Antisemitismus im Lebkuchen-Haus ..?


Prof Wolfgang Benz AugsburgProf. Wolfgang Benz beim Vortrag in Augsburg (*)

Sozusagen als Nachschlag zur am Wochenende im „Kreuzgang“ von St. Anna zu Ende gegangenen Ausstellung zu „Josel von Rosheim“ hielt Prof. Wolfgang Benz (geb. 1941 in Ellwangen), „Emeritus der TU Berlin und bis 2010 Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung der TU Berlin“ den Vortrag „Judenbilder. Vom christlichen Antijudaismus zurzeit Josel von Rosheim zum Rassenantisemitismus“ in welchem er die bekannten Stereotypen vor seinen 58 Zuhörern Revue passieren ließ.

Vom ominösen „Gottesmord“ über die Behauptung, Geldleihe und Pfandgeschäfte seien ein „jüdisches Monopol“ gewesen, fehlte keines der sattsam bekannten Klischees. Zur Illustrierung zitierte der Historiker schließlich auch den Romanzier Lion Feuchtwanger. Immer wieder zu klären und zu erklären, sei laut Professor Benz die Frage, ob die Juden nun selbst schuld seien, dass man sie überall nicht mag oder ob die Mehrheitsgesellschaft ihre Feindbilder auf Kosten der Minderheit konstruiere.

Josel von Rosheim Ausstellung Augsburg Anna Kirche“… zwischen Einzigartigen und Universellen” (*)

Heute, so machte Prof. Benz wiederholt und ganz unmissverständlich klar, sei Antisemitismus aber in etwa „die am meisten geächtete Anschauung in Deutschland“ und niemand stelle sich vor eine Menge und behaupte, er sei ein Antisemit. Damit hat der emeritierte Forscher freilich recht und nicht nur, weil auch er es nicht tat. In der Tat ist es eine Rarität, dass vereinzelte genital-fixierte Damen sich semi-anonym hervorwagen und allenfalls vielleicht im Internet zum Stolz alter Tage zurückfinden, wenn sie „Antisemit“ als „Menschenrechtler“ und als „wunderbares Lob“ proklamieren (siehe: http://jhva.wordpress.com/2013/10/03/beschneidung-im-europarat-kampf-bis-aufs-messer/#comments) . Im sog. „real life“ wo „die Medien“ von „den Juden“ kontrolliert würden, kann man damit nicht punkten, zumindest hierzulande nicht, derzeit.

Aber was heißt es nun, wenn „der Antisemitismus“ sozial geächtet in der Öffentlichkeit nicht als solcher in Erscheinung tritt? Dass es ihn nicht gibt? Dass er wie seitens periodisch auftauchender Untersuchungen nur „latent“ (im lateinischen Wortsinn also <hinter Ziegeln> „versteckt“) vorhanden sei, zugemauert. Ebenso “latent” vorhanden dürften auch HJ-Bilder vom Opa sein oder Arisierungsgewinne, versteckt eben, hinter Mauern … des Schweigens oder aus Lebkuchen.

Natürlich ist es relativ einfach, sich in Opposition zu mittelalterlichen Vorstellungen zu positionieren und ungläubig den Kopf zu schütteln, wie man „damals“ nur so dumm sein konnte, Menschen unschuldig zu verurteilen und zu bestrafen. So als gäbe es das heute nicht mehr.

Was aber nutzt beispielsweise der Vortrag, wenn Übereinkunft darüber besteht, dass sich niemand offen zu seinem Antisemitismus bekennt, aber man ganz gewiss darüber ist, das wenigstens jeder Fünfte der „Anderen“ ihn hinter seinen Mauern versteckt hält, wie einen Schatz, der irgendwann vielleicht mal auch wieder an Wert gewinnt.

Würde ein heimlicher Antisemit etwa die Gemäuer eines Hauses betreten in welchen ein Vortrag über Antisemitismus gehalten wird, um sich über den aktuellen Stand der Forschung dazu zu informieren? Klar, warum eigentlich nicht? “Outen” muss sich ja nicht, weil niemand sich outen muss, weil alle davon ausgehen, dass sich eh keiner outen muss. Das ist so wie mit der Homosexualität im Iran. Es gibt sie nicht, sie ist nur zionistische Propaganda.

Wenn jeder fünfte Deutsche seinen Judenhass hinter (verbalen?) Mauern versteckt und kaschiert und diese Behauptung (sozial)wissenschaftlich belegbar ist, betrifft dies dann auch das Publikum solcher Vorträge, die Veranstalter, die Redner? Sind Juden etwa davor gefeit Antisemiten zu sein?

Wenn die Behauptung, kein Antisemit zu sein, als solche keine Bedeutung hat, weil niemand sie gebraucht, verschwimmen die Konturen und die Latenzmauer wird brüchig und ermöglicht (ungewollte?) Einblicke und damit auch Bezüge zur Gegenwart.

Die Regierung Netanjahu nicht zu mögen, so Benz, sei kein Antisemitismus. Auch das stimmt, obwohl mit einer solchen Aussage nun wirklich niemand widerlegt wird, da kein Likudnik einen solchen Schmarrn behaupten würde. Schon viel eher könnte jemand, der Obama nicht mag als “Rassist” verdächtigt werden, sicher niemand, der Netanjahu “ablehnt”. Antisemitismus sei es aber, wenn man sage, die Israelis behandelten die Palästinenser wie die Nazi die Juden. Geschenkt, nur, dass selbsternannte Israel-Kritiker nicht nur Netanjahu ablehnen, sondern auch an allen anderen jeweils aktuellen Regierungen des Judenstaates Kritik übten (freilich ohne sich dabei qualitativ zu verbessern). Auch Rabin wurde von deutschen Medien mit den Nazis verglichen, als er 1992 Hisbollah-Kämpfer in das damalige “Niemandsland” abschieben ließ. Da war plötzlich von Deportation die Rede und aus dem Südlibanon wurde in deutschen Redaktionsstuben Treblinka gebastelt. Der tote Rabin wurde natürlich idealisiert.

Jemanden, der sich längerfristig mit solchen Phänomenen beschäftigt, hätte das auffallen können. Vielleicht war aber keine Zeit, hier ins Detail zu gehen.

Prof Wolfgang Benz Hänsel und Gretel AugsburgMultifunktions-Raum: Prof Benz, Hänsel und Gretel Aufbauten, Publikum, Weihnachtsbaum

Stattdessen ließ Prof. Benz immer wieder seine mahnende These anklingen, „den Islam“ in der Rolle des Judentums zu sehen. Wie „früher“ die Juden in Deutschland durch den Antisemitismus, seien heute Muslime durch eine verbreitete „Islamophobie“ zahlreichen „Vorurteilen“ und “Anfeindungen” ausgesetzt. Ob es nach 2400 Jahren jüdischer Geschichte in Europa, 200 Jahre nach Feitel Itzig, 70 Jahre nach Streicher bezüglich Juden in Deutschland noch Vor-Urteile geben könnte, ist eher zweifelhaft, da in etwa alles was gesagt werden kann, schon mal gesagt wurde, das meiste schon tausendfach. Die Begriffe die mit „Jude“ verbunden werden sind fast schon märchenhaft. Die lange Nase des Juden, die krumme Nase der Hexe. Geldgier, fliegende Besen, außer Kröten nichts gewesen.

Ob Muslime in Deutschland tatsächlich genau in derselben Weise auf Ressentiments stoßen wie Juden und nicht wie etwa Inder, Vietnamesen oder Schwarzafrikaner, ist eine ebenso abwegige wie „mutige“ Behauptung – aber letztlich für das Thema „Antisemitismus“ völlig überflüssig.

Ausdrücklich auf den Islam als Religion bezogene Anfeindungen, die frei von Rassismus wären und nicht mit ihm verwechselt werden könnten, dürften, so sie „rechtsextrem“ motiviert sind, kaum vorstellbar sein. Dass islamistischer Terror in aller Welt aber auch reale negative Reaktionen hervorruft und dem allgemeinen Ansehen des Islams abträglich ist, sollte nicht zu sehr verwundern und … gerade Deutschen nicht so ganz fremd sein. Immerhin kennen sie zumindest das Klischee, Deutsche als Nazis zu pauschalisieren. Aber eine populäre Variante, die immer wieder zu hören und zu lesen ist, wäre: man wird doch Israel kritisieren dürfen, ohne als Antisemit zu gelten. Nein, warum? Nutzte das denn wem?

Also bleibt es dabei: Nicht alles was hinkt ist ein Vergleich, außer man wollte den im Vortrag und in der nachfolgenden Frage-Antwort-Runde etwa 13 mal genannten „Gottesmord“ als eine Art „9/11“ stigmatisieren.  Sicher, es stimmt auch, dass es strukturelle Ähnlichkeiten gibt zwischen Autodiebstahl und Wohnungseinbrüchen, aber was wollte man daraus schlussfolgern? Kausalität und Korrelation sind nun mal nicht dasselbe, es zu suggerieren ist unprofessionell, allenfalls. Trotzdem ist die Positionierung nicht zufällig, gehört  Benz doch auch zum wissenschaftlichen Beirat des seit 2010 herausgegebenen „Jahrbuch für Islamophobieforschung“ (JfI).

Um seinen Standpunkt zu veranschaulichen erzählt der Professor eine Anekdote von seinem neulichen Zahnarztbesuch, wo ihm die Zahnarzthelferin, … eine (Zitat:) „Muslima“ davon berichtete, dass ihre Tochter einen katholischen Kindergarten besuche. Von da nun sei sie eines Tages alarmiert nach Hause gekommen und habe der Mutter berichtet, wer denn nun „die Schlimmsten von allen“ sein. Nachon, „die Juden“. Das Erzählmuster: Die weltoffene „Muslima“ begegnet Antisemitismus offenbar nur durch die Indoktrination, die ihr Kind im katholischen Kindergarten erhält. So jedenfalls suggeriert der Professor den Stand seiner aktuellen Antisemitismus-Forschung im Spätherbst 2013. Das muss man nicht weiter ernst nehmen.

 * * *

Prof Wolfgang Benz Vortrag 2013

Prof Wolfgang Benz

* * *

Es mochte also gute Gründe gehabt haben, dass der Redner nicht die eigentliche Bühne benutzte, auf welchen sich Kulissen zur Aufführung eines Hänsel & Gretel – Stückes befanden. Eine Hütte mit Lebkuchenherzen, die Nachbildung eines Ofens und dazwischen eine Anzahl von Tannenbäumen. Abseits der Bühne stand ein weiterer Tannenbaum, behangen mit roten und silbernen Kugeln, einem etwa zweihundert Jahre alten Brauchtum folgend ist dies der sog. Weihnachts- oder Christbaum. Die Kugeln sollen an Äpfel erinnern, die gemäß dem Wikipedia-Artikel dazu „damals“ teurer gewesen seien als die Glaskugeln, vielleicht waren letztere aber auch nur leichter herzustellen.

Die Aufbauten nun zeigten, das, wie viele wissen, es durchaus möglich ist, unterschiedliche Arrangements und Elemente in einen Raum zu präsentieren, ohne dass man sie zwangsläufig verbinden muss. Ist die Tannenbaumgruppe nun Hänsel & Gretel gewidmet, so der weitere Tannenbaum dem Weihnachtsfest – und allenfalls ein orthodoxer Jude könnte das verwechseln. Und tatsächlich entstammt die Geschichte von Hänsel und Gretel auch keinem bekannten der dutzenden apokryphen Evangelien, sondern ist etwa seit 1810 überliefert, u.a. von den berühmten Gebrüdern Grimm, aber auch in der Sammlung des etwas in Vergessenheit geratenen Ludwig Bechstein (1801-1860).

St. Anna Augsburg Prof Benz Vortrag Hänsel und Gretel 2013

  Hänsel und Gretel Bühnenbild

Die Erzählung hat jedoch einige Anklänge an die hebräische Geschichte des Josef und kann erzähltechnisch vielleicht als deutsches Gegenstück dazu angesehen werden, wenigstens stimmen einige hauptsächliche Elemente der Erzählung überein: Hungersnot, Kindsaussetzung, Lebensgefahr, Gefangenschaft, wundersame Rettung.

 Hänsel und Gretel wurden von ihren Eltern im Wald ausgesetzt, weil sie sie nicht ernähren konnten, bzw. die wenige vorhandene Nahrung nicht mit ihnen teilen wollten. Die Absicht der Eltern (in den neueren Fassungen wird aus der bösen Mutter die Stiefmutter) war den Kindern durchaus bekannt, weshalb sie auf den Weg in den Wald Spuren legten, mittels kleiner Steine, womit sie zum Leidwesen ihrer Eltern den Weg wieder zurück fanden. Als sie beim dritten Versuch den Weg mit den Krümeln einer Brotscheibe markierten, wurden diese von Vögeln gefressen und als der Vater sich von dannen machte, verirrten sich die Kinder endlich doch im Wald.

Schließlich gelangten sie aber wieder zu einem Haus und dieses soll aus „Brot, Zucker und Kuchen“ bestanden haben (… wäre es nun eine jüdische Story, wäre das Haus aus Matzen und die Kinder wären unwillig weitergezogen) . Das wahrscheinlich nicht nur in Punkto Statik bemerkenswerte „Lebkuchen-Haus“ gehört nun einer „Hexe“, einer Frau, die das Zuckerzeug vielleicht satt hatte und wohl spontan entschied, dass ihr Kinderfleisch auch mal schmecken mochte. Sigmund Freud könnte hier erklären, warum die alleinstehende Frau das Mädchen Gretel als Gehilfin beschäftigte, den Jungen Hänsel aber in einem Käfig gefangen hielt und nicht umgekehrt oder beide einschloss. Vielleicht hat es mit dem Begriff des “Hänselns” zu tun, den des “Gretelns” scheint es nicht oder nicht mehr zu geben. Letzteres tat sie um den Knaben zu mästen, das heißt mittels Nahrung soweit zu füttern, dass dieser ihr als nicht näher definierter Braten schmecken mochte. Dem Anschein nach kam die Frau also nicht aus Kalifornien und hatte keine Cholesterin- oder Fett-Phobie. Wie dem auch sei, der Bub war ihr offenbar zu mager. Dazu passt vielleicht auch die deutsche Redeweise, jemand sei „nur eine halbe Portion“.

Keine der Erzählvarianten ist in sich schlüssig und in Bezug auf das Alltägliche auch nicht an Einzelheiten interessiert. So wird der Junge zwar überreichlich gefüttert – und wir nehmen an, dass sich hinter dem Lebkuchen-Haus ein „Aldi“ -Markt befand (mit etwas mehr Glück vielleicht auch ein „Perfetto“) oder dass thailändische Asylbewerber Pizza, Döner oder Nasi Goreng herankarrten – aber wir erfahren nichts über scheinbar vernachlässigbare Haftbedingungen wie Notdurft, Körperpflege und dergleichen.  All dies geschieht latent, d.h. im Verborgenen, hinter Ziegeln aus Marzipan. Und da dem so ist, lässt sich die Frau dadurch täuschen, dass der Junge ihr durch das Gitter des Käfigs Knochen entgegenstreckt, ohne dass gesagt wird, um welche Knochen es sich eigentlich handelt (vielleicht stammen sie von einem früheren Kind oder sie symbolisieren etwas, einen Apfel vielleicht oder eine Glaskugel?). Das verbreitete Klischee der Hexen als „weise“ Frauen war den Übermittlern der Geschichte offenbar noch nicht geläufig, aber vor Klischees sollten wir uns ja nun hüten, zumal sich ja auch Isaak durch ein Fell täuschen ließ.

Die weniger kluge Hexe schloss nun aus dem Betasten der durchgereichten Knochen, dass Hänsel noch nicht zur Schlachtreife gekommen sei. Als der Junge dann doch kräftig geworden war, sollte er nun in den Ofen geschoben werden, offenbar bei lebendigem Leibe, zumindest erfolgt keine vorausgehende Schlachtung und über die anvisierte Zubereitungsart erfahren wir … nichts. Mit der aktuellen Flut an TV-Koch-Shows gäbe es da keine Engpässe. So aber herrschte Schweigen im Märchenwald.

Gretel nun schob die Hexe beim Einheizen in den Ofen. Hänsel wurde befreit und die Hexe sogleich bestraft. Und die Moral von der Geschicht‘ ? Brate kleine Kinder nicht.

Zwar mangelt es der Geschichte, die es in zunächst unterschiedlichen Varianten gibt, in welchem „die Hexe“ auch schon mal „der Wolf“ sein kann (wodurch der Plot aber auch nicht plausibler wird), wie gesagt in mancherlei Hinsicht an der simpelsten Logik, trotzdem oder vielleicht auch deshalb hält man die Erzählung und Aufführung offenbar für „kindgerecht“. Und wahrscheinlich gefiele sie auch der Tochter der Zahnarzthelferin. Sollte sie ihrer Mutter aber erzählen, dass die Frau im Lebkuchenhaus ein Jüdin war, wäre es vielleicht besser den Kindergarten zu wechseln. So nun aber bleibt der Ofen in dem die Hexe den kleinen Hans braten wollte als märchenhafte Anspielung auf die Krematorien der Nazi-Lager  (von denen sich der zynische „Holocaust“-Begriff ableitet), im Raum stehen, während andere Bezüge zum Vortragsthema „Antisemitismus“ nicht ganz so offensichtlich sind.

* * *

Fast siebzig Jahre nach der Niederlage der Deutschen gibt es zumindest ein paar wenige Punkte zum Anhalten, die man abseits des Märchenwalds auf der Weihnachtsinsel zur Kenntnis nehmen darf, wenn man will:

Die Mehrzahl der antisemitischen Straftaten in Deutschland werden von Muslimen begangen, während die Mehrzahl der Antisemitismus-Forscher Christen sind, die für Toleranz gegenüber Muslimen werben und vor einer Pauschalisierung warnen.

Okay hingegen ist es, israelische Regierungen abzulehnen.

 Und nun? Jede Epoche hat ihre Sprachgeschichte – und Denkmuster. Das zeigten auch Vortrag und Erörterung. Wie schon so oft bleibt aber festzuhalten, dass nur ganz wenige der Anwesenden jünger als 53 Jahre alt sind und dass bestimmte Denk- und Interpretationsweisen der Geschichte, sich wie jede ihrer Vorgänger irgendwann von selbst erübrigen.

Auch im 2013 gedrehten Film Hänsel & Gretel des jungen norwegischen Regisseurs Tommy Wirkola werden „Hänsel & Gretel“ von ihren Eltern im Wald ausgesetzt, dann jedoch „Witchhunter“, zu Hexenjägern also, wobei ein Teil der Handlung sogar in Augsburg spielt, aber in Bamberg gedreht wurde. Wo es sich um Stereotype handelt, sind Details und Quellen bekanntlich eher nachrangig. Es reicht das Klischee, das Exemplarische, das „Gefühl“. Mehr ist auch nicht zu vermitteln, da in Veranstaltungen dieser Art offenbar immer nur elementarte Einführungen gegeben werden können … und sollen.

* * *

oh LORD won’t you buy me

a Professor Benz?

my friends all read Broder

I must make amends

pray hard all my lifetime

no help and no grants

so LORD won’t you buy me

a Professor Benz?

 Photos: Margit Hummel, Yehuda Shenef (*)

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12 Responses to Antisemitismus im Lebkuchen-Haus ..?

  1. Herbert Brunner says:

    Das mit der Islamophobie müssen Sie verstehen. Die deutsche Politik fühlt nicht nur gegenüber den Juden eine Schuld, sondern auch gegenüber den Palästinensern. Letzteres weil die Deutschen den Arabern die Juden eingebrockt haben, so zumindest die feste Überzeugung. Die Holocaust-Überlebenden werden immer weniger, die Palästinenser werden immer mehr. Deswegen ist es absehbar, dass in der deutschen Politik die Stimmung in ein paar Jahren schon leicht kippen wird.

    Im Reinen mit der Geschichte wird man erst sein, wenn Bundeswehr im Rahmen einer Friedenstruppe Palästina befreit und und den besiegten Israelis humanitäre Aufbauhilfe leisten kann.

    Wahrscheinlich wird das alles nie so kommen, oder letztlich anders ausgehen, aber die Stimmung und Hoffnung ist spürbar.

  2. Andrea says:

    Ich versuche gerade irgendwie einen Zusammenhang zwischen Hänsel und Gretel, Janis Joplin und dem Vortrag herzustellen.

    Noch schwieriger wird es für mich die Kurve zum Antisemitismus, Islam und nach Israel zu kriegen…

    Die Jüdin im Lebkuchenhaus lässt mich fast verzweifeln.

    Recht kopflastig. Aber als Plus werd ich morgen im Auto mal wieder Janis hören ;-)

    • yehuda says:

      Da Du den Vortrag nicht gehört und das Ambiente nicht mitbekommen hast, bleibt Dir wohl nichts anderes übrig, als Dich auf die Musik zu beschränken, wenn Dir der Bericht zu kompliziert ist, passt auch das zur Absicht des Autors. ;-) Den alternativen Text kannst Du ja lesen.

  3. Erwin F. says:

    Ein paar Anmerkungen zu Ihrem polemischen Kommentar.

    1. Was hat die Hänsel-und-Gretl-Dekoration mit dem Vortrag zu tun? Was kann Prof. Benz denn dafür?

    2. Der Gottesmord-Vorwuf seitens der Kirchen hat tatsächlich zur Verfolgung der Juden beigetragen und ist noch heute die wesentlichste Quelle des Antisemitismus. Wie wollen Sie das bestreiten?

    3. Auch der Hass gegen Muslime existiert und ist weit verbreitet. Warum soll sich die geschichte widerholen, wenn man es rechtzeitg verhindern kann. Von einer Ausgrenzung von Muslimen profitiert kein einziger Jude in Deutschland.

    4. Das Märchen ist doch die Behauptung, dass berechtigte Kritik an der falschen Politik der israelischen Regierung “antisemitisch” motiviert wäre. Wer Freunde auf Fehler hinweist ist kein Feind, sondern ein wahrer Freund. Das ist die Lektion aus der Geschichte.

    5. Was müsste man ihrer Meinung denn eigentlich noch tun, um nicht als Antisemit beschimpft zu werden?

    • yehuda says:

      Vielen Dank für Ihre Fragen:

      1. Das nennt sich “Synchronizität“ (Gleichzeitigkeit). Prof. Benz als „kritischer Denker“ wunderte sich nicht darüber, war also damit vertraut. Trotzdem korrespondiert das für alle sichtbare Arrangement in der Metaphorik: “Latenz” heißt wörtlich “hinter Mauern versteckt” und das Lebkuchenhaus ist berühmt für seine Lebkuchen-Mauer.

      2. Das sind sozusagen „christliche Bauchschmerzen“ (Leibowitz). Für Islamisten ist das offenkundig kein Thema, auch nicht für Rassisten. Das irgendwelche Kirchen-Grantler so denken, wissen Sie bestimmt besser, relevant für die Gesellschaft ist es eher nicht.

      3. Antisemitismus in Deutschland ist in erster Linie ein islamisches Element, weshalb auch linke und rechte Extremisten als Palästina-Trittbrettfahrer auftreten. Abgesehen von diesem Konfliktfeld steht die islamisches Kultur der jüdischen näher als der christlichen.

      4. Freunde, die im Streitfall die Argumente Ihrer Feinde übernehmen und als deren Fürsprecher auftreten, sind keine solche. Stellen Sie sich vor, bei einem Rechtstreit würde Ihr Anwalt die Arguemente Ihres Gegners vortragen. Würden Sie sich freuen? Die Gage verdoppeln, als Lohn für die „Hilfe“? :-)

      5. Argumentieren Sie zur Abwechslung mal PRO Judentum, PRO Talmud, PRO Zionismus – was die übergroße Mehrheit der Israelis IMMER SCHON hinbekommt, und Sie wären auf der sicheren Seite. Auf der Seite der Guten.

      Wenn Sie sich aber immer nur an Leuten orientieren, die in Israel allenfalls eine radikale, ggf. gewaltbereite Minderheit repräsentieren, können Sie doch nicht allen Ernstes Beifall erwarten ..? :-)

      • Scholz says:

        Eben!

        Die auch so “wir wollen einseitig Israel kritisieren, aber nicht Antisemiten genannt werden, bitte helfen Sie uns als Jude dabei” – Schlaumeier brauchen einen ganz simplen Ratschlag:

        >>Kritisieren Sie die Palästinenser<<

  4. Schwaben-Gerd says:

    Henryk Broder meinte mal sarkastisch, dass Antisemitismus bei 6 Millionen toten Juden anfängt, alles darunter sei „Friedenspolitik“.

    Der Vortrag von Benz war langweilig und irgendwie überflüssig. Sein eigener Beitrag waren seltsame Anekdoten, wie Ihnen ja auch schon richtig aufgefallen ist, die immer die Pointe hatten, dass sie pro-islamisch endeten. Nichts gegen Muslime an sich, aber muss man einen Vortrag über Antisemitismus für solche Geschichten missbrauchen? In der Auschwitz-Gedenkstätte wurden erst zwei Muslime mit Hitler-Gruß festgenommen, am Augsburger Dom stand erst letzte Woche auf Arabisch “Allahu akbar”. Wie man früher zur Beschwichtigung der Rechtsextremen sagte, heißt es heute zu den Islamisten: nur Einzeltäter, dumme Jungen, schuldunfähig, schwieriges Elternhaus, ohne Ideologie, keine Al Kaida-Mitgliedschaft, …

    Benz ist ein alter Mann, der die Realität nicht mehr überblickt.

    Ihnen gehört die Zukunft, machen Sie weiter so. Das macht auch anderen Mut.

    Gerd (übrigens U 53)

  5. gunnerjoshua says:

    Best score for the illustrious take home message:

    „Fast siebzig Jahre nach der Niederlage der Deutschen gibt es zumindest ein paar wenige Fakten, die man abseits des Märchenwalds auf der Weihnachtsinsel zur Kenntnis nehmen darf, wenn man will:

    Die Mehrzahl der antisemitischen Straftaten in Deutschland werden von Muslimen begangen, während die Mehrzahl der Antisemitismus-Forscher Christen sind, die für Toleranz gegenüber Muslimen werben und vor einer Pauschalisierung warnen.

    Okay hingegen ist es, israelische Regierungen abzulehnen.“

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