir ab 1619 sodann auch die Witwe des Rabbiners als Steuerzahlerin finden. Von 1622 bis 1631 wirkte sodann David, der Sohn des Isaak als Rabbiner, dessen Bruder Abraham siedelte sich in Pfersee an. Eine Rechnung aus selber Zeit über verlangte Abgaben für Stadtwächter aber auch für Kriegskosten an die Burgauer Juden in Höhe von stattlichen 200 Gulden. 1611 belief sich die jährliche Höhe der jüdischen „Sitzgelder“ auf rund 185 Gulden. Die Wächter wurden offenbar auch zur Abwehr der Infektion benötigt, an der viele Einwohner erkrankt waren und starben. Die Pest wird häufig als Argument gebraucht, um die Ausweisung der Juden aus Burgau zu begründen, doch wurde diese bereits 1617 angeordnet und bleib offensichtlich folgenlos. Als 1631 aber bereits schwedische Truppen immer tiefer nach Deutschland vordringen klagen nun die Juden in Burgau in Augsburg gegen den Burgauer Stadtprediger Kaspar, da dieser einigen Aufruhr erhebt, vor der Synagoge und dem Lehrhaus randaliert und Verleumdungen verbreitet oder auswärtigen jüdischen Händlern nachgeht und gegen sie mitunter handgreiflich wird. Einen Juden aus Steppach, wo wie in Pfersee Söhne und Enkel der Ulmo vor Jahrzehnten ausgesiedelt waren, habe er so mit einem Stecken angegriffen, usw. Mit dem weiteren Vormarsch der Schweden hatten Burgau wie auch der Dorfprediger im Folgejahr jedoch ganz andere Sorgen. Auch die jüdische Geschichte in Burgau endet mit den weitgehenden Zerstörung des Ortes.

Doch aus dem Jahr 1653 ist in Burgau der Jude Josef notiert, der gegen Wilhelm Konrad Schenck von Stauffenberg klagt, da dieser offenbar seine Schulden nicht bezahlen konnte. Da er als Josef von Burgau bezeichnet wird, ist anzunehmen, dass er tatsächlich am Ort lebte. 1665 wird über die Wiederansiedlung von Juden in Burgau verhandelt. Die Rede ist „wie von alters her“ von acht oder neun Familien. Christliche Prediger vor Ort sind anderer Ansicht und sprechen davon, dass sie „solches Ungeziefer“ nicht wieder haben wollten. Offenbar wurde dem Begehren zumindest einiger Juden trotzdem nachgegeben, da sich im Dezember 1668 der aus Pfersee stammende Jude Hertzog  in Burgau meldet und darauf hinweist, dass vor dem großen Krieg (wohl 1631) sein Großvater die Judenschule „auf eigene Kosten und zur Ehre Gottes und ihm zu Nutze und Heil habe erbauen lassen“, weshalb er nun darum bat, dass man ihn nun doch bitte nicht abweisen möge deswegen. Es ist zu vermuten, dass es sich bei jenem Hertzog (oder Hitzig) um Isaak, den Sohn des letzten Rabbiners David Ulmo handelte. Ob es ihm gelang das Gebäude in der heutigen Stadtstraße, dass den Krieg wohl wenigstens teilweise überstanden haben muss, wieder erlangte ist nicht bekannt, muss aber bezweifelt werden, da es in der Folgezeit nur noch spärliche einzelnen Nachrichten über Juden in Burgau gibt. Dabei handelt es sich in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts lediglich um Bestimmungen für auswärtige jüdische Händler, die an jenen Tagen und Stunden am Markt sein dürfen.

Die vielleicht größte Anzahl von Burgau folgte dann aber wohl erst rund 275 Jahre nach dem Ersuchen von Isak Ulmo aus Steppach, als nämlich von 1944 bis 1945 für die Dauer etwa eines Jahres in Burgau ein Arbeitslager errichtet wurde, in welchem jüdische Zwangsarbeiter, die aus Osteuropa verschleppt wurden (während im Gegenzug schwäbische Juden nach Polen deportierte) für Messerschmidt im sog. „Kuno Werk“ im Scheppacher Forst Düsenjets montieren sollten. Insgesamt etwa 1100 Gefangene wurden dort unter schlechtesten Bedingungen zur Zwangsarbeit genötigt. Über die Anzahl der Toten gibt es keine Zahlen, jedoch wurde in einem Pressebericht anlässlich der Errichtung eines Gedenksteins vor einem Jahr, die Zahl von 18 namentlich bekannten Toten erwähnt. Diese sind in der Inschrift nicht aufgeführt, stattdessen ein deutsches Zitat aus dem Buch Hiob:

Wenn ich daran denke, erschrecke ich und mein Zittern ergreift meinen Leib

Und darunter: „Zum Gedenken an die Verfolgten der NS-Herrschaft. Ihr Leiden und Sterben sei uns Mahnung zu Toleranz und Menschlichkeit. Dieser Stein erinnert an diejenigen, die im Burgauer KZ-Außenlager gelitten haben.“

Dass es sich bei den Gefangenen um Juden handelte, war den Verfassern so wenig Notiz wert, wie auch sonst in Burgau eigentlich nichts mehr an die lange über zweihundertjährige jüdische Geschichte erinnert.

Am 23. April 1945 bombardierten US-Flieger siebzig startklare Messerschmitt Jets und das Werk entlang der heutigen Karlsbader Str. im Süden der Stadt. Im Norden hingegen befindet sich der jüdische Friedhof von Burgau, nördlich der Eichenstraße. Grabsteine sind keine mehr erhalten und der Platz selbst längst nicht mehr ummauert. Die Flächen werden landwirtschaftlich genutzt.

* * *

Burgau today is a small town with some 9000 inhabitants but it has a rich history with a number of quite interesting Jewish aspects. For the period of a half millennium Burgau was capital and eponymous for the Austrian forelands of Margravate Burgau which reached from Ulm to Augsburg.

Simon ben Elieser Ulmo Günzburg (1506-1585) one of the most important scholars of his times lived in Burgau where he was a rabbi and head of a prominent yeshiva. His Jewish-German collections of sayings of course were inspired by the language of the region. Until 1631 there was a Jewish community in Burgau, which also had an own cemetery. The year after the Thirty years War (1618-1648) afflicted the town and region. In the following decades and century there are only scarce notes on Jews in the town. About 1668 Isaac from Pfersee, offspring of the former Burgau builder of the new synagogue for a last time tried to return to the heritage, but obviously failed. Christian preachers had warned against “such vermins”.

275 years alter however, when Burgau had some 3000 inhabitants in the south of the town there was the Burgau satellite concentration camp “Kuno Werke” with some 1100 Jewish prisoners abducted in Hungary and Poland, who were forced to assemble Messerschmitt jet fighters. The number of victims is not known, but last April a monument with a quote from the Book of Job was erected in order to commemorate this part of the past. However nothing reminds of the history of the almost three centuries long Jewish community of Burgau. The old Jewish cemetery north of Burgau’s Eichenstr. has no markers left and no fence or wall. It just is an arable field, dugged up for generations.

The (hand)writing on the pavement cobble says that “Burgau is older than Munich“, whatever this information does amount to. Actually Burgau is first mentioned in an Augsburg deed in 1147, Munich in 1158 (“Augsburger Schied”)

כבש הזהב של בורגאו


Der falsche Prophet von Günzburg

December 19, 2011

In seinem 1713 bei Lublin gedruckten Fragen-und-Antworten – Buch אור של תקווה zitiert R. Menachem ben Naftali Hirsch eine lange zurückreichende Anekdote aus der Zeit um Jahr 5290 (= ca. 1530), als in Günzburg ein wahrscheinlich protestantischer Prediger auftauchte und die Juden davon überzeugen wollte, dass die „neuen Christen“ sich mit den Juden versöhnen wollten, sobald die Muslime die falschen (oder: leeren) Christen und den Papst beseitigen würden. Zitiert ist die Antwort von Jona bar Jakow Weil, dem Nachkommen des letzten mittelalterlichen Rabbiners in Augsburg und damaligen Rabbiners von Günzburg, Er antwortet etwas ironisch, dass man doch erst einmal die nächsten dreißig Jahre abwarten soll, um zu sehen, ob davon auch wirklich etwas eintreffen werde. Tatsächlich wurde der Künder seitens der Regierung aber bereits schon nach nicht mal dreißig Tagen gehängt.

Die grundlegende Frage, die der Verfasser, mit diesem und einer Zahl weiterer zitierter Geschichten beantwortete war jene, ob den Versprechungen Fremder zu trauen ist, Juden zu retten. Das Fazit lautet, dass nur das Vertrauen auf den Einen Gott verlässlich ist, falsche Propheten jedoch ganz wie Rambam es sagt, nicht zur Tora hin, sondern immer von ihr wegführen wollten.

Um das Jahr 5290 (על שנת רצ) kam ein neuer christlicher Botschafter (שליח נוצרי חדשה) nach Ginzburg und Leipheim. Er besuchte die Synagoge und sagte uns, dass die Muslimim (שהמוסלמים) bald kommen, um die Juden zu retten aus der Unterdrückung der falschen Christen (נוצרים שווא). Die Leute Mohameds kämen nach Rom um den Papst zu töten und gleich danach blieben nur noch wahre Christen und die Juden übrig. Nun kommt Jesus der Messias um alle als seine Leute zu versammeln und alle werden Brüder sein.

Morenu Jona bar Jaakow Weil sagte ihm, es wäre gut, erst mal die kommenden dreißig Jahre abzuwarten, ob etwas wie dieses geschehe. Er sagte ihm auch, dass er davon hörte, dass die Muslimim auch viele Juden getötet haben. Noch nicht mal dreißig Tage nach diesem wurde der Botschafter seitens der Regierung gehängt. So ist die Erkenntnis daraus, dass man sich nicht stützen soll auf einen falschen Propheten, sondern nur auf den einen Gott.

Die Hoffnung, dass die Muslime Rom erobern, den Papst töten und das “falsche Christentum” abschafften, ist etwas eigenartig, aber wohl nur im zeitlichen Kontext zu verstehen. Interessant ist der Hinweis auf Juden in Leipheim, die der allgemeinen Ansicht nach aber bereits im Jahr 1503 von dort ausgewiesen worden sein sollen.

According to an anecdote by Rabbi Menachem Hirsch, about the year 1530 a “new Christian messenger”  had come to Guenzburg and Leipheim in order to persuade the local Jews of the arrival of the Muslims in Rome who would kill the pope there and extinguish the fallacious Christianity which suppresses the Jews. Only true Christians and the Jews would survive and when Jesus arrived they would live in harmony as brothers.

The Guenzburg Rabbi Yona Weil, himself an offspring of Yakob Weil, last rabbi of medieval Augsburg, replied that one at first should wait some thirty years and see if something of the prophecy will take place. But he also pointed out that he heard that the Muslim also had killed a number of Jews. However not even thirty days later, the new (likely Protestant) preacher was hung by the government.

The anecdote among others was told in order to give an answer to the raised question whether promises of gentiles to save or to rescue Jews are trustworthy. The conclusion of the author of course is no other that only the One God is trustworthy and that all false prophets or preachers and reformers just lead astray from the Tora.

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Juden in Günzburg

December 18, 2011

Über die jüdische Geschichte Günzburgs ließe sich – und lässt sich – einiges erzählen, verknüpft sich mit dem Ortsnamen doch bereits eine in vielen Varianten bezeugter Bezug von Juden in aller Welt, deren Familiennamen Günzburg, Ginzburg, Ginsburg, Ginsberg, Gainsbourg oder wie sonst noch geschrieben werden.

Nach allgemeiner Auffassung steht die Ansiedlung der Juden in Günzburg mit der Vertreibung von Ulm aus dem Jahre 1499 (1503 sodann aus Laupheim) in Verbindung, was eine frühere Anwesenheit nicht zwangsläufig ausschließt.  

Der wohl bekannteste Günzburger wurde bald am Ort geboren: Schimon ben Elieser Ulmo-Günzburg (1506-1585), auch bekannt als Seligmann Ginzburg und als Stammvater der weltweit verstreuten Ulmo und Günzburg Familie (nicht alle Träger des Namens sind jedoch zwangsläufig Verwandte, während viele tatsächliche inzwischen andere Namen haben). Er wurde wohl in der Judengasse, der heutigen Münzgasse / Eisenhausgasse geboren und wuchs in Günzburg als nachkomme Augsburger und Ulmer Juden auf. Später erbaute er im benachbarten Burgau die Synagoge und stiftete der jüdischen Gemeinde einen Friedhof. Sein Reichtum war legendär und so dürfte er auch in Günzburg entsprechend wohltätig gewirkt haben, wie dies auch sonst von ihm bezeugt ist. Einige seiner Söhne und Töchter gingen nach Frankfurt am Main, andere jedoch nach Pfersee an der Wertach, wo sie bald zu den Führern der drei Fagasch-Gemeinden gehörten, womit sich der Kreis sodann auch wieder schließt.

Wo sich an der Judengasse in früheren Zeiten wohl die Synagoge befand steht heute ein Bankhaus und davor der „Schweinchen-Brunnen“ eine moderne Skulptur, die einen Schweinhirten und ein paar Schweine zeigt, die dort seit 1990 Halt machen, was niemanden stören muss, freilich aber auch nicht alle Aspekte der Ortsgeschichte angemessen reflektiert, oder vielleicht auch doch.

Ein dazu zitierter Vers jedenfalls sagt:

„Seit 1990 schon, ihr liabe Leit, am Wätteplatz dean Brunna geit, dau riesalat a Wasser na, send Suckla mi ma Händler dra, der lädt ui ei, dau zum verweila, dia stenkat nemme heit, dia Säula!”  Sie stinken nicht mehr die Schweinchen.

In Günzburg selbst erinnert heute nichts an ihn  und an die 1617 bereits wieder aufgelöste jüdische Gemeinde, dafür setzte die Stadt Josef Mengele, ihrem anderen „bekannten Sohn“ ein Denkmal, welches mittels einer Anzahl eigenartig schablonierter Augen-Masken seinen Opfern gedenken soll. Unmittelbar daneben befindet sich ein weit schlichteres zweites Denkmal, welches „den Opfern von Gewaltherrschaft, Flucht und Vertreibung“ gedenkt, freilich datiert auf die Jahre 1945-1946, was den größeren Teil der jüdischen, bereits ermordetet Opfer ausschließt.  Aber wahrscheinlich war das eine Denkmal in Verbindung mit dem anderen als Konzession möglich.

Eigenartiger Weise gibt es in Günzburg doch noch ein „jüdisches“ Denkmal, das Janusz Korczak (Henryk Goldszmit, 1878-1942) gewidmet ist, der als Leiter eines jüdischen Waisenhauses in Warschau ein Vorläufer liberaler Erziehungsmethoden war, aber von den Nazis mit seinen Kindern ermordet wurde. Mit Günzburg hat dies an sich nun gar nichts zu tun und die Tafel neben der Skulptur, die von dem israelischen Künstler Yitzak Belfer geschaffen wurde, nennt deshalb auch keine Namen ermordeter Kinder, deren man gedenken wollte, sondern jene von Sponsoren, die das Monument finanzierten, um in Günzburg einen Teil der Geschichte zu gedenken, der sich anderswo zugetragen hat. Sogar das Kernkraftwerk Gundremmingen zählt zu den edlen Spendern. Da  für diesen Zweck bloße Augen-Schablonen nicht reichten, konnte, man dies gewiss nur auf diese Weise ausführen.

 

Günzburg in the US is mostly known by countless Jews who bear the family name Ginzburg in one spelling or another. A Jewish presence in the small town at the Danube river which was a center of Austrian Swabian margravate until early 19th century is recorded about the time from 1500 when Jews were expelled from Ulm until the beginning of the Thirty years war. Shimon ben Elieser himself was born in Günzburg and was the head of the communities in the region. Three of his sons had moved to Pfersee at Wertach river, next to Augsburg were Shimon ben Elieser s ancestors once came from.  Today almost nothing reminds of the former Jewish community. At the spot of the supposed 16th century synagogue  today is a bank house with a modern swineherd fountain in front, so that there is no doubt about and likewise for the future.

Günzburg also was hometown of the infamous Josef Mengele (1911-1979). Close to the former Jewish alley there now is a memorial with a number of stereotyped eyes which is to remind of the victims of the of the white coat murderer.  Another memorial reminds of Janucz Korczak from Warsaw who never has been to Günzburg of course. A plate also does not list the name of the murdered children, but the donators who of course in no way could have remained in the background.     

 


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