Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm – die mittelalterliche Ausweisung der Juden aus Augsburg

May 2, 2011

Eine der interessanten, eigenartigen, aber auch weitgehend unbeantworteten Fragen der jüdischen Geschichte Augsburgs ist die wohin die Juden der Reichstadt nach der Ausweisung im Jahre 1440 gezogen waren.

 Der frühere Rabbiner der neuzeitlichen Augsburger Gemeinde Richard Grünfeld schreibt in seinem oft zitierten „Gang durch die Geschichte der Juden in Augsburg“: „Die meisten der im Jahre 1438 aus ihrer Heimat vertriebenen Juden siedelten sich in der Umgebung Augsburgs an und bildeten in Steppach, Kriegshaber, Pfersee (seit 1569), Oberhausen (seit 1555), später auch in Göggingen und Lechhausen, selbständige Gemeinden.“

Hans K. Hirsch hingegen schreibt in seinem Artikel „Juden in Augsburg“ im Augsburger Stadtlexikon http://www.stadtlexikon-augsburg.de/index.php?id=154 : „Die Ausgewiesenen wanderten in andere Städte in Schwaben, Franken und am Mittelrhein ab und zogen nach Polen und Oberitalien, den Zielgebieten jüdischer Emigration im Laufe des späten 15. und des beginnenden 16. Jahrhunderts. Gegen eine Niederlassung in den nahe Augsburg gelegenen Orten Pfersee, Kriegshaber, Steppach und Fischach sprechen die eindeutigen Formulierungen des Vertreibungsbeschlusses.“Etwas später räumt er jedoch ein: „Zu dem vor allem vom Klerus geforderten vollkommenen Ausschluß kam es in der Folgezeit allerdings nicht. Vereinzelt hielten sich Händler und Hausierer in der Stadt auf, doch eine jüdische Gemeinde durfte und konnte sich bis zum 19. Jahrhundert nicht entwickeln.“

Dem Vernehmen nach scheint es klar, dass es in der Zeit zwischen 1440 und 1800 durchaus Juden in Augsburg gab. Dabei handelte es sich aber her um „zufällig“ oder zumindest kurzfristige Aufenthalte. Beispiele dafür sind etwa der jüdische Drucker Chaim Schwarz, der über Jahre hinweg hebräische Bücher in Augsburg druckte oder aber Händler, die nur tagsüber in die Stadt durften und einen städtischen Begleiter haben mussten. Ausnahmen davon bedurften dann schon eines Krieges in welchem Juden in Augsburg geduldet wurden. Das klingt alles in allem vernachlässigbar, weil nur unzusammenhängend und zu kurzfristig, um eine zumindest ansonsten durchgängige Abstinenz von Juden in Augsburg zu bestreiten.

Ganz so sporadisch waren die Aufenthalte von Juden in Augsburg freilich nicht, wie sich aus den Schilderungen des Paul von Stetten (1731 – 1808) ergibt. Stetten war von 1792 bis 1806, als die Reichstadt dem neuen Königreich Bayern einverleibt wurde, der letzte Stadtpfleger Augsburgs und angesehener Verfasser zahlreicher Werke zur Augsburger Familien- und Stadtgeschichte. Im Jahre 1803 nahm er mit seiner eigens zu diesem Zweck verfassten Schrift „Geschichte der Juden in der Reichstadt Augsburg“ zur damaligen Streitfrage Stellung, ob Juden in der Stadt ein festen Wohnsitz einnehmen durften.

Stetten befürwortet die (erneute) Aufnahme und führt seine Leser, deren „Vorurteile“ er aufheben will, zunächst die lange jüdische Geschichte in der Stadt vor Augen, ehe er im zweiten und dritten Teil seiner 77 Seiten umfassenden Abhandlung den eigentlichen Streitgegenstand und das Für und Wider behandelt. Seine „Vorrede“ schließt er französisch:

 « Les vérités se propagent lentement, mais il vient un tems, ou les préjugés sont forces de céder. «  (Wahrheiten verbreiten sich langsam, aber es kommt eine Zeit, in welcher Vorurteile gezwungen sind, zu kapitulieren)

Im Jahre 1438 erfolgte nach langen mühevollen Bestrebungen christlicher Prediger der Beschluss des Rates der Reichstadt Augsburg, die seit Jahrhunderten ansässigen Juden der Stadt zu verweisen. Verhältnismäßig gesittet wurden ihnen eine Frist von zwei Jahren eingeräumt, ihren Hausbesitz zu veräußern und sich nach neuen Wohnorten umzusehen. Da es wohl nicht möglich war, einen Ort zu finden, der die zuletzt etwa 250 Personen umfassende jüdische Gemeinde insgesamt aufzunehmen, wurden gewiss Familien und Freunde auseinandergerissen. Wer entsprechende verwandtschaftliche Beziehungen besaß siedelte in Ulm, Lauingen, Nördlingen, Donauwörth, während andere versuchten in benachbarten Orten unterzukommen. Viele Spuren verlieren sich, da eine Reihe von Dörfern nur einzelne Familien aufnahmen und darüber offenbar keine Urkunden angelegt wurden oder solche nicht erhalten blieben. Andererseits lassen etwa Überführungen von jüdischen Leichnamen aus einer Reihe von Orten aus dem Umkreis erkennen, dass zumindest sie und ihre Angehörigen dort gelebt haben musste. In den meisten Orten sind Juden erst dann „nachweisbar“, wenn sie die Erlaubnis zum Neubau einer Synagoge erhielten, ohne zu berücksichtigen, dass dem in der Regel jedoch die Nutzung des einen oder anderen Gebetsraumes in privaten Häusern vorausging. So erklärt sich, dass zwischen dem Zeitpunkt der festgesetzten Ausweisung im Jahre 1440 bis zu den ersten nachweisbaren Synagogen in Pfersee oder Kriegshaber mehr als hundert Jahre vergingen.

Ob andererseits nun die Weisung zur Ausweisung so unbeirrt umgesetzt wurde, wie landläufig vorausgesetzt, ist durchaus zu bezweifeln. Als Beleg dafür reicht, dass 1438 Juden in den Steuerlisten verzeichnet waren und in den Folgejahren nicht mehr. Trotzdem sprechen dagegen aber bereits sehr früh zwei Kindergrabsteine die im Innenhof des Peutinger Hauses am Augsburger Dom eingemauert sind. Ihrer hebräischen Inschriften gemäß stammen sie aus den Jahren 1445 und 1446, als es schon keine Juden mehr in Augsburg gegeben haben soll. Wer nun aber sollte in einer Stadt, in der er sich nicht aufhalten durfte nun aber seine Angehörigen bestatten, obwohl er offenkundig damit rechnen musste, die Gräber möglicherweise nicht mehr sehen zu dürfen und ohne eine Garantie zu haben, ob sie Bestand haben mochten. Etwa zehn Jahre später, um 1455 wurden (weit) späteren Angaben gemäß die Grabsteine des Friedhofs jedoch entwendet und für bauliche Zwecke innerhalb der Stadt missbraucht. Dazu passen Berichte von etwaigen Funden bei Bauarbeiten in späteren Jahrhunderten, zuletzt im Jahre 2000 beim sog. „Heilig Geist Spital“ (seit 1948 Sitz der berühmten „Augsburger Puppenkiste“) . Andererseits wurden aber auch noch im 19. Jahrhundert Grabsteine auf dem offenbar doch nicht vollständig abgeräumten Gelände des ehemaligen Friedhofs gefunden, auf dem sich heute das Augsburger „Bürgerbüro“ befindet.

Paul von Stetten gemäß sahen die Augsburger Stadtherren schon recht bald nach 1438/40, dass sie die Juden nicht dauerhaft aus der Stadt halten konnten (oder aus finanziellen Gründen wollten) und fanden eine Regelung , auf die sie in der Folgezeit immer wieder zurückgriffen. Diese Regel sah vor, handelnde Juden tagsüber in Begleitung eines (gebührenpflichtigen) Stadtdieners den Zutritt zu gewähren. Bereits aus dem Jahr 1452 stammt eine Anweisung des Augsburger Bischofs (Peter von Schaumberg, im Amt von 1424 bis 1469), dass Juden „einen runden Lappen von gelben Tuch auf der Brust tragen“ sollten. Eine entsprechende Weisung hatte der Rat der Stadt jedoch bereits 1434 für die damals noch ortsansässigen Juden verfügt.  

Warum die folgende Notiz erst aus dem Jahre 1544 stammt ist unklar, freilich ist unstrittig, dass der jüdische Drucker Chaim Schwarz im Jahrzehnt zuvor mit seiner Familie und Schwiegersöhnen in der Stadt lebte und eine Reihe von Buchwerken druckte. Berichten nach wohnte er in einem Haus beim Gögginger Tor, beim heutigen Königsplatz. Das westliche Haupttor galt in der Folgezeit ohnehin als das einzige, durch welche Juden Eintritt in die Stadt gewehrt wurde. Ob dies, wie heute noch angenommen wirklich eine zusätzlich Schikane war, ist freilich zu bezweifeln, wenn man berücksichtigt, dass die heute vom Königsplatz nach Westen, Richtung Hauptbahnhof, führende Straße bis ins 19. Jahrhundert den Beinamen „Pferseer Weg“ hatte, aus dem Grund weil es der kürzeste Weg nach Pfersee war. Dort befand sich zumindest ab dem 17. Jahrhundert das Zentrum der jüdischen Ansiedlung im Westen der Reichstadt.

Am 14. Juni 1544, so berichtet Stetten, wurde Juden der Eingang in die Stadt verwehrt , außer wenn sie einen Gerichtstermin wahrnehmen mussten. Aus der selben Zeit wissen wir, dass Rabbi Josef von Rosheim, selbst Nachkomme Augsburger Juden, in der Stadt weilte. Im Jahr darauf soll auch der Drucker Chaim Schwarz die Stadt verlassen haben. Bereits im Folgejahr 1546 freilich wurde die vorherige Beschränkung wieder modifiziert und der Zutritt erlaubt, wenn die „Handlung“ des Juden „von Nutzen für die Stadt und die Bürgerschaft“ sein sollte. Für diese Vermutung müssen wohl Gründe vorgelegen haben, da andernfalls die Aufweichung des Verbots keine Sinn ergeben würde.

Stetten führt aus, welche Gründe für dieses Wechselspiel vorlagen. Die Juden nämlich waren in die „nächsten Dörfer“ gezogen und wurden dort von ihren neuen Herren unterstützt. Diese nächsten Dörfer waren österreichisch und gehörten zur Marktgrafschaft Burgau. 1574 wurden die in Oberhausen an der Wertach ansässigen Juden vom Augsburger Bischof Johann Eglof von Knörigen des Ortes verwiesen. Der Bischof, der in Ingolstadt studiert hatte und vor allem als Gegner der christlichen Reformation und wegen seiner zunächst milden Position im innerkirchlichen Zinsstreit aber auch wegen eines leiblichen Sohnes in Erinnerung blieb, verstarb jedoch bereits im Folgejahr im jungen Alter von 38 Jahren einer „schleichenden Krankheit“. Die Oberhausener Juden zogen offenbar weiter ins nur ein Kilometer benachbarte Kriegshaber, wo 1565 erstmals ein Haus in jüdischem Besitz nachgewiesen wird. Zumindest ab dem Jahr 1626 ist auf der „Unebene“, einem Gebiet zwischen Pfersee und Kriegshaber der heute noch bestehende jüdische Friedhof (sozusagen im doppelten Wortsinn) belegt.

In den Jahren des Dreißigjährigen Krieges durften Juden wieder in Augsburg leben, doch wurde dies nicht kritiklos hingenommen. Im März 1636 bereits wurde ein erneuter Ausweisungsbeschluss erlassen, offenbar aber nicht umgesetzt, denn im Dezember 1642 wurde der Aufenthalt bestätigt. Drei Jahre später wurden die Juden in Augsburg am 24. Oktober 1645 mit der erneuten Ausweisung bedroht, wenn sie sich nicht bereit erklären sollten, der Kriegskasse der Stadt 5000 Gulden einen zinsfreien Kredit zu gewähren. Der Bitte kamen sie offenbar nach und so wurden sie erst nach dem Westfälischen Frieden im Jahre 1649 erneut der Stadt verwiesen. Ob diese Ausweisung tatsächlich stattfand ist unklar, im Jahre 1680 jedenfalls steht erneut die Ausweisung der Juden aus ihren „Gewölben“ (womit zumindest Ladengeschäfte gemeint sind) zur Debatte mit der Auflage, ihnen wie in früheren Zeiten den Zutritt zur Stadt wieder tagsüber nur gegen Gebühren und in Begleitung eines Stadtdieners zu gewähren.

Zwanzig Jahre später, im Jahr 1700 ging man jedoch wieder zu einem rigorosen Verbot über  und verwehrte den Juden jeglichen Aufenthalt in der Stadt. Genauer gesagt fasten die Augsburger Räte einen entsprechenden Beschluss. Dieser wurde freilich ebenfalls nicht umgesetzt, da die Augsburger Juden sich erfolgreich beim österreichischen Marktgrafen in Burgau beschwerten und dieser zu ihren Gunsten intervenierte. Als es 1704 nun tatsächlich zur erneuten Ausweisung der Juden aus Augsburg kam, „wohnten 62 Judenfamilien hier“, wie Stetten schreibt (S. 23). Bei einer vorsichtigen Schätzung von wenigstens sechs Personen pro Familie können wir davon ausgehen, dass in jener Zeit wohl etwa 300 bis 400 Juden in der Reichstadt lebten. Eine Anzahl die mit den mittelalterlichen Schätzungen der jüdischen Bevölkerung mithält. Bei einer Gesamtbevölkerung von rund 25.000 entsprach dies einem jüdischen Anteil von etwa 1.5 %. Bei einer über Jahre hinweg vorhandenen jüdischen Bevölkerung in dieser Größenordnung kann man sicher ausschließen, dass sie zufällig oder mal eben zustande kam. Denkbar wäre, dass eine früher bis ins 20. Jahrhundert bei St. Stephan verbürgte Straßenbezeichnung „Beim Judenbrunnen“  (siehe: http://www.kulturhauptstadt.augsburg.de/index.php?id=17259) damit in Beziehung stehen könnte.

Von 1704 bis 1718 galt sodann offenbar wieder die Regel, dass die Juden der schwäbisch-österreichischen Nachbarschaft nur tagsüber die Stadt betreten durften. Erneut sammelten sich christliche Prediger des Augsburger Doms und warfen den Juden vor  zu betrügen. Jesus zu lästern, Wucher zu treiben und Kinder zu verführen, während sich Schmiede beschwerten, jüdische Händler würden versuchen ihnen minderwertiges Silber zu verkaufen. Die Folge war am 22. November 1718 ein neuerliches Verbot die Stadt zu betreten. Doch aus dieses hatte keinen Bestand und wurde schon im Januar 1719 auf österreichischen Druck wieder aufgehoben.  Den nächsten Versuch den Juden den Zugang zur Stadt zu verbieten erfolgte im Jahr 1722 als Augsburger Stadtsoldaten auch versuchten den Bau eines Friedhofshauses am jüdischen Friedhof in der Unebene bei Pfersee / Kriegshaber zu verhindern. Zwar konnten sie den Rohbau und auch eine Reihe Grabsteine zerstören, doch rückte bald österreichisches  Militär aus Burgau an und drohte der Reichstadt mit militärischen Maßnahmen und empfindlichen Geldbußen. Die Augsburger zogen sich zurück und das heute noch bestehende Friedhofshaus wurde am Friedhof gebaut. Die Intention Juden den Aufenthalt in Augsburg zu verbieten wurde freilich erst 1732 wieder realisiert, jedoch abermals bald wieder rückgängig gemacht.

1738 fand sich sodann das Arrangement den ohnehin nicht verhinderbaren Zugang zur Stadt mittels Einlassgebühren, Zoll- und Brückengelder zu versilbern. In den Kriegsjahren von 1741 bis 1745 durften Juden freilich wieder fest in der Stadt wohnen, unter der Auflage, dass dies nicht in der Nachbarschaft von Kirchen wäre und die Augsburger Juden an Sonn- und christlichen Feiertagen die öffentliche Ordnung nicht störten. Stetten hält für das Jahr 1742 wieder die stattliche Anzahl von 36 jüdischen Familien fest. Dies entspricht wahrscheinlich einer Zahl von ungefähr 200 Menschen. Der Beschwerde der Priorin des christlichen Katharina-Klosters nach zu urteilen mieteten die jüdischen Familien offenbar Häuser in der Stadt. Die Kirchenfrau nämlich beschwerte sich darüber, dass der benachbarte jüdische Mieter in der Lage sei, von seinem Haus in die Kirche zu sehen, woraufhin der Mietvertrag annulliert wurde. Am 26. Oktober 1745 erfolgte ein neuerlicher Ausweisungsbeschluss, aber auch dieser scheint nicht oder nur unzureichend umgesetzt worden zu sein. Im Jahre 1751 verständigte sich der Rat der Stadt mit den Juden der schwäbischen Gemeinden Pfersee, Kriegshaber und Steppach zu einem „Accord“, der vorsah, dass die Juden dieser Orte gegen eine jährliche Pauschale von 1.100 Gulden freien Zutritt zur Stadt erhielten. Eine Übereinkunft von der Paul von Stetten im September 1803 sagt, dass es „bis heute“ gelte.

In den Jahren bis dahin folgt noch einiges weitere Hin-und-her, worüber Paul von Stetten sich dann auch bereits lustig macht. Im Oktober 1787 und im Juli 1791 erwirkten Augsburger Krämer weitere, freilich wieder nur kurzfristige Restriktionen gegen die Juden vor Ort, ehe in den Jahren der „französischen Kriege“ 1796 und 1800 Juden wieder in der Stadt wohnten. Zuletzt war der Streitgegenstand vor allem die Frage, ob die offenbar immer schon auch in den restriktiven Zeiten eingerichtete jüdische „Garküche“ zur dem religiösen Gesetz der Juden entsprechenden Verpflegung der tagsüber zugelassenen Juden bestehen bleiben dürfe. Für das Jahr 1657 beispielsweise ist in den Amtmannbüchern der Verstorbene Henle Ulman verzeichnet, für dessen Überführung zum Friedhof bei Pfersee und Kriegshaber Wegegeld zu zahlen war. Henles Beiname lautete der bei Louis Lamm zitierten Liste gemäß „Khueherzen Sohn“. Der Begriff verweist freilich nicht auf das Herz einer Kuh, sondern meint einen Kücher oder Küchert, ein aus der Mode gekommenes Wort für Garkoch. Der status quo bei der Abfassung von Stetten‘s Schrift war, dass lediglich der Frau und der Magd des Garkochs zugestanden wurde über Nacht in der Stadt zu bleiben, er selbst jedoch abends in der Dunkelheit nach Hause gehen musste, anscheinend ins 3 Kilometer entfernte Kriegshaber. Stetten bemerkt dazu: „Da man den Juden den Aufenthalt während des Tags gestattet, oder gestatten muß, so ist gewiss Hauptsache mit Nebensache verwechselt, wenn man es von Bedeutung hält, daß sie des nachts nicht hier seyn dürfen.“ (S. 37)

Wie dem nun auch immer sei, ergibt es sich aus wechselvollen Abfolge von mal tolerierten, dann wieder beanstandeten, zeitweilig beschränkten, kurzfristig gänzlich untersagten, dann aber doch wieder zustande kommenden Aufenthalten von zeitweilig jahrelangen mitunter bis zu 30 oder gar über sechzig (und vielleicht ja auch mehr) jüdischen Familien in Augsburg eines ganz zweifelsfrei. Mit der Ausnahme weniger Jahre kann in der Zeit von 1440 bis 1800 von einem „judenfreien“ Augsburg keine Rede sein. Auch in dieser Zeit war die Anwesenheit von Juden in der Reichstadt keineswegs eine seltene Besonderheit, sondern der Regelfall am Rande der Alltäglichkeit. Das war es auch, was Paul von Stetten im September 1803 seinen Lesern mit seiner Schrift eindringlich verdeutlichen wollte, als es darum ging, das Ersuchen der Bankiers Westheimer, Ulman und Obermayer wie auch den entschiedenen Widerstand der Augsburger Kaufleute dazu zu beurteilen.

Stetten führt später eher pragmatisch dazu aus: „Hat man die gänzliche Abhaltung der Juden nicht schon seit mehr als 3 Jahrhunderten gewollt? Die Geschichte zeigt, wie vergebens alle Bemühungen waren. Man hat zehnmal ihre gänzliche Ausweisung statuiert, mit dem besten Willen aber sich niemals manutenieren können . Was in den vorigen Jahrhunderten gegen die Juden mit Effekt nicht hat zu Stand gebracht werden können, wird dies jetzt besser gelingen? Jetzt, wo die meisten Städte Deutschlands Juden in ihren Mauern beherbergen? Bey der jetzigen allgemein gewordenen Toleranz und herrschenden Aufklärung, die keinen Menschen der Religion wegen hintansetzen oder gar zu verfolgen erlaubt? Jetzt, wo selbst das Thema, wie das Schicksal der Juden zu verbessern sey, ganz neuerlich an den deutschen Reichstag gebracht worden ist? Wo in mehreren Ländern die Juden als förmliche Bürger aufgenommen werden?“ (S. 48) 

Widmungstafel an Stelle des früheren Wohnhauses von Paul von Stetten am Obstmarkt in Augsburg, Heute befindet sich dort das “Hotel Augusta” http://www.hotelaugusta.de/ - Von seinem Haus aus musste Stetten bald nur noch über die Straße zum zum Wohnhaus von Jakob Obermayer am Obstmarkt zu gelangen, an dessen Stelle sich heute eine Filiale der Sparda-Bank befindet. 

There is a widespread view that after the expulsion of the Jews from Augsburg in the years 1438/40 there has followed a long period of more than 360 years of sequestration before Jews again were allowed to live in Augsburg. At best, it is said, there possibly had been rather a few exceptions.

In 1803, when three Jewish banking families applied for permanent residence in Augsburg, Paul von Stetten, then City Keeper demonstrated in his “History of the Jews in the Imperial City of Augsburg” that nothing of the sort was true. There was not one expulsion, there were ten and none of them was of any success. Furthermore at times there lived over thirty or even more than sixty Jewish families in the city. It therefore would be somewhat unreasonable to want keep Jews in modern times out of Augsburg.


The Secret of the Jewish World Conspiracy

April 10, 2011

If Jews control the media, why we do not bring to pass a better press?”  

This regular objection from Jews in the U.S., Europe, Israel and elsewhere is often cited and used as a kind of revealing counter-argument against the well-known conspiracy myth. In fact it is so that just in the world press Israel does not come off well. Whenever Israel’s military kills two Palestinians, hurts one, kills six, hurts five, … it very likely will be one of the headline messages in the news broadcasts in Paris, Berlin, Cairo, Washington, as well as in Moscow or Beijing – but if there are hundreds or thousands of deaths in Africa, it will be mentioned just before the sports section as a short footnote message (probably with some production photographs). The first incident you will read on the front page of the newspaper, the other will be on page 17 bottom left, next to the coupon for a pound of beef. If you read papers with less pages you will have to wait until someone believes that there might be a connection to Jews. However, as Seinfeld once put it: “It’s amazing that the amount of news that happens in the world every day, always just exactly fits the newspaper.”

So, for God’s sake, how can it be that Jews rule the world press and they get so bad appraisals and opinions? Why in the U.S., where the supposed influence of “Jewish East Coast” is supposed to have the  strongest and most effective impact, many month long efforts were “necessary” to induce retail giant “Walmart” to withdraw the so-called “Protocols of the Elders of Zion” – commonly known as anti-Jewish diatribe from czarist Russia – from its online catalog? Believe it or not, but “Walmart” only in September 2004 was receptive to the increasing and more louder protests, to do so (or they simply waited until the edition was sold, as some critics suppose). If there was something like a Jewish sovereignty, an email to my uncle ought to do.

We remember Mel Gibson, whose “Passion” film triggered off a number from fierce to ridiculous debates over anti-Semitic motifs, overtones, either subtle or blatant. Among Gibson’s pleaders also were a number of Jews, who objected the reproaches formulated and surveyed by many others. Of course some of these Jews have made the mistake of celebrating this “success” with Gibson and to spend him too many drinks – as we know today… His movie, with Italy’s  famous actor Adriano Celentano’s daughter Rosalinda starring as “Satan”, was of some success also in Muslim countries, and in 2008 inspired a film in the Islamic Republic of Iran. “The Messiah”, the largest movie production in the history of the country however differs in the punch line of the (whole) story. According to the writings of the Quran it was not Jesus who was hit at the cross, but “someone else”. The movie closes the knowledge gap and it is Judas Iscariot who was crucified, probably as a kind of scapegoat for the accursed Zionists. However, the distinction between the two storylines maybe will give some information on the effective hugeness of Jewish influence in Hollywood.   

The answers to the previous questions also allow to understand how the Jewish world conspiracy actually works: it is based on humor and one requirement of humor is the ability also laugh at yourself.

And now, let’s face it, even bad jokes are jokes – right? Do fools in this world not have the license they are envied for by others? The court jesters of the Middle Ages today are known as journalists. As the jester used to dance before the king, made faces and told funny verses, a journalist today in an interview with the politician will quote opinion polls: “Two thirds of the population oppose your policy“. The effect obviously is the very same and the ruler at the helm will laugh the way the king once did, knowing that his policies may not be refused, because the next election will be in three years and by then everything will be long forgotten. Who keeps bad jokes in mind?  

So it now has become obvious why the press has to write bad things about Israel and to sympathize with Israel’s enemies: it simply is humor, often brilliant and witty. Come on, let’s face it: everyone would be aware of the Jewish domination of the media if it was distinguishably in favor of Israel and its policy. In contrary the more Israel is doomed in the world media, the more humorous and satirical are the segments – and the more powerful is the Jewish dominance or ownage. This may appear paradoxical, but if you become attuned to the concept and method, you will take notice of other aspects as well. Jewish humor impresses with by understatements and satire and often plays with stylistic devices like self-criticism. Already in Bible and Talmud you may discover much more than just basic approaches for it, they already met all requirements, except for the protagonists of course neither were called court jester nor journalist but under their previous title as prophet or rabbi. Their role and function however was the very same and everyone knows, that prophets and fools, who are not quick-witted enough, soon can end up in prisons or worse. It is not so easy to deal with journalist the same way of course, because within the Jewish-dominated press the mother of a journalist may be buddy-buddy with the mother of the chief editor. But seriously folks, who wants to mess with a Jewish mother anyway? Better to conduct some field research in Afghanistan than to get oneself into an unwinnable conflict. 

But how does it happen that particularly American Christians apparently seem to support the Jewish world conspiracy, although Jewish mockery sometimes also is aimed at them? Think of Lenny Bruce, who calmed the question of collective Jewish guilt for the crucifixion death of Christ. He explained: “I dunno, it was one of those parties, got out of hand, you know.” He also clarified satire as “tragedy plus time”. On another occasion he admitted that now Jewish guilt has been proven beyond question, since in his basement he found a note signed “Morty”.

Well, the answer again is quite easy: Christians, especially newborn ones, love to laugh. They also love to laugh at Jews, whether they are called Woody Allen, Seinfeld, Groucho Marx, Jerry Lewis or Ehud Olmert. And of course Christians believe in biblical prophets, even if time and again they have another understanding of some of their punch lines and sometimes miss the deeper meaning. But never mind: Have you ever told jokes and all listeners get it? See??

Although the header speaks of a “secret”, to reveal the Jewish confederacy on the basis of humor, is not exactly new, even bitter enemies of the Hebrews understood early this relation. Unsurprisingly they repeatedly had tried to copy the Jews and to beat them with their own weapons. The Nazis, for instance had a weekly tabloid named “Stuermer” (“striker”), best-known for its often obscene, flat or pornographic anti-Semitic caricatures, which illustrated or propagated old and new “Jewish” stereotypes. Since the Middle Ages Jews were depicted with pigs by their haters, but who would be surprised to find out a Jewish origin of the “lucky pig” term?  

Iranian president Ahmadinejad some years ago offered a prize for a cartoon competition on the Holocaust, as a kind of retaliation for the Mohamed caricature by a Danish Christian. The intention was to provoke and insult Jews, but a parallel Israeli competition had much wittier results with a firework of wit and lots of biting sarcasm and according to international observers they were head and shoulders better than the simple Persian provocations.

How can that be? Now it is reminiscent of the scene from the Bible, when Moses and his brother Aharon, facing Pharaoh and throwing a rod to the ground, and the rod turns into a snake – if you want, you may consider that a miracle, but if you prefer to regard it as a mere joke, that of course is okay as well … The Egyptian king of course had his own executive consultants, … I mean … magicans … and as it is reported they repeated what the two leaders of the Israelites did. They also threw their rods to the floor and their rods also turned into serpents. However the snake of Moses and Aharon eats up the ones of the Egyptian advisers. It was just a pointless imitation and the very same it is here, since the ironian … I mean … the Iranian president takes no account of the fact that Jewish humor bases on the ability to laugh at oneself. This exactly is the key to it, the vicious, wicked, dirty trick. Americans figure their presidents as monkeys and had received media prizes, Israeli satirists get spokespersons. In Iran, however, as elsewhere (and not only in the Islamic) world, they cannot understand that they have to drag themselves through the mire first if they want to rule the world.

The vast majority of US American Jews voted for Barack Hussein Obama, the son of a Muslim. However most American Jews will foreswear and nullify his Muslim background, as most other Democrats will do, … the same people however emphasize the Jewish background of let’s say William Sebastian Cohen, US Secretary of Defense under President Bill Clinton, who had an Irish Protestant mother and became Unitarian when he was told that in order to get a Bar Mitzvah he formally needs a conversion. However, when you have a Muslim father it of course has no further meaning and it is a kind of racism if you ask questions, although in Islam ancestry is paternal.  On the other hand if someone only has a paternal Jewish grandparent, he or she will regarded as Jewish, although in Judaism descent is maternal.  Obama was raised fo(u)r  years in Indonesia, the world most populous Muslim country, which different to many other Muslim countries until today has no direct ties with Israel, but if “needed” pulls out its national tennis team of a Federation Cup match in order not to play on Zionist tennis courts. Obama revisited Indonesia last fall as US President, but the policy of the country towards Israel will not change and American Jews of course will not mind.  Liberals can understand everything but people who don’t understand them.

Was that it? Yes, basically.

If you are not Jewish but you want to be influential, get off with mocking yourself and publicly emphasizing everything about you that might be embarrassing. If however it does not work out, deny vehemently all personal responsibility and blame the Jews instead. We will appreciate.

If however you consider yourself Jewish but you have not any influence either, reconsider the option that maybe you only are half-Jewish or less with the possible after-effect, that you brain in the Gentile half or quadrant is not. Never mind, just remember how Seinsfeld puts it: “Why do they call it a “building”? It looks like they’re finished. Why isn’t it a “built“?“ Think about it and improve your situation as described above. But if however it does not work out, deny vehemently all personal responsibility and blame traditional, orthodox or zionist Jews instead. We will appreciate.

From all our other attentive readers we can expect they will comprehend that the original title of the infamous “Protocols” actually is a meaningless and content-free playing down of the original (insider) book which had the telltale, revealing title “The recorded gags of Zion”. 

So maybe it only has been an instance of a rather harmless mishearing. An anecdote may shed a little light on this:

A Jewish businessman has to wait three hours in a Swabian village for his connecting train. Since his pocket watch needs a repair he decides to use the time to look for a watchmaker who possibly even will fix his watch. In fact in the middle of the main street he finds a shop with a number of different watches in the window. As he enters, the store is empty. There are neither good nor shelves, just a decent old Jew sitting, with long beard, side curls and a yarmulke on his head, is slightly whipping on a chair while he reads mumbling from a huge folio sized Talmud at a small table.

The business man says to him: “Is it possible to get my watch repaired within one or two hours ..?” The old man is not responding.

The visitor now assumes that the old man probably is somewhat hard of hearing and repeats his question a little louder, again no response, a little more louder, and once again no response. Finally he almost shouts his head of: “Is it possible to get an answer?”   

The old man now lifts his head and looks to the guest and answers forcefully:  “Well, is it possible for you, not to roar around like a donkey? I am not a watchmaker, I am the local circumciser, the mohel..!”

But why you have put the watches in the window? “

Well, actually you can tell me what else should I put in the window? “

  • * * *

(Rewritten English translation of a German version “Das Geheimnis der jüdischen Weltverschwörung” from Summer 2006, see: http://yehuda.wordpress.com/2006/09/07/das-gehemnis-der-judischen-weltverschworung/)


What was it you wanted ..?

March 10, 2011

הדקולטה של פאולה

What was it you wanted?
Tell me again so I’ll know.
What’s happening in there,
What’s going on in your show.
What was it you wanted,
Could you say it again?
I’ll be back in a minute
You can get it together by then.

What was it you wanted?
You can tell me, I’m back,
We can start it all over
Get it back on the track,
You got my attention,
Go ahead, speak.
What was it you wanted
When you were kissing my cheek?

Was there somebody looking
When you give me that kiss
Someone there in the shadows
Someone that I might have missed?
Is there something you needed,
Something I don’t understand.
What was it you wanted,
Do I have it here in my hand?

Whatever you wanted
Slipped out of my mind,
Would you remind me again
If you’d be so kind.
Has the record been breaking,
Did the needle just skip,
Is there somebody waitin’,
Was there a slip of the lip?

What was it you wanted
I ain’t keepin’ score
Are you the same person
That was here before?
Is it something important?
Maybe not.
What was it you wanted?
Tell me again I forgot.

Whatever you wanted
What could it be
Did somebody tell you
That you could get it from me,
Is it something that comes natural
Is it easy to say,
Why do you want it,
Who are you anyway?

Is the scenery changing,
Am I getting it wrong,
Is the whole thing going backwards,
Are they playing our song?
Where were you when it started
Do you want it for free
What was it you wanted
Are you talking to me?

(c) Bob Dylan


The “big bang theory” from Jerusalem

January 19, 2011

Some 200 years ago in July 1810 the first musical organ was introduced in the ”Jacobstempel” of Israel Jacobson (1768-1828) in Seesen (near Hannover), Germany. The prototype of Jewish “reform synagogues” in Germany was destroyed in 1938 by the Germans. The  first regular congregations adopted the organ in the following 1810s in Hamburg and Berlin. In Bavaria the first organ was introduced in Augsburg in 1865. Ever since the debate over “instrumental music” highlights a division in the Jewish community.

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/en/c/c8/Vox_Humana_rank_taken_in_2004.jpg

In English the German word Orgel is organ, but has many more and quite different meanings. An organ not just is a musical instrument, it also may be a newspaper, as the organ of a company or association. It might be a part of the (human or animal) body , but you can’t be so sure about that, since there also are hand -, mouth – or chest organs, which obviously are not. So whenever you are in doubt, it applies or not, ask at your local organ bank, or dealer if there is none. At least also in regions where there are no banks, there maybe is organ trade or possibly even organ donors, builders or players. So there obviously is a variety of organs and if you do not know the context in which the word is used it may be that you mix up the meaning .

Obviously that also was the case regarding the Hebrew word מגרפה (magrefa or magrepha) which often is translated as “organ” in the sense of a musical instrument, allegedly used in the Jewish temple of Jerusalem. That is what has been maintained by reformers of the synagogue service in the 19th and 20th century who wanted to introduce church organs. They referred to passages in the Talmud which note a gadget named “magrefa” allegedly considered by one interpreter to be a “musical instrument”. So the argument was that if even in the holy temple it was practice to play an organ, so of course there may be no reason to reject the organ as strange, alien, untypical instrument. The reform just would be to tie in with a much brighter past. So remarkably even the “Jewish Encyclopedia” in 1911 stated: “The Temple organ very likely was the “magrefa” mentioned in the Talmud as one of the instruments of the sanctuary. It is described by Samuel as consisting of ten pipes, each pipe having ten holes; a total of 100 notes was thus obtainable.”

However there is some confusion. The mentioned magrefa had been a tool described as a kind of shovel, while the Hebrew word today is widely used for a rake, but there are of many transitional forms, depending on the intended purpose. Actually the Mishna refers to Kohanim in the Bet Mikdash in Jerusalem who were offering of the incence. At the area between the mizbe’ach (“altar”) and the ulam (“lobby”) – what according to another Mishna is some 11 m distance – they picked up the magrefa and throw it down to earth. The noise so it is said had been so loud that no one in Jerusalem was able to hear what someone has told him. That is the basic information. Later that statement was commented in the Gemara by Shmuel, a first generation Amora in Babylon, who lived some 150 years after Mered Bar Kokbba. His statement refers to the loudness and so he says that the magrefa had 100 sounds, later comments suggested it could emit a thousand sounds. Obviously there is the rub. If you understand the portrayel of a person who of course had been no eye-witness in the way that there were hundred or thousand different tones, possibly even selectable, the idea of an organ as music instrument is more or less obligatory. You only may ask yourself why it always was thrown at a stone floor in order to play it …

Ancient Jewish shovels from the Bar Kochba cave of letters, discovered by Yigal Yadin in 1960

Another way to understand Shmuels account on hundred tones of course is to refer his statement to the alleged loudness of the magrepha when it was thrown to the floor in the temple as it is stated in the Mishna (another version even refers to Jericho). In question was to explain the extraordinary loudness of an obviously rather small gadget in the size of one cubit (some 20 inches or 50 cm). His approach explained the volume of the bang with seemingly 100 simultaneously noises. The text  however only has קולה what of course is no plural. He would say the sound was a hundred times louder than one would expect. Later comments extended it to a thousand times. It is therefore a mere exaggeration, or let’s say a metaphor or comparison. Also today we would put it that way to express “there was such a deafening noise, so that you were unable to hear yourself speak”. Nothing more to explain than that was the intention of the Mishna and Shmuel.

The magrefa we are talking about was a tool, a shovel or dustpan which was made of wood, plate or sheet iron. Some versions had a number of tines on one end, as we know it from a fork. That’s why the current understanding of the word in Hebrew is a garden rake. The magrefa in question is specified as a tool of one cubit size. The magrefa usually was used for brushing away the ashes from the altar, but as the Mishna states the priests also threw it to the stone floor and the result was a loud noice. Neither the dropping nor the bang however were mishaps as one might assume but a deliberate acoustic signal, which addressed three different purposes and people:

כוהן שהוא שומע את קולה, יודע שאחיו הכוהנים נכנסים להשתחוות; והוא רץ ובא.

  ובן לוי שהוא שומע את קולה, יודע שאחיו הלויים נכנסין לדבר בשיר; והוא רץ ובא.

  וראש המעמד היה מעמיד את הטמאים בשערי המזרח.

 

(Tamid 5.6: A Kohen who heard the noise knew that his fellow Kohen were going in to prostrate themselves and would come running; when a Levi heard the noise he knew that his fellow Levi were going to start chanting and would come running; and the head of the warden would assemble the ritually impure in the eastern gate.)

Well, without getting bogged down too much to further details of the service in the sanctuary of the temple in Jerusalem, it is clear that the dropping of the magrefa was an intended acoustic signal in the temple, calling the intention to the beginning of the ceremony and advising all to be at the proper place, the priests, the Levites and the warden master who walked out the impure from the inner zone. The puzzling question is why the dropping of a tin or iron shovel was used for that purpose instead of a bell, drum, shofar, trumpet or a vuvuzela, etc. The answer would be that all of these were  music instruments and therefore not qualified for giving a signal. It would be questionable whether a modern temple could use sirens for it, as we know it from ambulances.

However that be, the idea that the magrefa would be a organ like musically instrument and was used that way in the temple service in Jerusalem for a couple of reasons is kind of absurd:

1. The magrefa usually is described as a tool. Sometimes it appears to be a kind of shovel, sometimes it seems to be a kind of rake, with spiky jags for instance to harvest olives.

2. If the magrefa would had been a real musical instrument, why it was “played” by throwing it at a stone floor? Would it have been possible to produce different sounds or even playing a kind of melody or tune when dropping it? Or would the priest would have to pick it up and throw it to the floor again and again.

3. Apart from the practical point of view, which seems to be too vigorous and too silly for a respectful person in a holy place, to play instruments in the temple however was the task of the Levites, but the magrepha was dropped by a Kohen.

4. The noise of the dropped magrefa within the context of the text of the Mishna leaves no doubt that it involves an acoustic signal. A signal intelligibly to all needs to be unambiguous and decisive. A sequence of hundred or more different noises of course would be just the opposite.

5. The accounts for the noise by the dropped magrefa simply express the loudness of an iron tool which fell on a stone floor. Just take an iron shovel without wooden or plastic parts on it and give it a shot. The sound pressure at the collision on a stone floor is similar to a jack hammer in a yard distance (ca. 100 dB).

6. The lively description that no one in whole Jerusalem could hear anything else when he magrefa was dropped to the floor of course only is a comparison to convey an idea of the din.

7. As the magrefa in the temple was no musical instrument and of course no organ, the narration that people could hear the sound even in Jericho likewise is no indication of the magrefa as forerunner of the telephone.

So the conclusion is that the study of the meaning as well as proper use of a magrefa (מגרפה) must be learned what also is the lession to be learned from the video:

Vor rund 200 Jahren wurde in Seesen, zwischen Hannover und Goettingen von Israel Jacobson die erste Synagogenorgel eingeführt. In den Folgejahren fanden sich nur wenige einzelne Nachahmer, doch bereits einige Jahrzehnte später war es einer der zumindest vordergründigen Konfliktfelder, die die jüdische Gemeinschaft in Deutschland spalteten und nachhaltig schwächten. Die Befürworter der Synagogenreform argumentierten, dass die Orgel in der Reformsynagoge keine bloße Anbiederung an das Christentum sei, sondern seinen Ursprung gar im jüdischen Tempel von Jerusalem habe. Dies freilich basiert auf der wohl absichtlichen Missdeutung einer Passage aus der Mischna in welchem davon berichtet wird, dass im Tempeldienst ein als “magrepha” bezeichnetes Werkzeug auf dem Boden geworfen, um einen Signalton zu geben. Spätere Kommentatoren erklärten den lauten Krach mit hundert, ja sogar mit tausend Tönen, was nun eben als Orgel umgedeutet wurde, ohne freilich erklären zu können, warum man das Instrument dadurch spilet indem man es auf einen Steinboden wirft. Tatsächlich sollte damit nur die hundertfache oder tausendfache Stärke des Lärms umschrieben werden, die man in ganz Jerusalem, ja sogar “bis nach Jericho” noch habe hören können – aus letzterem schließt trotzdem niemand, dass das Gerät, bei dem es sich um eine wohl gusseiserne Schaufel für die Kohlen des Brandopfers handelte, etwa ein Voläufer des modernen Telefons gewesen sei.


Die Ausnahme bestätigt die Regel

December 29, 2010

One of the most surprising questions among commentators of international political affairs is the one whether it is “possible“ to criticize Israel. The answer is much simpler as the question: of course it is and in fact there is hardly any country in the world what got more of criticism from international institutions as well as from the media worldwide  in the course  of the last decades. The negative attention Israel gets around the globe is disproportional by far, while other conflicts and crisis’s in the world with far more victims are underrepresented in the news as well as in UN bodies. Since many of the statements are biased against Israel the next question is: are all critics of Israel anti-Semites? Well, actually, what if ..? Would your coffee taste different?

To understand Anti-Semitism is easy if you realize that it only needs to follow few basic rules: the first is, not to like Jews, the second is to come up with special criteria which may be ridiculous or awkward if applied in other contexts. The third rule is too similar to the first one, to mention it, but implies that regarding Anti-Semitism only Jews are biased. As all governments in the world also the one Israel deserves and needs criticism as national and international feedback, but in order to be productive complaints and objections need to be rational, fair and coherent, applying the same universally valid principles, without recourse to traditional anti-Semitism with a new livery as so called anti-Zionism more than often does.

 

Um den Hass auf Juden zu verstehen genügen im Prinzip wenige Grundregeln. Er richtet sich gegen Juden, er schafft immer neue, oft lächerliche Sonderregeln, die so nur zur negativen Beurteilung von Juden gelten und ansonsten nicht zum Einsatz kommen. Dieser rote Faden schlängelt sich durch die Jahrhunderte und verdichtet in immer neuen Varianten tradierter Klischees zu scheinbar neuen Einsichten. Alte Argumentationsmuster, die sich zur Bekämpfung des „Ewig Jüdischen“ als untauglich erwiesen haben, werden dabei bereitwillig als Fehler eingestanden und durch „zeitgemäße“, „moderne“, sprich „wissenschaftliche“ ersetzt. Die Distanzierung von den alten Beweismitteln schafft dabei eine vorgeblich erfrischende, von Ballast befreite Pseudo-Objektivität und neuen Elan, ist methodisch aber nur eine Wiederholung oder christliche gesprochen: alter Wein in neuen Schläuchen

Das bekannteste Beispiel dafür ist der Begriff des Antisemitismus – den Antisemiten heute in aller Regel bereits als Last empfinden und als „Totschlagargument“ oder „Keule“ in Abrede stellen, wissend, dass er viel zu populär und einschlägig negativ besetzt ist, um sich gegen ihn noch behaupten zu können. Er basiert jedoch selbst schon auf der willkürlichen linguistischen Einteilung der Sprachen in sog. Familien, etwa slawische, germanische, semitische, usw. Unter letzterem versteht man beispielsweise  Arabisch, Hebräisch, Phönizisch, Aramäisch, aber auch das äthiopische Amharisch. Diese allgemein anerkannte Definition ist jedoch recht spekulativ und leugnet die immense Verwandtschaft und gegenseitige Beeinflussung etwa der hebräischen (=semitisch) und griechischen (= indogermanisch) Sprachen. Nicht nur sind die frühen Buchstabenschriften beider Sprachen nahezu identisch (wo dies nicht geleugnet werden kann, spricht die objektive Wissenschaft dann freilich vorsichtshalber nicht von Hebräisch, sondern von „Phönizisch“) , auch die Namen der Buchstaben stimmen weitgehend überein (Alef = Alpha; Bet = Beta, Gimmel = Gamma, Dalet = Delta, …). Natürlich gibt es eine recht hohe Menge an  gemeinsamen Vokabular, doch es ist vom Standpunkt der Sprachwissenschaft im 19. Jhd. plausibler eine enge Verwandtschaft zwischen Griechisch und Indisch zu (er)finden, während die Sprachen der beiden Mittelmeeranrainer gänzlich unterschiedlich zu bleiben.

Folgerichtig ist auch schon der vorgeblich „neutrale“ Begriff des „Semitischen“ bereits willkürlich, und ein Beleg die bereitwillige Anwendung der „antijüdischen Sonderregel“, basiert er doch auf der legendären biblischen Randfigur des „Sem“ (Schem), einem Sohn Noachs. Im Gegenzug leitet sich die Definition der germanischen Sprachen nach dem eher fiktiven Sammelnamen der Germanen benannt werden (was die Römer erfanden; wobei Plutarch sie etwa noch mit den keltischen Kimbern verwechselte …) und nicht etwa nach der gleichfalls biblischen Randfigur des Aschkenas, im Mittelalter immerhin noch einigermaßen gängigen Bezeichnung für “Deutsche”, insbesondere bei Juden, die selbst aber übrigens „Taitsch“ redeten, etwas heute objektiv als „Jiddisch“ bezeichnet wird…

Bereits im preußischen Staatslexikon von 1865 ist das Adjektiv „antisemitisch“ eingeengt auf „gegen das typisch Jüdische gerichtet“.  In den 1870er Jahren machte der deutsche Journalist Wilhelm Marr den „linguistischen“ Begriff populär und wandte ihn in verschiedenen Schriften immer wieder und gegen „die Juden“ und keineswegs gegen die Sprecher (anderer) „semitischer“ Sprachen. Das muss man anmerken, da manch vermeindlich “kluger Kopf” sich an seinen Fingern abzählt, Araber können gar keine Antisemiten sein, da sie selbst Semiten wären … Richtig, Al Capone konnte keine Mafioso sein, da er ja selbst Italiener war. Jetzt ist auch das geklärt.

Nachdem Juden nach der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts längst keine einheitlichen Positionen mehr vertraten (falls sie das vorher jemals taten), suchten Gegner der ohnehin nur sehr zögerlich von statten gehenden  „Emanzipation“ nach neuen Kriterien, um die tradierte Abneigung aufrechtzuerhalten. Wie viele andere lehnte Marr deshalb auch die religiös motivierte Ablehnung der Juden als nicht zeitgenössisch ab. Was auch wollte man den Juden im Zeitalter der Industrialisierung und rasanten Verstädterung auch vorwerfen, etwa dass sie sich beschneiden ließen anstatt an eine jungfräuliche Geburt zu glauben? Juden lebten in keinem wie auch immer definierten Ghetto mehr, sondern waren Fabrikarbeiter, Lehrer, Bauern, Soldaten, Journalisten, Kaufleute, Arbeitslose, Geschäftsinhaber, Kriegsinvaliden, Opernbesucher oder Sportler wie Christen auch. Insbesondere in Deutschland hatten sich zahlreiche Juden, insofern sie nicht gleich zum Christentum konvertierten als „Liberale“ weitgehend angepasst. Hatte Heinrich Heine die Konversion zum Christentum, scherzhaft oder nicht, noch als „entre billet zur europäischen Kultur“ bezeichnet, so waren nach ihm der Grad der Anpassung an christliche Gebräuche geradezu der Maßstab für ein reformiertes oder liberales Judentum, meist protestantischer Ausprägung. Zum Ausdruck kam dies insbesondere durch Kirchenorgeln und Chöre in der Synagoge, aber auch durch Rabbiner, die nicht nur die Gewänder christlicher Geistlicher nachahmten, sondern wie diese auch entsprechende deutsche Predigten in den Blickpunkt der Gottesdienste stellten. Wo also zahlreiche Juden sich bereitwillig den christlichen Gepflogenheiten anpassten, manchmal auch anbiederten, mussten auch ihre Gegner Schritt halten und sich neue Strategien ausdenken, um Assimilationen und Konversionen als nichtig und unwirksam zu definieren.

Folglich mussten bestimmte, unveränderliche Eigenschaften der Juden, die auf den tradierten Klischees des christlichen Mittelalters und des in Bezug auf Juden wenig bis gar nicht aufgeklärten Humanismus basierten, neu arrangiert werden. Der religiös-kulturell motivierte Hass auf Juden wich so zunehmend einem „modernen“, mit der „Abstammung“ der Juden begründeten „Antisemitismus“. Ob der Jude nun ein Kaufhaus besaß oder Tagelöhner bei einem Bauern oder in einer Fabrik war, als Opernsängerin oder Reserveoffizier, als Kommunist, Fußballer, Bierbrauer oder Talmudschüler „in Erscheinung trat“, traditioneller, „liberaler“ oder getaufter Jude war, spielte von nun an keine Rolle mehr, da er allein durch seine Abstammung über Eigenheiten verfügte, die er weder durch Orts- noch Berufs- oder Religionswechsel einbüßen konnte, stammten sie aus der biologistischen Sicht der politischen Naturalisten doch ggf. von anderen Affen ab als sie selbst.

Ein Karl Marx, dessen ursprünglich jüdische Eltern noch vor seiner Geburt zum Christentum übertraten, “konnte” so natürlich „Jude“ bleiben, während sein Kollege Engels, ähnlich wie Lenin oder Stalin natürlich nicht in selber Weise als „Christ“ betrachtet wurde, sondern nur als Kommunist. Ebenso sieht man auch in Hitler heute keinen Christen, obwohl er von christlichen Eltern abstammend, getauft und christlich erzogen wurde und niemals aus der katholischen Kirche austrat und sich das Programm der NSDAP ausdrücklich auf das “positive” Christentum beruft. Stattdessen versuchen Verschwörungstheoretiker Hitler einen etwaigen jüdischen Vorfahren anzudichten, vielleicht, weil damit „alles“ erklärt werden könnte?  Auch ein Pol Pot wird nicht als buddhistischer Mönch gesehen, der er war und wie viele Apologeten versuchten uns in den letzten Jahren zu erklären, dass Osama Bin Laden, kein richtiger Muslim ist ..?  Dies verdeutlicht einmal mehr die Besonderheit des Hasses auf Juden, die Regel nämlich, dass für die (negative) Beurteilung der Juden immer Sonderregeln ersonnen werden, die ansonsten – wohl ganz zu Recht – nicht zur Anwendung kommen.

Dieser Mechanismus prägte bereits das mittelalterliche Feindbild und betrifft die „judentypische“ Eigenschaft der Gier und des Wuchers. Das Klischee, das auch angeblich wohlmeinende Autoren immer wieder bemühen, argumentiert mit dem kirchlichen Zinsverbot einerseits und dem Ausschluss von Juden aus ehrbaren Berufen des Handwerks andererseits. In der Summe ließ dies Juden sodann gar keine andere Wahl, als unter hohen Risiken Kredite gegen hohe Zinsen zu verleihen. Mit dieser „verständnisvollen“ Rechtfertigung wird jedoch nur das Klischee zementiert und neuerlich auf ein scheinbar stabiles Fundament gestellt. Einer unvoreingenommenen Prüfung hält dies freilich nicht stand. Zum einem ist aus mittelalterlichen Dokumenten nicht zu entnehmen, dass Juden keine Handwerker waren und sein konnten. Sie gerbten Leder, buken Brot, brauten Bier, waren Lehrer, Schreiber, Köche, Schmiede, Soldaten, Mathematiker, Metzger, usw. In Augsburg beispielsweise bauten die Juden um das Jahr 1300 sogar einen 400 m langen Abschnitt der sieben Meter hohen Stadtmauer. Wie alle anderen Verbote seit Menschheitsgedenken, wurde wenig überraschend auch das Zinsverbot der Kirchen immer wieder gebrochen und wo es seitens der Kirche und weltlichen Herrscher ausdrücklich so gewollt war, sogar institutionell umgangen.  Man vereinbarte sodann eben keine Zinsen sondern Wechsel mit entsprechenden Gebühren. Ähnlich praktiziert es heute noch der Islam. Man nimmt einen Kredit über 1.000 Euro auf, bekommt aber nur 900 Euro ausbezahlt und zahlt den Rest in Raten zurück – … und welch Wunder: man zahlt keine Zinsen.  In mittelalterlichen Steuerlisten sind kaum mehr als 5 % der genannten jüdischen Steuerzahler im sog.  „Geldhandel“ tätig, wobei die meisten wiederum nur kleine kurzfristige Pfandgeschäfte mit Nachbarn aushandelten. Zur Stigmatisierung der Juden reichte das freilich aus – bis heute, gelten „Geschäftstüchtigkeit“ und eine bestimmte Form von „Gerissenheit“ doch immer noch als „typisch jüdisch“. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um einen Bettler oder Fabrikanten handelt, da der scheinbare Erkenntnisgewinn durch das vorangestellte Attribut „jüdisch“ erzielt wird und ein „jüdischer Fabrikant“ ebenso wie ein „jüdischer Bettler“ im Rahmen der Sonderbeurteilung, ganz eigene Assoziationen weckt, die andernfalls nicht zwangsläufig vorhanden sind.

Der Hass auf Juden geht sogar so weit zu erdichten, dass es ihn immer und überall gab. Auch das ist natürlich Unsinn.  Es gibt keinen weltweiten Hass auf Juden und keinen der bei allen Völkern existiert, selbst die abermals entschuldigend gedachte Nachkriegsmetapher eines „Antisemitismus ohne Juden“, den Wohlmeinende anführen, um zu erklären, dass Juden nicht am Antisemitismus Schuld seien, untermauert das Vorurteil, dass es zu beseitigen sucht. Tatsächlich wirkt auch hier wieder der Mechanismus der bedingten Sonderregel. Wollte man wirklich einen Antisemitismus ohne Juden lokalisieren, so müsste man diesen am besten in Gegenden finden, in denen es keine Juden gab, etwa unter den Massai, in Japan, in China, Indien oder bei den Eskimos – aber dort wird man ihn vergeblich suchen. Zugleich wird mit der postulierten Verfolgung der Juden zu allen Zeiten natürlich auch die wirkliche Geschichte des jüdischen Volkes geleugnet, aus Unkenntnis oder aus Berechnung sei dahingestellt. Dies hängt natürlich auch mit dem christlichen Wunschbild zusammen, dass auf die Ablehnung des Jesus durch die Juden eine „ewige Strafe“ erfolgte, die Juden in aller Welt zu armseligen Untertanen degradieren sollte. Im mittelalterlichen Spanien, aber auch im Deutschen Reich besaßen Juden jedoch weitgehende Autonomie, wie sie sonst nur den Kirchen zugebilligt wurde.  Als sog. „Kammerknechte“ unterstanden Juden nur bei Kapitalverbrechen der direkten Gerichtsbarkeit des Kaisers und seiner Vögte, was zur Folge hatte, dass sie die meisten anderen Rechtsstreitigkeiten autonom regeln konnten, während Auseinandersetzungen mit Christen im Beisein des kaiserlichen Vogtes im Gericht der Synagoge verhandelt wurden. Das soll nicht heißen, dass Juden in Mittelalter nicht Verfolgungen und Ausschreitungen ausgesetzt waren, doch verglichen mit der Stellung der meisten Christen, die das Pech hatten weder den Patriziern noch dem Klerus anzugehören, besaßen sie doch eine herausgehobene und relativ sichere Rechtsposition.  Dass es vor Mohamed aber jüdische Könige wie Dhu Nawaz in Saudi Arabien gab, oder das zum Judentum konvertierte Königreich der Chasaren im Kaukasus gab, ganz zu schweigen von zahlreichen autonomen jüdischen Fürstentümern in Babylonien, die fast acht hundert Jahre existierten, muss man für wie vieles andere für die These des „ewig verfolgten Opfers“ … opfern. Und auch dann, wenn eine historische Person, wie der persische König zur Zeit von Ester sich gegenüber den Juden ausgesprochen positiv verhielt, verfremdete eine judenfeindliche Überlieferung auch diesen zum Zerrbild und so mutierte um 1600 mit dem „Volksbuch vom Ewigen Juden“ König Ahasver selbstredend zum zeitlos umherirrenden jüdischen Ungeist, zum „Wandering Jew“, der mal als verräterischer Judas oder auch noch im von Wes Craven präsentierten Gruselfilm als „Dracula 2000“ in Erscheinung tritt.

Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass das Stilmittel der negativen Umdeutung auch vor dem millionenfachen Massenmord der Nazis nicht Halt machte. Der rassische Antisemitismus hatte nach Auschwitz natürlich ausgedient, zum einem wegen der Scham über den Gigantismus des Verbrechens an den europäischen Juden, zum anderen weil auf wissenschaftlicher Basis nicht belegt werden konnte, dass sich das Blut eines Christen der zum Judentum konvertierte, tatsächlich verwandelte. Die Scham (oder war es bloßes Schweigen?) hielt einige Jahre an, bis diverse Prozesse gegen Nazi-Verbrecher und „Entschädigungszahlungen“ auf jeweils eigene Weisen die „jüdische Frage“ erneut ins Bewusstsein brachten. Schnell waren nun wieder Stimmen zu hören, die den Juden unterstellten, die „üblichen Geschäfte“ zu machen, ja sogar noch vom Tod enteigneter und ermordeter Verwandter profitieren zu wollen. Revisionisten versuchen seitdem die Zahl der Holocaust-Opfer systematisch herunter zurechnen, andere die Verbrechen der Nazis mit angeblichen des israelischen Militärs zu relativieren. Und so erfährt die altbekannte Methode auch in den jüngsten Jahren neue Facetten. Die neue Gewandung nennt sich deshalb auch „Anti-Zionismus“ und so wie Marr einst bestritt, dass sein rassischer Antisemitismus religiöse Muster beinhalte, so wehren sich heutige „Israel-Kritiker“ gegen den Vorwurf „antisemitische Klischees“ zu bedienen.

Zionismus als solcher bedeutet im Grunde genommen nichts anderes als das Recht der Juden auf einen eigenen Staat. Die Eigenstaatlichkeit und das Selbstbestimmungsrecht der Völker sind an sich nichts, was sonst einer weiteren Diskussion bedürfte. Anders verhält es sich natürlich,  wenn es sich dabei um Juden handelt. Dann nämlich wird folgerichtig natürlich wieder eine „Sonderregel“ ersonnen, die im Zionismus bloßen „Rassismus“ sieht (so urteilte die UN 1975), den es zu bekämpfen und zu beseitigen gilt und so wird dem Judenstaat als „Jude unter den Staaten“ als einzigem Land der Welt mühelos das Existenzrecht abgesprochen.

Klassischer Antisemitismus ist das natürlich nicht, denn man billigt den (überlebenden?) Juden durchaus zu, in einem gemeinsamen arabisch-jüdischen Staat als tolerierte Minderheit zu existieren. Möglicherweise als sog Dhimmis unter dem Schutz der Scharia, was ja auch im spanischen Mittelalter gut geklappt haben soll, zumindest behaupten das auffällig viele Bücher seit der „Ölkrise“ in den frühen 1970er Jahren. Während linke und rechte Extremisten Israel einen „Holocaust an den Palästinensern“ vorwerfen, sehen auch die Wohlmeinenden die Anhänger der Hamas als „Opfer der Opfer“ und versuchen stattdessen die „Hardliner“ unter den Israelis auf „Friedenskurs“ zu bringen. Diese Friedensdefinition verlangt freilich, dass Israel einseitige Nachteile in Kauf nehmen soll, um zu erreichen, was Israels Gegner weder mit militärischen noch terroristischen Mitteln durchsetzen konnten. Leute denen es völlig egal ist, ob im Sudan arabische Muslime pro Tag tausend schwarze Muslime aus rassistischen Gründen töten, schreien empört auf, wenn Israel einen Terroristen der Hamas tötet und ziehen Vergleiche zu den Verbrechen der Nationalsozialisten. Das tun auch manche Araber gerne, die sich freilich nicht ganz einig sind, ob sie Hitler für die Ermordung von Millionen jüdischer Zivilisten danken oder den Davidstern mit dem Hakenkreuz gleichsetzen sollen. Nach dem Leitfaden der antijüdischen Sonderregel setzt man vielleicht auch besser vorsichtshalber auf beide Varianten. Das ist nicht weiter schlimm, schließlich hatten die Nazis ja auch den Juden zeitgleich vorgeworfen, Drahtzieher des Kommunismus wie des Kapitalismus zu sein.

Wegen der Nazis gilt Antisemitismus aber noch immer vor allem als eine Besonderheit der extremen politischen Rechten, gerade auch weil liberale oder linke Parteien und Gruppen dies gerne zum Instrument im Kampf gegen Rechte benutzen. Auf Antisemitismus beruhender Populismus kann sich aber bei Bedarf überall finden, wo es zweckdienlich erscheint, man denke an die FDP mit Möllemann. Linke und christliche Pazifisten finden nichts dabei, gegen „Israels Verbrechen“ zu demonstrieren und dabei Seite an Seite mit Vertretern der Hamas und Fatah in Deutschland zu marschieren.  Sie finden auch leicht den einen oder anderen Israeli oder Juden als Kronzeugen für ihre Position. Aber verglichen mit der paramilitärischen und logistischen Kooperation der linksextremen RAF mit arabischen Terrorgruppen etwa beim Olympia – Massaker an israelischen Sportlern 1972 in München, ist dies harmlose, weil folgenlose Folklore, die eher der Wahrung eigener Traditionen dient und erkennbar ohne Einfluss auf die äußere Realität bleibt.

Aber auch dies ist kein Makel einer einzelnen politischen Richtung. Als deutsche katholische Bischöfe vor einem Jahr in den „Nahen Osten“ reisten, kamen sie mit dem merkwürdigen Vergleich zurück, der Gaza-Streifen gleiche dem Warschauer Ghetto. In diesem kämpften im Frühjahr 1943 „totgeweihte“ Juden noch nicht mal mehr um ihre Freiheit, sondern um die Art ihres Todes. 30 % der städtischen Bevölkerung wurden auf 2 % der Fläche zusammengedrängt und systematisch ausgehungert und dezimiert. Im Gaza-Streifen jedoch feuerte die Hamas einen scheinbar unbegrenzten Vorrat an Raketen und Mörsern auf jüdische Wohngebiete in Israel ab. Es ist klar, dass die Gleichsetzung des einem mit dem anderen einer gewissen Übung bedarf – allgemein „Kritik üben“ genannt. Und in der Tat, gibt es auch hier offenbar ein Argumentationsmuster: Vergleiche zur Nazizeit sind nur dann gängig und gebilligt, wenn sie zu Ungunsten der Juden ausfallen. Der Augsburger Bischof Mixa etwa bemerkte vor einem Jahr bei einer Rede zum „politischen Aschermittwoch“ die Zahl der „sechs Millionen Opfer des Holocausts“ sei „durch die Zahl der Abtreibungen inzwischen längst übertroffen“ worden.

Leugnung und Relativierung des Holocausts findet bei Revisionisten über die „unfassbare“ Zahl der auf- oder abgerundeten „sechs Millionen“ ermordeter Juden im Nazi-Reich statt. Ein umstrittener englischer Bischof tat dies auf eben diese Weise und wollte allenfalls zwei- oder dreihunderttausend ermordeter Juden „einräumen“. Sein Augsburger Kollege tut dies ausdrücklich nicht. Er anerkennt das Verbrechen, aber er merkt, dass die Zahl der Abtreibungen die der Holocaust-Opfer „bereits“ übertrifft. Das kann stimmen oder nicht, aber was sollte diese Verknüpfung nun eigentlich besagen?

 Die Zahl von sechs Millionen Toten ist vielfach übertroffen worden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass jährlich ca. eine Million Menschen Suizid begehen. Wenn das stimmt, wären das über sechzig Millionen Selbstmörder seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Können wir daraus einen relevanten Vergleich zur Zahl der Holocaust-Opfer konstruieren oder zur Zahl der Abtreibungen? Oder wie wäre es mit der Zahl der Verkehrstoten, die alleine in den Mitgliedsstaaten der EU jährlich bei rund 50.000 liegen soll? Welchen sachlichen Zusammenhang gibt es also zwischen Holocaust und Abtreibung? Vermutlich keinen, außer man wollte sagen, dass jene die vor der Barbarei des Hitler-Regimes abgetrieben wurden, dem Holocaust entgingen. Vielleicht wollte der Bischof ausdrücken, dass er die Anzahl der Abtreibungen für skandalös hält und mit der Feststellung, dass sie bereits höher als die Zahl der Holocaust-Opfer sei, vergleichsweise zu wenig Beachtung findet. Auch das mag sein.  

Die Frage wäre dann freilich, warum er die Abtreibungen nun ausgerechnet den jüdischen Nazi-Opfern entgegen hält? Die Zahl der sechs Millionen bezieht sich ausschließlich auf sie. Aber kamen nicht auch zahlreiche weitere Menschen in den KZs oder bei Erschießungen, usw. um und nicht nur Juden? Warum sind nur die jüdischen Nazi-Opfer der Maßstab? Das leuchtet nicht ein. Ist ihm, dem deutschen Bischof die Zahl nichtjüdischer Nazi-Opfer etwa unbekannt?

Als die Bischöfe im Gaza-Streifen waren, kam ihnen nicht in den Sinn festzustellen, warum denn wegen ein paarhundert getöteter Palästinenser international so viel Aufhebens gemacht werde. Im Vergleich zu den Millionen Opfern des Holocausts sei dies schließlich fast gar nichts. Zugegeben ein solcher Vergleich wäre nicht geschmackvoller und auch nicht angemessener und fast jeder würde sich zu recht fragen, was die Palästinenser mit Auschwitz zu tun hätten? So aber fragen wir uns, was Abtreibungen damit zu tun haben und warum Vergleiche dieser Art scheinbar immer zu Ungunsten der Juden ausgehen „müssen“? Würde sonst niemand die etwaige „Pointe“ verstehen? Nicht minder unverständlich ist freilich der Umstand, dass dem englischen Bischof, der den Holocaust relativierte, ein deutscher Haftbefehl drohte, während der iranische Parlamentspräsident, der ihn komplett bestreitet, auf der Münchner „Sicherheitskonferenz“ seine Ansichten dazu frei äußern konnte, ohne belangt zu werden, womit wir schon wieder eine weitere Sonderregel aufgespürt hätten. 

Ein Detail der Regel ist so auch, dass die bloße (Schatten-)Existenz eines gewiss noch immer vorhandenen rechtsextremen Antisemitismus in der Gesellschaft eine Art Deckmantel für einen ansonsten nicht minder virulenten allgemeinen ist. Da gibt es Einzelne und Gruppen, die heute einen jüdischen Friedhof, morgen eine Synagoge oder ein Museum besuchen, dann zum Klezmer-Konzert gehen, um in der Woche darauf gegen den „Israelischen Völkermord an den Palästinensern“ zu demonstrieren. Der Besuch im jüdischen Museum oder der Kauf einer Klezmer-CD ist Beweis genug, dass man kein Antisemit ist und schon ist man in der glücklichen Position „unter Freunden“ Kritik üben zu dürfen. Dass man mit dem Kauf eines Döners in selber Weise zugleich aber auch die Hamas ebenso emotional „kritisieren“ könnte, kommt nicht in den Sinn, zu Recht, weil der türkische Döner-Schneider mit dieser sehr wahrscheinlich auch gar nichts zu tun hat. 

Die übergroße Mehrheit der Juden in Deutschland stammt aus der ehemaligen Sowjetunion und kennt „das Judentum“ fast nur aus einer merkwürdig anmutenden säkularen, christlich-kommunistischen Perspektive. Sie stellen zum Jahresende einen Weihnachtsbaum ins Wohnzimmer und bestreiten vehement, dass dies etwas mit dem Christentum zu tun haben könnte und behaupten stattdessen, es sei schlicht ein „alter russischer Brauch“, den früher „alle“ befolgt hätten. Abseits davon ist „jüdisches Leben“ in Deutschland im wesentlichen auf museale Aspekte reduziert. Es gibt klassische Konzerte in ehemaligen Synagogen, ansonsten unbenutzte „Ritualgegenstände“ in Vitrinen und natürlich traurige Gedenkfeiern mit Kranzniederlegungen und dergleichen. Thora, Talmud und die eineinhalb Jahrtausende lange Geschichte des Judentums hingegen sind im Bereich von fast „mystisch“ anmutenden Geheimwissenschaften und werden wenn überhaupt auf dem Niveau von einführenden Taschenbüchern oberflächlich abgehandelt. Dementsprechend verfallen auch die Grabsteine „ewiger Ruhestätten“ auf jüdischen Friedhöfe, insofern sie in der Nazi-Zeit nicht schon zerschlagen und entwendet wurden. Analog zum christlichen Brauch reserviert man das inzwischen offenbar als ermüdend empfundene Gedenken an die Verstorbenen, das auf dem Gebot Vater und Mutter zu ehren basiert, für einige wenige „herausragende“ Personen, etwa, Bankiers oder  Rabbiner. Warum sollte man auch einem Bettler oder einem Kind gedenken? Genealogische Beziehungen, die insbesondere für Nachkommen deutscher Juden in aller Welt durchaus von Interesse sind, werden hingegen mit erstaunlicher Eifersucht unter meist akademischen Verschluss gehalten und bruchstückhaft in teureren oder der Allgemeinheit schwer zugänglichen Publikationen vermarktet. Dabei basieren sehr viele dieser Informationen auf Registern, die Nazi-Ideologen in den 1930er Jahren den jüdischen Gemeinden geraubt hatten. In den Reichssippenämtern, die alle Standesämter ersetzen sollten, wollte man so Aufschluss darüber erhalten, wer eventuell doch jüdische Großeltern haben mochte oder wer im Umkehrschluss mit dem „Ariernachweis“ studieren oder Beamter werde durfte. Wer dies für ein Randthema des Nationalsozialismus hält, hat diesen nicht wirklich verstanden. Noch im Frühjahr 1945 nämlich, als das Nazi-Reich schon zu großen Teil verwüstet und besetzt war, fotografierten die damit beauftragten Experten im thüringischen Schloss Rathsfeld noch eifrig tagein, tagaus ein Standesregister nach dem anderen. Später wurden diese Filme teilweise an Bundesländer und Institutionen gewinnbringend verkauft und da die meisten Originale vernichtet wurden sind sie heute oft Grundlage einer staatlich gesponserten akademischen Forschung. Da viele Mitarbeiter der Reichssippenämter in der Nachkriegszeit auch schnell wieder zu gewöhnlichen Standesbeamten oder Professoren wurden, gibt es in vielen Fällen auch eine in der Regel wenig reflektierte Kontinuität. Gäbe es nicht das Problem, dass die meisten der heutigen Experten kein Hebräisch können, müsste man annehmen, dass die Nachkommen derer, die einst das Judentum ausrotten wollten, in die Rolle der Bewahrer geschlüpft sind.

Hannah Arendt hatte völlig zurecht darauf hingewiesen, dass Antisemitismus per se internationalistisch und im Prinzip antinational sei. Dies haben zuletzt auch die Auseinandersetzungen um die sog. „Hilfsflotte“ für Gaza untermauert. Bekannte schwedische Krimiautoren wie Henning Mankell reiten sich da zusammen mit Hamas-Führern, Pax Christi Aktivisten, Abgeordneten der deutschen Linkspartei und bewaffneten Aktivisten der islamistischen türkischen IHH, während die Nachrichtenagentur Reuters zugestehen musste, Bilder manipuliert zu haben, um die Kämpfer des vermeintlichen türkischen Hilfsschiffs „Mavi Marmara“ unbewaffnet erscheinen zu lassen. Der Druck der Medien und der Politik in Europa war ebenso rasch wie einhellig und einseitig. Selbst der deutsche Entwicklungshilfeminister schien in das Fahrwasser seines früheren Parteikollegen Möllemann zu geraten und drohte Israel finster und zweideutig, dass es nun gar „fünf vor zwölf“ sei, weil er anders als von ihm verstanden, nicht zu Propagandazwecke in den von der Hamas beherrschten Gaza-Streifen reisen durfte.

Doch bereits im Mai unterzeichnete die neue US-Regierung in New York eine Resolution zum Atomwaffensperrvertrag, die namentlich die (inoffizielle) Atombewaffnung Israels in Frage stellt, jedoch den Iran unerwähnt lässt, obwohl es diesbezüglich eine Reihe von Deklarationen des UN Sicherheitsrates und anderer internationaler Gremien gibt.  Andernfalls hätten der Iran und zahlreiche arabische Staaten die Konferenz boykottieren wollen. Der Preis den Obama für die Teilnahme bereit war zu zahlen, war die gemeinschaftliche Verurteilung Israels. Ähnlich verhält es sich mit dem Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen, der sich fast ausschließlich nur mit Israel und seiner Verurteilung befasst und vielleicht sogar zu diesem Zweck gegründet wurde. Tatsächlich kann dies aber auch daran liegen, dass auf dem restlichen Globus die Menschenrechte tatsächlich geachtet werden und es keine Probleme gibt, die es lohnen würde international zu thematisieren. Die von Obama verkündete „Annäherung an die islamische Welt“ zeigt Wirkung. Dies geht soweit, dass die US Regierung künftig Begriffe wie „Islamismus“ vermeiden will, um die Muslime der Welt nicht „pauschal“ zu beleidigen, während im Gegenzug suggeriert wird, dass Anti-Zionismus nicht antisemitisch sei, sondern … ähm, nun ja, sich ja vielleicht nur ganz zufällig gegen Juden richte. Kann ja mal passieren, oder? Während der Judenstaat also zunehmend als “Sicherheitsrisiko” empfunden wird – zwei Drittel in Deutschland nannten in einer Umfrage  Israel “die größte Bedrohung des Weltfriedens” – zünden muslimische Einwanderer in Deutschland Synagogen an oder bewerfen jüdische Tänzer, wie letztens bei einem Stadtteilfest in Hannover mit Steinen und rufen „Juden raus!“, ohne dass sich die deutsche Öffentlichkeit ob solcher “Bagatellen” groß dafür interessiert.  Die ist damit beschäftigt auf der Straße zu tanzen und Fußballer national zu instrumentalisieren, während Umfragen in Israel während der Fußball-WM ergaben, dass das deutsche Team bei den Israelis am meisten Sympathien hatte, dicht gefolgt von den Holländern.

Zugegeben, das Judentum in Deutschland, das in der Nachkriegszeit personell und institutionell sozusagen ausgeblutet war, kann man als „faktisch tot“ betrachten, daran ändern auch erst spät in den letzten Jahren und Jahrzehnten aufgezogene Museen und restaurierte ehemalige Synagogen wenig. Diese dienen auch nicht den zugewanderten Juden, sondern dem guten Gewissen der akademischen “Elite”, die dort bei entsprechender Neigung in der ehemaligen Synagoge ein vorweihnachtliches Adventssingen genießen kann. Die Reste an Akten und Relikten werden gehütet, als wären es heilige Grale. Die akademische Inbesitznahme der jüdischen Überreste, gerne „Spuren“ genannt, scheint unter dem Gebot des von Christen beanspruchten Gebots „liebe deine Feinde“ damit sozusagen fast um „Endsieg“ ausgebaut worden zu sein, während die akut wachsende Bedrohung jüdischer Gemeinden wegen der Angst „ausländerfeindlich“ zu erscheinen, ignoriert wird.

Wo es nun aber kein Judentum mehr gibt, ist es auch nicht verwunderlich, dass Antisemitismus sich heute fast ausschließlich nur noch über den „Umweg Israel“ definieren kann. Und so bleibt es nicht aus, dass wann immer es im „Nahen Osten“ zu militärischen Konflikten kommt – und das kann im Prinzip von heute auf morgen so sein  – mit Anschlägen auf Synagogen, Friedhöfe und andere jüdische Einrichtungen zu rechnen ist – nur dass die ermittelten Täter in aller Regel keine deutschen Neonazis, sondern meist Muslime sind. Andererseits gibt es auch einige wenige Linke, die ganz entschieden für Israel sind und auch so auftreten, doch sie nennt man innerhalb der „Szene“ warum auch immer „Antideutsche“. Auch das sind Besonderheiten, die für ein halb museales, halb „russisches“ Judentum in Deutschland wenig Gutes versprechen.

(Mai und Juni 2010, erschienen im „Euro Journal  pro management“  4 / 2010 (Dezember)

Method of Antisemitism, how it works: The Exception proves the Rule


Warum legt man kleine Steine auf jüdische Grabsteine?

November 16, 2010

Oft werden wir nach der Bedeutung und Herkunft der überall anzutreffenden Sitte gefragt, auf jüdischen Grabsteinen und Denkmälern Steinchen, meist Kieselsteine abzulegen. Allgemein wird dies auch von sog. Fachleuten mit einer für  „Nomaden“- oder „Wüstenvölker“ angeblich typische Bestattungspraxis erklärt.  Demnach legte man auf die Grabstätte Steinhaufen, um den Leichnam vor wilden aasfressenden Tieren zu schützen. Der Vorstellung nach haben Angehörige bei jedem Besuch ab und an weitere Steine dazugelegt, um diesen Schutz zu erneuern, woraus sich sodann der entsprechende Brauch entwickelt habe. Sollte es ein solches Brauchtum tatsächlich jemals gegeben haben, so hatten die (wann eigentlich?) „nomadisierenden“ Juden ihn wohl bereits vergessen, als sie in Israel sesshaft wurden, zumindest kennt auch der Talmud keine entsprechende Praxis.  Sie wäre auch gänzlich unnötig, wenn man den Leichnam tief genug begräbt …

Tatsächlich geht die Praxis aber wohl doch auf die im antiken Israel übliche Bestattung zurück, die jedoch in vielen Einzelteilen von der heutigen abweicht. In aller Regel wurden Tote selten auf Äckern oder eigenen Grabfeldern bestattet, sondern in Grabhöhlen, die meist einzelnen Familien gehörten und oft auch wie im antiken Ägypten eigens für den Zweck der Bestattung künstlich geschaffen wurden und nicht selten über einen Zugang mehr oder minder tief unter die Erde, bzw. in den Felsen reichten.

Die Bestattung vollzog sich anders als heute in zwei Schritten. Zuerst wurde der Leichnam auf einer Art Steinbett zur raschen Verwesung aufgebahrt, später wurden die Knochenreste eingesammelt und gesammelt, um sie endgültig in einem kleinen, platzsparenden, meist in etwa quadratischen Steinbehälter, lat. Ossarium („Knochenhaus“) zu sammeln, welches sodann in einer Nische כוך (kùch) in einer Seitenwand der Familiengruft beigesetzt wurde. Sehr häufig wurden diese Behälter beschriftet mit dem Namen des Verstorbenen. Die Grabhöhle oder der Teilbereich einer Grabhöhle, etwa der der einer einzelnen Familie gehörte, wurde mit einem beweglichen, גולל (golèl) genannten Stein verschlossen, der seinem Namen nach meist rundlich war, aber auch in quadratischer Form belegt ist. Zur Festigung oder Sicherung dieses Golel-Steines nun benutzte man kleine Steine, den sogenannten דופק (dofèk), der nach jedem Besuch der Grabhöhle neu gelegt wurde, wörtlich etwa „der (An)Klopfer“ (vom Verb דפק dafak = (klopfen) und im heutigen Sprachgebrauch der (medizinische) Puls. Schon bei der Bestattung heißt es deshalb entsprechend דופק סתימת הגולל – der Dofèk verschließt den Golèl (Ket. 4b, Sanh. 47b, u.a.).

Als Dofèk nun durfte man nichts verwenden, was selbst gelebt hat, also nichts was von einem Tier oder einer Pflanze stammte, weshalb der Einfachheit halber der Brauch entstand, keilförmige oder andere kleine Steinchen als Abschluss zu nehmen. Im sprichwörtlichen Sinne führte dies auch zu Redensarten wie  לא דופק לסוכה … ולא גולל לקבר – (wörtlich: kein golel für die Sucka [da zu groß] und kein golel fürs Grab [da zu klein]), sinngemäß etwa: weder das eine, noch das andere (nichts Halbes und nichts Ganzes, weder Fisch, noch Fleisch, etc.). 

Der Brauch, einen Stein ans Grab zu legen stammt demnach aus der antiken Bestattungskultur der nahöstlichen Grabhöhlen, für deren Existenz uns schon die Thora das Beispiel der Machpela – Höhle bei Hebron gibt, die Abraham für seine Familie erwirbt. Sie ist keineswegs auf das Judentum beschränkt, so wie sich der Brauch kleine Steine auf das Grab zu legen auch in manchen katholischen Gebieten Italiens erhalten hat. Auch das Christentum überliefert z.B. im Evangelium Markus 16 den Golel.

Es ist zunächst die praktische Funktion des Dofèk, der als eine Art Riegel oder Sperre das unbeabsichtigte Wegrollen oder Verrutschen des meist runden Golèl verhindern soll, zugleich ist es aber im Wortsinn auch ein „Anklopfen“ (des Steinchens an den Grabstein) und deshalb ohne die frühere praktische Funktion als „Gruß“ an den Toten zu verstehen.

Why are pebbles laid on Jewish grave markers?

The common custom to leave little stones or pebbles on Jewish head stones goes back to the ancient Jewish funeral practice, when the corps was lay to rest in burial caves. The particular section of the burial cave then in the majority of the cases was locked with a round roll able stone (the golèl). In return to avoid the rolling away of the round golel stone was fixed with a smaller stone, called the dofèk (to knock) a word in modern Hebrew also means the pulse.


The mysterious Pfersee Handschrift

December 22, 2009

 

Dear Marianne Salinger,

I guess you are right, the circumstances are somewhat confused if not abstruse .

Apparantly it is one of those affairs, from which wise people say, you may know quite more about it, if you do not ask any questions. Since once you start with it, you will come to no end and unfortunately to no satisfying result. This is so because there are so many different factors involved you normally would not consider. Maybe Dan Brown should care for it…

First we rely on the information that is provided is true in general. If so, we have a handwritten Talmudic text from Paris, which commonly is dated to the year 1342 … and suddenly two and a half centuries later appears from Italy as property of the Ulmo-Ginzburg family. Another two centuries later there are Rabbis and sages (such as Chaim Azulai and Nathanael Weil…) who turn up in Pfersee … and their reports are the first known eyewitness reports depicting the book, the quantity of text, the structure, order, material, quality, ink and so on. Both reports are from the narrow period 1750-1753 only . Accordingly there even was suggested that the Munich or Pfersee Talmud Handschrift only very briefly was in the possession of the Ulmo family, if at all (see: Fuerchtegott Lebrecht – Handschriften und erste Ausgaben des Babylonischen Talmuds, Berlin 1862, p. 55 ff. and p. 99 ff.). 

 And so the questions begin working: For what reason the two reports from the 1750s differ from the manuscript in Munich regarding the order, content and most important regarding the colophons which give some data as the name of the writer, printer, the date and so on.  For some time there was the assumption that there maybe were two different old Talmudic handwritings, one in Pfersee, one in Munich. This is somewhat confusing of course since the “Pfersee Handschrift” also is known as “Munich Handschrift” (Muenchen). 

Similar to the questions regarding the former owners and the like it is unclear under what circumstances and about what time the Pfersee Handschrift came to Polling. The most precise estimation possible seems to be between 1754 and 1802 …

Apparently there are no catalogs with listings of the purchases the Polling monastery made. But it is known, that the Polling provost Franz Toepsl exceedingly expanded the library and bought numerous books, many in “oriental” languages. In the course of the secularization after 1803 all the books from Polling library were moved to Munich. What also is sure is that in the early 1860s Raphael Rabinovicz from Novo-Zagorny near Kovno (Kaunas) settled in Munich and “discovered” the Handschrift in rooms of the Royal Bavarian Library in Munich. Rabinovicz determined to make a critical examination of it. His financer was an antiques dealer from Munich – a constellation that also is known from other contexts. Before Rabinovicz however there was no academic reflection and debate on the Pfersee or Munich Handschrift. In other words: the Handschrift was unknown before him. On the other hand so far there is nobody who doubts the authenticity of the book , now known as Cod. Hebr. 95.

The actual Handschrift is preceded by several printed pages, one obviously is from the monastery of Polling, others provide table of contents in Hebrew, which already have the actual signature of the Munich library in the printed text (the signature in Polling was – of course – different). So the book in the current state we know was bound in Munich, obviously not before Nathan Rabbinovicz had worked with it.

So there are many more questions if you do not rely on former presumptions and their perpetuation.

Your specific question was whether a wealthy Jewish community who had enough money for loans also had to have money to keep a priceless book. Yes, that’s the way it should be. But … as I have summarized the Jewish witnesses of the book mentioned it about 1750 (and it is not sure if they really described the very same one) and the next undoubted statement on it is that of Raphael Nathan Rabinovicz who obviously arranged the volume and furnished it with tables of content. Older handwritten parts were glued together and placed in front of the handwriting. They are obviously of some age, but they can originate from everywhere – since the binding was made not before the 1870s. In addition there are numerous small handwritten notes at the front and back cover of the book, most of them seem to be writing exercises, for instance the following example:

אני אורי יהודא שליטא

 

The last abbreviates שיזכה לחיים טובים ארוכים

It is questionable if those notes (often regarded as signatures of the former owners) may be older than the cover sheets ..?

However between 1750 and 1870 there are another  120 years without any further explanation. So we also do not know whether the Jewish bankers and lenders from Kriegshaber and Augsburg who financed credits to the broke Free Imperial City of Augsburg in the very beginnings of the 19th knew of the existence of the book at all.

See also:

רפאל נתן נטע ראבינאוויץ 

  ספר דקדוקי סופרים : עם הגהות נקראות דברי סופרים -


Wochenabschnitte und Lichterzünden

November 18, 2009

Frage: Stimmt es, dass im jüdischen Gottesdienst die fünf Bücher Moses auf das Jahr verteilt gelesen werden und dass das Jahr über die Gottesdienstzeiten sich nach dem Zeitpunkt der Abenddämmerung richtet?

Ja, beides ist zutreffend. Da im Judentum der Kalendertag mit der Abenddämmerung beginnt, ist dies je nachdem ob im Sommer oder Winter und in welchem Teil der Welt recht unterschiedlich – aber natürlich in keiner Weise willkürlich oder gar “unberechenbar”. In unseren Breitengraden kann jedoch Beginn oder Ende eines Tages und damit auch des wöchentlichen Schabbat je nach Jahreszeit entweder um vier Uhr nachmittags oder erst abends gegen 21/ 22 Uhr sein. Die Definition der Tage richtet sich immer nach der Sonne, während die Monate sich strikt am Mond orientieren. Neumond ist immer der Beginn eines neuen jüdischen Monats, so wie man am Halbmond immer erkennen kann, dass die Mitte (14./15.) eines Monats erreicht ist. So es also nicht bewölkt ist, kann man am Mond entsprechned auch immer das jüdische Datum ablesen.

Ulmo Grabstein Kriegshaber Pfersee

Im Laufe des Jahres wird die Thora aufgeteilt in feste Wochenabschnitte (פרשיות). Der Zyklus beginnt mit dem Ende des Suckot-Festes und deckt deshalb das jüdische Kalenderjahr nicht vollständig ab. Unser Kalender gibt für das aktuelle Jahr 5770 die Abschnitte für die Thoralesung wieder mit der Bezeichnung der hebräischen Namen und der für die Stadt Augsburg berechneten Zeiten für das jeweilige Lichterzünden (”’) und Schabbat-Ende (***). Einzelne Festtage, Omer-Zählen oder Neumonde (rosch chodesch) können daraus erschlossen werden.

Abschnitte für das Jahr 5770 mit Zeiten für Augsburg

Allgemeines Datum        Jüdisches Datum

 ììì

פרשת השבוע

***

         
16.10.09 28 Tischri 5770 18:08 Breschit 19:08
23.10.09 05 Cheschvan 5770 17:54 Noach 18:56
30.10.09 12 Cheschvan 5770 16:41 Lech Lecha 17:44
06.11.09 19 Cheschvan 5770 16:31 Vajera 17:33
13.11.09 26 Cheschvan 5770 16:22 Chaje Sara 17:23
20.11.09 03 Kislev 5770 16:14 Toldot 17:17
27.11.09 10 Kislev 5770 16:07 Vajetze 17:09
04.12.09 17 Kislev 5770 16:06 Vajischlach 17:07
11.12.09 24 Kislev 5770 16:03 Vajeschew 17:06
12.12.09 25 Kislev 5770   Erew Chanucka  
18.12.09 01 Tewet 5770 16:05 Miketz 17:08
25.12.09 08 Tevet 5770 16:07 Vajigasch 17:12
01.01.10 15 Tevet 5770 16:14 Vajehi 17:18
08.01.10 22 Tevet 5770 16:22 Schmot 17:27
15.01.10 29 Tevet 5770 16:31 Vaera 17:36
22.01.10 07 Schwat 5770 16:42 Bo 17:47
29.01.10 14 Schwat 5770 16:53 BeschalachSchabbat Schirach 17:58
05.02.10 21 Schwat 5770 17:03 Jitro 18:08
12.02.10 28 Schwat 5770 17:14 MischpatimSchabbat Schakalim 18:20
19.02.10 05 Adar 5770 17:25 Truma 18:31
26.02.10 12 Adar 5770 17:37 TezaweSchabbat Sachor 18:43
28.02.10 14 Adar 5770   Purim  
05.03.10 19 Adar 5770 17:47 Ki TissaSchabbat Para 18:53
12.03.10 26 Adar 5770 17:59 Vajachel Pekude 19:04
19.03.10 04 Nissan 5770 18:08 Vajikra 19:15
26.03.10 11 Nissan 5770 18:19 ZavSchabbat Hagadol 19:25
29.03.10 14 Nissan 5770   Erew Pessach  
02.04.10 18 Nissan 5770 18:30 Pessach Chol HaMoed(Omer 4) 19:35
09.04.10 25 Nissan 5770 19:39 Schmini(Omer 11) 20:45
16.04.10 02 ijar 5770 19:50 Tasria Mezora(Omer 18) 20:56
23.04.10 09 Ijar 5770 19:59 Achare – Kedoschim(Omer 25) 21:05
30.04.10 16 Ijar 5770 20:11 Emor(Omer 32) 21:15
02.05.10 18 Ijar5770   Lag ba-omer  
07.05.10 23 Ijar 5770 20:19 Behar – Behuchotai(Omer 39) 21:25
14.05.10 01 Sivan 5770 20:30 Bamidbar (Omer 46) 21:35
18.05.10 05 Sivan 5770   Schawuot  
21.05.10 08 Sivan 5770 20:40 Naso 21:44
28.05.10 15 Sivan 5770 20:47 Behalotecha 21:52
04.06.10 22 Sivan 5770 20:54 Schelach lecha 21:59
11.06.10 29 Sivan 5770 21:00 Korach 22:03
18.06.10 06 Tamus 5770 21:02 Chukat 22:07
25.06.10 13 Tamus 5770 21:03 Balack 22:06
02.07.10 20 Tamus 5770 21:02 Pinchas 22:05
09.07.10 27 Tamus 5770 20:59 Matot Maase 22:02
16.07.10 05 Aw 5770 20:54 DwarimSchabbat Chazon 21:57
20.07.10 09 Aw 5770   Tischa Be-Aw  
23.07.10 12 Aw 5770 20:47 VaetchananSchabbat Nachamu 21:50
30.07.10 19 Aw 5770 20:37 Ekew 21:40
06.08.10 26 Aw 5770 20:27 Reé 21:30
13.08.10 03 Elul 5770 20:15 Schoftim 21:18
20.08.10 10 Elul 5770 20:03 Ki Teze 21:05
27.08.10 17 Elul 5770 19:50 Ki Tawo 20:52
03.09.10 24 Elul 5770 19:35 Nezawim Vajelech 20:37
08.09.10 01 Tischri 5771   Erew Rosch HaSchana  
10.09.10 03 Tischri 5771 19:20 HaásinuSchabbat Tschuwa 20:23
17.09.10 10 Tischri 5771   Yom Kipur  
22.09.10 15 Tischri 5771   Erew Suckot  
24.09.10 17 Tischri 5771 18:52 Suckot Chol HaMoed 19:54
02.10.10 24 Tischri 5771 18:37 Breschit 19:39
         

Die segnenden Hände des Priesters

November 9, 2009

Frage: Welche Bedeutung und Ursprung haben die beiden Hände auf vielen jüdischen Grabsteinen? Handelt es sich als „Heilende Hände“ um ein heidnisches Symbol?

Kohen symbol at Krunbach Huerben Jewish Cemetery

Die beiden gespreizten Hände (jede formt sich dabei dreiteilig und soll das hebräische Schriftzeichen Schin – sch darstellen, welches als Buchstabe den Gottesnamen Schadai abkürzt  – auch auf zahlreichen Mesusot zu finden, etc.) sind im Grunde genommen ein Familienwappen, sehr wahrscheinlich das älteste der Welt. Es kennzeichnet die Mitglieder der Kohen, also der Nachkommen Aharons, des Bruders von Moses aus dem biblischen Stamm Levi welche in den Heiligtümern Israels den Dienst leiteten. Die ältesten archäologischen Zeugnisse des Symbols auf Gräbern im antiken Israel werden in die Zeit des ersten Tempels datiert.

Das Symbol der Hände bezieht sich auf eine wesentliche Tätigkeit der Kohen, nach dem Ganzopfer auf den Stufen der Vorhalle des Heiligtums das Volk zu segnen:

 

 יברכך ה וישמרך 

יאר ה פניו אליך ויחנך  

      ישא ה פניו אליך וישם לך םולש     

(Numeri = 6.24-26  ספר במדבר)

 

Der Herr segne dich und verteidige dich, der Herr lasse seine Stirn strahlen über dir und begünstige dich, der Herr erhebe seine Stirn über dir und gebe dir Frieden.

The Lord bless and guard you, the Lord make his front illuminate upon you and be gracious to you, the Lord will lift up his front upon you and give you peace.

Kohen grave marker at the old Jewish Cemetery Munich:

Old Jewish Cemetery Munich

Der Segen der Kohen, auch geläufig als nesiat kafajim (die Hände erheben), wurde zwei bis vier Mal täglich im Heiligtum und schließlich auch noch abends beim Schließen der gesprochen. Dass dazu die Hände genommen wurden, ist in der Mischna bereits bezeugt. Diese hielt der Kohen im Heiligtum in Höhe des eigenen Kopfes, außerhalb des Heiligtums auf Schulterhöhe. Der einzige Tag im Jahr, an dem der Segen gesprochen wurde, ohne in Verbindung mit einem Opfer im Heiligtum zu stehen war Jom Kipur, der Tag der Versöhnung.  Dies wurde bereits zur Zeit des Heiligtums so gehandhabt. Sehr früh belegt ist mit Ismael ben Elischa die Praxis der Kohen belegt, vor dem Segen die Hände zu waschen (vgl. Baw. Sota 39a), während mit Jochanan ben Sackai bereits bezeugt ist, dass die Kohen ihre Schuhe ausziehen. Auch die Fingerspreizung geht zumindest auf diese Zeit zurück. R. Akiwa verbietet, das Ansehen der Kohen beim Sprechen des Segens, weshalb es früh üblich wurde, dass diese sich unter einem ausgebreiteten Tallit-Schal verbargen. Der Segen als solcher wird vom Vorbeter vorgesprochen und von dem oder den anwesenden Kohen wiederholt, was gemäß Sifre 39 eine verbindliche Pflicht darstellt. Im Heiligtum war der Brauch den Segen am Stück vorzusprechen und nachzusprechen, außerhalb in Synagogen wurde es üblich, ihn einzeln in drei Teilen vor- und nachzusprechen.  

Nach Zerstörung des Heiligtums wurde der Segen Bestandteil der Tfila, also des Gebetes in den lokalen Häusern der Versammlung (Knesset – griechisch:  Synagoge). Gesprochen wird der Segen nun nur noch in der Wiederholung der Tfila, des Hauptgebetes und zwar als Einschub zwischen der 18. und 19. Segnung.

Während der Segen im östlichen Mittelmeerraum täglich gesprochen wurde (gegenwärtig ist dies auch Praxis in entsprechenden Gemeinden in Israel), wurde es in Europa üblich, ihn nur noch an hohen Feiertagen (jom tov) und am Schabbat zu sprechen, im mittelalterlichen Spanien nur noch an Festtagen, schließlich auch dort nur noch zum Musaf, also dem Zusatzgebet, ehe R. Jakow Molin um 1400 (der auch Rabbiner in Augsburg war), verfügte, dass der Segen auch zu שחרית, also morgens gesprochen werden soll.

Seit dem Maharam ist es üblich, dass der Vorbeter einen Teil des einleitenden Gebets leise spricht, während die Kohen sodann laut vorfahren, während in sefardischen Gemeinden alles laut gesprochen wird.

Die reformistischen Gemeinden in Europa schafften das Sprechen des Priestersegens in ihren Gottesdiensten ab und übertragen diese Aufgabe dem Vorbeter. Seitens der überlieferten Gemeinden stieß dies auf schärfste Ablehnung unter dem Hinweis darauf, dass die Anmaßung priesterlicher Befugnisse in Bibel und Talmud todeswürdige Verbrechen darstellten. So oder so werden mit dem Ausgang des 19. Jahrhunderts in reformistischen Gemeinden nun auch die früher häufigen Kohen-Grabsteine mit den berühmten Händen immer seltener, ehe sie ganz verschwinden.

Der Priestersegen wird auch bei Christen im christlichen Gottesdienst gesprochen, während sich die Geste des Duchan der gespreizten Finger in der Science Fiction Serie Star Trek findet.


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