Lammfromm und trotzdem tough

December 16, 2010

Columbia Sportswear mit Sitz in Portland, Oregon ist ein Bekleidungshersteller der sich wesentlich auf Wintermode (Ski, Snowboarding, …), sog. Outdoor – Sport (Fischen, Jagen, Wandern, Bergsteigen, usw.) und entsprechende Schuhe  spezialisiert. Das Sortiment wird weltweit in über 10.000 Einzelhandlungen in 70 Ländern verkauft und ist sowohl modisch als auch technisch innovativ, basierend auf neuen technischen Entwicklungen im Bereich von Isolierstoffen bis hin zu elektrisch beheizbare Schuhen. Die Firma beschäftigt rund 3000 Mitarbeiter und machte im Jahr 2009 einen Umsatz von über 1.2 Milliarden US-Dollar und ist seit 1998 als COLM an der New York Stock Exchange notiert. Seit 2008 tritt Columbia Sportswear bei der Tour de France als Sponsor des „Team Columbia“ als Nachfolger des früheren „Team Telekom“ (für welches der Däne Bjarne Ries 1996 und der Deutsche Jan Ulrich 1997 die Tour gewannen).

1938 wurde die Firma als „Columbia Hat Company“ in Portland gegründet von jüdisch-deutschen Auswanderern. Paul Lammfromm hatte dafür mit geliehenem Geld die kleine „Rosenfeld Hat Company“ aufgekauft und nach dem Columbia – Fluss umbenannt, der zwischen den Staatsgrenzen von Washington und Oregon verläuft.

Die Lammfromm – Familie stammte aus Augsburg. Paul Lammfromm war Teilhaber der „Fa. Lammfromm und Biedermann“ in der Hermannstraße gelegen, unweit des Königplatz und somit nahe der Synagoge. Die erfolgreiche Fabrik für Weiß- und Unterwäsche wurde 1937 unter dem üblichen Druck und weit unter Wert „arisiert“ und von den Fabrikanten Fritz und Karl Oelkrug übernommen, die nunmehr „Wäschefabrik Augsburg F & K Oelkrug“ hieß und für die Waffen-SS auch Unterziehjacken für den Winterkampfanzug schneiderte, abgesteppt, aus „typisch seidigen Glanzersatzmaterial“ Seit der Aufgabe der Fabrik im Jahre 1975 wird das Unternehmen, das sich nun auf die Fertigung von Maßhemden spezialisiert, am Elias-Holl-Platz beim Augsburger Rathaus als „Oelkrug – Maßhemden“ als inzwischen traditionsreiches Familienunternehmen weitergeführt.

Paul Lammfromm (1888-1956) war der Sohn von Bernhard Lammfromm (1848-1932) aus Buttenwiesen, dessen Großvater dort Rabbiner war, und der aus Ichenhausen stammenden Hanna Bissinger (1862-1940), die in Portland verstarb. Pauls älterer Bruder Dr. Friedrich (Fritz) Lammfromm (1887-1918) war als Bataillonsart des 9. Bayerischen Infanterie Regiments am 11. August 1918 beim Vorstoss französischer und amerikanischer Truppen beim Flugfeld zwischen Bertoncourt und Rethel in den Ardennen. Die vierte Etappe der Tour de France 2010 von Cambrai nach Reims führte am 7. Juli im Peloton auch die Fahrer und Trikots des Columbia Teams relativ dicht an der Region vorbei, in der der Bruder des Firmengründers ums Leben kam. Das Ehrenmal für die gefallenen jüdischen Wehrmachtssoldaten am jüdischen Friedhof Hochfeld in Augsburg, erinnert neben vielen anderen Augsburger Juden auch an ihn, ebenso wie an seinen  Cousin den Rechtspraktikanten Fritz Bissinger  (1890-1914), der bereits zu Beginn des Krieges als Einjährig-Gefreiter ums Leben kam.

(Spital im ardennischen Rethel, Postkarte um 1917)

Durch die „Arisierung“ verloren die Lammfromms fast ihr gesamtes Vermögen, konnten aber in dieser Weise ihr Leben retten. Paul konnte gemeinsam mit seiner Frau Marie und ihren drei Töchtern Hildegard, Gertrude und Eva in die USA entkommen. Pauls Tochter Getrud (geb. 1924) heiratete 1948 Neal Boyle, einen Katholiken, der nun auch für das Geschäft seines Schwiegervaters arbeitete, während Gertrud „lammfromm“ als Ehefrau und Mutter dreier Kinder zu Hause, aber auch jüdisch blieb. 1964 starb ihr Vater Paul Lammfromm an Herzversagen, 1970 der Ehemann Neal Boyle und Gertrud, nunmehr Gert Boyle übernahm mit ihrem Sohn Tim die Geschäftsleitung, als die Firma mit rund 40 Angestellten überschuldet war und kurz vor der Pleite stand. Der Rest ist Geschichte, am besten von Gert Boyle selbst erzählt. Die Firma wurde flott gemacht und nicht zuletzt durch Gert Boyle als Apfelkuchen backende „tough mother“ als schlagkräftige, witzige und „kultige“ Werbe-Ikone „Ma Boyle“ zum Weltmarktführer für Outdoor-Bekleidung. Zwar gab sie dem Vernehmen nach bereits 1988 offiziell die Firmenleitung an ihren Sohn Tim ab, aber die rüstige Dame ist noch immer mit von der Partie wenn es um Neuerungen und Strategien in der Firma geht.

(Tough Mother commercial)

Gert Boyle in her own words:

http://www.oregonlive.com/O/index.ssf/2008/09/gert_boyle_columbia_sportswear.html

Empfehlenswert ist auch die packende Lektüre der Autobiographie von Gert Boyle als “One Tough Mother – Success in Life, Business and Apple Pies”, Basic Books 2007, 208 S., bislang leider ohne deutsche Übersetzung.

Gert Boyle – not quite lamb-like in traditional terms, but born to nag …

Vor etwa einem Monat hingen sollte die inzwischen 86jährige Opfer eines Raubes und einer wohl geplanten Entführung, jedoch gelang es der gefesselten Gert heimlich einen Alarmknopf zu drücken. Die drei bulligen Täter, illegale Einwanderer aus Honduras um die 40, konnten verhaftet werden.

http://www.oregonlive.com/west-linn/index.ssf/2010/12/immigration_authorities_remove_holds_on_two_suspects_in_gert_boyle_case.html

Ein Buttenwiesener Verwandter, Israel Lammfromm (1863-1930), wurde erst in diesem Jahr lokal gewürdigt, knapp hundert Jahre nachdem er selbst seinen Geburtsort in der 1911 im Eigenverlag erschienenen „Chronik der Markt-Gemeinde Buttenwiesen“ viele ansonsten verloren gegangene Erinnerungen aus der Ortsgeschichte bewahrt hat.

(Beschädigter Grabstein des Mosche Zwi ben Israel, Hugo Lammfromm, 1902-1938 am jüdsichen Friedhof Buttenwiesen)

The Swabian Lammfromm (lit. lamb-like) family from Buttenwiesen and Augsburg, a story of Rabbis, local historians, innovations, Soldiers, tough Moms and outdoor apple pies … another fine peace of German-Jewish history from the Swabian part of Bavaria.


Die Synagoge von Buttenwiesen

August 1, 2010

Die erste erhaltene Nennung von Juden in Buttenwiesen erfolgt relativ spät im Jahre 1599, was eine deutlich frühere Präsenz am Ort nicht ausschließt. Die jahrhundertelange Anwesendheit von Juden und jüdischen Gemeinden in der gesamten Region im Vorfeld wird kaum Buttenwiesen als Ausnahme fixiert haben. Schließlich sind in mittelalterlichen Urkunden, die ja nun keineswegs vollständig erhalten wären, auch Nachweise über Juden in Orten vorhanden, die man heute nicht mehr oder generell nicht mit Juden in Verbindung bringt.

rear side of Buttenwiesen synagogue

(Rückseite der früheren Synagoge von Buttenweisen, vom jüdischen Friedhof aus gesehen)

Jedenfalls entwickelte sich  Buttenwiesen im unterem Zusamtal bei Dillingen a. Donau, in welchen in der österreichischen Zeit der Markgrafschaft Burgau, als hier Gerichtsort war, rasch zu einem markant, ja stellenweise sehr deutlich mehrheitlich jüdisch besiedelten Ort. Noch 1812, als Buttenweisen bereits bayerisch geworden war, waren fast zwei Drittel der 543 verzeichneten Einwohner des Dorfes Juden. Heute, rund 200 Jahre später hat sich nach vielen Eingemeindungen von Orten wie Almhof, Bartlstockschwaige, Beutmühle, Feldbach, Frauenstetten, Greggenhof, Hinterried, Illemad, Lauterbach, Ludwigsschwaige, Mayerhof, Neuweiler, Oberthürheim, Pfaffenhofen an der Zusam, Stehlesmühle, Unterthürheim, Vorderried und Wortelstetten die Einwohnerzahl auf ca. 5700 verzehnfacht und den Auskünften fachkundiger Einwohner befindet sich darunter “schon lange mehr” kein Jude mehr. Die Frage danach wird bereits als etwas “dumm” aufgefasst, was aber nicht davon abhalten darf, sie trotzdem (immer wieder) zu stellen. Denn wie anderswo in der Region bemüht man sich auch in Buttenwiesen darum, “jüdisches Erbe” zu bewahren, um “Signale für die Zukunft” zu geben. Also ist es auch statthaft zu fragen, ob in diesen Planungen und Überlegungen auch Juden einen Platz haben oder ob sie nur “Inventar” und “Objekte” einer “Museumslandschaft” sind.

Ein jüdisches Museum gibt es in Buttenwiesen zwar noch nicht, da jedoch der größere Teil des früheren Ortes von Juden bewohnt war, kann man den Ort selbst als jüdisches Denkmal betrachten, wenngleich auch hier die Aufmerksamkeit auf besondere “Judenhäuser” gelent wird und werden soll. Dies ist nicht immer reine Phantasie, denn immerhin war Buttenwiesen zeitweilig auch Sitz eines Rabbinats, freilich in nach-napoleonischer Zeit, als Rabbiner nicht mehr Gelehrte im Sinne des überlieferten Judentums waren, sondern mehr in der Weise christlicher Vorgaben (manchmal auch Vorbilder) kleine Bischöfe und Pfarrer. Zu nennen sind hier die Rabbiner Lammfromm und Jonas Sänger. Nach der Auflösung des Rabbinats in Buttenwiesen, gehörte der Ort gemeinderechtlich zum Rabbinat von Ichenhausen.

Eine erste Synagoge soll 1630 erbaut worden sein. Sie wurde 1852 durch ein Feuer (Brandstiftung?) zerstört und bis 1857 durch einen Neubau an gleicher Stelle ersetzt. Die feierliche Einweihung nahm Rabbiner Sänger am Freitag 25. Schwat 5617 (vor schabbar schkalim) (= 20. Feb. 1857) vor. 1938 freilich wurde die Einrichtung der Synagoge zerstört und im Sinne des Zeitgeistes als Lagerstäatte missbraucht. In der nun judenfreien Nachkriegszeit nutzte man das Gebäude von 1953 bis 1994 als Schule, was dem ursprünglichen Sinn des Hauses eher entspricht, als einem Konzertsaal. Seit Jahresbeginn 2010 ist der Kindergarten “Bienenkorb” dort untergebracht. Doch auch eine “Evangelische Kirchengemeinde” nutzt das Haus für religiöse Veranstaltungen nach ihrem Ritus. Neben dem inzwischen fast zugewachsenen Hinweisschild am Gebäude erinnern nur noch äußerliche Stilelemente und wieder freigelegte Reste an die frühere jüdische Geschichte des einst maurisch geprägten Hauses. Auf dessen Rückseite hin zum direkt benachbarten Friedhof befinden sich die ehemalige Mikwe, die wie vor zehn Jahren auch heute nicht öffentlich zugänglich war, wie auch das frühere Tahara-Haus, das heute eine privat genutzte Garage ist.

The former synagogue of Buttenwiesen was inaugurated in February 1857 on Shabbes Shaklim. Five years earlier the previous bulding was destroyed by fire (arson?). Although there is no depiction or image of the burnt down predecessing building, it is said that it was the first synagogue built in 1630. The new synagogue was destroyed and desecrated in 1938 and since then used as storage room, public school and prayer hall of a Protestant Christian congregation. Since January this year there also is a kindergarten with the naturally name “beehive” … At the rear side of the synagogue there is the old mikvah building and the former Tahara house which today is used as a private double garage.


Der juedische Friedhof von Buttenwiesen

July 25, 2010

Die frühesten erhaltenen Belege über die Existenz des Friedhofs in Buttenwiesen reichen in das Jahr 1632 zurück, also wie in Pfersee / Kriegshaber in die Zeit des 30 jährigen Krieges.  Aus der folgenden Belegungszeit des Friedhofs bis etwa 1942 sind jedoch nur noch wenige Überreste, insgesamt rund 300 Grabsteine erhalten geblieben. Zerstörungen gab es während der Naziherrschaft auch in Buttenwiesen und wie in Binswangen wurden auch hier einige Grabsteine durch den Nazi-Rat des Ortes an einen Steinmetz verscherbelt und „nach dem Krieg“ auch wieder aufgestellt (was wie immer sicher eher qualitativen als quantitativen Charakter besitzt).

Ein unbelegter Teil des Friedhofs in der Größe von fast 2000 m² wurde 1950 von der JRSO an die politische Gemeinde Buttenwiesen verkauft. Dieser ist nun als gemeindlicher Friedhof mit dem jüdischen durch einen schmalen Durchgang verbunden. Veräußert wurde auch das ehemalige Tahara-Haus, das heute eine vom Friedhof abgetrennte Garage ist. Die Überreste des Friedhofs wurden erst in den 1990er Jahre vermessen, fotografiert und dokumentiert, wobei 286 Grabsteine ermittelt wurden. Den Angaben des fachkundigen Heimatforschers Franz Xaver Neuner gemäß erhielt der in Augsburg verstorbene Viehhändler Sigmund Luchs bemerkenswerter Weise zwei Grabsteine. Diese sind sich neben dem deutschen Namen jedoch nur im Sterbejahr 1934 einig, datieren das Geburtsjahr jedoch einmal auf 1886 im anderen Fall jedoch auf 1869. Der älteste erhaltene Grabstein des Friedhofs hingegen stammt aus dem Jahr 1800, weshalb die ersten 17 Jahrzehnte des Friedhofs heute keine sichtbaren Spuren mehr hinterlassen haben. Freilich ist schwer vorstellbar, dass diese Begräbnisse auf den wenigen freien Flächen des heutigen Geländes Platz gefunden haben sollen, bestand die jüdische Gemeinde von Buttenwiesen doch bereits im zumindest im ausgehenden 16. Jahrhundert und erreichte im Dorf des 19. Jahrhunderts stellenweise bis zu 400 Einwohnern – noch im Jahre 1812 waren es den Angaben gemäß gar fast zwei Drittel der 543 Einwohner. Die Anzahl der verlorenen Grabnachweise kann deshalb auch nur vage geschätzt werden, doch selbst wenn man bei einer über längere Zeit anhaltend stattliche Gemeindegröße einen eher geringen jährlichen Schnitt von zehn Bestattungen ansetzen, beliefe sich dies für die Zeit von 1636 bis 1799 auf wenigstens 1600 Grabplätze, die auf dem Friedhof vorhanden sein müssten. Ausgewiesen sind jedoch nur 286 in der Zeit von 1800 bis 1938. Die weit geringere Anzahl der Bestattungen der letzten 138 Jahre basiert nun freilich auf der enormen Abwanderung der Buttenwiesener aus ihrem Dorf. Schon am Friedhof im Augsburger Stadtteil Hochfeld finden sich eine Reihe von entsprechenden Notizen von Personen, die in Buttenwiesen geboren waren, aber als Augsburger Juden verstarben, wie beispielsweise Alexander Rothschild, 1818 in Buttenwiesen geboren, 1891 in Augsburg verstorben und begraben. Doch Zeugnis darüber legen auch Personen ab, die ihre Abkunft mit dem Familiennamen Buttenwieser dokumentierten (dabei meist aber aus Binswangen stammten), beispielsweise David Buttenwieser (1804-1883) der Sohn des (wohl Buttenwieser) Mohels R. Josef.

grave marker of Friedrich Bauer son of Moritz Bauer from Augsburg (Izchak Beer ben Moshe Bauer).

Grabstein von Salomon ben Isaak Stern, gest. 1926 (Sholomo ben Izchak Stern)

six pointed Star at Buttenwiesen grave marker

* * *

The Jewish Cemetery of Buttenwiesen was established around the year 1632. The oldest remained headstone however is from the year 1800. Beside that the contemporary area of the almost occupied cemetery of 0.19 ha contains 286 grave markers, as a documentation in the 1990s determined. Buttenwiesen though up to the 20th century had an estimable and steady Jewish community, which in the beginning of the 19th cent.  comprised  roughly two third of the 550 people village. A ballpark figure regarding the period from 1636 until 1800 – the year the oldest preserved head stone stems from – amounts to some 1600 to 2500 funerals  (what is an annual average of 10 – 15) that at least must have take place. As is well known the usual and minimum ballpark figure of a grave, presupposing narrow circumstances, is 1.5 m² (some 15 sq feet), so everyone can figure out the required minimum size  …  However, a supposedly “free” part of the Jewish cemetery of half an acre (almost 2000 square meters) in 1950 was sold by the JRSO to the political community of Binswangen which uses the compound as a communal cemetery which is conjunct with the Jewish one.

the former Tahara (mortuary), früheres Leichenhaus, heute eine Garage mit blauer Tonne.

view to the Buttenwiesen Jewish Cemetery from the outside.

wie bereits vor ca. zehn Jahren führte uns Herr Franz Xaver Neuner aus Buttenwiesen kundig und unterhaltsam durch den Ort früherer jüdischer Geschichte und die heutige Friedhofsanlage und zeigte uns hernach seine ebenso umfangreichen und akribischen Materialien zur jüdischen Ortsgeschichte.


Das Schillinghaus in Binswangen

July 21, 2010

Das sog. „Schillinghaus“ an der Hauptstr. 33 in Binswangen, seit langem leer stehend und immer weiter verfallend, soll, restauriert und mit einem Anbau versehen als „Kulturhaus“ für verschiedene Musik-, Gesangs-, Veteranen-, Soldaten- und Kameradenvereine, einer Theatergruppe und einem Singkreis zur Verfügung stehen. Das Haus wurde um 1840 von der ortsansässigen Kaufmannsfamilie Baldauf (offenbar von Elieser Baldauf dem Vater von Nathan Zwi Baldauf dessen Grabstein seit 1953 wieder am jüdischen Friedhof in Binswangen steht) errichtet und müsste deshalb eigentlich Baldauf-Haus heißen, wird nun aber nach der letzten Besitzerin Maria Schilling (nicht identisch mit unserem Vereinsmitglied) benannt, die dort bis in die 1990er Jahre ein Geschäft betrieb und dann das Haus verkaufte. Seitdem stand das „Judenhaus“ leer und war bereits im Jahr 2000, als wir Binswangen schon mal besucht hatten in desolaten Zustand und wurde nun von der politischen Gemeinde Binswangen erworben.

At Binswangen’s main street the Haupstr. there is an old house built in the 1840s by the local mercer family Baldauf. The son of the likely builder Elieser Baldauf was Nathan Zwi Baldauf (1847 – 1900), who was parnas of the Jewish Community of Binswangen and a long time member and representative of the political community of Binswangen. The house currently is in a desolate state but now there are plans to renovate and open it as a cultural center used by choirs, veteran, soldier and comrade clubs as well as by a drama group. And since that is almost a little too much, there also a 165 square meter extension building is scheduled. The future name of the “Judenhaus” building and project despite of the Jewish constructors and past of the Baldauf family however will be “Schilling House”, after the last owner until the 1990s.

Gravemarker of Nathan Zvi bar Elieser Baldauf of Binswangen


Raphael Frank: ein Lehrer aus Ichenhausen entwickelt eine Schrift für das Volk Israel

December 11, 2009

Raphael Frank wurde am 11. März 1867 als drittes von sieben Kindern des Kaufmanns Gerson Frank und seiner Gattin Amalie, née Kramer, in Ichenhausen geboren. Er lernte Klavier, musste aber ein musikalisches Studium in München abbrechen, da es dem Vater – mit sechs weiteren Kindern- an Geld für die Finanzierung fehlte. Offenbar auf eigene Faust wechselte er dann nach Köln wo er sich zum Kantor und Religionslehrer ausbilden ließ. Als solcher wirkte er danach in Simmern, Neuss und Halle, ehe er schließlich nach Leipzig kam. Dort nun entwickelte er 1909 – vor hundert Jahren – auf Anfrage christlicher Theologen einen hebräischen Schrifttypus, der bei der Leipziger Gießerei C.F. Ruehl gegossen wurde. Der entstandene Typ heißt deshalb auch Frank-Ruehl. Rühl hatte sich schon lange auf das Gießen von Schrifttypen in den Standard-Größen spezialisiert. Bekannt geworden sind u.a. Borussia und Germania (beide 1900) , Venetia (1907), die sog. Ruehlsche Fraktur von 1912 oder aber Diadem aus dem selben Jahr.  Daneben gab die Firma auch Sammelhefte heraus  in welchem Schriften, Ornamente, Vignetten, usw. dargestellt wurden. Die weitaus größte und schnellste und gewiss auch nachhaltigste Verbreitung erlangte der hebräische Schriftfont, den Raphael Frank entworfen hatte. Als Frank 1920 in Leipzig im Alter von nur 53 Jahren verstarb hatte sich das Werk, dass ihn unsterblich machte bereits zur Standardschrift der zionistischen Bewegung in Israel und überall in der Welt entwickelt. Gängig ist sie auch heute noch im Zeitalter des Computers.

 Frank Ruehl Hebrew typeface, 1909

In Ichenhausen übernahm sein Bruder Moritz Frank (1871) das Geschäft des Vaters, starb jedoch 1943 als Gefangener im KZ Theresienstadt. Nicht anders erging es ihrem Bruder Salomon Frank, der wie Raphael Lehrer wurde und in Buttenwiesen und Fischach unterrichtete. Salomons Sohn und Raphaels Neffe Gerd Frank (geb. 1912) war der letzte Rabbiner in Ichenhausen und wohnte im 1894 errichteten Rabbinerhaus neben der Synagoge.  Wie weitere Geschwister wurde auch er 1944 von den Nazis ermordet im Alter von nur 32 Jahren.

the exhibition does not mention Raphael Frank as designer of the famous typeface Ichenhausen Synagouge Exhibition

(Quelle: Namen und Schicksale der Juden aus Ichenhausen 1933-1945 – Ein Gedenkbuch)

Raphael Frank (1867 – 1920), the hardly known designer of the most common Hebrew typeface / font Frank Ruehl in 20th century was born in Ichenhausen between Krumbach and Guenzburg, some 60 km west of Augsburg. He was the son of a merchant and was the 3rd of seven siblings. Many members of his Ichenhausen family were killed by the Nazis,among them also Gerd, the son of Raphaels younger brother Salomon, who was until 1938 the last Rabbi of Ichenhausen, where today is no Jewish Community, and resided at the Rabbis House kitty-corner to the Ichenhausen Synagogue. There today is a Museum where also is information on his family, the Ichenhausen Frank family – for instance there is a collection of Hebrew books (mainly) by Moritz Frank, Raphaels brother, who took over the parental local grocery store.

Raphael Frank himself is mentioned as well, but however the exhibition suprisingly does not mention him as the designer of the typeface, known all over the world by the Frank Ruehl, casted in 1909 by the foundry C.F. Ruehl in Leipzig where Raphael Frank was cantor and teacher. That however of course maybe is the formost reason why one should know Ichenhausen.

 אייכנהאוזן

רפאל פרנק

http://he.wikipedia.org/wiki/%D7%A8%D7%A4%D7%90%D7%9C_%D7%A4%D7%A8%D7%A0%D7%A7

פרנק-ריהל

http://he.wikipedia.org/wiki/%D7%A4%D7%A8%D7%A0%D7%A7-%D7%A8%D7%99%D7%94%D7%9C

 


Buttenwiesen

July 18, 2007

Buttenwiesen ehem. SynagogeButtenwiesen Grabstein 2Buttenwiesen Mikwe mit FriedhofButtenwiesen SeitenfensterButtenwiesen FriedhofButtenwiesen Friedhof EingangButtenwiesen Grabstein 1Gedenktafel Buttenwiesenalte Mikwe Buttenwiesenehem. Synagoge Buttenwiesen

Die Gemeinde Buttenwiesen im unteren Zusamtal gehört zum schwäbischen Landkreis Dilligen und zur Region Augsburg. In ihrer heutigen Form besteht sie seit 1978 mit der Zusammenfassung der ehemals selbstständigen Gemeinden Pfaffenhofen a.d. Zusam, Unterthürheim, Frauenstetten, Lauterbach, Oberthürheim, Wortelstetten und Buttenwiesen. Insgesamt leben hier etwa 5800 Menschen. Seit 1993 führt der Ort sein eigenes Wappen.  Die Burg Buttenwiesen war im 13. Jahrhundert im Besitz der Herren von Eberstall-Reisensburg. Von 1270 bis 1805 gehörte der Ort zur österreichischen Markgrafschaft Burgau, seitdem zu Bayern.  Juden lassen sich in Buttenwiesen erstmals im späten 16. Jahrhundert nachweisen. Um 1630 wurde die erste Synagoge erbaut, die 1852 abbrannte. Der Friedhof der Gemeinde besteht seit 1632 und liegt heute geradewegs neben einem christlichen, von dem er nur durch Hecken abgegrenzt wird. Ungewöhnlich ist auch, dass er andererseits an die Synagoge anschließt. Heute sind nur noch jüngere Grabsteine aus dem 19. und früheren 20. Jahrhundert. Auch das frühere Tahara-Haus ist nur noch als Garage vorhanden. In Buttenwiesen, das zeitweise Rabbinatssitz war und wo man noch 1925 von etwa 800 Einwohnern 125 Juden zählte, gibt es seit 1942 keine jüdische Gemeinde mehr. Die ehemalige Synagoge wurde in der Nachkriegszeit jahrzehntelang als Volksschule genutzt und beherbergt nunmehr eine christliche Kirche und dient dabei auch „kulturellen“ Veranstaltungen. Auch der Bau der ehemalige Mikwe ist noch erhalten.  Seit 1995 erinnern Gedenkinschriften an die ehemalige jüdische Gemeinde.


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