Ulmo Grabstein Kriegshaber im Laufe der Zeit

December 20, 2013

Die Entwicklung am jüdischen Friedhof Kriegshaber an Hand des Beispiels des Grabsteins der Chana Ulmo aus dem Jahr 1741

Kriegshaber Cemetery January 20080. vor der Reinigung des bis dato “unbekannten” Grabsteins

Chana Ulmo Grabstein Kriegshaber 2008

1. bei der Reinigung

mit Softschwamm und Wasser

im frostigen Anfang Januar 2008

Chana Ulmo Grabstein Kriegshaber 20102. hinterlassener Pflegezustand im März 2010

Chana Ulmo Grabstein März 20133. mittlerweile neu aufgetretener Schimmel im März 2013

Chana Ulmo gravemarker Kriegshaber Jewish Cemetery December 20134. aktueller zustand gestern nachmittag 19. Dezember 2013

5. “See the stone set in your eyes …” 


Jewish Cemetery Neu-Ulm

February 13, 2013

 

  (Video)

Jüdischer Friedhof Neu-Ulm Jewish Cemetery

Das nachstehende Register listet alle auf dem jüdischen Abteil des städtischen Friedhofs von Neu-Ulm auf, deren Namen bei einem knapp halbstündigen Aufenthalt bei üppigem Schneefall identifiziert werden konnten. Einige wenige Grabsteine waren zugewachsen mit Gestrüpp oder komplett mit zugefrorenem Moos bedeckt. Da die Anzahl der Grabsteine nicht sehr groß und auch die Fläche des Friedhofs (ca. 22 m / 15 m, = ca. 330 m²) auch überschaubar ist, reicht eine alphabetische Liste mit – soweit vorhanden – Geburts- und Todesdaten (:DDMMYYYY)

Name Birth Death
Adler, Abraham 00.00.1830 00.00.1897
Bauland, Leopold 09.10.1867 02.07.1928
Bauland, Carrie

geb. Lindauer

Bauland, Sigmund

06.09.1869

05.03.1865

27.10.1929

11.10.1936

Bauland, Max

Bauland, Berta,

geb. Levi

09.04.1861

28.10.1864

13.07.1927

„den 14. Tamus“

10.11.1938

Bernheim, Bertold 23.08.1863 10.02.1921
Bissinger, Jacob

Bissinger, Hannchen

10.09.1852

30.03.1856

17.08.1920

20.12.1938

Bissinger, Sigmund 14.06.1867 26.06.1907
Bissinger, Sigfried 29.08.1878 06.04.1934
 
Fuchs, Sara 20.04.1849 09.05.1925
Fürsetzer, Oskar 00.00.0000 00.00.2000
 
Glaser, Max 24.02.1819 15.01.1911
 
Kahn, Hedwig

geb. Rosenheim

21.12.1864 1.09.1919

New York

Kaufmann, Karl 00.00.0000 00.00.0000
Kaufmann, Nathan

aus Zaberfeld

11.10.1910 11.01.1910

gewidmet von Gebrüder Bauland

 
Levi, Leonhard 05.10.1842 23.00.1939
Levi, Caroline 00.01.1845 00.00.1892 (?)
Levinger, Sophie 25.10.1843 05.05.1881
Liebermann, Julius 03.01.1825 16.07.1902
Liebermann, Julius 25.06.1898 20. 01.1902
 
Moos, Ernst 20.04.1911 22.01.1988

Südafrika

 
Nowak, Schaja 17.05.1914 19.06.1995
 
Rosenheim, Jacob 08.08.1857 31.07.1882
Rosenheim, Bernhard 02.08.1826 20.08.1884
Rosenheim, Julie

geb. Heiden

03.05.1831 06.12.1915
 
Steinheimer, Sarah 00.00.1810 (?) 00.00.1882
Steinheimer, Isaak
Stern, Ferdinand

geb. zu Malsch in Baden

10.03.1857 16.12.1905
Stern, Flora

geb. Bauland

zum Gedenken: Stern, Josef

26.03.1870

02.04.1893

21.04.1933

gest. „in Polen“

Ullmann, Isaak

Ullmann, Luise

23.09.18xx

17.03.1832

07.01.1902

23.09.1905

 
Wollf, Adelheid

geb. Weiss

27.09.1834 05.11.1892
Wurmser, Klara

Wurmser, Lehmann

23.10.1864

05.03.1860

25.05.1937

11.11.1937

 

Jüdischer Friedhof Neu-Ulm Sarah Steinheimer Jewish Cemetery


Der jüdische Friedhof im Bayrischen Neu-Ulm

February 8, 2013

 

Neu-Ulm Friedhof (70)Fountain at municipal cemetery Neu-Ulm

Neu-Ulm entstand um 1810 nachdem die Donau zum Grenzfluss wurde, die Königreiche Bayern und Baden-Württemberg trennte und Ulm letzterem zugeschlagen wurde. Auch in der bayerischen Neustadt gründete sich eine jüdische Gemeinde, die zur Jahrhundertwende etwa einhundert Menschen umfasste. Im Laufe der Zeit besaß sie verschiedene Bethäuser, jedoch war die Gemeinde, die dem Rabbinat von Ichenhausen zugeordnet war, zu klein, um sich den Bau eines eigenen Synagogengebäude leisten zu können. Der städtische Friedhof an der Reuttier Straße (/Zypressenweg) wurde zwar bereits 1861 eingeweiht, jedoch stammen die ältesten (noch lesbaren) Grabinschriften der jüdischen Abteilung beim Leichenhaus aus den Jahren 1881 und 1882. Das mit Hecken eingegrenzte Areal umfasst mittels Google Earth gemessen etwa 22 mal 15 m, also ca. 330 m². Die letzten drei Begräbnisse stammen aus den Jahren 1995 (Schaja Nowak), 2000 (Oskar Fürsetzer) und 2003 (Chaim Weinberg).

Neu-Ulm Friedhof (19)

Jüdischer Friedhof Neu-Ulm Jewish Cemetery

Am Eingang des jüdischen Friedhofs gibt es eine weiße Säule mit der dreizeiligen Inschrift “RUHESTÄTTE JÜDISCHER MITBÜRGER” in Großbuchstaben. Daneben befand sich beim Besuch am 6. Februar, eine wahrscheinlich anlässlich des sog. “Holocaust-Gedenktags” am 27. Januar aufgestellter grüner Kranz mit rötlichen Blumen. Auf dem blau-weißen Band wurden zur Widmung goldfarbene Buchstaben aufgesteckt: „Stadt Neu Um – Der Oberbürgermeister“. Wohl in der Aufregung muss den Machern entgangen sein, dass die Stadt eigentlich „Neu ULM“ heißt, bzw. dass das L ausgelassen wurde. Das bekannte Sprichwort wird damit jedenfalls auch nicht einfacher:

Oberbürgermeister Neu-Ulm Kranz Jüdischer FriedhofIn Um, um Um, um Um herum …“

Belegt sind nur etwa zwei Drittel der Fläche, im wesentlichen in fünf Grabreihen, die nordöstlich, bzw. südwestlich nach Dillingen, Prag und Warschau, bzw. Bern und Madrid ausgerichtet sind. Insgesamt gibt es etwa 40 erkennbare Grabstätten, wovon 37 Personen namentlich lesbar sind. Vier oder fünf Grabplatten sind vollständig mit Moos und/oder Gestrüpp überwachsen und konnten bei Schneetreiben und Dauerfrost nicht identifiziert werden.

Zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts schlossen sich viele Neu-Ulmer Juden der jüdischen Gemeinde in Ulm an. 1933 lebten noch etwa dreißig Juden in Neu-Ulm. Der Grabsteininschrift nach starb Berta Bauland (geb. Levi) im Alter von 74 Jahren am 10. November 1938 – was womöglich kein zufälliges Datum sein wird. Ihr Ehemann Max Bauland war bereits elf Jahre zuvor am 13. Juli 1927 gestorben. Berta Bauland ist wahrscheinlich die letzte Jüdin, die vor dem Weltkrieg hier bestattet wurde. Erst in den letzten Jahrzehnten gab es wieder drei Bestattungen: 1995 (Schaja Nowak), 2000 (Oskar Fürsetzer) und 2003 (Chaim Weinberg).

Jüdischer Friedhof Neu-Ulm

Jewish Cemetery Neu-Ulm

Abgesehen von der jüdischen Abteilung am städtischen Friedhof erinnert heute nichts an die Geschichte der Juden in Ulm.

Eine ausführlichere Beschreibung des Friedhofs folgt demnächst.


Ber Ulmo – Lesung in Augsburg

January 22, 2013

Einladung Historischer Verein Schwaben Ber Ulmo Lesung

Historischer Verein Schwaben

Stadt- und Staatsbibliothek Augsburg: Historischer Verein Schwaben

Mittwoch, 23. Januar 2013, 19 Uhr im Lesesaal (Untergeschoss), Schaezlerstr. 25, Augsburg


Lesung zur Geschichte der Juden in Schwaben: Ber Ulmo

January 3, 2013

Augsburg Staatsbibliothek Stadtbibliothek

Was:

Buchlesung zur Geschichte der Juden in Schwaben

Tage des Gerichts – Der Bericht des Ber Ulmo aus Pfersee“

Kokavim_Verlag / ISBN 978-3-944092-00-3

Der aus dem Hebräischen übersetzte authentische Bericht des Vorsitzenden der damals selbständigen jüdischen Gemeinde von Pfersee Bernhard Ulmann aus dem Jahre 1804 über seine Verhaftung unter dem Vorwurf der Geldfälschung zur Zeit der Napoleonischen Kriege.

Wer:

Yehuda Shenef und Margit Hummel, Vorstand und Sprecherin des Jüdisch-Historischen-Vereins-Augsburg JHVA

Wo:

Stadt- und Staatsbibliothek Augsburg, Schaezlerstr. 25, im Lesesaal, Untergeschoss,

Wann:

Mittwoch 23. Januar 2013, 19:00 Uhr

Staatsbibliothek Augsburg Zirbelnuss

Veranstalter: Historischer Verein Schwaben

www.hv-schwaben.de  

Staats- und Stadtbibliothek Augsburg Schaezlerstr

 Staats- und Stadtbibliothek Augsburg, Schaezlerstr. 25


Einweihung der Neuen Synagoge in Ulm

December 2, 2012

Neue Synagoge Ulm

אולם בית ההכנסה החדש

Heute Nachmittag (17. Kislev 5773) wird nach dem Einzug der heiligen Tora am Ulmer Weinhof die neue Synagoge in Ulm in Anwesenheit des Bundespräsidenten Gauck und des Botschafter Israels  Hadas-Handelsmann von Rabbi Trebnik eröffnet.

* * *

ברכות ומזל טוב

* * *

Am Weinhof stand bereits die alte Vorkriegssynagoge, die 1938 in den frühen Morgenstunden des 10. Novembers zerstört wurde.

Synagoge Ulm Infotafel

Ulm Synagoge Münster Weinhof Mai 2012

Synagogue Ulm (state of construction in May 2012) with tower of Ulm munster

Ulm Synagogue

In less than two hours from now at Weinmarkt in Ulm. the new synagogue of Ulm will be inaugurated. It was built in two years next to place where in 1938 the old synagogue was burned and destroyed by local Nazis.


Ber Ulmo – Tage des Gerichts

November 12, 2012

Aktuell: Buch-Lesung am Mittwoch 12. November 2012, 18 Uhr im ehemaligen Zollhaus Kriegshaber

Am Abend des 23. September 1803 wurden im heutigen Bayerisch-Schwaben, das damals teilweise noch zu Österreich gehörte, an über einem Dutzend Orten zeitgleich die jüdischen Gemeinden Gegenstand polizeilicher Razzien. In Pfersee, Kriegshaber, Steppach, Fischach, Binswangen, Buttenwiesen, Ichenhausen, Hürben, Fellheim, Altenstadt, Osterberg, Hainsfarth, Pappenheim und wahrscheinlich noch an anderen Orten kam es zum selben Szenario.

Während die Juden an jenem Freitag-Abend in ihren Synagogen waren und zwei Tage vor dem Versöhnungsfest Jom Kippur den Beginn des Schabbat feiern wollten, drangen überall grimmige mit Bajonetten bewaffnete Soldaten ein und hielten Männer, Frauen und Kinder stundenlang fest. Unter massiven Drohungen durfte niemand aufstehen oder reden. Einzelne jüdische Männer, in der Regel Vorstände ihrer Gemeinden oder zumindest angesehene Kaufleute, wurden verhaftet und entweder nach Günzburg oder Donauwörth gebracht. Die Anzahl der Verhafteten kann auf über 60 Personen geschätzt werden. Oft dauerte es aber Wochen oder gar Monate, ehe die Häftlinge in den Eisenhäusern erfuhren, weshalb sie überhaupt verhaftet und angeklagt wurden. Willkürlich und kafkaesk wie die Verhaftungen waren auch die Bedinungen der Haft und der Ermittlungen.

Vor dem Hintergrund europaweit operierender Geldfälscherbanden, die sich besonders darauf spezialisiert hatten sog. Wiener Bankozettel zu fälschen, wurden die Verhafteten beschuldigt, einen jüdischen Fälscherring zu betreiben und an ihren Wohnorten in Dachböden versteckte Druckereien zu betreiben. In Straßburg gab es in den darauffolgenden Jahren eine Serie von Prozessen gegen Geldfälscher, die meist von Frankreich oder dem damals noch nicht unabhängigen Belgien heraus operierten. Sie fälschten insbesondere Wiener Banknoten, aber auch andere Währungen, verteilten sie aber hauptsächlichen in deutschen Gebieten, vor allem an Handelsorten wie Frankfurt und Leipzig, aber auch in Süddeutschland. In der Mehrzahl der Banden arbeiteten Christen und Juden als Fälscher zusammen. Meist waren jedoch die Juden für den Umtausch oder Verkauf der Banknoten zuständig, während ihre christlichen Komplizen Druckplatten gravierten, Papier besorgten, usw. Manche der Fälscherbanden weigerten sich aber auch mit Juden zusammenzuarbeiten. Der Gedanke, im damals österreichischen Schwaben eine rein jüdische Fälscherbande als Drahtzieher der internationalen Geldfälschungen ausfindig zu machen, muss für die Ermittler ein sehr verführerischer Gedanke gewesen sein, weshalb sie den falschen Anschuldigungen eines gleichfalls schwäbischen Denunzianten nur zu bereitwillig Glauben schenkten. Dieser war selbst ein Jude, konvertierte später jedoch zum Katholizismus und wurde Diener eines Kardinals in Rom.

Grabmal des Ber Ulmo am jüdischen Friedhof Pfersee / Kriegshaber (Augsburg)

Einer der unschuldig Verhafteten war Ber Ulmo (1751-1837), auch bekannt als Bernhard Ullmann, der von 1781 bis zu seinem Tod insgesamt 56 Jahre lang Vorsitzender der jüdischen Gemeinde von Pfersee bei Augsburg war, die lang den Sitz des angesehenen und berühmten Rabbinats von Medinat Schwaben innehatte. Ber Ulmo begann noch in der Haft einen Bericht über die Verhaftung und Haftbedingungen zu verfassen und vollendete ihn wenige Wochen nach der Freilassung im Frühjahr oder Sommer des Jahres 1804.

Als im Jahre 1861 in Augsburg die Israelitische Kultusgemeinde formell durch den bayerischen König Maximilian II anerkannt wurde, übersetzte Ber Ulmos Sohn Jonas den Text seines Vaters in jüdisch-deutscher Sprache. 1928 fertigte Jonas Neffe Carl Jonas Ulmann von dieser jiddischen Fassung in New York eine englische Übersetzung und ließ sie als Privatdruck in einer kleinen Auflage von hundert Exemplaren drucken. Diese verschwanden im Laufe der Zeit. Nur einige wenige Exemplare befinden sich in Bibliotheken über den Globus verteilt. Ab und an taucht auch ein Exemplar im Onlineangebot eines Antiquariats auf.

Anhand einer Abschrift der hebräischen Handschrift ist es Yehuda Shenef gelungen, den hebräischen Text erstmals in deutsche Sprache zu übersetzen und dabei die Fehler der englischen Übersetzung zu vermeiden. Damit konnte ihm auch gelingen die wesentlichsten Protagonisten der Handlung zu ermitteln und den historischen Kontext der Handlung herauszuarbeiten. Neben den tatsächlich stattfindenden Fälscherprozessen jener Jahre ist dies insbesondere die parallel verlaufende Geschichte der Ansiedlung jüdischer Bankierfamilien aus Kriegshaber in Augsburg. Sie waren von den Verhaftungen nicht betroffen, beschafften den verschuldeten Augsburgern jedoch horrende Kreditsummen und erhielten als erste Juden seit dem Mittelalter die Garantie eines bleibenden Wohnrechts in der Reichsstadt, während in Pfersee die kostbare Talmudhandschrift abhandenkam, die als älteste fast vollständig erhaltene der Welt gilt und deshalb von zentraler Bedeutung für das Judentum ist. Ihr letzter bekannter jüdischer Besitzer war Ber Ulmo. Heute befindet sich die “Pferseer Handschrift” in der Bayerischen Staatsbibliothek in München.

Ber Ulmos Augenzeugenbericht ist ein authentisches Zeugnis jüdisch-schwäbischer Literatur aus der Umbruchzeit der Napoelonischen Kriege, in welcher unsere heutige moderne Welt ihre Gestalt annahmen. Seine Schilderungen bieten eine Fülle von Informationen aus erster Hand und ermöglichen es die moderne Geschichte der Juden in Augsburg unter anderen Gesichtspunkten zu sehen. Ein Muss für jeden historisch interessierten Leser.

Im Herbst 2012 als Buch mit Begleitkapiteln, Karten und Abbildungen erschienen im Kokavim-Verlag

Yehuda Shenef – Tage des Gerichts, der Bericht des Ber Ulmo

152 S. , 24.50 Euro

ISBN 978-3-944092-00-3

Erhältlich in jeder guten Buchhandlung oder online

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Tage des Gerichts - Der Bericht des Ber Ulmo aus Pfersee

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Ulm, Judenhof

August 31, 2012

An der Ecke Schlegelgasse, Judenhof stand eine mittelalterliche Synagoge in Ulm, die angeblich im Jahr 1349 zerstört worden sein soll. Jedoch gab es auch danach noch bis etwa 1500 eine jüdische Gemeinde in der Stadt.

In Ulm at the Judenhof near the famous Munster (pictures from year 2000) (Jews court” in medieval times was a synagogue, destroyed in 1349, as it is told. However until 1500 there was a Jewish community in medieval Ulm, which most likely had at least one other synagogue.


Der alte jüdische Friedhof von Ulm

June 10, 2012

Eine neue jüdische Gemeinde in Ulm entstand erst 1856, rund fünfzig Jahre nachdem Juden wieder offiziell in Ulm leben durften. Kurz davor, im Jahr 1854 erhielten die Ulmer Juden vor dem Frauentor am alten städtischen Friedhof eine eigene Abteilung. In den Jahren 1908 bis 1910 wurde direkt neben dem jüdischen Abteil des Friedhofs durch den renommierten Architekten Theodor Fischer (1862-1938) der voluminöse Neubau der evangelischen Garnisonskirche Sankt Paulus ausgeführt. Die Militärkirche mit ihren markanten etwa fünfzig Meter hohen Türmen sollte zweitausend Soldaten Platz bieten.

Heute stehen am Friedhof auf dem „jüdischen Teil“ der von der Mauer von der Kirche und vom Fahrrad- und Fußweg vom christlichen Teil des Friedhofs getrennt ist insgesamt 14 jüdische Grabsteine, von denen manche teilweise hebräische Inschriften aufweisen. Die Mischung aus deutschen und hebräischen Inschriften, bei welchen deutsche bereits dominieren, ist relativ typisch für sog. Reformgemeinden des ausgehenden 19. Jahrhunderts.

מתה שק ב חשון תרלח לפק

Wilhelmine Dreifuss

 geb. Erlanger aus Buchau

Der hebräische Text nennt Mina Frau des Abraham Dreifuss, gestorben am heiligen Schabbes, 2. Cheschvan 638. Das entspricht Dienstag, 9. Oktober 1877

 

Hier ruht

unsere liebe Gattin und Mutter

Linna Bach, geb. Schwarz

1848-1895

In der Blüte hast Du sie

Neidischer Tod, dir auserlesen

Gute sterben stets zu früh

Ach sie ist zu gut gewesen

(in her bloom you chose her, jealous death, the good always die too early, oh, how good was she!)

 

Hier ruht

mein geliebter zärtlicher

Gatte

Emanuel Erlanger

geb. in Buchau 8. November 1821

gest. in Ulm 31. August 1886

מת ביום א ראש חודש

אלול תרמו לפק

תנצבה

According to the Hebrew inscription Mr. Emanuel Erlanger passed away on the New Moon of Elul in the year 5646 of the Jewish calendar.

 

Grabstein ohne verbliebene Inschrift / Grave marker without ramaining inscription

in front: Albert Dreyfus, geb. 2. Oktober 1878, gest. 29. Dezember 1893, Ruhe sanft

Eva Levi, geb. Freund

geb. in Odenheim am 1. Mai 1831

verm. am 18. Jan. 1858

gest. am 22. Jan. 1890

(Eva Levi, nee Freund, born 1831, married 1858, died 1890)

 

Moritz Hirsch

geb. 30. April 1841, gest. 13. Jan. 1897

Heinrich A. Moos

geb. 10. August 1834, gest. 4. Dezember 1891

האיש בינימן בן משה צבי מאנן

נפטר ביום ו ע’ש’ק’ כ’ז כסליו

תרמו לפק

Benny Mann

Kaufmann

geb. 5. Februar 1845

gest. 24. Dezember 1886

Ruhe sanft

Binyamin ben Moshe Tzvi Mann, died on evening of Holy Shabbes, 27th of Kislev 5646

Der theueren Gattin, der guten Mutter

Sophie Hilb, geb. Schwab

geboren den 22. Juli 1850

verehelicht den 22. November 1870

gestorben den 26. Januar 1885

Johanna Kohn, geb. Ullmann

geb. 1. März 1861, gest. 25. Februar 1897

Karoline Nathan, geb. Steiner

geb. 2. Mai 1820, gest. 23. Mai 1895

Dem Auge fern, dem Herzen ewig nah

Unserm innigst geliebten Gatten und Vater

Arnold Nathan

geb. 3. März 1859, gest. 14. November 1894

(far from the eye, always close to the heart)

Kosman Erlanger

1824 – 1896

Although Jews were allowed to settle in Ulm again at the beginning of the 19th century, when Napoleon conquered the city and it became Bavarian for a decade, only in 1854 a Jewish cemetery was established as a section of the municipal cemetery of Ulm at Frauenstr. The cemetery was used until the end of the 19th century.

Today the old municipal cemetery is a public park. Only a small section (approx. 100 to 10 yards) is left as Jewish part next to St. Paul Lutheranian military church. There only are 14 grave markers, some have a few Hebrew lines.

grave markers at the larger Christian part of the old municipal grave yard of Ulm. A number of the Christian grave markers are protected from environmental influences.


Die alten jüdischen Friedhöfe von Ulm

June 6, 2012

In Ulm gab es zwei mittelalterliche und zwei neuzeitliche jüdische Friedhöfe. Der erste, mindestens seit dem späten 13. Jahrhundert bestehende befand sich im Bereich des späteren Neuen Tors, das wegen der Nähe zum Friedhof auch „Judentor“ oder „Judenturm“ genannt wurde. Ab 1315 ist außerhalb des Tors ein zweiter jüdischer Friedhof bekannt, der wohl bis zur Ausweisung der Juden aus Ulm im Jahre 1499 benutzt wurde.

Der Ulmer Stadtmaler Philipp Renlin notierte das Gelände in seinem 1597 fertig gestellten Stadtplan, der als ältester der Stadt Ulm gilt (http://www.ulm.de/sixcms/media.php/29/4_1_M1.pdf). Im Laufe der Zeit wurden bei Bauarbeiten immer wieder Grabsteine und Knochenfunde gemacht.

Im März 1987 wurden beim Bau des „Fernmeldeamts“ auf dem Gelände des jüngeren Judenkirchhofs 22 weitere Skelette gefunden, die zunächst in den Keller des Ulmer Museums gebracht und dann im jüdischen Teil des Friedhofs an der Stuttgarter Straße erneut beigesetzt wurden, dort allerdings anonym. Die Grabsteine der mittelalterlichen jüdischen Friedhöfe wurden wie andernorts von der christlichen Einwohnerschaft als Baumaterial missbraucht.

In der Ulmer Rabengasse 7 befindet sich an der Fassade ein kleiner hebräischer Grabstein, der auf Grund seiner Datierung zum zweiten der beiden mittelalterlichen Grabplätze gehören dürfte.

ציון

הלו לרא

מ חנה בת ר

תו ש’נ כ’ב

טבת ק’ד

תנצבה

Bezeichnet ist Chana, Tochter des namentlich abgekürzten Rabbi “Tu”. Die Vermutung, dass die Abkürzung für Tobias stehen könnte, ist nicht plausible, da der Name hebräisch  טוביה geschrieben wird, also mit einem anderen Buchstaben beginnt. Da andere bekannte Möglichkeiten ausscheiden, könnte es für Tuwal stehen, in der Tora erwähnt als Sohn des Lamech und Enkel des Kajin, nachdem er auch Tuwal-Kajin hieß und der als Stammvater aller Schmiede und Erzwerker galt. Ein  ר תובל wäre zwar gewiss ungewöhnlich, aber zumindest noch möglich, da andere mit תו beginnenden Namen für das 14. Jahrhundert nicht in Frage kommen. Das Kürzel  ש’נ ist sicher kein Bestandteil des Namens, sondern steht für שנפטר dem sogleich das Datum des 22. Tewet 104 folgt, was im christlichen Kalender Freitag, den 9. Januar 1344 entspricht.

Im Eingangsbereich des Ulmer Münsters befindet sich nun der wuchtige Grabstein der Mina aus dem Jahr 1288, also noch vom ersten mittelalterlichen Friedhof:

האבן  הזאת

שמתי  מצבה

לראש מרת מינה

בת ר יצחק הלוי

הנפטרת ביום  ו

כ’ו באלול מ’ח

לפרט לאלף השש

מנוחתה בגן עדן

אמן  א  א סלה

Diesen Sein setzte ich als Erinnerung zum Haupt der Frau Mina Tochter des Rabbi Jitzchak Ha-Levi, die verstarb am Tag 6, dem 26. Elul 48 nach der Zählung für das sechste Jahrtausend. Sie ruhe im Garten Eden. Amen, amen, amen, sela.“

Der 26. Elul im Jahr 5048 entspricht dem 26. August 1288 im christlichen Datum, jedoch war es ein Donnerstag (Tag 5) und kein Freitag (Tag 6), wie am Grabstein notiert. Wahrscheinlich starb Mina in der Abenddämmerung nach der im jüdischen Kalender die Tageszählung beginnt.

* * *

Weitere Grabsteine befanden sich in der Bauhütte des Ulmer Münsters.

ציון

הלו לראש

מרת מרים בת

ר שלמה שנפטרת

ביום ד כ’ה באייר

ס’ה לפרט לאלף

ששי …. מנו

בגן עדן עם ש

אמן אמן אמן סלה

Dieses Denkmal zum Haupt der Frau Mirjam Tochter des Rabbi Schlomo, die gestorben ist am Tag 4, 25. Ijar (im Jahr) 65 nach der Zählung für das sechste Jahrtausend. Sie ru(he) im Garten Eden … Amen amen amen sela“ (= Mittwoch, 19. Mai 1305)

 

* * *

הנפטר פה

קבר לאיש תם

… ברית לרב  …

גבר הוא שמעון

בר מנחם ז’ל נקב

בר ביום …

כ’ה סיון רנ’א

… חסד …

Der hier begrabene Verstorbene ist der bescheidene Mann … des Bundes … ein Held … es ist Schimon bar Menachem seligen Angedenkens begraben … am Tag … 25. Sivan 251 …“

Die nicht vollständig erhaltene Inschrift ist Schimon dem Sohn des Menachem gewidmet, der am 25. Sivan 5251 verstarb ( = Freitag, 3. Juni 1491). Es ist der letzte bekannte Grabstein aus den mittelalterlichen jüdischen Friedhöfen in Ulm. Acht Jahre später wurde die bereits stark geschrumpfte Gemeinde aufgelöst und die verbliebenen Juden der Stadt verwiesen.

 

Es folgt das eigentümlich gestaltete Fragment zur Erinnerung an Frau Brundlin, dessen Jahreszahl leider nicht erhalten blieb. Brundlin war die Gattin des Rabbi Jakob und starb am Schabbat, dem 20. Ijar. Da das Datum etwa dreimal pro Jahrzehnt auf einen Samstag fällt, blieben entsprechend viele Möglichkeiten zur Spekulation offen.

פה נקברה מרת ברונדלין

בת ר יעקב שנפטרת ביום

שבת עשרים באייר

Die Inschrift wurde mit einer Reihe anderer hebräischer Inschriften erhaltener mittelalterlicher Grabsteine bereits im Jahr 1849 durch den seit 1834 in Kappel bei Bad Buchau tätigen Chasan und jüdischen Lehrer Leopold Nathan Hofheimer (1810-1865) veröffentlicht.

Weitere von ihm genannte Inschriften:

 

ציון הלו לראש

ר משה בר גרשון

אשר נקבר כ’ב סיון יום ג

קל’ט לפרט תנצבה אמן סלה

Dieses Denkmal ist zum Haupt des Rabbi Mosche bar Gerschon der starb am 22. Sivan am Tag 3 (= Dienstag) (im Jahr)  139 …“ Das Datum entspricht dem 7. Juni 1379.

הישיש הנאמן הזקן

ר יוסף בר מנחם הנאסף

למנוחה יום מנוחה

ה’ כסליו שנת קכ’ו לפרט

Diese Inschrift erinnert an den „Ältesten und Greisen Rabbi Josef ben Rabbi Menachem der zur Ruhe gesammelt wurde am 5. Kislev des Jahres 126 nach der Zählung“ (= Donnerstag, 20. November 1365)

האבן הזאת שמתי לראש

ר קלונימוס בר שלומיאל

הנקבר תשרי יום א ק’מ’ד לפרט

תנצבה אמן אמן אמן סלה

 

Diesen Stein setzte ich zum Haupt von Rabbi Kalonimos ben Rabbi Schlumiel, der begraben wurde (im Monat) Tischri Tag 1 (des Jahres) 144 nach der Zählung …“

Das Datum Tischri 5144 stimmt mit dem Oktober 1383 überein. Es ist anzunehmen, dass in der Überlieferung der Tag des Monats verloren ging. „Tag 1“ bedeutet von der Formulierung den Wochentag nicht das Datum – das wäre im Fall des Tischri das Neujahrsfest und im Jahre 1383 wäre es zudem noch ein Schabbat gewesen – sondern den Wochentag. Da es zusätzlich zu Neumonden und dem wöchentlichen Schabbes im Monat Tischri mit dem Neujahrsfest, dem Versöhnungstag (Jom Kipur) und Suckot (Laubhüttenfest) keinen Mangel an Feiertagen (an denen keine Beerdigungen stattfinden dürfen) gibt, kommt als Datum fast nur der 23. Tischri in Betracht. Das wäre Sonntag, 20. September 1383.

Etwas eigenartig ist jedoch der überlieferte Name des „Schlumi‘el“ (שלומיאל), meist שלמיאל geschrieben und jiddisch deshalb “Schlemil” gesprochen. שלעמיל ist dabei zum Synonym für einen Menschen geworden, der scheinbar vom Unglück verfolgt wird, ein Pechvogel. Die oftmalige Verwechslung mit einem „Schlimasel“ erklärt ein geläufiger israelischer Witz:

מה ההבדל בין שלומיאל ושלימזל

… השלומיאל הוא המלצר שצלחת המרק הרותח נפלה מידו, והשלימזל הוא זה שהמרק נשפך עליו

Der Schlemil ist demnach einer, der als Kellner einen Teller mit heißer Suppe fallen lässt, ein Schlimassel hingegen wäre demnach der, welcher es abbekommt.

Wie dem auch sei, ist Schlumi’el ein, wenn auch wenig geläufiger Name, der erst ab dem 19. Jahrhundert (Heine, etc.) seine „witzige“ Note bekommt. In der Überlieferung gilt Schlumiel ben Zur-Schadai als ursprünglicher Name von Simri ben Salwa, der von Pinchas erschlagen wurde (siehe 4. Moses 25.14 במדבר). Als Oberhaupt des Stammes Schimon hatte er sich mit einer Moabiterin eingelassen.

Leopold Nathan Hofheimer, der Sohn des Hoffaktor David Zwi Hirsch Hofheimer (1780-1832) und Hendle Hirschfeld (1780-1855), einer Nichte des Arztes und Sexualforschers Magnus Mordechai Hirschfeld (1868-1835), der als Wegbereiter der Homosexuellen-Bewegung gilt, hat noch einen weiteren hebräischen Grabstein aus dem Ulmer Mittelalter überliefert.

 (ןה)לרא)ש ר אליקום בר יהודה הכו)

שנפטר י’ד באלול יום ב קי’ח לפרט

תנצבה עם צדיקים בגן עדן

“ … (zum Hau)pt von Rabbi Eljakum ben Rabbi Jehuda Ha-Ko(hen), der verstarb am 14. Elul, Tag 2 (Montag) (im Jahr) 118 nach der Zählung … seine Seele sei eingebunden im Bund des Lebens mit den Gerechten im Garten Eden.“

Das Datum des 14. Elul 5118 entspricht dem 19. August 1358.

* * *

Augsburg und viele andere Städte in Deutschland und Europa sind mit Ulm vor allem durch die weitverbreitete in der Mitte des 15. Jahrhunderts zunächst von Augsburg nach Ulm gewanderte, nach 1500 überall verstreute Familie der Ulmo-Günzburg verbunden, von denen einige wenige Generationen später nach Pfersee vor die Tore der alten Heimatstadt Augsburg zurückkehrten. Ihre Nachkommen leben heute in aller Welt.

The Jewish history of Ulm is closely related to the Augsburg one. Not only because in earliest time there were a number of inter marriages between Ulmer and Augsburg Jews as well as scholars from Ulm who became rabbis in Augsburg and the other way around, but also because a considerable number of Jews who had to leave Augsburg about 1440 moved to Ulm. After the following expulsion from Ulm some sixty years later they settled in the area between the two cities of their origin. A number of them adopted the name Ulmo, which usually is referred to the City of Ulm, but also has another religious meaning in Hebrew. The Ulmo – Ginzburg family, which is widespread in whole Europe and the world today, also re-settled in Pfersee about one mile away from the Imperial City of Augsburg.

In Ulm there were two medieval Jewish cemeteries (Judenkirchhof) next to the former “Neues Tor” (New Gate, which does no longer exist), which therefore also was called the “Jews Gate” or “Jews Tower”. After the expulsion from Ulm, the tomb stones – as in many other cities – were mis-used by the local Christian inhabitants as building material, for instance for the later famous Ulmer Minster, for the city fortification or as decorations at houses, etc. Time and again construction works bring further fragments from our Jewish past into light as well as bones and skulls as it happened in 1987 when skeletons of 22 Jews buried at the medieval 14th to 15th century cemetery were “dis-covered” and later buried at the Jewish section of the new municipal cemetery.

Ulmo grave marker from Pfersee (1695) at Pfersee/Kriegshaber cemetery in Augsburg

 


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